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Thomas Götz (tg), Manrico Tenner (te)19.10.06

"Sturm auf den Himmel"

Esther Friesner

Inhalt

Vor Jahrhunderten wurde auf Skerris IV durch eine globale Katastrophe alles Leben ausgelöscht. Jetzt haben einige Kolonisten das Wagnis auf sich genommen, den Planeten wieder zu besiedeln. Aber trotz ihrer genetischen Veränderung droht ihnen der blutige Tod: Ihr Stoffwechsel benötigt ein Enzym, das nur aus einer ausgestorbenen Pflanzenart gewonnen werden kann.

Die Kolonie Ne'elat ist die letzte Chance für Captain Jean-Luc Picard und die Crew der Enterprise, diese Pflanze zu finden. Sie begleiten ein Diplomatenteam dorthin, und die Regierung der ehemals abtrünnigen Kolonie sichert ihnen auch jede Hilfe zu. Doch bald entdecken die Starfleet-Offiziere, dass Ne'elat ein düsteres Geheimnis hütet...

Kritik

Nach einer Katastrophe liegt soll ein Planet wieder besiedelt werden. Doch die neuen Kolonisten haben ein großes Problem...
1. Thomas Götz

Bereits vor acht Jahren erschien dieses Buch in den Staaten, nun endlich liegt es auf deutsch vor (aber über die Veröffentlichungspolitik von Heyne bezüglich "Star Trek"-Büchern wurde ja bereits an anderer Stelle mehr als genug gesagt). Irgendwie bedauerlich, dass so wenige "Star Trek"-Bücher nur noch auf deutsch erscheinen (und erscheinen werden), da hilft es auch nichts, dass dieses Buch einen Monat früher als geplant auf den Markt kommt (im Buch steht "Printed in Germany 2006"...).

Interessant auch zu sehen, dass dieser Roman "nur" 8 Euro kostet und im Vergleich mit anderen Verlagen (wie etwa Dino, bei denen Romane mit gleicher Seitenzahl vergleichsweise 10 Euro kosten) damit günstiger ist....

Aber gut, kommen wir zum Buch selbst. Dies ist Esther Friesners zweiter "Star Trek"-Roman (nach dem DS9-Roman "Kriegskind"), diesmal in der "The Next Generation"-Ära angesiedelt. Die Charaktere sind soweit alle ganz gut getroffen. Das Buch selbst ist wieder eine Charaktergeschichte, es gibt also insgesamt gesehen recht wenig Action. Also genau das, was "Star Trek" ("The Next Generation") ausmachte.

Das Buch ist auch gut zu lesen, man verfolgt gespannt die zurückhaltende Entwicklung, und das merkwürdige Geheimnis, das den Planeten umgibt, macht auch Lust auf mehr. Soviel kann gesagt werden, dass es nichts ist, worauf man einfach so kommen könnte. Auch, warum ein Hamster ein ehrenhafter Krieger ist, ist recht nett zu lesen, und auch das Happyend (an dessen Ausgang nun mal kein Zweifel besteht) ist nur durch den Hamster letztlich zustande gekommen. Insgesamt gesehen machen diese Sachen durchaus Spaß zu lesen und Laune nach mehr.

Allerdings gibt es auch einige negative Punkte. Zum einen wäre hier zu nennen, dass die Handlung eigentlich keine Verzweigungen aufweist, obwohl es anfangs so aussieht. Die ganze Handlung ist sehr linear, und man verfolgt Schritt für Schritt, was passiert; in der ersten Hälfte des Buches mit Troi & Co., später dann mit Geordi, mit dem es dann weitergeht. Der gute Schreibstil entschädigt hier etwas, und dies fällt nicht ganz so sehr auf.

Auch etwas enttäuschend ist die Auflösung des Geheimnisses, respektive warum der eine Planet den anderen ausbeutet. Dies gerät eigentlich eher ins Hintertreffen und wird nicht ganz zufrieden stellend aufgelöst (obwohl es, wie gesagt, ein bisschen ungewöhnlicher ist als normal) beziehungsweise nur nebenbei aufgelöst. Der Rest der Handlung beschränkt sich dann auf die Konflikte der beiden Kolonien. Dies ist zwar auch nicht unbedingt schlecht, allerdings tauchen hier auf den letzten 100 Seiten des Buches einige typische Klischees auf: Streitigkeiten, Versöhnung aufgrund einer selbstlosen Tat, die Feinde versuchen, das Volk gegen die Flottenoffiziere aufzuhetzen und so weiter... Nett ist allerdings zu lesen, dass sich der feindliche Agent auch später auf die Seite der UFP stellt und der Crew tatkräftig zur Seite steht. Es gibt also erfreulicherweise keinen Erzbösewicht.

Interessant, aber auch letztlich etwas enttäuschend, ist die Liebesgeschichte um Geordi, der hier auch endlich seine wohl verdiente Romanze bekommt. Natürlich ist klar, dass diese am Ende wieder beendet werden muss (Status quo muss ja leider gewahrt bleiben), aber sie endet nicht ganz so wie erwartet. Hier hat Friesner sich gut aus der Affäre gezogen, denn die beiden lieben sich am Ende noch immer und sagen es sich gegenseitig auch, und dennoch... aber das soll hier mal nicht verraten werden. Auf jeden Fall ist es nicht das übliche "Ich würde ja gern bei dir sein, aber ich denke wir lassen's wegen unserer Pflichten" (auch wenn es zugegebenermaßen etwas ähnlich klingt). Trotzdem bleibt hierbei dann doch ein etwas fader Nachgeschmack übrig, denn gerade in Geordis Falle wäre ein Happyend irgendwie ebenfalls schön gewesen.

Auch etwas enttäuschend ist Geordis Plan am Schluss, den er, trotz Worfs Warnung, durchführt, wobei genau das eintritt, was Worf vorhergesagt hat: versteckte Waffen (was ist eigentlich aus der Transporterentschärfung geworden?).

Fazit: Alles in allem also ein nicht mal all zu schlechtes Charakterbuch, das aber gegen Ende wieder etwas abflaut.

2. Manrico Tenner

Gleich vorweg gesagt: Mit Büchern wie "Sturm auf den Himmel" wird es Heyne sicher nicht schaffen, die Verkaufszahlen der "Star Trek"-Reihe nach oben zu bringen. Als Sammler bereue ich nicht, dieses Buch gekauft und gelesen zu haben, allerdings hätte ich doch lieber warten sollen, bis es bei einem Online-Auktionshaus oder anderswo gebraucht günstiger angeboten wird. Meine Absicht, die Verkaufszahlen im Buchhandel zu pushen, wurde wie nachfolgend ausgeführt belohnt.

Viele Bücher aus den 1990ern haben das gleiche Problem: Eine B-Plot würdige Idee wird zu einer belanglosen Geschichte aufgebauscht und halbherzig mit teilweise figuruntypischen Charakteren hingeworfen. Die Politik hinter solchen Storys ist ebenso simpel wie sie selbst: Um viele Bücher zu verkaufen sollen neben den "Star Trek"-Fans und Kennern auch allgemeine SciFi- und Fantasy- Fans angesprochen werden. Die Bücher sind von einer befriedigenden oder guten Beurteilung weit entfernt, aber auch nicht wirklich schlecht. Sie polarisieren nicht, regen nicht zum Denken an (was theoretisch die große Stärke von "Star Trek" sein soll) und schaffen es schlimmsten Falls, eine ausbaufähige Idee total in den Sand zu setzen, kurz gesagt: sie sind belanglos. Und welches Urteil könnte härter sein?

Zur oben beschriebenen Handlung könnte man noch zwei, drei Sätze hinzufügen, hätte dann allerdings das ganze Buch nacherzählt. Daher nur einige der üblichen Klischees und Handlungselemente, die bereits in der Fernsehserie Mitte der 80er Jahre besser umgesetzt wurden, als die Charaktere noch auf dem Weg waren, sich zu entwickeln:

Die Gesellschaftskritik: Ein Volk, welches seine Umwelt so sehr zerstört, dass es dort nicht mehr leben kann. Nach seinem Untergang versuchen die Nachfahren diese Welt neu zu besiedeln, scheitern aber aufgrund der Ausrottung einer Pflanze. Wer hier nicht begriffen hat, wie wertvoll auch das kleinste Gänseblümchen für uns alle ist, sollte das Buch noch einmal lesen (müssen). Der Schutz und der gewissenhafte Umgang mit unserer Umwelt ist eines der wichtigsten Themen unserer Gesellschaft und zu wichtig, um hier mit dem Holzhammer ins Gewissen gedroschen zu werden.

Die tragische Love-Story ohne Happyend: Geordi und sein Mädchen - süß und bei Rosamunde Pilcher hätte es geklappt. Ist aber die falsche Zielgruppe, Geordi muss ja solo bleiben. Also hätte die Autorin ihm ein wenig Spaß und eine kurze, aber stürmische Romanze gönnen können, hat sie aber nicht. Stattdessen gibt's verschämte Treffen im öffentlichen Garten, Händchenhalten in der Bar und bei der erstbesten Gelegenheit opfert sie ihre Liebe, um sich einem anderen lebenslang zu verpflichten und nebenbei ihr Volk anzuführen. Die Besonderheit an Ma'adrys wurde bereits im Prolog deutlich und Geordi hatte von vornherein keine Chance. Ich habe keine Ahnung, wie oft diese "Wir-lieben-uns,-aber-leider-müssen-wir-die-Welt-retten"-Langeweile schon in "Star Trek" vorkam, aber gerade der Umstand, dass niemand mehr mitzählt, ist bezeichnend genug.

Der Vater-Sohn-Plot: Auch hier kann ich nicht mehr sagen, wie oft ein Sohn über seinen und seines Vaters Schatten springen muss, erwachsen wird, sich durchsetzt, seinen Weg geht, ... gähn...

Peinlichkeiten, die mit Humor verwechselt werden: Worf und der Hamster. Auch hier betritt die Autorin kein Neuland, denn Klingonen und speziell Worf wurden leider bereits früher für pubertäre Späße missbraucht und der Lächerlichkeit preisgegeben. Die Eierei um den Hamster und Worfs Angst (?) vor seinem Sohn nerven, und letztlich wird nur der Handlungsfluss im Dahinplätschern gestört. Aber der Hamster gibt ja letztlich auch den entscheidenden Anstoß bei der Suche nach der ausgestorbenen Pflanze. Der Hamster!

Die ausgestorbene Pflanze: Hat wirklich jemand geglaubt, die Pflanze würde nicht gefunden werden? Nach hunderten durchschnittlichen "Star Trek"-Episoden weiß man doch: Alles wird gut. Aber wie regt eine Geschichte zum Nachdenken an, deren Grundlage die Ausrottung einer lebenswichtigen Pflanze durch eine Gesellschaft ist, die daraufhin selbst stirbt, wenn am Ende das Wundermittel gefunden wird? Lautet die Botschaft: Macht erstmal kaputt, wir kriegen das schon repariert? Abgesehen von den Klischees ist das größte Manko dieses Buches, dass sich alle Konflikte schlussendlich in Wohlgefallen auflösen. Was will uns die Autorin damit sagen?

Der uneinsichtige Führer des ausbeutenden Planeten, der sich dann doch bekehren lässt: Leider kann ich mir nicht erklären, was den Ausschlag zur Meinungsänderung von Ma'adrys Großvater gegeben hat. Seine Enkelin stellt sich schützend zwischen ihn und ihr Volk - das mag zum Nachdenken anregen, aber in einer Minute vom erbittertsten Gegner zum leidenschaftlichen Verfechter? Das ist mal was Neues, leider nichts Glaubhaftes.

Es lassen sich noch viele andere Punkte ansprechen, aber für die ausführliche Kritik empfehle ich, das Buch unter dem Gesichtspunkt einer Parodie zu lesen. Dann lädt die eine oder andere Stelle vielleicht zum Schmunzeln ein. Dabei sind die Enterprise-Charaktere gar nicht mal so schlecht getroffen (bis auf Geordi, Worf und den Hamster): Picard versucht sich als Stimme der Vernunft, Data plappert, Troi spürt etwas, Dr. Crusher hat etwas zu untersuchen und Riker darf sich prügeln. Die Gastcharakter kommen leider aus ihrem klischeehaften Verhalten nicht heraus. Der Schreibstil ist halbwegs flüssig, so dass der Leser die Geschichte bald hinter sich hat.

Wirklich ärgerlich ist allerdings, dass hier eine gar nicht mal so schlechte Idee ungenügend verarbeitet wurde: Die Ne'elatianer "stehlen" die Religion der Ash'kaarianer, weil sie keine eigene mehr haben, aber etwas benötigen, woran sie glauben können. Wie Ne'elat mit dieser Religion umgeht, wird mehrfach erwähnt. Aber was ist das für ein Volk, das seine Religion verliert? Warum passiert so etwas und weshalb gibt es keinen passenden Ersatz für ihren Verlust? Wofür brauchen sie überhaupt diese Religion? Schwierige Fragen, die gerade in unserer Zeit prekär sind und unserer Gesellschaft einen Spiegel vorhalten könnten. Hier hätte die Autorin Thesen aufstellen, eine Meinung vertreten und vielleicht einen Denkansatz liefern können, wie hunderte gute Episoden vorher.

Fazit: Was ist das für ein Roman, den man nicht mal als schlecht bezeichnen kann? Der "Sturm auf den Himmel" entpuppt sich als laues Lüftchen, und wie das Heyne-"Star Trek"-Programm gerät auch diese Geschichte bald in Vergessenheit.

Bewertung

1. Thomas Götz
2. Manrico Tenner

Weitere Infos


Titel "Sturm auf den Himmel"

Originaltitel "To Storm Heaven"

Buchreihe The Next Generation

Autor Esther Friesner

Übersetzer Michael Rahn

Preis 7,95 Euro

Umfang 298 Seiten

Verlag Heyne

Bestellnummer 06/5761

ISBN 3-453-52149-8

(tg, te - 24.10.06)


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