Peter Tigmann (pt), Manrico Tenner (te)
06.03.03
"Gleichgewicht der Kräfte"
Dafydd ab Hugh
Inhalt
Der berühmte Erfinder und Wissenschaftler Dr. Zorka ist verstorben. Dr. Zorka hat in seiner Vergangenheit einige große Erfindungen gemacht. In den letzten Jahren
hat er aber meist nur Entwürfe entwickelt. Geordi LaForge, der den Erfinder einmal als Dozent
gehabt hat, hält dessen Entwürfe für puren Unsinn und nicht realisierbar. Eben diese Entwürfe sollen jetzt versteigert werden, unter den Bietern: Klingonen, Romulaner, Cardassianer und viele andere Völker. Da die Föderation aber nicht das Risiko eingehen will, dass potentiell gefährliche Waffen in die Hände der anderen Parteien fallen, bietet sie
- in der Person von Worf - mit.
Zur gleichen Zeit auf der Erde: Wesley Crusher befindet sich auf der Starfleet-Academy. Sein Zimmergenosse Fred Kimbal entwickelt immer neue Apparate, baut diese aber nie zu Ende. Wesley beschließt, eines dieser Objekte fertig zu bauen, es entsteht:
eine Latinum-Fälschmaschine. Latinum
ist bis dahin die offizielle Währung. Vor allem deshalb, weil es nicht repliziert werden kann. Bei einem Glücksspiel verliert Kimpel diese Vorrichtung an einen Ferengi. Diesem würden damit unglaubliche Möglichkeiten offen stehen, große Macht an sich zu reißen. Deshalb versucht Wesley die Maschine aus dem Raumschiff des Ferengi zu stehlen und wird dabei prompt erwischt. Er muss sich auf einen Ferengi-Vertrag einlassen, der ihn dazu verpflichtet, nichts über die Erfindung an andere weiter zu verraten und wird dafür von den Ferengi entführt.
Ihr Ziel: die Versteigerung der Nachlässe von Dr. Zorka...
Kritik
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 Der Nachlass eines berühmten Wissenschaftlers soll versteigert werden. |
1. Peter Schipfmann
"Gleichgewicht der Kräfte" ist auch eines derjenigen Bücher, die
unbedingt als eine Komödie akzeptiert werden wollen. Dies funktioniert hier aber
einfach nicht, da ein Großteil der Gags einfach nicht zünden wollen. Dazu kommt,
dass der Roman von einem im "Star Trek"-Universum eher unbeliebten Charakter, nämlich Wesley Crusher, getragen wird. Ich hatte eigentlich nie
etwas gegen diesen Charakter, aber hier kommt sein oberschlaues Gebaren, das ihm nachgesagt wird, richtig zu Geltung und nervt stellenweise einfach nur. Jeder Gedankengang wird groß und breit erklärt, dies ist zwar generell nicht schlecht, wird hier aber übertrieben.
Die Story um Wesley kann trotzdem stellenweise ganz amüsant und sogar spannend sein, allerdings sind diese Momente zu gering. Die Geschichte um die Versteigerung ist im Grundkonzept zwar recht nett, kommt in dem Buch aber durch die Wesley-Story einfach nicht richtig voran und wirkt somit schwerfällig. Auch ein negativer Punkt ist die recht schwülstige Ausdrucksweise. Allerdings muss man sich hier fragen, wem die Schuld zu geben ist, dem Autor oder dem Übersetzter (im Zweifelsfall wohl immer
letzterem). Ich meine damit allerdings nicht die Ferengisprache. Die ist noch nerviger. Mir war gar nicht bewusst, dass alte Ferengi im Piratenslang reden. Vielleicht sollte dies ja witzig sein, nervt aber einfach nur.
Ein weiterer Schwachpunkt ist, dass der Roman teilweise sehr vorhersehbar ist und damit auch keine richtige Spannung aufbauen kann. Noch ein Punkt zum Aufregen ist das
Verhalten von Fred Kimpel: Er war schließlich auch mit an Wesleys Situation schuld, hat aber im ganzen Roman nicht einen Finger gerührt, um Wesley zu helfen. Um so unverständlicher war die Lobeshymne, die Wesley am Schluss über Fred gehalten hat. Tja, Wesley ist halt ein guter Junge.
Ein Punkt konnte trotz alledem sehr gut gefallen. Er ist allerdings viel zu kurz gekommen:
die Zweifel, die Wesley gegen sich selbst und gegen seinen Lebensweg hegt. Wäre der Autor hier weiter drauf eingegangen, wäre vielleicht eine bessere Bewertung drin. So gibt es leider kein sehr positives Fazit: Für den "normalen" "Star Trek"-Leser ein einfach langweiliger Roman. Wesley-Crusher-Fans sollten vielleicht mal einen Blick riskieren, auch wenn Wesley hier nicht sehr gut dargestellt wird.
2. Manrico Tenner
Auf dem Cover nicht erkennbar, handelt dieses Buch zu über 50
Prozent von Wesley Crusher im Studienjahr nach den Vorfällen in "Ein
missglücktes Manöver". Wie in "Planet der Schuldner" muss er sich auch hier mit
den Ereignissen an der Akademie auseinandersetzen, wobei dies nicht gelungen
ist. Statt das Geschehene zu verarbeiten, ist Wesley nur um seine
gesellschaftliche Reputation nach dem Vertuschungsversuch bedacht.
Der Lesefluss wird getrübt durch diverse Unlogiken, wie sie wahrscheinlich in
jeder Geschichte auftauchen (viele Geschichten würden ohne ein Mindestmaß an
logischen Fehlern nie erzählt werden), doch hier wirken sie störend: Warum
Wesley nicht bereits auf der Enterprise die Ferengi als Fälscher enttarnt,
bleibt unklar. Stark übertreibt der Autor den Bruderzwist zwischen Kurn und Worf.
Dubiose Ferengi-Verträge, von den Ausbildern tolerierte Glücksspiele an der
Starfleet-Akademie und Wesleys "Ich bin cool, wenn ich zu eurer Gruppe
gehöre"-Einstellung strapazieren die Glaubwürdigkeit der Figur und die Geduld
der Leser.
Die Ferengi sind so hinterhältig und geschäftstüchtig wie gewohnt, wenn auch
nicht allzu intelligent. Wenn Tunk seine Streiche ausführt, weiß das Opfer
ebenso wenig wie der Leser, was das eigentlich soll. Nervig liest sich der
Piraten-Slang des alten Ferengi. Einzig die Charakterisierung der
Enterprise-Crew in ihren wenigen Szenen kann als halbwegs gelungen bezeichnet
werden.
Die Idee des durchgeknallten Wissenschaftlers ist im "Star Trek"-Universum nicht
neu, und der Autor kann dem Thema keine neuen Seiten abgewinnen. Verwunderlich
ist allerdings, wie viele Erfindungen so ein verrückter Professor macht. Genauso
verwunderlich ist, dass Imperien wie die Romulaner und auch die Föderation beim
Bieten nicht mit den Ferengi mithalten können. Gerade diese Großmächte müssten
doch über gigantische finanzielle Möglichkeiten verfügen.
Scheinbar sollte es ursprünglich ein reiner Wesley Crusher-Roman werden, welcher
später um die weiteren Personen und Handlungsstränge erweitert wurde. Leider
funktioniert die Wesley-Story nicht so richtig und die Enterprise-Crew agiert
vor allem ab der Mitte nur noch als Statisten und Stichwortgeber.
Fazit: Die Rahmenhandlung ist vielleicht noch nachvollziehbar, aber etwas
mehr Logik in der Wesley-Crusher-Story hätten dem Autor und den Lesern den Ferengi-Plot und somit einige hundert Seiten erspart. Hinzu kommen Figuren aus
der Klischeekiste. So ist dieser Roman leider unterdurchschnittlich.
Bewertung
Weitere Infos
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| Titel |
"Gleichgewicht der Kräfte" |
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| Originaltitel |
"Balance of Power" |
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| Buchreihe |
The Next Generation |
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| Autor |
Dafydd ab Hugh |
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| Übersetzer |
Andreas Brandhorst |
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| Preis |
Ursprüngl. Ladenpreis:
12,90 DM

Antiquarisch: 1 bis 3 Euro
 Dieser Roman ist nur noch antiquarisch erhältlich.
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| Umfang |
376 Seiten |
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| Verlag |
Heyne |
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| Bestellnummer |
06/5443 |
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| ISBN |
3-453-12675-0 |
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(pt, te - 06.03.03)