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Julian Wangler (jw)29.08.09

"Schwert des Damokles"

Geoffrey Thorne

Inhalt

Eigentlich hat die Titan schon anderes vor. Doch dann kommt plötzlich der Notruf eines Schwesterschiffes dazwischen. Als ob Captain Riker mit Blick auf einen kleinen Ehedisput mit Deanna Troi nicht schon genug um die Ohren hätte, lässt er den Kurs ändern.

Auf halbem Weg zu den Zielkoordinaten wird die Titan plötzlich durch eine Wellenfront aus dem Subraum geworfen. Offenkundig wurden die physikalischen Gesetzmäßigkeiten in diesem Bereich des Alls außer Kraft gesetzt. Dumm für Riker und seine Crew, denn nun sitzen sie fest mit ihrem Schiff. Wenigstens steigen sie bald schon hinter das Rätsel der Subraumzerstreuung: Eine fremde Spezies experimentiert auf ihrer Welt mit Warptechnologie, um Energiegeneratoren zu betreiben. Das hat Auswirkungen auf den umliegenden Raum, macht sowohl Warp als auch Impuls wirkungslos.

In "Die Hunde des Orion" musste Riker gerade die schmerzliche Lektion verinnerlichen, dass die Oberste Direktive mehr ist als ein nobler Vorsatz. Jetzt muss er gegen den inneren Schweinehund ankämpfen, sieht er doch keine andere Möglichkeit, als gegen jene Direktive zu agieren, um die Titan aus ihrer misslichen Lage zu befreien: Er muss Kontakt aufnehmen mit der Zivilisation (die zwar Warptechnologie besitzt, aber nicht nach den Kriterien der ersten Sternenflotten-Regel und daher definitionsgemäß in den Bereich der Prä-Warp-Kultur fällt, für die scharfe Nichteinmischungsrichtlinien gelten).

Diese mentale Einstiegshürde wird genommen. Weil das Schiff aber festhängt, bleibt Riker nichts anderes übrig, als sich auf den waghalsigen Plan seines Wissenschaftsoffiziers Najem Jaza einzulassen. Dieser hat vor, ein Shuttle mit Picard-Manöver direkt aus dem Hangar heraus zu zünden, um den Raumbereich zu überwinden und den Planeten zu erreichen.

Ein Außenteam ist schließlich gefunden, und zunächst sieht es gut aus: Das Shuttle entkommt dem instabilen Stellargebiet, mit Kurs auf den Planeten. Doch dann passiert das Unerwartete: Das Shuttle wird von einem fremden Raumer unter Beschuss genommen, eine Verzerrungsfront ausgelöst, und die Fähre stürzt ab.

Als die unterschiedlichen Mitglieder des Außenteams wieder zu sich kommen, finden sie sich auf dem Planeten Orisha wieder - in verschiedenen Zeiten. Die Titan wurde offenbar zerstört und ist an einer noch größeren Katastrophe beteiligt, die die gesamte orishanische Gesellschaft verändert hat. Maßgeblich verantwortlich dafür ist eine rätselhafte Anomalie - das Auge genannt -, welches die Titan offenbar aus Versehen aktiviert und dadurch den Verlauf der Geschichte verändert hat.

Um den Lauf der Dinge, wie er war, wieder zurückzubringen, bedarf es mehr als einer gewöhnlichen Kraftanstrengung. Und überdies der Entscheidung eines bestimmten Offiziers, seiner eigenen Bestimmung nachzugehen…

Kritik

Die Titan schliddert in ein temporales Paradoxon um den Planeten Orisha. Der einzige Weg, den angerichteten Schaden rückgängig zu machen, besteht in einem lebensgefährlichen Einsatz. Und in einer wesentlichen Entscheidung für den Bajoraner Jaza Najem...
Mit Schwert des Damokles habe ich zwei Anläufe hinter mir. Normalerweise ziehe ich es vor, das englische Original zu lesen. Doch bei diesem konkreten Buch tat ich mich schwer mit der Pocket Books-Ausgabe. Dankbar war ich also, als ich mit dem Erscheinen der deutschen Ausgabe durch Cross Cult nun wieder die Odyssee der Titan weiter verfolgen konnte.

Leider muss ich sagen, dass sich die Wartezeit nur bedingt gelohnt hat. Das Werk aus der Feder Geoffrey Thornes kommt ausgesprochen träge daher. Ehe die Handlung so richtig in Fahrt kommt, ist mehr als die Hälfte des Buches vergangen - ohne eine klare Stoßrichtung. Dabei ist der Gedanke, wieder einmal einen Roman zu haben, der sich mit dem Zusammenwirken von Glauben und Wissenschaft beschäftigt, verlockend.

Doch gerade in dieser Hinsicht entpuppt sich "Das Schwert des Damokles" als Luftnummer. Im Klappentext wird ein Anspruch geschürt, den die Geschichte keineswegs halten kann. Das, was sich nach einer großen Befriedungserzählung dieser beiden Antipoden - Spiritualität und Szientismus - anhört, rangiert letztlich im ganz kleinen Karo des Bajoraners Jaza Najem, der aus einer Reihe von Visionen für sich ableitet, seine Bestimmung gefunden zu haben - und kurzerhand seinen Abschied nimmt.

Die restliche Geschichte ist mehr aus dem Stoff jener Abenteuer, bei denen es sich um temporale Paradoxien und dergleichen mehr dreht. Es gibt verschiedene Zeitperioden ebenso wie Zeitsprünge. Nicht von ungefähr sind Prolog und Epilog versetzt. Die Geschichte und die Bedingungen, denen sie unterliegt, sind nicht ganz leicht. Man fragt sich, ob sie nicht künstlich kompliziert gemacht wurden.

Sie ist nicht das eigentlich Ernüchternde, nicht einmal das uneingelöste Versprechen des Buches. Als viel schlimmer betrachte ich die Tatsache, dass die Titan ständig in neue, weitenteils selbst verschuldete Krisen schliddert - und Rikers Crew am Ende dazulernt und die Dinge wieder ins Lot bringt; doppelt so gut, um sicherzugehen. Dieses Prinzip hat sich - trotz so mancher erzählerischer und thematischer Variationen - ziemlich abgeschleift.

Vor allem wird es schier jedes Mal aufs Neue erkauft, indem ein Stammcharakter von Bord geht, weil er am Ende des Abenteuers glaubt, den Ort seiner Erfüllung gefunden zu haben. Im letzten Band war es so bei Orilliy Malar, nun haben wir das Phänomen mit Najem Jaza. Immer dann, wenn man eine zentrale Person der Geschichte lieb gewinnt, sucht sie das Weite. Zurück bleibt da ein Gefühl von Leserbetrug: Wenn "Titan" unter etwas leidet, so ist es das Dilemma, dass keine Storydichte aufkommt, weil die Einzelabenteuer am Ende nach dem Guillotineprinzip beendet werden.

Ansonsten leiden die Titan-Romane immer öfter unter künstlich erzeugten Konflikten unter der multikulturellen Crew. Man denke an den Ehekonflikt von Riker und Troi, der nach so langen Jahren des gegenseitigen Kennens irgendwie vom Himmel fällt, oder an Xin-Havreiis Disziplinierungsprobleme. Ebenfalls aufgesetzt erscheint mir, wie die Crewmitglieder mit Zurin Dakal umgehen, der trotz seiner cardassianischen Wurzeln nicht für die Gräueltaten seines Volkes kann. Etwas zu viel des Guten waren auch die immer wiederkehrenden Sätze, die Vales Mutter ihrer Tochter eingetrichtert hat.

Über die Darstellung der Orishaner lässt sich trefflich streiten. Ich persönlich fand sie - ungeachtet einiger überflüssiger Anleihen bei den Xindi - nicht uninteressant. Leider wurde das Auge, das ihre Kultur so dominiert, nicht zu Genüge behandelt, weshalb auch hier mehr drin gewesen wäre.

Was mich am traurigsten macht, ist jedoch die Tatsache, dass die Reise der Titan, diese Erneuerung des Explorationstraums, in Anbetracht der nun hereinbrechenden "Destiny"-Schatten schon wieder vorbei zu sein scheint. Vielleicht ist das nicht einmal schlimm. Denn abgesehen von einem wirklich guten dritten Band konnte mich die Reihe um Captain Rikers eigenes Kommando trotz einiger guter Ansätze nicht nachhaltig überzeugen.

Fazit:Ein Buch, das definitiv hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt - und die "Titan"-Reihe nur wenig bereichert. Langatmig, kompliziert und im Kern doch wenig interessant. Zur Belohnung gibt's wieder einen Stammcharakter weniger.

"Schwert des Damokles" ist unter anderem bei Amazon.de erhältlich.

Bewertung

Weitere Infos


Titel "Schwert des Damokles"

Originaltitel "Sword of Damocles"

Buchreihe Titan

Autor Geoffrey Thorne

Übersetzer Stephanie Pannen

Preis 12,80 Euro

Umfang 380 Seiten

Verlag Cross Cult

ISBN 3-9412-4804-9

(jw - 28.12.09)


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