Florian Heinz (fh), Manrico Tenner (te)
09.03.03
"Puppen"
David Niall Wilson
Inhalt
Die Voyager-Crew hat Hunger und Durst: Die Lebensmittelvorräte
gehen schneller zur Neige als es Captain Janeway lieb ist und sogar das Wasser
an Bord wird langsam knapp. Da kommt ein erdähnlicher Planet, auf dem es alles
gibt, was man sich als Neelix wünscht, gerade recht. Außer vielleicht der Prä-Warp-Zivilisation, die man zudem wegen des dicken Laubdachs der Bäume und
dieser komischen Lebenskraft, die den Planet umhüllt, nicht richtig scannen
kann.
Erste Direktive hin oder her, man beamt herunter und wird auch gleich von
einem freundlich scheinenden Volk begrüßt. Die Fremden arbeiten ihr gesamtes
Leben darauf hin, in die "Eine Stimme" aufzusteigen, in die Lebenskraft, die man
schon vorher gescannt hat. Mithilfe eines bestimmten Blütenstaubs, dem Ambiana, kann man diesen Zustand erreichen. Auch Kes spürt diese Stimme, die
Emanation, die alles auf dem Planeten umhüllt, und sie ist davon fasziniert.
Eine Bajoranerin reagiert ein wenig sensibler auf den Blütenstaub und erliegt der
Wirkung der Drogen relativ schnell. Die Einheimischen finden das natürlich
klasse und wollen das Ritual vollenden, ihre Seele der Einen Stimme hinzufügen.
Janeway hat natürlich etwas dagegen, aber das kümmert die Fremden wenig: In
einer Nacht- und Drogen-Aktion entführen sie die junge Frau, und unter dem
Einfluss des Ambiana kann das Außenteam auch gar nichts gegen die Entführung
tun - außer eben schlafen.
Gerade zur rechten Zeit entwickelt der Doktor ein Mittel gegen die Drogen und
lässt es durch Paris auf den Planeten bringen. Janeway macht sich nach seiner
Ankunft mit einer Gruppe auf den Weg, um die Bajoranerin zu finden. Der militante
zweite Führer des fremden Volkes will aber mit allen Mitteln das Ritual an der
Bajoranerin durchführen: Die Unbewaffneten drängen das Außenteam in einem
unfairen Phaserkampf in ihr unterirdisches Höhlensystem. Sozusagen in das
Zuhause der Fremden. Also kein Wunder, dass man geschnappt werden würde, wenn
nicht das große Erwachen der Lebenskraft-Emanation plötzlich beginnen würde...
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 Eine Welt voller mysteriöser gefährlicher Pflanzen. |
1. Florian Heinz
"Also, die erste Seite hätte mir auch schon gereicht!", hat mir
ein Bekannter entgegengelacht, als ich ihm sagte, ich würde über dieses Buch
eine Kritik schreiben. Und er hatte recht: Das Buch ist schlecht, richtig mies
und nur weiterempfehlenswert, wenn man sich über misslungene Formulierungen,
peinliche Charakterisierungen und eine Story, die fast keine Anreize bietet,
amüsieren kann.
Die Schlamperei fängt schon da an, als der fremde Planet auf dem Bildschirm der
Voyager erscheint: Neelix hat die Crew zu ihm geführt und natürlich ein paar
Sagen verschwiegen, die die bevorstehende Mission betreffen könnte. Überhaupt
kommt Neelix in diesem Buch gar nicht gut weg: Er ist der dumme, naive Koch,
verliebt in seine Kes, für die er alles machen würde. Kes hat eigentlich gar
keinen Charakter. Sie ist während der gesamten Geschichte "high". Und so
interessant dargestellt, dass man verstehen kann, warum sie niemanden Besseres
bekommt als diesen Koch.
Und Kim... Er hat ja seine Frau auf der Erde, der brave, junge, pflichtbewusste
Fähnrich. Und er liebt sie auch... Sogar so sehr, dass er in diesem Buch den
anderen weiblichen Personen aus dem Weg geht. Da verwundert es auch nicht, dass
Janeway, während Kims Quasi-Tod, so gefühllos und unmenschlich reagierte, wie
der perfekte Vulkanier. Zu Tuvok nur so viel: Wilson lässt ihn weinen!
Diese Charakterisierungen wären ja eigentlich nicht so schlimm gewesen, wenn die
Handlung einigermaßen stimmig wäre. Es hört sich ja, ehrlich gesagt, auch
interessant an: Ein uraltes fremdes Volk, das sich eigentlich allein durch
religiöse Rituale definiert. Aber auch diesen Ball verspielte er mit einer
Bravour, die ihres Gleichen sucht: Die Aliens bleiben blass und uninteressant,
die Geheimnis umwobene Lebenskraft-Emanation einfach nur peinlich, und mir war
es so was von egal, ob diese No-Name-Bajoranerin nun in den ewigen Schlaf
übergegangen wäre oder eben nicht. Was mich dafür aber aufregte, war das
unlogische und einfach naive Verhalten der gesamten Voyager-Crew: Sie kamen mir
nicht vor, wie eine ausgebildete Mannschaft voller Top-Offiziere, sondern
vielmehr wie ein paar Zeitreisende aus dem 19. Jahrhundert.
Ich kann mir das alles eigentlich nur so erklären, dass Wilson niemals in seinem
Leben "Star Trek" geschaut, geschweige denn gelesen hat.
2. Manrico Tenner
Dieser
Roman ist sehr langatmig geraten, wobei neben der fehlenden Spannung auch die
ausführliche Beschreibung der Emotionen der Voyager-Crewmitglieder den Lesefluss
hemmt. Janeways Entscheidungen sind nicht immer nachvollziehbar. Der Landetrupp
hätte in Quarantäne gebeamt werden können, und den Lesern wäre der Rest der Story
erspart worden.
Leider taucht auch wieder ein altes Klischee auf: Jugend hört nicht auf die
Alten, beschwört dadurch eine Katastrophe herauf, und die Alten müssen alles
wieder ausbügeln, worauf die Jugend ihre Unreife einsieht und ihre Lektion
gelernt hat. Das ist ein Konfliktstoff, den es in jeder Serie (damit meine ich
nicht nur "Star Trek") schon gegeben hat, so dass auch der Autor dem nichts Neues
abgewinnen kann.
Weiterhin wird die Rasse der Urrythaner durch eben diesen Handlungsstrang stark
vermenschlicht. Es sei denn, uneinsichtige, voreilige und respektlose
Jugendliche gibt es in der gesamten Galaxie? Hier wirken die Konflikte stark
konstruiert.
Der Planet mit seinen langen, knochigen Bewohnern, die unter der Erde leben und
gelegentlich den Besuchern aus dem All erscheinen, erinnern mich stark an die
Serie "Earth 2". Schon dort blieben die Außerirdischen, beziehungsweise Unterirdischen
recht farblos. Obwohl genaugenommen, hier wie dort, der Mensch der Außerirdische
ist.
Leider sind die Figuren insgesamt nicht besonders gelungen. Am nervigsten
erscheinen mal wieder ein um Kes besorgter Neelix und eine
entscheidungsunfreudige Janeway.
Fazit: Tuvok scheint dieses Buch bereits gelesen zu haben, anders kann ich mir
seine starke emotionale Reaktion am Ende nicht erklären: Er weint. Das möchte
man als Leser auch, denn unbefriedigende Charakterzeichnungen, eine langatmige
Erzählweise und ein Planet mit einem Geheimnis, welches nicht so recht fesselt,
zeichnen diesen Roman als unterdurchschnittlich aus.
Bewertung
Weitere Infos
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| Titel |
"Puppen" |
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| Originaltitel |
"Chrysalis" |
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| Buchreihe |
Voyager |
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| Autor |
David Niall Wilson |
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| Übersetzer |
Andreas Brandhorst |
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| Preis |
Ursprüngl. Ladenpreis:
6,95 Euro

Antiquarisch: ca. 2 bis 8 Euro
 Dieser Roman ist nur noch antiquarisch erhältlich.
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| Umfang |
265 Seiten |
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| Verlag |
Heyne |
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| Bestellnummer |
06/5813 |
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| ISBN |
3-453-14873-8 |
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(fh, te - 09.03.03)