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Julian Wangler (jw)20.08.06

"To Reign in Hell"

Greg Cox

Inhalt

Khan Noonien Singh. Vielleicht der Schurke des "Star Trek"-Universums. Ein wahrlich gentechnisches Erzeugnis. Ein genialer Verstand. Eine selbstherrliche Persönlichkeit, die in den Eugenischen Kriegen 1992 bis 1996 die Kontrolle über ein Viertel der Erde erlangte, von Südasien bis zum Mittleren Osten. Er war der letzte Tyrann, der schließlich gestürzt wurde. 1996 flüchtete er dem Schläferschiff S.S. Botany Bay, begleitet von seinen treuesten, in die weiten des Alls. 2267 entdeckte die Crew der U.S.S. Enterprise dieses Schiff und weckte Khan, der daraufhin Ambitionen entwickelte, die Enterprise zu übernehmen, weil von der Schaffung eines neuen Imperiums träumte. Dafür wurden Khan und seinesgleichen ins Exil auf Ceti Alpha V geschickt. Soweit die Geschichte aus der TOS-Grundlagenepisode "Der schlafende Tiger".

Die Geschichte geht im zweiten "Star Trek"-Film "Der Zorn des Khan" weiter: 2287, zwei Dekaden später, wurde Khan von der Crew der U.S.S. Reliant dort gefunden, die den Planeten fälschlicherweise - im Gefolge einer Umweltkatastrophe - für Ceti Alpha VI gehalten hatte. Khan übernahm die Reliant und stahl anschließend die Genesis-Erfindung auf der Regula-I-Raumforschungsstation. Seine Freiheit setzte er nicht dazu ein, um großer Pläne für die Zukunft zu schmieden; zu diesem Zeitpunkt interessierte ihn einzig und allein mehr die Rache an James T. Kirk, seinem Peiniger, den er für sein grausames Exil verantwortlich machte. Er verlangte der Enterprise viele Opfer ab, bis diese ihn endlich in einer spektakulären Schlacht im Mutara-Nebel zur Strecke bringen konnte.

Nach diesen in TV und Kino erzählten Geschichten wie auch im Gefolge des von Greg Cox herausgebrachten Zweiteilers um die Eugenischen Kriege auf der Erde und Khans Rolle darin, bildet "To Reign in Hell" gewissermaßen das Scharnier zwischen "Der schlafende Tiger" und "Der Zorn des Khans", wird doch nichts anderes als die Geschichte seines Exils auf Ceti Alpha V erzählt. Im Vorfeld nach der Verurteilung der Mutanten - plus Lieutenant Marla McGivers Entscheidung, Khan, in den sie sich verliebt hatte, begleiten zu wollen - ging Kirk sicher, dass Ceti Alpha V - ein Planet weit außerhalb des üblicherweise kartographierten Bereichs - die idealen Klasse-M-Bedingungen bot, um den Aussätzigen eine Chance zur Ansiedlung zu geben. Die Enterprise stattet Khan, seine Leute und McGivers mit allem Nötigen aus, das sie zum Überleben benötigen, bevor sie letztlich abfliegt. Khan ist frohen Mutes, hier eine Zivilisation von Übermenschen aus der Taufe zu heben, die eines Tages noch größer und glorreicher werden soll als sein Reich auf der Erde vor über 260 Jahren.

Doch davor gilt es, schier vielen Gefahren zu trotzen - beispielsweise wilden Tieren - und Herausforderungen, Nahrungssuche und Siedlungsbau, zu bestehen. Gerade einmal sechs Monate vergehen, bis sich auf der Nachbarwelt Ceti Alpha VI eine Katastrophe ereignet, die kurzerhand zur Explosion des Himmelskörpers führt. Die ausgelöste Schockwelle verschiebt die Umlaufbahn von Ceti Alpha V, und es kommt zu einem raschen Klimawandel. Die einst so mannigfaltige Klasse-M-Welt transformiert zur Klasse L. Sandstürme bedecken in Kürze die Oberfläche, außer wenigen hartnäckigen und gefährlichen Lebensformen stirbt alles Leben aus. Khan und seine Exilanten werden - entgegen derer anfänglichen Hoffnungen - nie wieder von der Sternenflotte kontrolliert, und es beginnt ein grausamer Kampf ums Überleben, in dessen Gefolge Khan alles verliert: das Paradies und die Möglichkeit, eine neue Welt zu besiedeln, die Loyalität jener Gemeinschaft, die ihm Treue geschworen hatte, und schließlich auch seine große Liebe Marla. Letztlich bleibt ihm nur sein Hass in Bezug auf James T. Kirk, der ihn über viele Jahre am Leben erhält.

Kritik

Nachdem Khan auf Ceti Alpha V ausgesetzt wurde, sinnt er auf Rache. Aber was geschah in dieser Zeit, sodass Khan derart hasserfüllt ist?
Als ich dieses Buch zum ersten Mal in die Hand nahm, war eine gesunde Portion Skepsis dabei. Immerhin erscheint Khan im zweiten Kinofilm als ein, wenn auch charismatischer, ziemlich durch und durch gemachter Oberschurke - das personifizierte Böse, das gegen das personifizierte Gute James T. Kirk in den Kampf zieht. Die Vorstellung, dass "To Reign in Hell" dieses Bild stark zu relativieren weiß und einen neuen Khan zeichnet ohne den alten mit Gewalt zu revidieren, erschien mir nicht nur etwas weit hergeholt, sondern auch ungemein schwer. Doch so reich wie die Welt an wundersamen Zufällen ist, trat, mit jeder Seite, die man hinter sich ließ, genau das ein.

Khan hat sich keineswegs von Anfang an ausgesucht, Rache an James T. Kirk zu nehmen, wie es der zweite Kinofilm schnell suggerieren könnte. Als das Außenteam der Enterprise Khan und seine insgesamt achtzig Übermenschen plus McGivers auf Ceti Alpha V abgesetzt (wo der kleine Sicherheitsoffizier Pavel Chekov mit ihm das letzte Mal spricht, wobei im Handstreich einer der größten Kontinuitätsfehler der "Star Trek"-Geschichte beseitigt wird), hat Khan sogar großen Respekt vor Kirk, der ihm, so sieht es der einstige Diktator, eine faire Chance gibt, einen eigenen Neuanfang zu machen. Khan träumt von einer Zukunft, da er und seinesgleichen eine Welt bändigen und eine Zivilisation aufbauen werden, die seinen rassischen Vorstellungen genüge tut. Dieses Ideal von einer neuen, nur von Mutanten beherrschten Welt scheint sich zunächst langsamen Schritts zu erfüllen. Die neuen Siedler gewöhnen sich nach einigen herben Zusammenstößen mit der Naturgewalt auf Ceti Alpha V ein, und es gelingt ihnen, erste Schritte in Richtung einer kleinen Kolonie zu unternehmen.

Nach "Der schlafende Tiger" hatte ich mich schon immer gefragt, wie es mit Lieutenant McGivers, die sich Khan bereitwillig anschließt, weitergeht. In "Der Zorn des Khan" liest man aus Khans knapper Aussage über "seine Frau" nicht mehr als dass es sich um McGivers gehandelt haben und dass er sie sehr geliebt haben muss. Autor Greg Cox reserviert dieser Beziehung einen ganz besonderen Platz, vor allem in der ersten Hälfte des Buches. Das ist erstaunlich und erweist sich als unbedingter Griff zur Vertiefung des Khan-Charakters. McGivers, eine Historikerin mit einem zeitlebens währenden Gefühl, nur hohe und mittelmäßige Dinge zu erleben, verliebte sich in der entsprechenden TOS-Episode in Khan, weil seine erhabene Aura sie über alle Maße hinaus in Beschlag nahm. Wie wichtig sie für Khan auf der neuen Welt in der neuen Siedlung (die er, nebenbei erwähnt, New Chandigarh tauft) wird, hebt Cox unverkennbar hervor: Khan war stets ein Übermensch, sah sich auch in diesem Bilde, von "normalen" Menschen wurde er verachtet und gefürchtet. Dass plötzlich eine nicht genetisch aufgewertete Erdenfrau Interesse an ihm hat, verleiht ihm das Gefühl, noch mehr zu sein als nur der Anführer einer kleinen Havarie. McGivers, die er von nun an stets beschützen möchte, bedeutet aber weit mehr für ihn: Sie beide teilen eine gewissermaßen magische Verbindung, die letztendlich dazu führt, dass Marla die einzige Person ist, die an Khan Kritik üben und damit zu ihm durchdringen kann. Khan beginnt sie als starke Partnerin zu schätzen, die es erreichte, den Tiger zu bändigen. Das hatte auch unmittelbare Auswirkungen auf Khans Verhalten gegenüber seiner Gemeinschaft, sehr zum Positiven hin.

Die schlagartige Umweltkatastrophe bringt all diese guten Entwicklungen zu Fall. Khan wehrt sich bis zum Schluss, von seinem Zorn zerfressen zu werden, doch am langen Ende des Exils ist die Dimension seines Verlustes total: Er verliert alles, was ihm jemals etwas bedeutete; zunächst den Traum der Welt, die er aufzubauen gedachte (als die Naturkatastrophe über Ceti Alpha V hereinbricht), dann die Loyalität seiner Leute (die eigentlich bei ihrem Abflug die Treue geschworen hatten) und McGivers - die einzige Person, die imstande ist, ihn Selbstkritik üben zu lassen. Khan bleibt - als Überlebenskünstler - gar nichts anderes mehr übrig, als die Rache an Kirk zu jenem letzten Element zu machen, mit der er die harten Jahre überstehen kann.

Wenn man in diesem Buch etwas erkennt, dann würde ich sagen, dass der endgültige Hass, den eine Person auf eine andere empfinden kann, keineswegs eine Einbahnstraße ist. Und sie ist auch alles andere als Selbstzweck. Khan war trotz seiner Zeit als Gewaltherrscher über ein Viertel der Erde, seiner Selbstverliebtheit und seiner rassistischen Vorstellungen eine Persönlichkeit, die sich selbst Prinzipien anlegte, nach einem inneren Kodex strebte. All das wurde während des grausamen Exils auf Ceti Alpha V sprichwörtlich hinweggefegt, und um sich selber einen Sinn zu verleihen, trat die Rache als letztes Feuer in der Aussichtlosigkeit dieser Hölle an die Stelle des Kodex.

Höchst interessant ist auch, dass die Geschichte mehr oder minder aus der Retroperspektive erzählt wird, nachdem Kirk, McCoy und der vor kurzem wiederbelebte Spock nach Ceti Alpha V zurückkehren, um Nachforschungen in Bezug auf Khan anzustellen, und dort auf sein persönliches Tagebuch (sowie das Grab von Marla McGivers) stoßen. In den Filmen wurden Khans Nachwirkungen vor allem auf Kirk niemals wieder aufgegriffen - hier erhält die menschliche Dimension ihre Tiefe, indem Kirk sich mit dem Werdegang Khans während des Exils auseinandersetzt und versucht, ihn zu verstehen. Dass ihm dies gelingt, beweist der persönliche Schwur, den der Captain der Enterprise sich am Ende leistet: niemals wieder jemanden zu vergessen. In letzter Konsequenz nämlich war Khan, wie er wurde, ein Produkt des (bewussten oder unbewussten) Vergessens. Damit gesteht sich auch Kirk einen schwerwiegenden menschlichen Fehler ein, und vielleicht schwingt da eine generelle Kritik gegenüber der so genannten "perfekten" Föderationsgesellschaft mit, die, um "perfekt" zu bleiben, es sich offenbar zur Aufgabe erklärte, alles Schlechte zu exkludieren.

Fazit: Eine Charakterstudie, die, wie nur sehr wenige, ganz einzigartige Akzente setzt und viele kleine Details aus "Der schlafende Tiger" und "Der Zorn des Khan" aufgreift, um sie mit dem großen Innovationspotential Greg Cox' bei diesem Werk zu vermengen. Obwohl in "To Reign in Hell" alles andere als die klassische "Star Trek"-Materie im Vordergrund steht, dringt in diesem Buch ein Spirit hervor, der gerade "Star Trek" Eigen ist: Es ist zunächst einmal der Glauben an eine bessere Welt. Was aber geschieht, wenn dieser Glauben durch bittere Realität und Fehler anderer Leute enttäuscht wird, demonstriert "To Reign in Hell" vorbildlich. Hierbei handelt es sich gewiss um einen der besten "Star Trek"-Romane, die jemals erschienen und die nur sehr schwer zu toppen sind.

Bewertung

Weitere Infos


Originaltitel "To Reign in Hell"

Buchreihe Classic

Autor Greg Cox

Preis 6,49 Euro

Umfang 368 Seiten

Verlag Simon & Schuster Pocket Books

ISBN 0-7434-5712-9

(jw - 16.03.07)


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