Jörn Podehl (jp)
17.10.06
"A Time to Die"
John Vornholt
Inhalt
Das Rashanar-Gebiet ist ein todbringender Ort. Dort hat eine der
schlimmsten Schlachten des Dominion-Kriegs getobt. Picard und seine Crew haben
die Aufgabe, die Leichen sowie technische Geräte aus den zerstörten
Sternenflottenschiffen zu bergen. Allerdings herrscht an jener Stelle ein
mysteriöses Schiff, das jegliche anderen Raumer angreift, deren Form und
Aussehen übernimmt und das Original zerstört. So hat es schon im Krieg bösartige
Verwechslungen und Schuldzuweisungen gegeben.
Die U.S.S. Juno ist bei der Bergungsaktion zerstört worden, da sie interveniert
hat, als das fremde Schiff die Gestallt eines verbündeten
Ontaillianer-Raumschiffs angenommen und die Enterprise verfolgt hat.
Resultierendes Ergebnis: Die Enterprise wird zur Erde geschickt und Picard auf
seine geistige Gesundheit untersucht. Schließlich soll dieser Vorfall auf einem
Fehler von Captain Picard basieren. Mit Commander Riker als Kommandant bricht
eine Rumpfcrew auf, begleitet von Counselor Colleen Cabot und ihrem Patienten
Picard, die versuchen soll, das Rätsel um das "Dämonenschiff" zu lösen.
Nichtsdestotrotz geht es um die Ehre, denn die Ontaillianer drohen, wegen dieses
Vorfalls aus der Föderation auszutreten. Und das, obwohl der geschwächte
Sternenverband jeden Verbündeten nach dem schweren Dominion-Krieg braucht.
An der Seite der Enterprise-Crew steht ein mächtiger Verbündeter, ein alter
Bekannter aus Zeiten der ersten Jahre auf der Enterprise-D. Fähnrich Brewster
alias Wesley Crusher ist als Reisender wichtiger denn je geworden.
Wahrscheinlich ist er auch der Einzige, der die Galaxie vor dem Dämonenschiff
schützen kann.
Kritik
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 Der vom Kommando beurlaubte Picard will das Rätsel des "Boneyard" lösen. |
"A Time to Die" ist der zweite Band der neunteiligen
Prä-"Nemesis"-Romanserie, in der geklärt werden soll, warum die Crew solch
tiefgehende Veränderungen durchlebt, wie es im letzten "Star Trek"-Kinofilm der
Fall ist.
Da bin ich aber nun gespannt, warum sich die Charaktere so verändern. In
"A Time
to be Born" und in "A Time to Die" kommt unser geliebter "Feind" Wesley Crusher
wieder, aber als erträglicher junger Mann, also nicht mehr der kleine
Klugscheißer aus der frühen "The Next Generation"-Phase. Ich bin wirklich
positiv überrascht, wie sehr sich Wesley doch verändert hat (dieses Mal zum
Guten!). Nun gut, er hat sich wieder einmal verliebt; in die junge Couselor
Colleen Cabot, die Captain Picards Seelenberaterin ist. Wir erinnern uns daran,
dass Picard auf Bitten Datas ein fremdes Schiff im Rashanar-Kampf-Gebiet
angreifen soll ("A Time to be Born", Data hat gesehen, wie das mysteriöse Schiff
das Aussehen des Ontaillianer-Raumers übernommen hat), das angeblich der
so genannte "Demon Flyer" ist; ein Raumer, der die Form anderer Schiffe annimmt
und die Originale dann zerstört.
Über die teilweise etwas übertriebenen Frühlingsgefühle des kleinen Crusher kann
man sich streiten. Für meinen Geschmack hat John Vornholt etwas zu viel "Ich
liebe Colleen" verbraten. Es wirkt auf mich etwas zu schnell. Die "Liebe" kann
überhaupt nicht richtig reifen, zumal Wesley die junge Dame zum ersten Mal
gesehen hat und umgekehrt… Na ja.
Die gesamte Story um das "Dämonenschiff", das Raumschiffe dupliziert und das
originale Schiff zerstört, ist gewöhnungsbedürftig. Am Ende des Buches wird das
Geheimnis gelüftet, und das "böse" Vehikel entpuppt sich als rachsüchtiger
Kollektor von Anti-Materie. Mehr werde ich an dieser Stelle nicht verraten, um
die Spannung, die sogar an manchen Stellen auftaucht, zu wahren.
Natürlich bin ich auch wieder einmal etwas enttäuscht worden; wie leider üblich
von einigen John-Vornholt-Büchern: Wenn man in der Mitte des zweiten Buchs an
die Selbstzerstörungssequenz der Enterprise-E aus dem ersten Band denkt, kommt
man ganz schnell auf die Lösung, wie man das Dämonenschiff vernichten kann. Dies
ist unheimlich durchschaubar und hat den Lesespaß etwas getrübt.
Dafür sind die Figuren sehr gut dargestellt: Riker, Data, LaForge und alle
anderen … nur Dr. Crusher ärgert mich etwas: Gut auf der einen Seite, dass sie
überglücklich ist, weil ihr Sohn wieder bei ihr weilt. Schlecht ist dagegen,
dass sie den Eindruck erweckt, ihr sei jetzt alles vollkommen egal, Hauptsache
Wesley ist da.
Genial finde ich solche Dialoge wie zum Beispiel zwischen Wesley Crusher und dem
Medusen Commodore Korgan, der sofort erkannt hat, dass sein Gegenüber kein
normaler Mensch ist. Besonders kreativ ist der Autor des Buches mit Wesley
umgesprungen, als er ihn als jungen Adjutanten von Admiral Nacheyev auftreten
lässt; als Helfer für alles; als Holodeckfigur; als Pilot der Enterprise … John
Vornholt hat die Möglichkeiten der Reisenden, sich zu verstecken, optimal
ausgenutzt: Aus Wesley Crusher wird Fähnrich Brewster, und niemand bekommt es
mit, weil er stets als "Nobody" mit dem Hintergrund verschwimmt und vergessen
werden will. "Superman meets Wesley", und genau so stelle ich mir die Szene
zwischen Wesley und Colleen Cabot vor, als er sie zum ersten Mal sieht. Er nimmt
sie bei der Hand und "entführt" sie zärtlich in das Rashanar-Gebiet, um ihr den Demon-Flyer zu zeigen, den sie bis dahin für ein Hirngespinst von Picard
gehalten hat (So schafft es Wesley, die Counselor von der Unschuld ihres
Patienten zu überzeugen. Man vergleiche bitte die Filmpassage aus "Superman I",
als der stählerne Held Louis Lane mit sich nimmt und mit ihr durch den Weltraum
fliegt.
Unverständlich ist für mich leider die Reaktion der "Reisenden". Was haben die
gepredigt, dass Wesley nicht in die Zeit eingreifen darf, da deren Volk nur
Beobachter seien. Als Konsequenz daraus würde er aus dem Kreis der Reisenden
ausgeschlossen werden. Bis zum Schluss des ganzen Buches werden Crusher nicht
die Fähigkeiten des Reisenden entzogen, obwohl er permanent von Ort zu Ort
gesprungen ist und überall eingegriffen hat. Nachdem seine Geliebte getötet
worden ist, hat er sich an den Mördern gerächt, hat seine Mächte eingesetzt und
die Killer zur Strecke gebracht. Wieso hat da kein Reisender durchgegriffen?
Immer und immer wieder hat er Picard & Co. mit seinen
Teleportationsmöglichkeiten geholfen. Ist das nicht schon Einmischung genug? Auf
den letzten Seiten des Romans kommt der Reisende (den wir aus der TV-Serie
kennen) und sagt so lapidar: "Na ja, Wes, mach dir nichts draus, du hast die
Enterprise gerettet und gegen unsere Regeln verstoßen, also gleichzeitig die
letzte Prüfung versiebt, aber das ist nicht so schlimm. Ich freue mich, dich
wieder zu sehen, Reisender." Er wird also nicht verstoßen, wie anzunehmen wäre,
sondern bleibt einer aus dem Zirkel der Zeitforscher.
Wie nun die Titel der beiden Bücher zustande gekommen sind, kann man erst später
richtig verstehen. In "A Time to be Born" werden Wesleys Fähigkeiten gänzlich
geboren, und in "A Time to Die" sieht es so aus, als ob seine Talente sterben
würden und er aus dem Bann der Reisenden verstoßen wird. Äußerst originell…
Fazit: Die Geschichte hält das Niveau des ersten Teils, ist aber nicht unbedingt
der Hit wie andere Bücher von John Vornholt. An manchen Stellen wirkt die
Geschichte etwas unglaubwürdig, ist dagegen an manch anderen wieder sehr
interessant und spannend. Kurz: Sie hält sich die Waage.
Aber wie es so oft ist, wird eine Serie erst dann richtig gut, wenn sie in
Schwung kommt. Schließlich haben wir noch sieben Teile vor uns, in denen noch
viel passieren kann.
Bewertung
Weitere Infos
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| Originaltitel |
"A Time to Die" |
|
| Buchreihe |
The Next Generation |
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| Autor |
John Vornholt |
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| Preis |
6,49 Euro |
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| Umfang |
296 Seiten |
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| Verlag |
Simon & Schuster Pocket Books |
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| ISBN |
0-7434-6766-3 |
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(jp - 17.12.10)