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Jörn Podehl (jp)10.03.06

"Ex Machina"

Christopher L. Bennett

Inhalt

Wenige Wochen ist es her, dass Kirk als Held des Universums die Bedrohung V'Ger abgewendet und die Erde gerettet hat. Je länger er darüber nachdenkt, desto verlorener kommt er sich in seiner Rolle als Retter vor und hinterfragt, ob das, was er Captain Decker angetan hat, als er ihn seines Kommandos enthob, richtig gewesen ist.

Mit seinen Selbstzweifeln steht Kirk nicht alleine da: Spock ist nach dem Abbruch des Kolinahrs ein Geächteter auf Vulkan, während McCoy mit den Apparaten und den neuen Spezies auf der Enterprise nicht zurechtkommt. Gerade in dieser schwierigen Zeit kommt es zu Anschlägen auf dem Planeten Lorina, wo vor etwas über einem Jahr der Komet Yonada nach einer schier unendlich langen Zeit sein Ziel erreicht hat.

Kirk und seine Crew brechen auf, um Natira - Herrin der Fabrini - zur Seite zu stehen. Doch nicht alle Fabrini sehen in Kirk einen Freund: Für viele ist er ein Gottesmörder, der das Orakel und ihren Glauben zerstört hat, und der bedrohlichste Terrorist auf Lorina plant mit dem Orakel etwas, das über die Grenzen des Menschlichen hinausgeht: Er will eins mit dem Orakel und so mächtig wie V'Ger werden. Doch dafür braucht er Kirks engsten Verbündeten… Spock.

Kritik

Spielt direkt nach "Star Trek: Der Film": Die drei Helden kommen mit der neuen Situation nicht so zurecht, genau wie die Fabrini...
"Ex Machina" ist Christopher L. Bennetts erster veröffentlichter "Star Trek"-Roman, dem etwa ein Jahr später der dritte "Titan"-Band "Orion's Hounds" folgte.

Ich empfehle den Lesern, bevor sie sich an "Ex Machina" heranwagen, sich die TV-Episode "Der verirrte Planet" ins Gedächtnis zu rufen und sich mit den Fabrini und der Geschichte rund um Yonada vertraut zu machen - vieles wird dadurch einfacher und verständlicher, womit wir gleich beim ersten Punkt wären, der mich bei diesem Buch fröhlich, als auch etwas traurig stimmte: "Star Trek"-Romane greifen seit "Titan - Taking Wing" stark ineinander über und versuchen somit eine lückenlose Geschichte zu konstruieren. Das ist eine unheimlich tolle Sache, die ich in den letzten Jahren bei den Trek-Romanen vermisst habe, da der große Resetknopf am Ende jedes Buches ein echter Langeweilefaktor war. Hier aber hat es Christopher L. Bennett zu gut gemeint. Er hat Nebenhandlungen aus "Die Tochter des Captain", der Anthologiensammlung "Enterprise Logs" ("Night Whispers"), "Kobayashi Maru", vielen L.A. Graf-Storys, "Vulcan's Forge", "Die verlorenen Jahre" und "Foundations" (S.C.E.) aufgegriffen, was für mich, der zwar schon einige "Star Trek"-Bücher gelesen hat, aber längst nicht alle, den Lesespaß etwas getrübt hat. Vieles musste man sich trotz Erklärungen selbst zusammenreimen.

Und mit "Ex Machina" fährt Bennett, der im Übrigen weder verwandt noch verschwägert mit dem Produzenten Harve Bennett ist, gleich ein großes Charaktergeschütz auf: "Ex Machina" kümmert sich fast ausschließlich um die Charakterentwicklung der Enterprise-Personen nach dem V'Ger-Zwischenfall aus "Star Trek: Der Film". Auf etwa dreiviertel der Romanseiten erfährt der Leser stellenweise viel zu viel über die Freuden und die Leiden von Kirk, Spock und McCoy, die sich allesamt verändert haben. Verknüpft mit einigen lustigen Zitaten und gekonnt platzierten Anspielungen werden hier und da bereits Weichen für die Zukunft der alten, rüstigen Helden gestellt.

Jede Menge alte Bekannte aus der TV-Serie "Star Trek" sowie aus dem ersten Kinofilm finden ihren Platz in der Story und werden plastisch dargestellt, so wie man es sich als Fan der Charakterstorys wünscht. An manchen Stellen aber übertreibt es Bennett, weil er versucht, jeder Person - egal wie "unbedeutend" sie ist - eine Hintergrundstory zu geben. Sogar Jannice Rand und Commissioner Lindstrom, Föderationsvertreter auf Lorina, werden genauer dargestellt.

Sehr schön und einer der Highlights des Buches ist sicherlich der Konflikt zwischen den Kirk- und den Decker-Anhängern. Letztere sind mit der jetzigen Situation auf der Enterprise unzufrieden, sie schieben Kirk den Tod ihres ehemaligen Captains in die Schuhe, und besonders der Sicherheitsoffizier Fähnrich Zaand (er war einmal kurz in "Star Trek: Der Film" zu sehen) nutzt jede Gelegenheit, um gegen Admiral Kirk zu wettern. Zwar wird er gegen Ende auf die typische Trek-Art erleuchtet und bekehrt, was etwas übertrieben wirkt, doch hat dieser Handlungsbogen durchaus seinen Reiz.

Ebenso verhält es sich mit den Geschichten um Spock und McCoy. Der Vulkanier gerät mit Commissioner Soreth aneinander, der Spock mit einem ziemlich harten (war es aber wirklich emotionslos?) Zitat abstraft:

"Sie haben den Kolinahr abgelehnt. Sie haben das abgelehnt, was einen Vulkanier ausmacht."

Soreth zu Spock
Seite 159.

Mussten aber noch komplexe Gedankengänge von Uhura über Ilia und Chekovs Eifersucht auf Sulu, mit dem er jetzt nicht mehr zusammen an einer Station sitzt, sein? Dass Chekov als frischgebackener Sicherheitschef seine Probleme mit den Fabrini-Aufständen und dem Verlust seines ersten Untergebenen hat, ist zwar schön beschrieben, sprengt aber den Umfang des Buchs. Viele zusätzliche Charaktere werden aufgebauscht und verpuffen später im Verlauf der Geschichte plötzlich.

Eben aus diesem Grund leiden viele Szenen in dem Buch, die aufgrund der teilweise überstrapazierten Charakterisierung stark in den Hintergrund geraten und so fast gänzlich an Bedeutung verlieren. Szenen kommen in dem Buch vor, die später nicht mehr relevant sind oder Konflikte werden künstlich geschürt. McCoy zum Beispiel kennt sich mit den neuen Lebensformen an Bord nicht aus, und prompt macht er einen medizinischen Fehler, der unterstreicht, wie lange er außer Dienst gewesen ist. Dass sich daraus ein Konflikt mit dem Personal ergibt, die Dr. Chapel mehr trauen als McCoy ist klar, aber einfach künstlich verfasst und wenig überzeugend worden.

Dasselbe Schicksal ereilt auch die Geschichte um die Fabrini und Yonada, und schnell wird der Rote Faden zu einem rosa Seidenbändchen zwischen dem farbenprächtigen Charakterstoff. An manchen Stellen ist das sehr ärgerlich, da die Story um das kometenartige Raumschiff doch sehr spannend und interessant ist, sich aber im Wust der Personen verliert.

Werden Kirk & Co. wunderbar beschrieben, verfehlt Bennett dies meiner Meinung nach an dem Charakter von Natira. Die Herrin der Fabrini aus der TV-Episode ist hart und lässt sich kaum von ihrer Meinung abbringen. Als McCoy ihr am Anfang des Buches gesteht, dass er keine Liebe für sie empfindet, wird sie verständlicherweise ärgerlich und jagt den Arzt verletzt davon. Mir nichts, dir nichts entschuldigt sich McCoy später bei ihr und alles ist wieder gut. Wenig überzeugend. Da hat Bennett die Chance und das Potenzial für einen interessanten Konflikt verspielt, über den ich persönlich gerne mehr gelesen hätte.

Zwischen den Zeilen erkennt man, dass Bennetts Roman nicht nur gute Unterhaltung sein soll, sondern gleichzeitig eine Schelte an die Regierung der USA wegen des Golfkriegs ist. Mit den fanatischen Fabrini als Bedrohung für das Rechtssystem und der Unfähigkeit der Föderation und der Fabrini-Regierung auf deren Ängste und Wünschen zu reagieren, winkt Bennett mit dem moralischen Zeigefinger und deutet auf die wahre Bedrohung hin: das Unvermögen der Menschen, Konflikte auszudiskutieren und sich zu ändern. Ob es ihm nun letzten Endes gelungen ist, sei dahingestellt. In meinen Augen ist der Konflikt um Terrorist Dovraku zu schnell und einfach gelöst worden, nachdem er seitenlang hochgepuscht worden ist. Dovraku hat sich nur als fanatischer, stereotypischer Bösewicht entpuppt, der sich zwar gründlich über seinen Gegner informiert hat, ihn aber beim Erreichen seines Ziels unvorsichtig und blind macht.

Der ungewöhnliche Titel des Buches stammt aus dem Lateinischen von "Deus ex machina" (zu Deutsch: "Gott aus der Maschine") ab, was laut Lexikon ursprünglich die Bezeichnung für die kranartige Bühnenvorrichtung des griechischen Theaters ist, mit deren Hilfe Götter respektive Helden überraschend auf dem Dach des Bühnenhauses erscheinen konnten. "In verschiedenen griechischen Tragödien wurde eine unlösbare Verwicklung kurz vor der Katastrophe durch den (oftmals unmotivierten) Machtspruch eines von oben auf die Bühne herabgelassenen Gottes gelöst. Daher steht der Begriff nicht nur im Drama, für die plötzliche Lösung eines Konflikts." Und genau daran hat sich Bennett auch gehalten, als er den Leser durch das Ende jagte und mit dem "V'Ger ist der Gott, doch das Orakel ist mächtiger als jeder Gott"-Gedanken abspeiste.

Fazit: Die Stärke des Buchs ist gleichzeitig seine Schwäche. Grandiose Charakterisierungen Kirks und seiner Kollegen sind einfach Klasse, doch gleichzeitig zuviel. Die Story endet abrupt und zu schnell. Für Gelegenheitsleser eine Reizüberflutung, für eingefleischte Fans der Originalserie sicherlich ein gutes Buch.

Bewertung

Weitere Infos


Originaltitel "Ex Machina"

Buchreihe Classic

Autor Christopher L. Bennett

Preis 7,99 Euro

Umfang 366 Seiten

Verlag Simon & Schuster Pocket Books

ISBN 0-7434-9285-4

(jp - 20.09.07)


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