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Martin Weinrich (wc), Thomas Götz (tg)04.01.13

"Die Beständigkeit der Erinnerung"

David Mack

Inhalt

Die Enterprise geht einem Notruf des Daystrom-Instituts nach. Dort kümmerte sich Captain Maddox seit den Ereignissen des Kinofilms "Nemesis" um die verbliebenen Androiden Doktor Soongs. Ein Unbekannter hat diese nun gestohlen. Captain Picard lässt den Planeten sofort abriegeln. Zunächst sieht alles danach aus, als gäbe es keine Spur von den Verbrechern. Doch während der Diebstahl natürlich in Zusammenhang mit dem Wettrüsten zwischen der Föderation und dem Typhon Pact steht, dreht sich dieser Roman hauptsächlich um das Schicksal einer für tot gehaltenen Persönlichkeit: Dr. Noonian Soong.

Im ersten Teil der "Cold Equations"-Trilogie dienen die Ereignisse im Jahr 2384 beinahe nur als Pro- und Epilog für das Hauptstück: Eine 207-seitige, die Jahre 2367 bis 2384 abdeckende Autobiographie Noonian Soongs. Hier erlebt der Leser das Schicksal eines visionären, aber auch gebrochenen Menschen, der große Pläne für sich und seine Familie hegt, an ihrer Verwirklichung aber regelmäßig scheitert.

Kritik

1. Martin Weinrich

Die folgende Rezension bezieht sich auf das englische Original.

Alle verbliebenen Soong-Androiden werden aus dem Daystrom-Institut gestohlen. Steckt der Typhon Pact dahinter oder eine unbekannte Macht? Die Crew der Enterprise-E untersucht den Vorfall.
Der Einstieg ist ruhig und gemächlich. Ein Diebstahl der Androiden ist erst einmal keine Bedrohung für die Föderation. Das hebt sich angenehm von den vergangenen Ereignissen in dieser Zeitperiode ab, in der jedes Ereignis entweder eine direkte Bedrohung für die Föderation oder aber gleich für das ganze Universum war. Positiv zu vermerken ist außerdem, dass der Fall vor allem die Gefühle der verschiedenen "Next Generation"-Offiziere trifft. Vor allem für Geordi war Data immer ein wichtiger Freund. Er muss nicht nur verarbeiten, dass Datas Erinnerungen in B-4s Speicher B-4s Leben bedrohen. Nun werden die Verwandten seines verstorbenen Freundes gestohlen und sind vermisst. Obwohl der Ansatz gut ist, möchte der Funke zu Beginn nicht überspringen. Man kann verstehen, warum Geordi die Situation persönlich nahe geht. Mack gelingt es jedoch nicht, diese Gefühle auf den Leser zu übertragen.

Interessanter ist daher, wie Worf die Untersuchung leitet. Picard übergibt ihm viele Aufgaben, mit dem klaren Ziel, Worf demnächst auf ein eigenes Kommando vorzubereiten. Dies scheint Worf nicht einmal im Entferntesten in Betracht gezogen zu haben. Dabei erfüllt er seine Rolle, als Missionsleiter mit Bravour.

Obwohl der Verwendungszweck der Androiden nicht sofort ersichtlich wird, fällt der Verdacht selbstverständlich schnell auf Typhon-Pact-Kräfte. Umso verwunderlicher ist es, dass ein weiterer, höchst funktionsfähiger Android in der Nähe des Daystrom Instituts auftaucht. Er kooperiert nicht mit der Enterprise-Besatzung, sondern ergreift rasch die Flucht. Die Enterprise verfolgt sein Schiff, nur um auf eine Anlage der Gorn zu stoßen, in deren Eingang unbemerkt Dr. Noonian Soong sitzt.

Das bis dahin aufgebaute Tempo wird urplötzlich aus der Handlung genommen. Soong erzählt seine Lebensgeschichte. Bereits mehrfach hat man ihn schließlich für tot gehalten und dennoch kehrte er immer wieder zurück. Dies ist nun wohl sein letztes Mal. Dabei enthüllt er aber seine Aktivitäten zwischen seinen sporadischen Auftritten und erklärt, durchaus überzeugend, warum seine Tode gar keine waren.

Wieder einmal wird Soongs Genialität betont. Ihm gelang es, sich selbst in einen perfekten Androidenkörper zu übertragen. Damit ist er unsterblich, besitzt ein effizientes Verarbeitungszentrum und geradezu übernatürliche Kräfte und Fähigkeiten. Nach diesem ersten Schritt ging es ihm darum, den Rest seiner "Familie" - vor allem seine Ex-Frau, dann aber auch Data, sowie Lore und B-4 - zu perfektionieren und ihnen allen ein angenehmes Leben zu ermöglichen. Hier scheitert er jedes Mal im Ansatz und das ist die größte Schwäche des Romans.

Denn Soongs Genialität steht in keinem Verhältnis zu den Plänen, die er ausheckt. Alles wird auf später verschoben, jedes Problem geht er mit dem Bewusstsein an, die Ewigkeit zur Verfügung zu haben. Dabei müsste ihm bei seinen Plänen klar sein, dass der Faktor Zeit auch für einen unsterblichen Androiden von Bedeutung ist. Gerade bei Datas Leben an Bord der Enterprise besteht schließlich immer die Gefahr, dass ihm etwas geschieht.

Soong lässt sich davon aber nicht beeindrucken, obwohl ihn regelmäßig Schicksalsschläge ereilen und in seinen Arbeiten zurückwerfen. Das ist auf Dauer ermüdend. Zunächst fasziniert Soongs Plan, sich selbst unsterblich zu machen in Verbindung mit seiner durchschimmernden Melancholie durchaus. Auch sein Plan, mit einem Kasino auf der Heimatwelt des Orion-Syndikats viel Geld zu machen, ist beeindruckend. Hier tauchen jedoch bereits einige Unstimmigkeiten, wie sein Kybernetiker-Kollege Emil Vaslovik oder eine Gruppe Androiden, die um Soong wirbt, auf. Beide Ansätze bieten Material für eine sehr gelungene, spannende Geschichte, werden von Mack aber, zumindest im ersten Teil, komplett ignoriert. Wobei es aus der Sicht des Romans eher Soong ist, der die beiden Phänomene ignoriert. Bei der Androiden-Gruppe hat das keine direkten Konsequenzen, allerdings hätten sie ihm durchaus helfen können. Bei Vaslovik hingegen muss er dadurch mit ansehen, wie seine Ex-Frau von einem anderen Wissenschaftler gerettet wird und danach mit diesem zusammenlebt. Anstatt rasch einzuschreiten und seine eigene Existenz zu enthüllen, wartet er lieber, bis beide von einer unerwarteten Macht vernichtet werden.

Das führt dann zu dem enttäuschendsten Punkt der Geschichte um Soong. Seine Pläne sind langfristig angelegt und nicht reaktiv. Am Ende des Romans verbindet Mack die Handlung aus "Cold Equations" mit "Destiny", was nichts anderes bedeutet, als dass die Borg alle Labore Soongs in Schutt und Asche legen. 200 Seiten lang hat man verfolgt, wie Soong diese Labore errichtet und am Ende fallen sie wie Kartenhäuser in sich zusammen. Natürlich hat man jetzt einen Eindruck von der zerrissenen Seele des Doktors, dennoch wirken plötzlich viele langatmige Passagen unsinnig. Zu allem Überfluss sind die 200 Seiten immer mal wieder mit Selbstmitleid oder zumindest Selbstzweifeln gespickt, sodass man einerseits bereits ein wenig genervt davon ist und mit Soong nicht mehr wirklich mitfühlen kann, andererseits sich noch einmal fragt, warum er aufgrund der Zweifel seine Pläne nicht beschleunigt beziehungsweise modifiziert hat.

Die abschließende Infiltration einer Breen-Militäranlage ist wiederum spannend erzählt. Das liegt jedoch in erster Linie daran, dass Mack diesem Abschnitt nicht mehr viel Platz zur Verfügung stellt und zudem sehr rasch eine Konfrontation zwischen Enterprise-Besatzung und Gorn aufbaut.

Die Breen möchten die gestohlenen Androiden dafür benutzen, die einst für die Borg um Hugh geschaffenen Androiden mit etwas Intelligenz auszustatten, um somit eine unendlich erweiterbare Armee zu kreieren, die dem Typhon Pact einen großen Vorteil gegenüber der Föderation bringen würde. Die Idee ist sehr sinnvoll, aber nicht sonderlich kreativ. Eine unglaublich starke, unglaublich große und unglaublich rücksichtslose Armee hat man nun einmal bereits häufig gesehen. Allerdings ist immerhin klar, dass diese Entwicklung unbedingt verhindert werden muss.

Relativ schnell verliert Worfs derzeitige Geliebte dabei ihr Leben. Das ist unnötig. Sicherlich, irgendein Opfer musste in diesem Roman, der an Epik ja an die "Destiny"-Trilogie heranreichen soll, geleistet werden. Warum es dabei aber einmal mehr Worf trifft, ist unverständlich. Ihn hat man nun berufliche und private Perspektiven verlieren lassen, daher kennt man seine Reaktionen bereits. Warum diese also noch einmal herbeigeführt werden musste, bleibt am Schluss unklar.

Stärker ist hingegen Soongs letzter Plan. Der Leser kann sich relativ rasch denken, dass die Zerstörung von Soongs Laboren nur noch eine Möglichkeit offen lässt. Möchte der Doktor seinen "bestentwickelten" Sohn retten, muss er sich selbst opfern. Nur damit könnte Data wieder in die Handlung zurückkehren. Das gelingt tatsächlich. Diese abschließende Selbstaufopferung Soongs ist sehr gelungen und beschert dem Roman einen Höhepunkt.

Mindestens so originell ist, dass Datas Rückkehr nicht seine Rückkehr in die Sternenflotte bedeutet. Data ist körperlich ein anderer und auch mental verfügt er nun über alle Erfahrungen und Gedanken seines Vaters. Zudem kann er sich vor Gefühlen nun nicht mehr verstecken, sein neues Emotionsprogramm lässt sich nicht abschalten. Daher ist sein Wunsch, sich erst einmal wieder selbst zu finden, äußerst verständlich. Soong war zudem immer gegen Datas Engagement in der Sternenflotte. Datas Abkehr von ihr ist somit auch eine Art, das Opfer seines Vaters zu würdigen. Es bleibt hier jedoch spannend, was die nächsten beiden Bände der Miniserie mit Data vorhaben. Ganz klar ist zudem nicht, ob tatsächlich alle Androiden-Prototypen der Brenn vernichtet werden konnten.

Trotzdem endet "The Persistence Of Memory" nicht mit einem wirklich offenen Cliffhanger, wie es die "Destiny"-Trilogie mit der fortschreitenden Borg-Invasion noch taten. Was die weiteren Bände bringen, ist somit völlig offen.

Fazit: "The Persistence Of Memory" ist ein sehr gemächlicher Roman, der dem Leser das unbekannte Leben Noonian Soongs sowie eine Einsatzaktion in einer Gorn-Militäranlage näher bringt. Ersteres hat deutliche Längen und schwächelt gelegentlich auch konzeptionell. Der zweite Teil ist spannend und sehr gelungen. Leider nehmen die Erinnerungen Soongs den Hauptteil des Romans ein, wodurch ein gemächlicher nicht immer überzeugender Eindruck zurück bleibt.

Da "The Persistence Of Memory" aber einen starken Höhepunkt aufweist und zudem die Rückkehr eines Hauptcharakters der Fernsehserie einleitet, bleibt trotz alledem ein guter Eindruck zurück.

"The Persistence Of Memory" ist unter anderem bei Amazon.de als Taschenbuch und als E-Book erhältlich.

2. Thomas Götz

Die folgende Rezension bezieht sich auf die deutsche Ausgabe des CrossCult-Verlages.

Nachdem es in letzter Zeit um TNG etwas ruhig geworden war, meldet sich auch diese Buchreihe mit einer neuen Trilogie zurück. Diese stammt von David Mack, der ja bereits die Destiny-Trilogie 'verbrochen' hat. Dahingehend kann man routiniert gute Unterhaltung erwarten.

Und in der Tat startet der Band recht überraschend mit dem Diebstahl von B-4 und den Soong-Androiden und schlittert von einer Situation in die Nächste. Dabei sei eines gleich vorneweg geschoben: Obwohl die Enterprise-Charaktere etwas hinter dem Hauptcharakter, Soong, zurückbleiben, erhalten auch sie einige wenige Szenen, in denen sie glänzen können und in denen die neuen Crewmitglieder vorgestellt werden.

Davon abgesehen geht es in diesem Band aber, und dieser Spoiler muss leider gesagt werden, um Datas Wiederauferstehung. Das Countdown-Comic zum neuen Star Trek-Film von 2009 hat es bereits angedeutet: Data kommt wieder und wird Captain der Enterprise, während Picard als Botschafter nach Vulkan geht. Diesen Weg schlägt nun auch die Romanreihe ein, was auf der einen Seite natürlich schön ist, denn so wird eine schöne Kontinuität gewahrt. Ob man allerdings Dr. Soong wirklich hätte wiederbeleben müssen, ist eine andere Frage. Zuviele Totgeglaubte kamen in letzter Zeit wieder und auch wenn es ein Sci-Fi-Szenario ist, in dem alles möglich ist, war bereits der Enterprise-Relaunch ein Spiel mit dem Serien-Canon der etwas fragwürdig war.

Allerdings muss man auch zugute halten, dass das alles wieder vergessen ist, nachdem die Story um Soong so richtig begonnen hat. Der Hauptteil des Buches handelt nämlich davon, was ihm seit der TNG-Folge auf Terlina III widerfahren ist. Dabei kommt sowohl lockerer Humor als auch andere schöne Szenen zum Einsatz, etwa wenn Soong um seine Liebe trauert. Das ganze wird dabei in Ich-Form erzählt, so das man als Leser noch besser in Soongs Gefühlswelt eintauchen kann. Zumindest das muss man Mack lassen: Die Szenen sind mitreißend geschrieben und auch das Vergehen der Zeit ist gut gelöst beschrieben - einfach herrlich, dem alten Wissenschaftler auf seiner Odyssee zu folgen.

Da ist das Wiederauftauchen von Data am Ende fast schon eher das Sahnehäubchen, auch wenn es natürlich, um der Action willen, noch ein paar mal richtig krachen muss. Leider bleiben die Bösewichte etwas eindimensional, auch wenn die Idee einer Androidenfabrik durchaus etwas für sich hat. Hier wird auch schön der Bogen zu einem weiteren Buch, damals noch bei Heyne als "Das Unsterblichkeitsprinzip" erschienen, geschlagen und die Ereignisse beider Romane werden gekonnt miteinander verwoben.

Allerdings müssen auch ein paar Mängel noch erwähnt werden: So ist der Tod von Worfs neuer Freundin, die immerhin in den letzten Romanen schön aufgebaut wurde, einfach nur unnötig und wie erwähnt sind die Bösewichte etwas blass. Dies soll aber den Gesamteindruck des Bandes nicht schmälern, denn im Großen und Ganzen wird man von dem Roman bis zum Ende, das sogar eine hohe Tränenwahrscheinlichkeit hat, sehr gut unterhalten.

Fazit: Ein schöner Roman, der trotz einiger Mankos bis zum Ende gut zu unterhalten weiß und nur wenig Raum zum Meckern lässt. Mack ist in Höchstform zurück.

Bewertung

1. Martin Weinrich
2. Thomas Götz

Weitere Infos


Titel "Kalte Berechnung 1: Die Beständigkeit der Erinnerung"

Originaltitel "Cold Equations Book I: The Persistence Of Memory"

Buchreihe TNG - The Second Decade

Autor David Mack

Übersetzer Wibke Sawatzki

Preis 12,80 Euro

Umfang 427 Seiten

Verlag CrossCult

ISBN 978-3-86425-785-8

(wc, tg - 05.10.15)


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