Stefan Menz (mz)
02.07.05
"Der Rächer"
William Shatner
Inhalt
Die Föderation wird von einem Virus heimgesucht, das jede Art
von Vegetation vernichtet und so zu Hungersnöten auf zahlreichen Welten führt.
Nach und nach weist immer mehr darauf hin, dass eine vulkanische Gruppe namens
Symmetriker hinter alledem steckt und ihr Führer soll der verstorbene
Botschafter Sarek sein.
Dessen Sohn Spock, die Crew der Enterprise-E und der todgeglaubte Captain Kirk
machen sich aus unterschiedlichen Motiven auf den Weg, um die Wahrheit
herauszufinden beziehungsweise die Föderation vor ihrem Untergang zu retten.
Kritik
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 Der Abschluss der ersten Kirk Trilogie: Ein Virus und eine Verschwörung suchen die Föderation heim... |
Hier ist nun also der dritte Band
von William Shatners erster Trilogie über Kirks Leben nach seinem Tod. Und wie
es sich für das Ende einer Trilogie gehört, werden hier alle offenen
Handlungsfäden verknüpft und die Geschichte zu einem Ende geführt.
Am Ende von "Die Rückkehr" hatte Kirk gerade das halbe Borg-Kollektiv
ausgelöscht und war bei der Vernichtung ihrer Heimatwelt mit in die Luft
geflogen. Oder auch nicht... Dass Kirk zurückkommen würde, war klar. Nur wie?
Ehrlich gesagt ist die Lösung gar nicht mal so schlecht und zumindest nicht so
absurd wie seine letzte Wiedererweckung. Diesmal war er einfach in einen
Evakuierungsstrahl gesprungen (nachvollziehbar, bei der Vernichtung eines
Borgkomplexes, da sich Picard in "Star Trek: Der erste Kontakt" auch daran
erinnerte, die Borg-Königin schon auf dem vernichteten Borgwürfel gesehen zu
haben, auf dem er sich als Locutus befand) und in einer
Borg-Wiederaufbereitungsanlage gelandet. Dort reinigten abtrünnige Borg (die als
Folge der Individualisierung Hughs entstanden waren) seinen Körper von der
Borgtechnik, die ihn zuvor am Leben erhalten hatte, und heilten seine Wunden.
Etwas schwerer nachvollziehbar war, dass der Mann, für den es nur sein Schiff
gab, nun nichts anderes will, als in Ruhe mit seiner großen Liebe Teilani aus
"Die Asche von Eden" zu leben. Für ihn gibt es nur noch die Anonymität und ein
Leben ohne Technik - bis er gezwungen ist, wieder das Kommando zu übernehmen, um
ein weiteres Mal die Föderation zu retten - und wenn es nur ist, um endlich
seine Ruhe zu haben. Nein, das ist nicht ganz richtig. Denn irgendwo in seinem
Kopf verlangt Sarek, dass er sich dieser Sache annimmt.
Und damit beginnt das Beste an dieser Geschichte: die Verschwörung einer
vulkanischen Untergrundbewegung, die bis in Kirks Kindheit zurückreicht.
Geschickt wird hier die Idee aus der Episode "Kodos, der Henker" wieder
aufgegriffen. Denn schon damals hatten die Symmetriker für die
Nahrungsmittelknappheit gesorgt, um den Menschen eine Lektion zu erteilen. Und
damals war Kirk zum ersten Mal Sarek begegnet, der hinter alledem steckte. Aber
nicht nur diese Sache wird aufgegriffen, es wird auch erklärt, warum Sarek und
Spock nie eine Gedankenverschmelzung durchgeführt hatten (denn sonst hätte Spock
ja von Sareks Geheimnis erfahren). Sogar Sareks Tod durch das Bendii-Syndrom war
eigentlich ein Mord an ihm, denn natürlich muss Sareks Name letztendlich wieder
reingewaschen werden, hier indem er sich von den Symmetrikern abwandte und dann
von diesen getötet wurde.
Ebenfalls aufgegriffen wird die Folge "Weltraumfieber" und Spocks Verlobte
T'Pring, die nun eine hohe Position bei den Symmetrikern innehat. Hier wurde
allerdings eine logische Erklärung versäumt, denn abgesehen von ihrem bekannten
Namen hätte sie ebenso gut irgendeine x-beliebige andere Person sein können.
Sinnvoller wäre hier gewesen zu sagen, dass Sarek Spock eben mit einer anderen
Symmetrikerin verheiraten wollte; dies hätte auch seine Abwesenheit bei Spocks
Hochzeit erklärt, da er zu diesem Zeitpunkt der Bewegung eben nicht mehr
angehörte. Und dass ausgerechnet eine Nachkommin von Dr. M'Benga Teil der
Handlung sein musste, hat keinen tieferen Sinn.
Auch die Darstellung Kirks und Spocks gelingt Shatner gut, allerdings kommen
Picard und seine Crew erneut etwas schwach weg. Und wieder einmal ist Kirk
natürlich in jeder Hinsicht allen anderen überlegen. Mit einem veralteten
Wissenschaftsschiff der Oberth-Klasse besiegt er mal so nebenbei ein orionisches
Kampfgeschwader und später sogar noch die Enterprise-E, er überlistet ein
vulkanisches Gefängnis und so weiter...
Aber wirklich störend ist die absolute Dummheit aller anderen um ihn herum.
Warum sollten die Vulkanier so naiv sein anzunehmen, dass ein Gefangener in
seiner Zelle nur meditieren würde, so dass sie die Zelle nicht einmal
verschließen, sondern man nur einen Öffnen-Knopf drücken muss, und dass sie
nicht einmal Wachen aufstellen, ja nicht einmal die Zelle auf die Anwesenheit
der Insassen überprüfen? Und als sie in einer ausweglosen Sackgasse sitzen,
bemerken sie dann ganz plötzlich, dass direkt vor ihrer Nase ja ein
Frachttransporter steht, der sie mal schnell an Bord ihres Schiffes beamen kann.
Und natürlich ist Kirk auch Picard, wie schon im letzten Buch, überlegen. Erst
besiegt er dessen übermächtiges Schiff, dann wird ein künstlicher und
unglaubwürdiger Konflikt zwischen den beiden heraufbeschworen, der Shatner nur
dazu dienen kann, Kirk als den einzig wahren Captain zu profilieren.
Ach ja: Es muss ja nichts zu bedeuten haben, dass William Shatner bereits zum
vierten Mal verheiratet ist, aber irgendwie scheint er ein gestörtes Verhältnis
zu Treue und Sexualität zu haben. Einerseits soll Teilani seine große Liebe sein
(die natürlich seit 80 Jahren auf den Traummann aller Frauen im Universum
wartet), mit der er sogar im Krankenbett ständig Sex hat, andererseits hat die
ehemalige Borg Miko, die ihn behandelt hat, laut seiner Formulierung "ihr Bett
mit ihm geteilt", kaum ist er mal kurz von Teilani weg, fühlt er sich zumindest
sehr angezogen von Christine MacDonald, seiner Begleiterin auf dieser Mission.
Am Ende hat Kirk natürlich mal wieder fast im Alleingang die Föderation gerettet
(natürlich, denn für etwas Geringeres steigt er nicht mal aus dem Bett), er ist
glücklich mit seiner Teilani, die Trilogie ist abgeschlossen ... und doch ist
man gespannt, wie es denn nun weitergeht. Wie gut, dass es noch zwei weitere
Trilogien gibt.
Fazit: Würdiger Abschluss der ersten Kirk-Trilogie, der in seiner
Glorifizierung Kirks teilweise in angemahnte Absurditäten vorstößt.
Bewertung
Weitere Infos
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| Titel |
"Der Rächer" |
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| Originaltitel |
"Avenger" |
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| Buchreihe |
Shatnerverse |
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| Autor |
William Shatner mit Judith & Garfield Reeves-Stevens |
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| Übersetzer |
Ronald M. Hahn |
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| Preis |
Ursprüngl. Ladenpreis:
14,90 DM

Antiquarisch: ca. 3 bis 5 Euro
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| Umfang |
424 Seiten |
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| Verlag |
Heyne |
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| Bestellnummer |
06/5690 |
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| ISBN |
3-453-16184-X |
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(mz - 13.03.07)