Daily Trek Cast & Crew Focus & Background Franchise & Fandom
Star Trek Into Darkness Star Trek XI Enterprise Universum
SF-Zone Raumfahrer.net
GameZone Literatur
Trek BBS Quark's Bar Star Trek Rollenspiel

Seitenoptionen



News & StoriesSerien & FilmeScience & FictionMediaCommunity

Portal Facebook Twitter YouTube Flickr Chat Trek BBS

 
Daily Trek News
SF-Zone News

Jörn Podehl (jp), Julian Wangler (jw)10.11.05

"Eine neue Ära"

Michael A. Martin & Andy Mangels

Inhalt

Captain Riker hat sein erstes, eigenes Kommando und steht kurz davor, mit der neuen U.S.S. Titan auf eine lange Mission in den Orion-Arm der Milchstraße aufzubrechen. Aber es kommt alles anders, als er den Befehl erhält, einen Rettungskonvoi nach Romulus zu begleiten.

Admiral Akaar - langjähriger Veteran der Sternenflotte - befindet sich an Bord des Schiffs und gibt Riker das Gefühl, dass ihm die Kommandostruktur auf der Titan nicht gefällt. Nach einigen Differenzen zwischen Akaar und Riker stellt sich heraus, dass die humanitäre Hilfe für die Romulaner nicht der einzige Grund ist, warum die Titan in das Romulanische Reich fliegt: Die Sternenflottencrew muss einen eingeschleusten Spion befreien, bevor er entlarvt werden kann. Denn sollte der Agent von feindlichen Kräften gefunden werden, würde es bei den schleppend laufenden Friedensverhandlungen unter den konkurrierenden Parteien auf Romulus zu großen Problemen kommen und alle Bemühungen, Stabilität in das System zu bringen, zunichte machen.

Doch bei einem Rettungsversuch des Spions kommt es zu Komplikationen, während sich remanische Kriegsschiffe im Orbit um Romulus enttarnen und mit der Eroberung von Landteilen des Planeten beginnen. Sie beharren darauf, Kolonien auf Romulus zu errichten, was die Romulaner jedoch mit allen Mitteln verhindern wollen.

Captain Riker steht vor einem Dilemma. Egal für welches Volk er Partei ergreift: Er würde auf der falschen Seite stehen...

Hörbuch-Kritik

Julian Wangler

Hörbuch "Star Trek: Titan - Eine neue Ära"
Man mag das Phänomen als Bandwaggon-Effekt bezeichnen oder auch als Mitläufertum. Sicher ist, dass hinter der Wortwahl in jedem Fall ein handfestes wirtschaftliches Faktum steht: Nach den unerwartet guten Verkaufszahlen der vom Cross Cult Verlag seit 2008 übersetzten Romanreihen "Vanguard", "Titan", TNG- und DS9-Relaunch haben offenbar auch andere Marktteilnehmer der literarischen Branche die Chance erkannt und möchten sich am Erfolg berauschen.

Doch nachdem Heyne vor Jahren das belletristische "Star Trek"-Handtuch geworfen hat, ist Cross Cult jetzt der Platzhirsch. Der kleine Stuttgarter Verlag ist angekommen bei seinem Vorhaben, sich als neues Heimatuniversum für Unterhaltungsromane und Comics des Franchise zu etablieren. Da exklusive Lizenzverträge hierbei eine Rolle spielen, genießt Cross Cult - nach der Herausgabe des "Star Trek XI"-Filmromans zumal - eine Art Monopolstatus.

Aber bekanntlich gibt es ja verschiedene Formen der Marktdifferenzierung. Dessen ist sich auch das Webportal Audible.de bestens bewusst, das seit Jahren spezialisiert ist auf Hörbücher. Als man mit dem Cross Cult Verlag im Herbst 2009 den Kuhhandel schloss, zunächst die "Titan"-Reihe als Hörbuch herauszubringen, hatten die Verfügungsgewaltigen bei Audible vielleicht mehr als nur das Ziel, an den Erfolg der "Star Trek"-Literatur anzuknüpfen. Audible steht seit einer Weile in dem Ruf, nur durchwachsene Audiobooks anzubieten, wobei sich der Vorwurf besonders auf die Hörqualität bezieht. Was läge also näher, als allen Kritikern das Gegenteil zu beweisen und sich mit einem veränderten Portfolio eine neue Kundschaft zu erschließen?

Im Folgenden soll auf das Hörbuch zum ersten "Titan"-Buch "Eine neue Ära" eingegangen werden, das Ende 2008 von Cross Cult übersetzt wurde und eine Sprechlaufzeit von zirka zwölf Stunden hat. Da inhaltliche Aspekte - auch bezüglich der englischen Originalversion - bereits in den anderen TrekZone-Network-Rezensionen zur Genüge behandelt wurden, konzentrieren wir uns auf die konkrete Hörbuchumsetzung und formale Kategorien.

Anders als bei gewöhnlichen Audiobooks spielt der Wiedererkennungswert eines "Star Trek"-Hörbuchs eine besondere Rolle, kommt anders doch kein richtiges Feeling auf. Deshalb stehen die amerikanischen Hörbücher zu diesem Thema in der langjährigen Tradition, entweder von Schauspielern oder wenigstens prominenten Autoren der "Star Trek"-Szene gesprochen zu werden. Audible brauchte sich daran bloß ein Vorbild zu nehmen: Für die "Titan"-Serie war klar, dass die einzige Person, die als Sprecher in Frage kommt, die langjährige Synchronisationsstimme von William Riker, dem neuen Captain der U.S.S. Titan, sein muss: Detlef Bierstedt.

Bierstedt, gebürtig aus der DDR stammend, blickt heute auf eine Vielzahl von TV- und Hörspielsynchronisationen zurück, sodass man ihn zweifellos zu den Professionellen der deutschen Übersetzungs- und Sprachwerkstatt zählen kann. Seine Spreche ist von Sanftmut geprägt - und er hat Wiedererkennungswert. Keine schlechten Voraussetzungen, müsste man meinen.

Sobald Bierstedts Stimme angenehm über die ersten Zeilen fließt, schlägt das Trekker-Herz auf jeden Fall höher. Als würde Riker selbst die Geschichte seines ersten Abenteuers als Schiffskommandant erzählen. Man kommt sich vor wie ein Eingeweihter. Doch kaum ist der Zuhörer in der ersten Szene um den Sternenflotten-Agenten Tuvok, welcher auf Romulus angelangt ist, richtig angekommen, fällt die Motivation wieder ab. Wie kann das passieren?

Die Produktion des Hörbuchs stand unter enormem Zeit- und Kostendruck. Das hört man als halbwegs verwöhnter Audiobookliebhaber einfach heraus. Damit in Zusammenhang steht vielleicht, dass es - entgegen der Erwartungen - Bierstedt nicht immer gelingt, die Worte so auszusprechen, wie sie in TV und Film ausgesprochen wurden. Silbentrennungen sind da die Krux. Dieses Manko hätte man durch ein intensiveres Studium der "Star Trek"-Synchronisation vermeiden können.

Problematischer noch aber ist etwas anderes: Bierstedt trifft nicht immer die Tonlagen der anderen auftretenden Figuren. Gelegentlich passiert es ihm, dass er auf derselben Wellenlänge bleibt und dadurch verschiedene Ebenen - allwissender Erzähler, Gedanken der Hauptfigur, Sprecher anderer Figuren - tendenziell miteinander zu verschwimmen drohen. Sein Sprachfluss neigt hier und da zur Gleichförmigkeit.

Möglicherweise liegt es an Bierstedts fortgeschrittenem Alter, aber was ihn als Riker-Sprecher im Ensemble mit anderen Figuren so reizvoll machte, entpuppt sich hier als kleine Schwäche. Er zählt nicht zu den Sprechern, die durch feine Akzentversetzungen ihre Sprache kontrastieren und dadurch den Mangel an anderen Sprechern kompensieren können, sondern ist einfach ein Purist.

Einen Bärendienst erweist dem Sprecher die leider ziemlich miese Klangqualität. In dieser Hinsicht eilt Audible leider - entgegen meiner Hoffnungen - seinem Ruf voraus, und hier sehe ich den größten Pferdefuß des ganzen Unterfangens. Alles klingt dumpf, seltsam unscharf. Man hat ständig das Bedürfnis, lauter zu drehen, und hat man es getan, ist das Hintergrundrauschen noch unangenehmer. Bei allem Respekt: Das ist nicht 'audible', das ist das letzte Jahrhundert.

Ein Weiteres: Es ist eine Geschmacksfrage, ob man à la "Die drei Fragezeichen" Sounds in ein Hörbuch einbaut - oder gar zusätzliche Stimmen. Letzteres ist die teurere Variante und kann gut, aber auch schlecht gehen. Ein dezenter Einsatz von zumindest Geräuscheffekten hätte meiner Meinung nach dem Hörspiel nicht geschadet.

Denn Bierstedts Stimme ist - abgesehen von einer skurrilen Ferengisprecheinlage - vielfach zu ruhig, zu gleichmäßig, zu sanft. Dadurch wird die angespannte Atmosphäre mancher Szenen nicht immer so getroffen, wie die Autoren es höchstwahrscheinlich intendiert haben.

Freilich lässt sich das nicht für alle Momente behaupten. Ruhige Szenen sind nämlich eine Stärke Bierstedts. Besonders gut gefallen hat mir da beispielsweise die Debütszene, wo Riker und Troi in der stellaren Kartographie der Titan stehen und sich auf die Zukunft freuen. Auch die Dialoge zwischen Riker und Vale sind nicht schlecht getroffen. Generell gilt: Immer dort, wo es feiner wird, kann Bierstedt sein Potential ausschöpfen. Für Personae dramatis wie Tomalak gilt das nur bedingt.

Ist das Hörbuch also eine lohnenswerte Investition? Unzweideutig gibt es Licht und Schatten. Die größte Enttäuschung ist für mich, der bislang kaum Erfahrung mit Audible-Produkten hat, die schlechte Hörbuchqualität, die wirklich Lichtjahre hinter dem Niveau von LübbeAudio und Co. liegt. Im Hinblick auf den eingesetzten Sprecher überwiegt allerdings das Positive.

Jemand, der ohnehin bei einem Audiobook müde zu werden droht, sollte vielleicht besser zur gedruckten Variante von "Eine neue Ära" greifen. All solchen, die nichts dagegen haben, sich etwas von einer sanften Stimme erzählen zu lassen, werden "Star Trek" in dieser alternierenden Form als Abwechslung zu schätzen wissen - wenn man denn das beständige Hintergrundrauschen ertragen kann, das möglicherweise als Kulisseneffekt für Subraumstatik angedacht gewesen sein mag.

Das Hörbuch lässt sich bei Gefallen auf Audible.de erwerben.

Roman- Kritik

Captain Riker bricht zu einer neuen Mission auf, muss aber vorher einen "Abstecher" nach Romulus machen...
1. Jörn Podehl

Michael A. Martin und Andy Mangels gehören zu den noch jüngeren Schriftstellern in der "Star Trek"-Autorenwelt, aber was sie in Form von Abenteuern abliefern, ist stets ein literarischer Genuss. Für Aufsehen sorgten die beiden sicherlich mit dem "Sektion 31"-Roman "Die Verschwörung", in der sie den Charakter des Lieutenant Hawk (Navigator der Enterprise in "Der Erste Kontakt") prägten und ein ganz neues Gesicht gaben.

Und mit der gleichen Dynamik geht es in "Taking Wing" weiter. Neben der zukünftigen Mission der U.S.S. Titan, die garantiert nicht nur Riker-Fans wie mich interessiert, glänzt auch die Fülle an Gaststars, die dem Buch den letzten Schliff geben. Querbeet durch die TV- und Romanwelt tauchen alte Bekannte wieder auf: Tuvok, der mit einer Spezialmission nach Romulus geschickt wird, der Romulaner Tomalak (jetzt Gehilfe des Übergangs-Imperators), Melora Pazlar ("Das Melora-Problem", "Kristallwelt"), Donatra aus "Nemesis" und Figuren, die nur aus den Romanen stammen: Commander Ranul Keru ("Sektion 31 - Die Verschwörung") und Admiral Akaar, der einige Auftritte im DS9-Relaunch hatte (Akaar ist das Kind, das in der Classic-TV-Episode im "Namen des jungen Tiru" geboren wurde). Besonders die wirklich gute Charakterisierung sticht hervor, mit der die Hauptpersonen beschrieben werden.

Die faszinierendste der neuen Romanfiguren ist dabei sicherlich Commander Christine Vale, die bereits einige Auftritte in der "Starfleet Corps of Engineers"-Serie und als Sicherheitschefin auf der U.S.S. Enterprise in der Prä-"Nemesis"-Reihe "A Time to…" hatte. Captain Riker sucht verzweifelt einen Ersten Offizier und benötigt drei Anläufe, um seiner Wunschkandidatin Vale den neuen Posten schmackhaft zu machen. Dabei ist es gerade die Vielseitigkeit Vales, die diese Person so interessant gestaltet. Moment mal: blondhaarige Sicherheitschefin? Ist das nicht ein Abklatsch von Tasha Yar? Ganz und gar nicht. Vale ist viel tiefgehender charakterisiert als Yar, zum Beispiel gibt es ab Seite 76 ein Zitateraten zwischen ihr und Riker, in der sie ihren Captain des Öfteren überrascht. So etwas prägt einen Charakter und hat aufgrund Zeitmangels bei Tasha Yar in ihrer kurzen Zeit an Bord gefehlt.

Ich finde es ebenfalls klasse, dass Andy Mangels öffentlich zu seiner Homosexualität steht und sie auch mittels kleinerer Anspielungen in die Geschichte mit einbringt. Dabei ist Christine Vale das Ziel der Begierde, während sie zwischen zwei Klingonen sitzt. Tchev ist ein männlicher Klingone, während Dektri weiblich ist. Sie spürt, wie sie jemand während eines Dinners am Hintern berührt:

"'Wer auch immer die Hand an meinem Arsch hat und die nicht schnellstens wegnimmt, wird mein größter Triumph in der Schlacht', zischte Vale, leise genug, dass nur ihr intimer Kollege sie hören konnte. Als Tchev Vale irritiert anschaute, legte Dektri ihre Hand an den Tisch zurück und griff nach ihrer Tasse".

Christine Vale zu Tchev
Seite 110

Und einen weiteren Trend setzt "Taking Wing" erfolgreich fort: die Kontinuität unter den Trek-Büchern. Bereits in der "A Time to…"-Reihe begann sich ein roter Faden durch die einzelnen Geschichten zu ziehen, und dieser gesamte Handlungsstrang wird vermutlich noch in dem Roman "Articles of the Federation" weiter fortgesetzt. "Taking Wing" spielt quasi zwischen "Nemesis" und dem oben genannten Buch. Und dabei bezieht sich die "Titan"-Story nicht nur auf die neueren "Star Trek"-Romane, sondern auch auf ältere, was vor ein paar Jahren noch undenkbar war, weil jedes Buch eine abgeschlossene Handlung für sich war. Ein Beispiel dafür ist Melora Pazlar, der junge Lieutenant aus der DS9-Episode "Das Melora-Problem". Ihr Charakter bekam eine erfrischende Erweiterung in dem Romanzweiteiler "Kristallwelt", und Mangels und Martin beziehen sich gelegentlich auf die Ereignisse aus dieser Episode.

Darüber hinaus darf man nicht den neuen Sicherheitschef vergessen, der bereits in "Sektion 31 - Die Verschwörung" vorkam: Ranul Keru. Auch hier greifen Mangels und Martin alte Storyelemente auf und spinnen die Charakterentwicklung des Trills fort, der ja seinen Geliebten, Lieutenant Hawk ("Der Erste Kontakt"), verloren hat.

Zum Aufbau des Romans: Es ist endlich mal wieder ein Buch, das ohne das Mysterium Prolog und Epilog auskommt. Stattdessen ist das erste Kapitel gleich in zwei Teile aufgeteilt: Der erste Part (ein Sternenflotten-Agent ist auf der Suche nach Botschafter Spock) spielt Wochen vor "Star Trek Nemesis", der zweite Teil beginnt Minuten vor dem verheerenden Anschlag auf den Imperator und den Senat (Anfangssequenz von "Star Trek X"). Sehr schön geht es dann mit einem glücklichen Captain Riker weiter, der in der Stellaren Kartographie die Flugroute der Titan betrachtet. Es geht in Richtung des Orion-Arms der Milchstraße. Die Autoren Martin und Mangels schaffen es gekonnt, einen Neuanfang und Rücksprung á la "Back to the Roots" zu schaffen, also in eine Zeit zurück, in der die Sternenflotte ihre Ressourcen zur Forschungs- und nicht zu militärischen Zwecken genutzt hat. Der Leser freut sich auf eine Mission, die frei von Schlachten gegen die Borg, das Dominion und die Romulaner ist - jedenfalls die beiden erstgenannten werden keinen Kampfauftritt in dem Buch haben. Ein schöner Gedankengang von Riker:

"'So viel zu erforschen… Wer ist da draußen? Was werden wir dort vorfinden? Und was werden wir auf diesem Weg dahin lernen?' Das waren dieselben Fragen, die ihn [Riker] dazu brachten, der Sternenflotte beizutreten."

Riker über die Mission
Seite 16.

Ebenso schön wie traurig folgende Textpassage: "Er [Riker] erkannte goldene Katzenhaare zwischen den Elementen von Worfs metallischem Schultergurt, aber er verkniff sich einen Kommentar. Er wusste, dass Datas Katze Spot sich das Quartier mit Worf teilte (…)" (Seite 57). Es wird auch weiterhin den "Star Trek"-Fans schwer fallen, Datas Tod zu akzeptieren.

Im Anhang des Buches stehen im Rahmen eines "Titan"-Designwettbewerbs interessante Daten über das Schiff selbst. So erfährt man, dass Rikers Raumschiff ein mittelgroßer Forschungsraumer der neuen Luna-Klasse mit einer Crew-Größe von circa 350 Personen ist. Das Besondere daran: Weniger als 15 Prozent davon sind humanoide Lebewesen.

Was mich etwas gestört hat - und das lag nicht an diesem Buch, weil die Autoren darauf keinen Einfluss hatten -, war die Veröffentlichungspolitik von Pocket Books, da sich einige Ereignisse aus "Taking Wing" auf das Buch "Death in Winter" beziehen, das bis dato leider nicht veröffentlicht worden ist. So hatte ich mit einigen Kleinigkeiten Probleme, wie zum Beispiel einem "Bündnis" zwischen Klingonen und Remanern, welches wahrscheinlich in "Death in Winter" gegründet worden ist. Das hat die Story doch an manchen Stellen ein wenig holperig gemacht.

Und wie es sich für eine "Star Trek"-Geschichte gehört, darf der moralische Zeigefinger natürlich nicht fehlen, und dieser weist erneut auf das Lieblingsthema der Autoren: die Angst vor dem Andersartigen. Deanna Trois Gedankengänge fließen schön in das Buch mit ein, während sie mit einem unheimlich aussehenden Remaner spricht. Ein Beispiel:

"'So viel zu meinen schlauen Sprüchen zu der Verschiedenheit. Das lehrt mich, Will [Riker] wegen der Angst vor Dr. Ree zu ärgern'. Sie fühlte sich noch niemals so tief beschämt wie jetzt".

Troi
Seite 339.

Selbst die Counselor ist nicht davor gefeit, auf das Äußere zu achten, ein Thema, das zu Beginn des Buches mit dem Erscheinen des neuen Schiffsarztes Dr. Ree anfing. Ree ist ein dinosaurierähnlicher Arzt, sein Äußeres jagt vielen Menschen an Bord Angst ein.

Aber doch gibt es einen kleinen Wermutstropfen, der absolut typisch für "Star Trek"-Geschichten ist, nämlich das schnelle Ende, in der eine aufgebauschte Story urplötzlich ihren Abschluss findet. So war es nämlich auch hier, als es zu der finalen Schlacht zwischen Romulanern und Remanern gekommen ist. Erst eine lange, erfolglose Debatte, was man nun machen könne, um dem Morden Einhalt zu gebieten und schlussendlich fällt Riker in buchstäblich letzter Sekunde doch wieder mal etwas ein, um den Krieg zu verhindern - oder hinauszuzögern. Egal wie spannend und aufregend eine Geschichte auch ist: Zu oft endet sie in einem mehr oder weniger unbefriedigendem Schluss. Nichtsdestotrotz zerstört es nicht das gesamte Buch, so wie es in anderen Romanen leider oft der Fall ist.

Fazit: Ein wirklich grandioser Auftakt für eine klasse Romanserie mit toller Story, faszinierenden Charakteren und etwas "'Voyager' Light" am Ende…

Anmerkungen

Zu dem Desginwettbewerb (siehe oben) sind alle Trekkies (aus rechtlichen Gründen leider nur aus den USA und Kanada) aufgerufen worden, sich den Kopf über das Aussehen des Schiffs zu zerbrechen. Der Gewinner des Wettbewerbs hat die Ehre, dass im nächsten "Titan"-Roman "The Red King" sein Raumschiff veröffentlicht und Pocket Books diesen Entwurf für zukünftige Bilder übernehmen wird.

Um dieses Buch in vollen Zügen zu genießen, empfiehlt sich weiterführende, aber nicht zwingend voraussetzende Lektüre:

  • "The Lost Era: 2298 - The Sundered" (Wer genau ist Admiral Akaar? Wer sind die Neyel?) 
  • "Sektion 31: Die Verschwörung" (Wer ist Ranul Keru?)
  • Die "A Time to…"-Reihe (Warum Riker sein eigenes Kommando bekommt)
  • "Nemesis" (Die letzten Tage der gemeinsamen Zeit)
  • "Death in Winter" (Die Flitterwochen von Riker und Troi, der Verbund aus Remanern und Klingonen)

2. Julian Wangler

Die vollmündig von Pocket Books und Paramount angekündigte "Titan"-Reihe sollte der Knüller des Jahres 2005 werden. Endlich wieder ein offizielles Buch, welches die Ereignisse nach "Nemesis" weiter erzählt! Nun, ich muss zugeben: Auch mir lief das Wasser im Munde zusammen, als ich "Taking Wing" nach all den Monaten der Warterei endlich in den Fingern hielt. Was dabei rauskam, ist - leider Gottes - eine nicht ganz überzeugende, sondern eher zwielichtige Erscheinung.
 
Nach alter Manier zunächst einmal das Positive: Es gibt nicht viele Bücher, die es sich zur Aufgabe machen, die Romulaner in ihrem Zentrum stehen zu lassen - vor allem in authentischer Weise. Sowohl im "Star Trek"-TV als auch in den meisten Romanen kommen sie kaum vor, und wenn sie denn einmal vorkommen, dann gibt es nicht automatisch die Garantie, dass sie auch tiefgehend behandelt werden. Somit war es Balsam für meine Trekkie-Seele festzustellen, dass "Taking Wing" nicht nur die politischen Entwicklungen von "Nemesis" ausgesprochen konsequent und geistreich fortführt - übrigens mit vielen Querverbindungen -, sondern auch so etwas wie romulanische Würze reinbringt. Ich meine hier in erster Linie das Intrigante im Wesen der Romulaner und natürlich auch die Tatsache, dass das romulanische Selbstverständnis, jetzt, da es einen offiziellen Frieden mit der Föderation gibt, zersplittert und verstört ist - wovon natürlich eine Gefahr ausgeht. Mit solchen nicht zuletzt psychologischen Themen muss sich ein guter "Star Trek"-Politthriller befassen.

Bedauerlicherweise entfällt von den 360 Seiten des Buches nur ein verkennbar kleiner Teil auf diesen Politthriller - womit wir bei der negativen Resonanz angelangt wären. Es hat ermüdend auf mich gewirkt, dass den beiden Autoren nichts besseres eingefallen ist, als wieder ein neues Sternenflotten-Schiff zum Star zu machen und auf Reisen zu schicken. Vor allem das übliche Geplänkel unter Crew-Mitgliedern, die extra in "Taking Wing" als Mannschaft der Titan neu eingeführt werden, ist so ermüdend wie sonst nichts anderes. Ich glaube, dass es jedem mehr oder minder eingefleischten Trekkie so ergeht: Denn trotz einiger durchaus humorvoller Szenen (wie zum Beispiel mit dem Chefarzt) läuft "Titan" an vielen Stellen Gefahr, in die Statik einer gewöhnlichen TV-Serie à la "Voyager" zu verfallen - was ich persönlich als totales Tabu erachte, da wir von diesem Schlag schon viel zu viel im "Star Trek"-Universum haben. Aufgrund der explosiven Rahmenhandlung hätte man also viel weniger auf die Welt der Titan eingehen dürfen, als Riker und Troi selbst noch weiter zu vertiefen (was ja auch hin und wieder getan wird) sowie ihren Auftrag hinter der romulanischen Grenze.

Da das Buch - ein Zweiteiler, wie könnte es auch anders sein? - gerade an einer spannenden Stelle aufhört, bleibt zumindest eine gewisse Spannung, wie es weitergeht. Doch legt man die Überkommerzialisierung von "Star Trek", was auch für den Buch-Markt gilt, zugrunde, ist absehbar, dass - selbst, wenn die Handlung mit den Romulanern in den nächsten zwei bis drei Büchern gelöst werden sollte -  "Titan" zu einer üblich riesigen Serie nach dem Vorbild "Die Neue Grenze" (ein durchaus noch positives Beispiel) und "Stargazer" ausgebaut werden könnte. Sollte dem tatsächlich so sein, so wären meine persönlichen Ansprüche, so muss ich ganz ehrlich sagen, an "Titan" nicht erfüllt worden.

Fazit: Aufgrund einer ambivalenten Spaltung zwischen politischem Anspruch, aber charaktertechnischer Oberflächlichkeit und nullachtfünfzehn-serientypischer Statik nur eine mittlere Note...

Bewertung

1. Jörn Podehl
2. Julian Wangler

Weitere Infos


Titel "Eine neue Ära"

Originaltitel "Taking Wing"

Buchreihe Titan

Autor Michael A. Martin & Andy Mangels

Übersetzer Stephanie Pannen

Preis 12,80 Euro

Umfang 384 Seiten

Verlag Cross Cult

ISBN 3-9412-4801-4

Anmerkungen

Im Dezember 2009 wurde "Eine neue Ära" von Audible als Hörbuch veröffentlicht. Das Hörbuch nutzt die deutsche Übersetzung des Cross Cult Verlags und gibt den Romaninhalt in voller Länge wieder.

  • Anbieter: Audible GmbH
  • Sprecher: Detlef Bierstedt
  • Laufzeit: circa 12 Stunden
  • Preis: 9,95 Euro

(jp, jw - 28.12.09)


Nach oben

Alle Berichte sind das geistige Eigentum der Autorinnen und Autoren. Jede unautorisierte Übernahme ist ein Verstoß gegen das Urheberrecht. Für Anfragen betreffend Artikel- oder Newsübernahme wenden Sie sich bitte an den Redaktionsleiter.

"Star Trek", "Star Trek: The Next Generation", "Star Trek: Deep Space Nine", "Star Trek: Voyager", "Star Trek: Enterprise" und alle verwandten Markennamen sind eingetragene Handelsmarken von Paramount Pictures. Kopierrechtlich geschütztes Material wurde ausschließlich für nichtkommerzielle Zwecke genutzt. Dies gilt auch für alle Materialien, die aus anderen Franchises stammen und im Rahmen der TZN SF-Zone genutzt wurden.

Mitarbeit Kontakt Impressum

© TrekZone Network, 1999-2017