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Jörn Podehl (jp), Julian Wangler (jw), Christian Freitag (cf)26.10.07

"Widerstand"

J.M. Dillard

Inhalt

Eine lange Zeit ist verstrichen, bis die Enterprise wieder in den Dienst gestellt wird. Jetzt heißt es: eine neue Crew, eine neue Mission. Picard bietet Worf den Posten des Ersten Offiziers an und ist entsetzt, als der Klingone ablehnt. Hat es vielleicht etwas mit Worfs vergangenen Missionen zu tun?

Picard hört auf einmal das Lied der Borg. Für ihn gibt es keinen Zweifel: Die kybernetischen Monster sind zurück, bauen an einem Schiff und erschaffen eine neue Königin. Anfangs glaubt ihm niemand, auch Admiral Janeway nicht. Als dann die Sensoren der Enterprise Spuren eines Borgkubus entdecken, ist Picard in einem Dilemma: Janeway befiehlt ihm, auf Seven of Nine zu warten und ihr die Untersuchung des Borgkubus zu überlassen. Sie benötigt aber einige Tage, um zu den Koordinaten zu gelangen. Je länger Picard wartet, desto schneller wird das Schiff der Borg fertig gestellt und die Königin wieder aktiv.

Der Captain sieht keine andere Alternative und handelt auf eigene Faust. Er fliegt zu dem Kubus und entdeckt, dass sich die Borg verändert haben. Ein Außenteam, das die sich in der Entwicklung befindliche Borgkönigin töten soll, wird von den Borg vernichtet. Jetzt hat Picard nur noch eine Möglichkeit, um die Borg aufzuhalten: Er bringt ein persönliches Opfer, um Milliarden von Leben zu retten ...

Inhalt

1. Jörn Podehl

Diese Rezension bezieht sich auf das englische Original.

Picard hört plötzlich das Lied der Borg - der Feind droht zurückzukommen. Janeway hält dies aber für unmöglich. Wirklich?
Nach dem eher durchwachsenden Buch "Death in Winter" geht die "Second Decade" endlich richtig los. Im Vordergrund stehen hier die uns bekannten "The Next Generation"-Charaktere und nicht ein paar "Stargazer"-Figuren, die man am besten in der Mottenkiste gelassen hätte.

Dies ist zugleich ein guter Übergang zu der Autorin: J. M. Dillard ist wie Michael Jan Friedman ein alter Hase im "Star Trek"-Geschäft. Bekannt wurde sie vor allem durch ihre Kinofilmbücher; ihr letztes Werk war das Buch "Star Trek: Nemesis", womit sie doch einen würdigen Abschluss der "The Next Generation" geschaffen hat (im Gegensatz zum eigentlichen Kinofilm). Aber leider liegt ihre Fähigkeit wohl nur darin, gute Novelisationen zu schreiben, denn mit "Resistance" hat sich Pocket Books keinen Gefallen getan, als sie J. M. Dillard damit beauftragten.

Jenes Dilemma, das "Death in Winter" zerstörte, hat auch hier für Schaden gesorgt: Die Story des Buchs wirkt vollkommen sinnlos. Schön beschrieben ist der Anfang mit Picard, als er das Lied der Borg hört und nervlich am Ende ist. Dass er instinktiv weiß, wo die Borg sind und was sie planen, finde ich gut. Mit dem flüssigen Schreibstil wird auch für Spannung gesorgt; das Interesse ist also von Anfang an da, wo es sein sollte: auf den Charakteren.

Allerdings entwickeln sich die Charaktere nicht weiter, im Gegenteil: Worfs Selbstzweifel, dass er den Posten des Ersten Offiziers nicht akzeptieren will, weil durch seine "Fehlentscheidung" Millionen Lebewesen gestorben sein sollten, sind derart lächerlich, dass ich mir an den Kopf fasse. Sein Konflikt mit sich selbst fußt auf einer "Deep Space Nine"-Episode, in der Jadzia Dax und er gemeinsam auf eine Mission gehen, um einen Spion zu retten, mit dessen Hilfe und Informationen der Dominion-Krieg hätte beendet werden können. Leider schlug die Aktion fehl, weil sich Dax schwer verletzte. Worf hätte weiterziehen und sie zurücklassen müssen, um den Spion allein zu retten. Er bleibt aber letztendlich bei Dax, und der Spion wird getötet. Wie viele Jahre ist das schon her? Wie oft hat Worf bis dahin schon die U.S.S. Defiant kommandiert? War Worf nicht Leiter eines diplomatischen Corps? Hat er Martok in "Left Hand of Destiny" nicht geholfen und jede Menge Klingonen gerettet? Also bitte!

Einzige positive Neuerung an dem Buch hätte die neue Counselor sein sollen, eine Vulkanierin und attraktive Kriegsheldin namens T'Lana. Worf schwankt mit seiner Beurteilung zwischen Genie und Wahnsinn: Er fühlt sich von ihr analysiert und beobachtet, auf der anderen Seite bewundert er sie für ihre Stärke und ihren Einsatz im Dominion-Krieg. Schön. Und? Auch dass T'Lana fast bei dem Borgangriff gestorben ist und vor den Augen von Sara Nave beinah krepiert, sorgt nicht für einen Schockeffekt. Im Gegenteil: Ich hatte sogar gehofft, dass die Enterprise bald wieder eine neue Counselor bekommt ...

Wo wir bei dem Thema Sara Nave sind: Was soll das? Der Fokus des Buchs wirbelt unpassend zwischen viel zu vielen Charakteren hin und her und zeigt auf einen weiblichen Lieutenant, der naiv ist und keine Ahnung von den Borg hat. Sie hat sich in den amtierenden Sicherheitschef Lio Battaglia verliebt, was auch schön klischeehaft in dem Buch ausgewalzt wird. Schön werden hier auch wieder zwei Charaktere verheizt, die später hätten interessant werden können. Stattdessen wird ein Außenteam mit Red-... ich meine mit Yellow-Shirts unter der Führung von Lio Battaglia hinübergebeamt, um die Borgkönigin zu töten, bevor sie vollends entwickelt ist. Man soll schließlich das Übel an der Wurzel packen. Tja, die Borg empfangen das Team und pflücken es bis auf Lio auseinander. Während alle anderen sterben, wird er "nur" assimiliert. Neu: Die Borg greifen jetzt bei Sichtkontakt an. Warum jetzt Lio als Einziger nicht getötet wird, ist nicht klar.

Sichtkontakt ... Man weiß also, wo die zukünftige Borg-Königin ist. Man weiß auch, dass - nachdem das Außenteam vernichtet wurde - die Borg jetzt töten und nicht assimilieren (außer man heißt Lio). Warum beamt man nicht eine Batterie Photonentorpedos in das Borgschiff und jagt den Kübel und die Königin in die Luft? Mehr Erfolg als das erste Außenteam hätte so etwas allemal gehabt. Stattdessen greift man in die unterste Kiste: Man versucht an das anzuknüpfen, was vielleicht vor 20 Jahren für Aufruhr gesorgt hat, aber heute nicht einmal eine Maus mit Turnschuhen hinterm Ofen herlocken würde: Picard bringt ein sehr großes Opfer. Und was für ein Opfer bringt er? Freiwillig lässt er sich von Dr. Crusher zurück in Locutus von Borg verwandeln, um sich auf das Borgschiff einzuschmuggeln. Murphy war ein weiser Mann, denn bekanntlich gilt Murphys Gesetz ständig: Was schief gehen kann, geht schief: Picard wird von den Borg gefangen und umgebaut. Ende mit Jean-Luc. Er ist über zig Seiten verschwunden.

Stattdessen geht ein zweites Außenteam bestehend aus Worf, Crusher und Nave auf den Kubus, um mit modifizierten Naniten die Borgkönigin zu töten. Nach einigen Seiten und einer Handvoll getöteter Sicherheitsoffiziere (darunter auch Sara Nave und der Borg Lio) injiziert Crusher der Borgkönigin die Naniten. Die Borg sind außer Gefecht. Es wirkt alles so sinnlos.

Warum ist die Enterprise eigentlich schon wieder das einzige Schiff in der Nähe des Borgkubus? Das Raumschiff ist quasi gerade erst wieder in Dienst gestellt worden; wie weit kann es denn von der Erde und den anderen Schiff entfernt sein, dass es als einziges die Borg abfangen könnte, aber auf die Ankunft von Seven of Nine warten muss (was übrigens genau so schwachsinnig wie alles andere ist)?

Einzige Pluspunkte neben dem flüssigen Schreibstil sind, dass zu Beginn der Androide B-4 einen Auftritt hat, Janeway aus Picard wegen Befehlsverweigerung Origami macht und man endlich ein paar Charaktere sieht, die nicht ausschließlich eine Verbindung zur Stargazer haben.

Was ist mir neben einer ziemlich wirkungslosen Story noch aufgefallen? Ach ja, die Bücher der "Second Decade" werden immer dünner: "Death in Winter" hatte immerhin 355 Seiten, "Resistance" noch 305 und das Folgebuch "Q & A" nur 296 Seiten. Gemeinsam addiert kommt man somit auf ein Buch von David George III.

Fazit: Ich habe mich wirklich auf die Bücher der "Second Decade" gefreut, mehr sogar als auf die der anderen Relaunches. Meine Freude ist im Keim erstickt. Wenn Sie einen Roman mit Action, Horrorelementen und mäßiger Charakterentwicklung haben wollen, greifen Sie bitte nicht zu "Resistance". Gehen Sie stattdessen zum Bahnhof und holen sich ein Heft der Reihe "Geisterjäger John Sinclair": Die sind gruseliger, auf Deutsch, von der Story her gleich schlecht und man spart sogar noch ein paar Euros ...

2. Julian Wangler

Diese Rezension bezieht sich auf das englische Original.

Mit dem - abgesehen von der Picard-Beverly-Beziehung - eher seichten, wenn auch nicht schlechten Übergangsroman "Death in Winter" unternahm Michael Jan Friedman einen ersten Versuch, sich einer TNG-Fortführung zu nähern. Der wahre Schritt indes blieb aus und obliegt, zwei Jahre nach dem Erscheinen von "Death in Winter", nun J. M. Dillard, welche insbesondere durch ihre Kinofilm-Novelisationen Bekanntheit genießt. Leider hat sich Pocket Books keinen Gefallen getan, indem man dieser Autorin den Zuschlag gab - zumal für eine Idee, die ohnehin kritisch zu sehen sein sollte. Warum?

Wenn die für die "Second Decade" zuständige Lektorin, Margaret Clark, im "Communicator" betont, sie habe die Borg immer zurückbringen wollen - und zwar in der Gestalt "seelenlose[r] Monster" -, dann beruft sie sich, unabhängig von der zwangsläufigen "Ausschlachtung" dieses Themas in "Star Trek: Voyager", auf ein reines Horrorelement. Es ist also erklärte Absicht, eine primär emotionale Karte im Debüt des TNG-Relaunch auszuspielen.

Was aber noch in "Death in Winter" mit einer begrenzten Liebesbeziehung funktioniert hat, verkommt in "Resistance" zu bloßer Karikatur. Die einseitige Auslegung der Geschichte wird von vornherein bemerkbar: Doch ist die erste Szene mit Picards Albtraum dramaturgisch noch gut inszeniert und zeigt dem Leser sogleich die Parallele zu "Der erste Kontakt" auf, scheint das Buch schier ohne weitere Einfälle beim rohen (Pseudo-)Schocker stehen zu bleiben. Konzeptlosigkeit - nein, fast schon Storylosigkeit - dominiert auf allen Ebenen.

Die erste und wohl schwerwiegendste Ebene sind die Charaktere. Wo "Resistance" als Etablierungsroman doch gerade die Aufgabe zufallen sollte, die alten, verbliebenen Protagonisten weiter zu entwickeln und neue gebührend einzuführen, gelingt Dillard nichts dergleichen. Die Charakterszenen dümpeln im Schatten Picards und wirken zumeist aufgesetzt. Dabei sind Worfs Selbstzweifel, den Posten des Ersten Offiziers nicht annehmen zu können (was ist eigentlich mit Martin Madden aus der "Nemesis"-Cutscene passiert?), nur die Spitze des Eisbergs. Frei nach dem Motto "Hauptsache Querverbindung" soll unter einem Bezug zu einer späten DS9-Episode, in der seine Liebe für Jadzia Dax gegen die Pflicht stand, offenbar jegliche Logik der Dinge begraben werden.

Denn wie viele Jahre liegt jene Mission mit Jadzia, die Worf so in Erinnerung geblieben ist, zurück? Und wie oft hat Worf bis dahin schon Befehle gegeben - auf der Defiant, als Diplomat auf Qo'noS? Hat er an der Seite von Kanzler Martok in "The Left Hand of Destiny" nicht ganze Truppen befehligt und ein Reich vor dem Kollaps bewahrt? Plötzlich hat er in "Resistance" Angst, in der Rolle des Ersten Offiziers Gefühle dazwischenfunken zu lassen? "Es regnet nicht, aber es gießt", sagte Pille McCoy immer so schön zynisch. Das Gedächtnis der Geschichte scheint ausgelaufen oder - schlimmer noch - der gute Worf schizophren geworden zu sein.

Picard wiederum wird eine Ausdrucksweise angedichtet, die beinahe zur Annahme verleitet, man wäre in irgendeinem schrägen Paralleluniversum gelandet. Einerseits scheint er über Nacht gläubig geworden zu sein, weil er ständig darauf hinweist, er werde für dieses oder jenes "beten", auf der anderen Seite schmeißt er mit scharfen Kraftausdrücken um sich wie nie zuvor.

Bei den Neuzugängen sieht es so düster aus wie die Atmosphäre dieses Romans vergebens sein will: Rigoros wirbelt Dillard zwischen zahllosen Personen hin und her, die allesamt nicht wirklich interessant erscheinen: eine Vulkanierin, die Troi als Counselor nachfolgt und sofort für dicke Luft sorgt, ein kindsköpfiger Lieutenant, der glaubt, den Borg die Stirn bieten zu können, ein klischeehafter Sunnyboy-Sicherheitschef, der sich in einer kitschigen Liebesaffäre ergießt, der völlig überflüssige Tod beider letzterer … Es war schließlich klar, dass es die wenigen verbliebenen TNG-Resthelden nicht erwischen darf, also kalkuliert Dillard von vornherein auf Ersatzopfer und Ersatzmitleid. Die Strategie: Möglichst schnell ein bisschen Sympathie aufbauen, und dann die Jungs und Mädels mit feuernden Phasern untergehen lassen. Ist das die neue Charakterstrategie, die Clark vollmundig in Interviews in Aussicht stellte?

Und als wäre das nicht schon genug, kommen noch die Borg dazu, das große Thema der Geschichte. Ihre ach so pompös angekündigte Veränderung zu Monstern wirkt nachgerade unerklärbar. Ihr Verhalten ist es auch. Denn vor allem wohnt ihm eine völlige Inkonsistenz inne - und da führt Dillard, gewiss ohne es zu wollen, den Klingonen Worf und einen Haufen aggressiver Drohnen zu neuer Gemeinsamkeit. Ohne eine wie auch immer geartete Begründung assimilieren die "bionischen Zombies" jetzt selektiv anstatt in großem Stil und töten mit blutrünstigen Methoden jene Gegner, die sie für nicht kollektivwürdig erachten. Welch Frischzellenkur!

Und damit soll das Schießbudenfiguren-Image aus "Voyager" passé sein? Wie mir scheint, sitzt die Wurzel des Problems hier tiefer als lediglich bei der Autorin, sondern reicht bis hinauf in die sakralen Etagen von Pocket Books. Was war also denn jetzt noch mal das Neue, furchterregende an den Borg, fragt sich der Leser stirnrunzelnd. Etwa eine Borgkönigin, die in ihrem dunklen Drange die Hände zusammenschlägt und dabei Worte wie "Vergewaltigung" und "Spaß" (im Zusammenhang mit der Vernichtung der Erde) lustgeladen in den Mund nimmt? Man wird das Gefühl nicht los, es mit einer billigen Mogelpackung zu tun zu haben.

Mit der Handlungslogik um Picard und Kohorten ist es auch nicht viel weiter hin. Warum es gerade erforderlich ist, Locutus wieder aus der Mottenkiste zu holen, kommt alles andere denn schlüssig daher. Und als später vom Himmel fällt, Sternenflotten-Schiffe seien im Geheimen längst im Besitz von fortschrittlicher Tarntechnologie, ist das kein Ersatz für eine erdachte Handlung, sondern ein Trauerspiel. Kollege Jörn Podehl betont mit gekonntem Zugriff: "Man versucht an das anzuknüpfen, was vielleicht vor 20 Jahren für Aufruhr gesorgt hat, aber heute nicht einmal eine Maus mit Turnschuhen hinterm Ofen herlocken würde." Und dem nicht genug: Natürlich fliegt der falsche Locutus auf und wird wieder assimiliert.

Jetzt heißt es für Worf, Crusher & Co. eine Rettungsmission (Hatten wir das nicht schon einmal?) zu starten, natürlich inklusive Abtrennung der Untertassensektion (Seit wann geht das bei einem Sovereign-Kreuzer?) und nebenbei die neue Borgkönigin zu eliminieren. Und wo ich bereits dabei bin, meinen Kollegen Podehl mit seiner aufmerksamen Rezension zu zitieren - "Warum ist die Enterprise eigentlich schon wieder das einzige Schiff in der Nähe des Borg-Kubus? Das Raumschiff ist quasi gerade erst wieder in Dienst gestellt worden; wie weit kann es denn von der Erde und den anderen Schiffen entfernt sein, dass es als einziges die Borg abfangen könnte, aber auf die Ankunft von Seven of Nine [tagelang] warten muss (was übrigens genauso schwachsinnig wie alles andere ist)?" Ein triftiger Strauß sinniger Fragen - die leider allesamt nicht einmal andeutungsweise in "Resistance" beantwortet werden. Augenfällig ist nur eines: Das Buch klaut beinahe eins zu eins Versatzstücke von bestehenden Borg-Storys zusammen und rührt einmal - aber eben nur einmal - kräftig um. Innovation mag ich in einem solchen Vorgehen nicht erkennen.

So kommt es auch nicht anders, als man Vorzüge in "Resistance" mit der Lupe suchen muss. Umso korinthenkackerisch zu sein: Der Zwist zwischen Picard und Janeway lässt sich gar nicht einmal so schlecht an. Denn es scheint insgeheim ausgemacht, dass ihre latente gegenseitige Antipartie sich nicht nur um Picards gelegentliche Probleme mit dem Befehle-Befolgen dreht, sondern gar um einen unausgesprochenen Intimkampf um das Borg-Thema. Wer ist der größere Experte? Wer hat die besseren Erfahrungen mit dem Kollektiv? Konkurrenz soll ja bekannterweise das Geschäft beleben. Leider nicht hier: Dass die interessante Chemie zwischen Janeway und Picard bestenfalls am Rande genutzt, wenn nicht im Keim erstickt wird, darauf werde ich nicht extra hinweisen.

Fazit: Was aber ist das Schlimmste an "Resistance"? Ich würde sagen, nicht die niedrige und schlechte Qualität des Buches an sich oder die Tatsache, dass Charaktere und Borg irgendwo zwischen Möchtegern, Lächerlichkeit und dem blanken Vakuum des Alls pendeln. Nein, "Resistance" zeigt eindeutig, dass Pocket Books bislang keine Antwort auf die von mir in meiner Einführung beschriebenen Frage gefunden hat, wie denn die Zukunft von TNG aussehen könnte. Stattdessen werden alte Kamellen gelutscht ohne den Hauch einer Inspiration. - Gift für jemanden, der Lust auf eine romanbasierte Fortsetzung hatte. Diese strukturelle Perspektivlosigkeit macht das Buch - so zumindest geht mir es - um ein Vielfaches schlimmer.

Und in dieser Hinsicht hat es sein Ziel erreicht: Da ist es ein wahrhafter Schocker. Ein Ein-Sterne-Schocker!

3. Christian Freitag

"Widerstand" markiert gleich mehrere Wendungen. Zum Einen wird die Beziehung Crusher/Picard gefestigt. Es ist seit der Mission "Tod im Winter" bereits einige Zeit ins Land gegangen, sodass die Beziehung bereits richtig aufblüht. Zum Anderen werden neue Crewmitglieder vorgestellt. Unter anderem bekommt Picard einen neuen vulkanischen Counselor, der sich Worf zunächst abneigend gegenüber verhält. Außerdem ist da der zweite Offizier Sara Nave und der neue Sicherheitschef Lio Battaglia, der bereits in "Der erste Kontakt" als Nebendarsteller zu sehen war beziehungsweise von dem die Autorin ein Bild im Kopf hatte, weil er während des Angriffs bei Worfs Team dabei war. Allen voran der vulkanische Counselor T'Lana steht Picard als einzige Stimme der Vernunft häufig entgegen, womit sie den Schwarzen Peter gezogen hat, da sich die Crew komplett loyal - bzw. blind - gegenüber Picard verhält.

Dies kann - wie sich in "Star Trek: Der erste Kontakt" gezeigt hat - schlimme Folgen haben. Es hat auch den Anschein, als würden sich zarte Bande aus anfänglicher Abneigung zwischen Worf und T'Lana knüpfen können. Apropos Worf. In TNG und DS9 war mir der Klingone teilweise "zu klingonisch" und ich konnte mir ihn nicht als ersten Offizier vorstellen. Aber: Es geht! Worf hat eine Wendung vom Saulus zum Paulus gemacht. In den neueren Romanen von TNG wird er regelrecht sympathisch. Andererseits wäre es hier aufgrund der Verluste vielleicht besser gewesen, den bereits in den geschnittenen Szenen vorgestellten (und von Dillard übrigens in der Adaption verwendeten) Martin Madden zu zeigen und diesen entweder versetzen oder abmurksen zu lassen um dann Worf auf den Stuhl des ersten Offiziers zu setzen. Das hätte wesentlich mehr Sinn gemacht, als ein weiteres Logikloch in die Handlung zu reißen.

"Widerstand" bringt auch J. M. Dillard ans Tageslicht. Die Autorin hat sich rar in Sachen "Star Trek" gemacht, ist aber Urgestein und schreibt seit 1985 für die Reihe und war bereits damals ein nicht wegzudenkender Teil der "alten" Autorenriege. Die griechisch-amerikanische Jeanne Kalogridis hat unter ihrem Pseudonym außer den "Star Trek"-Filmadaptionen V bis X auch "Mindshadow" (1985, dt. "Bewusstseinsschatten"), "Demons" (1986, dt. "Dämonen"), den genialen "Bloodthirst" (1987, dt. "Blutdurst") sowie eines ihrer wichtigsten Bücher "The Lost Years" (1989, dt. "Die verlorenen Jahre") verfasst, der eine Reihe von Bänden zwischen den Filmen nach sich zog, zu der sie selbst "Recovery" (1995, dt. "Sabotage") zusteuerte. Außerdem versuchte sie sich bereits vor "Widerstand" an TNG mit "Possession" (1996, dt. "Wahnsinn") mit Kathleen O'Malley. Zwischen beiden Bänden liegen aber zwölf Jahre. Sie steuerte zum DS9-Pilotfilm die Adaption bei und hatte auch zwei "Enterprise"-Veröffentlichungen: "Surak's Soul" (2003, dt. "Suraks Seele") und die Adaption zu "The Expanse" (ebenfalls 2003, als einziges Buch von ihren Bänden nicht auf Deutsch erschienen).

Bei Dillard fiel immer auf, dass sie bereits zu Zeiten, als man ständig nur auf das Triumvirat Kirk, Spock, McCoy sein Hauptaugenmerk legte, eine Vorliebe für die "Lower Decks" hatte. Sie entwickelte Figuren, die sich in einer Art roter Faden durch viele ihrer TOS-Bände ziehen und hatte damit bereits damals mehr Charme und Kontinuität mit ihren Bänden erzeugt als so manch anderer. Auch in "Widerstand" fällt auf, dass die Hauptcharaktere gegenüber Nave und Battaglia schon fast in den Hintergrund treten. Ja, die Hauptcharaktere dürfen den Tag retten und sie haben starke Szenen. Der Band selbst trägt sich durch das Pärchen aber auch fast allein. Insbesondere mit Naves Verlust hinsichtlich Battaglia und ihren Rachegelüsten, Sorgen und Ängsten hat Dillard einen durch und durch glaubwürdigen Charakter geschaffen. Dass diese das Zeitliche segnen müssen, fällt durchweg aber mal wieder in das Tal der Klischees, in dem liebgewonnene Charaktere in US-Büchern, Serien, Filmen o. ä., die nicht zur Hauptbesetzung gehören und die irgendwas vorhaben (Beziehung, Lebensabend z. B.) nicht mal bis zur nächsten Hauswand kommen, weil ihnen irgendetwas zustößt.

Oft kann man bereits auf den ersten Seiten mutmaßen (was sich leider später bewahrheitet), wer um die Ecke kommt. Denn wie bei J. M. Friedman bei "Stargazer" dreht sich auch bei Second-Decade-Enterprise das Personalkarussell und es zeigt sich, weshalb Picard es gerne gehabt hätte, mit einer alteingesessenen Besatzung zu dienen. Wer nämlich keinen der Folgeromane gelesen hat, aber auf einen der späteren Bände eine Frau als Sicherheitschefin der Enterprise auf dem Cover sieht, die jedoch noch nicht vorgestellt worden ist, während in Band 3 "Quintessenz" ein Mann als Sicherheitschef dasteht, wird sich an zwei Fingern abzählen können, was dem wieder zustößt. Es ist deshalb auch schon so schade, als dass lediglich Picard und Seven sowie einige Kinder von der Sternenflotte "entborgifiziert" wurden und eine Deassimilierung ansonsten bei niemand anderen versucht wird, obwohl das mehr Sinn machen würde.

Sicherlich haben die Personen das Grauen erlebt, aber selbst Picard wird nicht leugnen können, dass er auch schöne Seiten im Leben wiederentdecken konnte, wie halt seine Zuneigung zu Beverly Crusher. Den Drohnen, bei denen man eine Deassimilation versuchen könnte, die Hilfe zu verwehren, indem man zuerst schießt und tötet, anstatt tatsächlich einen Versuch durchzuführen, halte ich für falsch. Warum hätte man nicht mal ausnahmsweise den mutigen Schritt gehen können und sich die neuen Charaktere etablieren lassen? Es hätte funktionieren können. Stattdessen kommen neuerdings in "Star Trek"-Romanen Tod und Zerstörung zu Hauf vor. Da gehen Milliarden von Leben drauf und es stumpft irgendwann ab. Raumschiffbesatzungen, Planetensysteme ... irgendwann ist das Maß mal voll. Und es wird ja noch schlimmer.

Die Borg haben eine lange Geschichte hinter sich gebracht. Seit "Zeitsprung mit Q" tauchen sie in TNG immer wieder auf, wenn ein gefährlicher und unberechenbarer Gegner gefragt ist. In DS9 fehlten sie bis auf die Anfangssequenz, die eine Rückblende zum Wolf-359-Massaker war, ganz. Bei "Voyager" tauchten sie zu oft auf und verloren viel von ihrem Schrecken und selbst in "Enterprise" gaben sie ihr Stelldichein. Nur in TNG wurden die Borg würdig dargestellt, auch die "Enterprise"-Variante hielt sich an die TNG-Version der Borg.

Innerhalb der Romane wurden sie zwar andauernd erwähnt, ihren richtigen kolossalen Auftritt suchte man jedoch seit "Vendetta" von Peter David bzw. "Die Rückkehr" von Reeves-Stevens und Shatner vergebens. Da sie in "Voyager" recht zahnlos wirkten, sollte die Neuerung bombastisch werden. Das brutale Vorgehen gegen ihre Gegner in "Widerstand" wirkt jedoch etwas an den Haaren herbeigezogen. Es dürfte den Borg selbst im Chaos darum gehen zu assimilieren und nicht zu vernichten. Gerade hierin besteht der Fortbestand als Spezies. Wenn nämlich der Gegner eine Drohne nach der anderen abschießt, und das passiert ja durchaus einige Male, gibt es keinen "Ersatz". Sadismus liegt den Borg nicht. Das wurde zwar im Roman erwähnt, Dillard hielt sich jedoch nicht daran. Es kann auch sein, dass sie die Vorgabe hatte, die Borg derart darzustellen. Sicher ist nur, dass diese Neuerung, die die Borg interessanter werden lassen soll, nicht funktioniert. Der ganze Splatterkram ist für "Star Trek" leider mittlerweile typisch geworden. Je blutiger und brutaler desto besser.

Wer sich den Roman durchliest, kann sich außerdem nicht dem Gefühl erwehren, dies irgendwo irgendwann schon mal gesehen zu haben. Den Widerstand der Admiralität, Picard dorthin zu beordern ("Der erste Kontakt“"), die Trennung der Untertassensektion, (TNG "Angriffsziel: Erde"), die Verwandlung in Locutus (TNG "In den Händen der Borg"), die Überlegung, die Borg ein für alle Mal mit einem Virus zur Strecke zu bringen (TNG "Ich bin Hugh") oder die Albtraumsequenz - Seit wann haben diese solche körperlichen Auswirkungen auf Picard? - sowie T'Lana als Lily-Sloane-Verschnitt ("Der erste Kontakt"). Es wird teilweise mit Elementen gespielt, die genauso schon mal vorgekommen sind. Die Glaubhaftigkeit ist spätestens da ausgereizt, als Sara Nave ausgerechnet in dem großen Kubus auf die Drohne trifft, mit der sie was hatte ...

Fazit: Als Fazit kann ich sagen, dass Dillard durchaus einen spannenden aber nicht unkritisch hinzunehmenden Beitrag zum Trek-Universum geleistet hat, der aber aus verschiedenen Episoden und ihren eigenen Büchern zusammengeklaut worden ist und damit wohl kaum etwas Neues darstellt.

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Bewertung

1. Jörn Podehl
2. Julian Wangler
3. Christian Freitag

Weitere Infos


Titel "Widerstand"

Originaltitel "Resistance"

Buchreihe TNG - The Second Decade

Autor J.M. Dillard

Übersetzer Bernd Perplies

Preis 12,80 Euro

Umfang 310 Seiten

Verlag Cross Cult Verlag

ISBN 3941248626

(jp, jw, cf - 05.02.12)


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