Daily Trek Cast & Crew Focus & Background Franchise & Fandom
Star Trek Into Darkness Star Trek XI Enterprise Universum
SF-Zone Raumfahrer.net
GameZone Literatur
Trek BBS Quark's Bar Star Trek Rollenspiel

Seitenoptionen



News & StoriesSerien & FilmeScience & FictionMediaCommunity

Portal Facebook Twitter YouTube Flickr Chat Trek BBS

 
Daily Trek News
SF-Zone News

Peter Tigmann (pt), Shinzon Darhel (sd)23.03.03

"Requiem"

Michael Jan Friedman & Kevin Ryan

Inhalt

Vor vielen Jahren hat Captain Picard mit den Gorn, einer höchst feindseligen Rasse, einen Friedenspakt geschlossen. 25 Jahre später kommt es auf der Heimatwelt der Gorn zu politischen Ausschreitungen, die den Bruch der Koalition zur Folge haben könnte.

Captain Picard, der als Fachmann für die Gorn gilt, wird beauftragt, auf dem Planeten zu vermitteln. Auf dem Weg dorthin entdecken Picard und seine Crew eine bisher noch unbekannte Station. Während einer Untersuchung derselben wird Captain Picard von einer Energiewelle getroffen und circa 100 Jahre in die Vergangenheit geschleudert. Er kommt wieder auf den Planeten Cestus III zu sich, auf dem es, wie Picard weiß, eine Föderationskolonie gegeben hat, die von den Gorn (Originalfolge "Ganz neue Dimensionen") vernichtet worden ist.

Picard kommt ein paar Tage vor diesem Ereignis auf dem Planeten an. Er weiß, dass er die Geschehnisse nicht beeinflussen darf, da er sonst schwere Schäden in der Zeitlinie anrichten würde. Er weiß aber auch, dass er die Kolonie so schnell wie möglich verlassen muss, um dem Angriff der Gorn zu entgehen. Aber dann wird Picard von dem Commodore der Station verhaftet ... Auf der Enterprise weiß man nicht, wohin der Captain verschwunden ist. Commander Riker lässt mit einem Team die Station untersuchen und begibt sich selbst mit der Enterprise auf die Suche.

Die Zeit läuft ihm aber davon: Wenn er den Captain nicht innerhalb von drei Tagen findet, muss er die Suche abbrechen und selbst als Vermittler bei den Gorn erscheinen ...

Kritik

1. Peter Tigmann

Captain Picard verschwindet nach einem Energiesturm und findet sich in der Vergangenheit kurz vor dem Angriff der Gorn auf den Föderationsraum wieder ...
"Requiem" ist eine Zeitreisegeschichte der besten Sorte. Spannend und mitreißend. Vor allem aber die Charakterzeichnung, allen voran die von Picard, machen das Buch sehr interessant. Jeder Leser kann sich das Dilemma sehr gut vorstellen, in dem Picard steckt. Soll er die Kolonie vor dem Angriff bewahren und somit eine schwere Beschädigung der Zeitlinie riskieren oder aber alles einfach seinen Lauf nehmen lassen und somit hunderte Föderationskolonisten dem Tode ausliefern.

Wie er sich entscheidet, wird hier noch nicht verraten. Natürlich begegnen ihm die Kolonisten mit großem Argwohn, und man fragt sich ständig, wie lange wohl die Tarnung als Dixon Hill erfolgreich sein wird, wodurch ebenfalls Spannung erzeugt wird. Das Gefecht auf dem Planeten ist sehr mitreißend und spannend beschrieben, auch ein Pluspunkt für den Roman. Die alternative Handlung, also die Suche nach dem Captain, ist ebenfalls gut geschrieben, wenn auch nicht so mitreißend wie die um Picard. Man bekommt hier vor allem tiefere Einblicke in den Charakter von William Riker, der sich sogar mit Banditen verbündet, um den Captain zu suchen.

Natürlich bietet der Roman auch Kritikpunkte: So ist es beispielsweise etwas unverständlich, warum ausgerechnet Ro Laren zum stellvertretenden Ersten Offizier ernannt wird und nicht Worf. Die Erklärung hierfür hat nicht sonderlich überzeugt. Es war in etwa dieselbe, die Riker schon in "In den Händen der Borg" und "Angriffsziel Erde" abgegeben hat. Wenigstens haben die Autoren des Buches damit eine Entschuldigung, da scheinbar auch der Riker aus der Serie dazu neigt, nicht seine Senioroffiziere zu bevorzugen. Ein weiterer Kritikpunkt hat nicht direkt mit dem Roman, sondern vielmehr mit der Übersetzung zu tun. Der Satzbau ist stellenweise ziemlich umständlich und auch die Wortwahl ist etwas seltsam. Damit muss wohl jeder leben, der deutsche "Star Trek"-Bücher liest.

Abschließend gilt: Spannend, mitreißend und sehr gute Charakterbeschreibungen. Eine lohnende Lektüre!

2. Shinzon Darhel

Was Michael Jan Friedmann und Kevin Ryan unter dem Titel "Requiem" abgeliefert haben, hätte ein interessanter Roman über die Gorn werden können. Denn abgesehen von der Classic-Episode "Ganz neue Dimensionen" sowie einemkleinen Auftritt in der Serie "Enterprise" gibt es über diese Reptilienspezies nicht viel zu erfahren.

Zumindest der Einstieg ist noch halbwegs geglückt, erfährt man doch von Picards erster Begegnung mit den Gorn, als er noch Captain der Stargazer war. Dies ermöglicht zudem ein kurzes Wiedersehen mit Jack Crusher und einigen anderen Besatzungsmitgliedern der Stargazer, die einigen Lesern bereits aus anderen Romanen bekannt sein dürften. Leider wird auf diese Zeitebene später nicht mehr zurückgegriffen, sodass der Auftritt der Stargazer-Crew nur ein netter Cameo bleibt.

Weiter geht es auf der Enterprise-D, welche sich auf dem Weg zu einer Friedenskonferenz auf der Gorn-Heimatwelt befindet. Die Erwartungen, etwas vom Verlauf dieser Konferenz zu erfahren, werden jedoch auf ganzer Linie enttäuscht, als die Handlung unvermittelt eine völlig andere Richtung einschlägt. Die Sensoren der Enterprise erfassen eine unbekannte Masse, und da noch ausreichend Zeit bis zu den Friedensgesprächen auf Gorn bleibt, entschließt sich Picard, einen kurzen Abstecher zu machen.

Es ist ja noch einigermaßen nachvollziehbar, dass Picard seiner Neugier nachgibt. Zunächst will er auch nur wissen, um was es sich bei dem Objekt handelt. Wie sich herausstellt, ist die mysteriöse Masse eine fremde Raumstation, die schon seit Äonen verlassen ist. So weit so gut. Jetzt könnte die Enterprise die Reise nach Gorn wieder aufnehmen, und Picard merkt sogar an, dass man nach der Konferenz immer noch zu dieser Station zurückkehren könne.

Nun aber lässt sich der Captain von seiner Crew überreden, ein Außenteam zur Station zu schicken. Das ist immer noch vertretbar, da die Konferenz erst in einigen Tagen stattfindet. Zudem soll das Außenteam ja nur einen ersten Blick auf die Station werfen. Vollkommen absurd wird es jedoch, als Picard sich dazu entschließt, sich selbst hinüberbeamen zu lassen. Damit geht er ein völlig inakzeptables Risiko ein, zumal er bald auf Gorn erwartet wird.

Man ahnt bereits die nahende Katastrophe. Die Station wird wieder aktiv und sogleich wird Fähnrich Varley von einem Schott halbiert. Ein überflüssiger Charakter stirbt einen überflüssigen Tod. Es bleibt die Frage: Haben die Türen der fremden Station keine Sicherheitssensoren? Unfassbar, dass es einer hoch entwickelten Station an einer Technologie fehlt, die den Menschen bereits seit dem 20. Jahrhundert zur Verfügung steht.

Die restlichen Außenteammitglieder, die bis auf eine Ausnahme Stammcharaktere sind, kommen erwartungsgemäß mit dem Leben davon. Die nächste Katastrophe steht jedoch schon in den Startlöchern. Aus unerfindlichen Gründen können die Transporter nicht eingesetzt werden, und so wird ein Shuttle geschickt. Als sich eine Luftschleuse öffnet und das Außenteam ins All bläst, werden alle gerade noch rechtzeitig an Bord des Shuttles gebeamt. Alle, bis auf einen.

Natürlich fehlt ausgerechnet der Captain, der für die Verhandlungen mit den Gorn unerlässlich ist. Und der niemals die Station hätte betreten dürfen. Zur Strafe wird er von der Station ins Nirvana teleportiert, was wieder einige Fragen aufwirft. Warum zum Beispiel haben neben den Innenschotten auch die Tore der Luftschleuse keinerlei Sicherheitsvorkehrungen? Und warum bläst die Station erst Menschen ins All, nur um den letzten dann doch aus unerfindlichen Gründen in Sicherheit zu teleportieren?

Es wird jedoch noch absurder. Picard wird nämlich nicht an einen vorherbestimmten Ort teleportiert, sondern kreuz und quer durch Raum und Zeit. Rein zufällig landet er ausgerechnet auf Cestus III, noch dazu nur wenige Tage vor der Gorn-Invasion der Kirk-Ära. Das wirkt dermaßen konstruiert, dass jede Restglaubwürdigkeit spätestens ab diesem Punkt verloren geht.

Picard fällt auf Cestus III vor über 100 Jahren natürlich auf wie ein bunter Hund. Zunächst bemüht er sich, die Zeitlinie nicht zu verletzen und gibt sich als Captain eines havarierten Frachters aus. Er rettet die Kolonie sogar vor einer Reaktorkatastrophe, nur damit sie noch am selben Tag von den Gorn zerstört werden kann. Doch war der Plot mit der Reaktorkatastrophe wirklich notwendig? Auch dies wirkt wieder stark aufgesetzt, um Picard ein zusätzliches Dilemma aufzuhalsen.

Während Picard nun versucht, den Verlauf der Geschichte zu erhalten, sucht Riker im 24. Jahrhundert den ganzen Sektor nach ihm ab. Es wird schnell offensichtlich, dass ihm für eine komplette Suche die Zeit fehlt und so schlägt Ro Laren ihm vor, sich mit einem Hilfegesuch an die Bon Amar zu wenden. Bei diesen handelt es sich um bajoranische Piraten, die ähnlich dem Maquis von der Föderation offiziell geächtet werden.

Dieser Handlungsstrang wirkt ebenfalls konstruiert, da es einfach unglaubwürdig ist, dass sich nahe dem Gebiet der Gorn ausschließlich bajoranische Piratenschiffe aufhalten. Sind die Gorn etwa Nachbarn der Bajoraner? Und warum wird hier überhaupt eine bajoranische Piratenorganisation aus dem Boden gestampft, wo man doch ebenso auf den Maquis hätte zurückgreifen können?

Diese Fragen erübrigen sich jedoch, denn man bekommt ziemlich schnell den Eindruck, dass dies alles nur aus den Fingern gesogen wurde, damit Riker vor einem weiteren Dilemma steht. Zunächst lehnt er die Hilfe der Bon Amar ab, nur um später doch darauf einzugehen, weil ihm die Zeit davonläuft. Selbstverständlich sind es am Ende die Piraten, die die Spur des Captains finden, was so gar nicht überraschend kommt und obendrein ärgerlich ist, da die Bon Amar ohne jeden Tiefgang bleiben. Kurz darauf verschwinden sie wieder in der Belanglosigkeit.

Zurück auf Cestus III entscheidet sich Picard entgegen jeder Vernunft, dem Untergang der Föderationskolonie beizuwohnen. Dabei ist er kurz zuvor erst den Sicherheitswächtern der Kolonie entkommen, die ihn für einen Saboteur halten. Jean-Luc hatte allen Grund, sich von diesen Leuten fern zu halten, zumal er ihnen ohnehin nicht helfen kann. Nun ballert er jedoch reihenweise Gorn über den Haufen, um den Kolonisten beizustehen. Was er natürlich im Grunde nicht kann und so weigert er sich plötzlich wieder, auf nur einen weiteren Gorn zu schießen. Dumm nur, dass er sich bereits in die Geschichte eingemischt hat, um dem Massaker beiwohnen zu können.

Picards irrationales Verhalten kann nur dadurch erklärt werden, dass er sich aus heiterem Himmel in die Ärztin Julia Santos verliebt hat. Dennoch bleibt es unverständlich, warum er sich selbst Schmerzen zufügt, indem er ihrem unvermeidlichen und überdies qualvollen Tod beiwohnt.

Kurz nach Julia scheint es auch Jean-Luc zu erwischen. Erwartungsgemäß wird Picard jedoch im letzten Moment in seine Zeit zurückteleportiert, als sich gerade mehrere Gornblaster auf ihn richten. Hier durchbricht der Roman auch beim Leser jede Schmerzgrenze, denn es war von Anfang an klar, dass Picard überleben muss. Es wäre weitaus dramatischer gewesen, wäre er vor Julias Augen verschwunden, die dann kurz darauf stirbt. Sein letztendlicher Abgang ist dagegen absolut vorhersehbar und unkreativ.

Auf das ganze hirnlose Technobabble, welches zu Picards Rettung führt und gleichzeitig ein neues Katastrophenszenario heraufbeschwört, muss nicht näher eingegangen werden. Kurz gesagt scheint die fremde Station eine vollkommene Fehlkonstruktion zu sein, die erst zu wenig Energie liefert und dann plötzlich zu viel.

Auf Picards Rettung folgt eine kurze Rückblende im letzten Kapitel, die die Ankunft Captain Kirks auf Cestus III beschreibt. Das mag eine nette Hommage sein, allerdings dürften die folgenden Szenen jedem Fan bestens bekannt sein. Den Roman kann dieser Kunstgriff ohnehin nicht mehr retten.

Die Friedenskonferenz auf Gorn findet indes keinen Platz mehr, was mehr als ärgerlich ist. Zu Beginn schien diese Konferenz noch die Haupthandlung des Romans zu sein und am Ende ist sie nur Beiwerk für eine vollkommen konstruierte Nebenhandlung. Die Gorn kommen ohnehin zu kurz, und statt einige neue Facetten an ihnen zu entdecken, bleiben sie die rohen Mörder, die sie in der Classic-Serie waren, da die Handlung ja genau in dieser Ära spielt.

Fazit: Michael Jan Friedmann zeichnet sich für einige der besten "Star Trek"-Romane verantwortlich. "Requiem" ist jedoch ein absoluter Griff ins Klo. Ob dies daran liegt, dass ein weiterer Autor daran mitgewirkt hat, vermag ich nicht zu beurteilen. Auf jeden Fall wurde hier eine Chance vertan, die Kultur der Gorn näher zu beleuchten. Wer an dieser interessiert ist, dem ist eher der Comic "Die Gornkrise" (erschienen bei Dino) zu empfehlen.

Bewertung

1. Peter Tigmann
2. Shinzon Darhel

Weitere Infos


Titel "Requiem"

Originaltitel "Requiem"

Buchreihe The Next Generation

Autor Michael Jan Friedman & Kevin Ryan

Übersetzer Uwe Anton

Preis Ursprüngl. Ladenpreis:
12,90 DM

Antiquarisch:
3 bis 5 Euro

Dieser Roman ist nur noch antiquarisch erhältlich.

Umfang 266 Seiten

Verlag Heyne

Bestellnummer 06/5442

ISBN 3-453-12653-X

(pt, sd - 25.04.14)


Nach oben

Alle Berichte sind das geistige Eigentum der Autorinnen und Autoren. Jede unautorisierte Übernahme ist ein Verstoß gegen das Urheberrecht. Für Anfragen betreffend Artikel- oder Newsübernahme wenden Sie sich bitte an den Redaktionsleiter.

"Star Trek", "Star Trek: The Next Generation", "Star Trek: Deep Space Nine", "Star Trek: Voyager", "Star Trek: Enterprise" und alle verwandten Markennamen sind eingetragene Handelsmarken von Paramount Pictures. Kopierrechtlich geschütztes Material wurde ausschließlich für nichtkommerzielle Zwecke genutzt. Dies gilt auch für alle Materialien, die aus anderen Franchises stammen und im Rahmen der TZN SF-Zone genutzt wurden.

Mitarbeit Kontakt Impressum

© TrekZone Network, 1999-2017