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Julian Wangler (jw), Martin Weinrich (wc), Thomas Götz (tg)24.02.14

"Bewahrer"

Kirsten Beyer

Vorbemerkung

"Protectors" ist der erste Teil einer Trilogie anlässlich des zwanzigjährigen Jubiläums von "Star Trek: Voyager". In der Ankündigung von Paramount heißt es über diese Trilogie: "When these stories have been told, all of the questions that have remained unaddressed since the fleet's new mission began will be answered."

Inhalt

Die bislang dramatischste Mission seit ihrer Rückkehr in den Delta-Quadranten liegt hinter der Voyager und ihrer Flotte. Im Zuge der zurückliegenden Ereignisse von "The Eternal Tide" ging es nicht nur um die Rettung des Multiversums, sondern mehrere Schiffe und auch die bisherige Flottenkommandantin Captain Afsarah Eden gingen unwiederbringlich verloren - und die 14 Monate lang tot geglaubte Kathryn Janeway kehrte wundersam ins Leben zurück.

Diese dramatischen Vorfälle führen nun dazu, dass die Sternenflotte neu über die Zukunft des Projekts Full Circle nachdenkt. Auf den ersten Blick scheint vieles dagegen zu sprechen, die Voyager und die verbliebenen Einheiten weiter im Delta-Quadranten zu belassen: Erstens hat die Voyager bislang keinen echten Hinweis darauf finden können, dass das Borg-Kollektiv noch existiert (das war einer der wesentliche Aufträge), zweitens kann es sich die Sternenflotte angesichts ihrer Herausforderungen beim Wiederaufbau und der sich verschlimmernden Konfrontation mit dem Typhon-Pakt nicht leisten, alle (inzwischen fünf von insgesamt neun) verloren gegangenen Schiffe zu ersetzen (wodurch eine Langzeitmission kaum noch machbar ist) und sie will zudem im Alpha- und Beta-Quadranten auf tunlichst kein Schiff verzichten.

Gewichtig hinzu kommt noch, dass zwar der Leiter des Full-Circle-Projekts, Admiral Montgomery, Janeway den Oberbefehl über die Flotte angeboten hat, aber von seinen Vorgesetzten im Oberkommando – darunter insbesondere Admiral Akaar – überstimmt wurde. Diese weigern sich, Janeway ohne Weiteres zu Edens Nachfolgerin zu ernennen, weil sie an ihrer Diensttauglichkeit Zweifel haben. Also wird sie erst einmal zwecks eingehender Befragung und psychologischer Begutachtung zur Erde zurückzitiert. Janeway wiederum scheint nicht einmal hundertprozentig überzeugt, dass es richtig wäre, den Posten an der Spitze der dezimierten Flotte zu übernehmen. So hängt das Projekt Full Circle zum ersten Mal in den Seilen.

In dieser Situation beschließt Captain Chakotay, der Sternenflotte zu demonstrieren, dass die Arbeit der Voyager hier draußen von beträchtlichem Wert ist und nicht einfach fallen gelassen werden kann – koste es, was es wolle. Er will nicht länger nach dem Verbleib der Borg suchen, sondern sich ganz neuen Themen und Fragestellungen zuwenden, die wieder mehr mit Forschergeist zu tun haben. Im Anschluss an eine groß angelegte Zeremonie zum Gedenken an die gefallenen Besatzungen der Esquiline, Quirinal, Hawking und Curie bricht das medizinische Versorgungsschiff Galen mit Janeway an Bord Richtung Erde auf (mit ihr kommen der Doktor, Barclay und Icheb, welcher ebenfalls zur Erde zurückkehrt, um sein Studium an der Sternenflotten-Akademie zu beenden).

Währenddessen beruft Chakotay eine Sitzung der Führungsoffiziere von Voyager und Demeter ein. Nach einem Brainstorming verschiedener Missionsideen begeistert Kim ihn mit Informationen über ein Weltraumphänomen, dem die Voyager in ihrem allerersten Jahr im Delta-Quadranten begegnete: jener Raumverzerrung, die sich als Lebensform herausstellte ("Der mysteriöse Nebel"). Bevor sie sich damals entfernte, lud sie die Datenbank der Voyager herunter und kopierte ihrerseits große Datenmengen in die Speicherbänke des Schiffes. Doch wie Kim eröffnet, hat es sechs Jahre gebraucht, bis er mit diesen kryptischen Informationen etwas anfangen konnte. Nun wagt er die These, dass der Nebel nicht - wie einst von Janeway vermutet – einfach nur Hallo sagen wollte, sondern offenbar eine Art Notsignal absetzte – und zwar in Bezug auf den Ursprungsort, von dem er loszog.

Der Sicherheitschef glaubt, dass diese ominöse Entität aus einer unbekannten Region in den unkartografierten Tiefen des Delta-Quadranten stammt und bereits 20.000 Lichtjahre gewandert war, als ihr die Voyager vor zehn Jahren begegnete. Die Koordinaten hat er jetzt praktischerweise verfügbar (und gibt auf Fragen, warum er das Thema nicht schon früher ansprach, zu bedenken, dass die Voyager, hätte sie damals diesem vermeintlichen Notruf nachgehen wollen, 40.000 Lichtjahre in die falsche Richtung hätte reisen müssen). Wie gut, dass vor kurzem ein dramatischer Technologiesprung bei der Sternenflotte eingesetzt hat und die Voyager nun über experimentellen Quanten-Slipstream-Antrieb verfügt. Dadurch werden aus Jahren der Reise nur noch ein paar Wochen. Chakotay fängt Feuer und lässt einen Kurs setzen. Noch ahnt niemand, dass diese selbst erteilte Mission die Voyager mit extrem gefährlichen Alienartefakten in Berührung bringen wird, hinter denen eine uralte Zivilisation steht, und die das Überleben Vieler gefährden.

Auf der Erde angekommen, ist Janeway einem Wechselbad der Gefühle ausgesetzt. Einerseits ist das Wiedersehen mit ihrer Familie, Freunden und Bekannten eine längst überfällige und sehr innige Erfahrung, andererseits entpuppen sich die Sitzungen im Oberkommando als annähernd so unangenehm wie von ihr befürchtet. Dabei wird immer offensichtlicher, dass die Bedenken der Admiralität gegen ihre Ernennung als neue Befehlshaberin der Full-Circle-Flotte nicht nur mit ihrer Assimilation wie Wiederauferstehung und den prägenden Erlebnissen mit den Q und Omega zu tun haben. Vielmehr glaubt man im Oberkommando, dass Janeway ihrer Besatzung mittlerweile zu nahe steht, um noch ihre Vorgesetzte sein zu können. Obwohl sie alles daran setzt, die Zukunft des Projekts Full Circle zu sichern, scheinen Akaar und die anderen Admiräle bereits festgelegt zu sein.

Nachdem die Galen Janeway auf der Erde abgesetzt hat, fliegt sie auf dringenden Befehl direkt weiter nach Sternenbasis 185 an der Föderationsgrenze im Beta-Quadranten. Speziell die Dienste des Doktors wurden angefragt. Er soll sich um einen Patienten kümmern, der vor kurzem aufgelesen wurde und scheinbar ein Caeliar ist. Da der Doktor mittlerweile entscheidende Fortschritte beim Studium von Sevens Catomen erzielt hat, die nach der Auflösung des Borg-Kollektivs durch die Caeliar-Gestalt alle Nanosonden in ihrem Körper ersetzt haben, ist es ihm zuerst möglich, die Theorie, dass es sich beim Fremden um einen Caeliar handelt, zu widerlegen. Kurz darauf stellt er fest, dass der Fremde ein ehemaliger Borg ist, der sich weigerte, in die Caeliar-Gestalt aufgenommen zu werden. Und mehr noch: Offenbar handelt es sich um einen alten Bekannten von Seven of Nine: Axum. Im Zuge von Axums Behandlung findet der Doktor heraus, dass die Föderation schon sehr bald von einem tödlichen Virus betroffen sein könnte, das von den Catomen ausgeht ...

Kritik

1. Julian Wangler

Während Janeway auf der Erde um die Zukunft der "Full Circle"-Mission kämpft, untersucht die Voyager einen mysteriösen Nebel.
Ich muss zugeben, ich hatte den "Voyager"-Relaunch schon beinahe abgeschrieben. Seit dem wirklich überragenden "Full Circle", das so viel Potenzial bot, versank die Romanfortsetzung in höchst mittelmäßigen und soaplastigen (!) Einzelabenteuern, die alles andere taten als den "Kreis zu schließen". Der letzte Roman, "The Eternal Tide", brachte dann Janeway zwar mit Pauken und Trompeten zurück, bot allerdings nebst enormem Schiffsverschleiß eine ziemlich wirre Geschichte über Raum-Zeit-Paradoxien und das Multiversum, bei der ich teilweise nur noch abgeschaltet habe. Obwohl es noch das beste Buch der letzten Jahre war, habe ich nicht wirklich Feuer gefangen. Immerhin hat "The Eternal Tide" aber neue Tatsachen geschaffen: Die Full-Circle-Flotte wurde mehr als halbiert, Captain Eden hat sich für den Fortbestand der Milchstraße geopfert, und Janeway ist zurück von den Toten. Kirsten Beyers neuester Streich, "Protectors", macht genau an dieser Stelle weiter – und hat mich wirklich positiv überrascht.

Zum ersten Mal seit langem hat man das Gefühl, dass der "Voyager"-Relaunch wieder in eine neue formative Phase eintritt. Diese scheint die Fehler vorangegangener Phasen tunlichst vermeiden zu wollen. Was genau meine ich damit?

Zum einen die Rückkehr zur Caeliar-Thematik: Endlich kommt diese mächtige Spezies, die es in "Destiny" mal eben vollbrachte, das ganze Borg-Kollektiv verschwinden zu lassen, wieder vor, wenn auch nur indirekt. "Full Circle" riss gerade im Zusammenhang mit der Transformation Seven of Nines viele Fragen an, ließ diese aber weitestgehend offen. Was dann folgte, waren verschiedene Einzelabenteuer der Flotte im Delta-Quadranten – der "Voyager"-Relaunch kam von seinem roten Faden ab und verzettelte sich immer mehr. Dabei ist ja die Vertiefung der Caeliar-Thematik gerade ein guter Weg, die "Voyager"-Romane stärker mit den anderen "Star Trek"-Geschichten zu verbinden sowie die Ereignisse aus "Destiny" fortzuführen. Jetzt scheint der große Bogen, der mit dem ersten Roman des zweiten "Voyager"-Relaunchs begonnen wurde, wieder aufgenommen zu werden, und das lässt mich hoffen, zumal der Handlungsbogen rund um die Catom-Seuche ja noch im kommenden Band, "Acts of Contrition", weitergeführt wird.

Der zweite wichtige Aspekt betrifft meiner Meinung nach das Wiedervorkommen des Alpha-Quadranten: Waren die ersten vier Romane der Serienfortsetzung – damals noch aus der Feder von Christie Golden – im Alpha-Quadranten angesiedelt, kehrte die Voyager ab "Full Circle" wieder in den Delta-Quadranten zurück und führt seitdem dort ein ziemliches Eigen-, fast möchte man sagen Einsiedlerleben. Janeways Rückkehr zur Erde (dem Quanten-Slipstream sei Dank!) und die Handlung rund um den vermeintlichen Caeliar-Patienten des Doktors zeigen: Jetzt ist wieder der Anspruch da, die Geschehnisse in der südlichen Milchstraße mit dem Delta-Quadranten zu verflechten – und "Voyager" so stärker mit der "Typhon Pact"-Reihe zu verzahnen. Das kann nur von Vorteil sein und bringt auch mehr Abwechslung hinein. Darüber hinaus gibt es aber auch ein Reservoir an Figuren auf der Erde, die jetzt endlich wieder genutzt werden können. Auf diese Weise gibt es hier einen Brückenschlag zu den Auftaktbänden des "Voyager"-Relaunch: Gastcharaktere wie Julia Paris (die Witwe des in "Destiny" verstorbenen Admiral Paris, die Tom nicht verzeihen kann, dass er in "Einzelschicksale" den Tod von B'Elanna und Miral vorgetäuscht hat), Tuvok (wenn auch nur postalisch), Mark Johnson oder die Familie Janeway tauchen direkt oder indirekt auf.

Die dritte Veränderung, die gegenüber den früheren Romanen auffällt, ist der sehr gezielte Umgang mit den Figuren. Was angenehm auffällt: Es gibt deutlich weniger belangloses Techtelmechtel zwischen B- und C-Crewmitgliedern, stattdessen wieder eine Fokussierung auf die Kernmannschaft (dankenswerterweise ist ja auch durch die Dezimierung der Flotte das Reservoir potenzieller Lückenbüßerfiguren stark geschrumpft) und eine deutlich bessere Dosierung von Charakterszenen. So gibt es zum Beispiel gar kein langes Geturtel zwischen Janeway und Chakotay, und abgesehen von B'Elannas zweiter Schwangerschaft und den damit verbundenen Schwierigkeiten, dem Verhältnis von Seven und Cambridge oder Harry Kims zunehmende Ambitionen auf ein eigenes Kommando wird der Leser nicht mit persönlichen Beziehungskisten erschlagen. Lediglich den Streit um Miral, der in der Familie Paris zum Ende des Buches aufflammt, finde ich verzichtbar. Ansonsten ist die Zeichnung der Figuren bei Beyer wie immer gewohnt gut und authentisch.

Was "Protectors" im Kern wirklich ausmacht, ist die minutiöse und durchweg gelungene Charakterstudie Janeways. Ihre Bemühungen, der Full-Circle-Flotte neue Ressourcen zuzuschaufeln, rücken dagegen beinahe in den Hintergrund. Man könnte fast sagen, dass der einstige Voyager-Captain psychologisch komplett durchleuchtet und dekonstruiert wird. Besser als vermutlich in jedem anderen Band werden so ihr Wesen und ihre bisherigen Entscheidungen verständlich und nachvollziehbar. Die herausragenden empathischen Fähigkeiten, die Beyer wieder einmal an den Tag legt, führen hier wirklich zu besonderen emotionalen Höhepunkten. "Protectors" rückt zudem das Bild einer arroganten, selbstbezogenen Admiralin, wie es in manchen anfänglichen TNG-Relaunch-Bänden herüberkam, wieder gerade.

Ein zweiter Aspekt, der in "Protektors" meiner Meinung nach überaus gekonnt entwickelt wird, ist Janeways Gefühl zunehmender Fremde in der Heimat. Sie kehrt in eine stark veränderte Föderation zurück, die eine unglaubliche Borg-Apokalypse erlebt hat, gegen die der Dominion-Krieg eher ein müder Witz war. Diese Föderation ist offenbar bereit, Folter in Kauf zu nehmen, um Leben zu retten, wie die Handlung um Axum zeigt, welche in "Acts of Contrition" weitergeführt wird. Es reizt mich zu erfahren, wie sich Janeways Einstellung zur Föderation in den folgenden Büchern entwickeln wird. Aber schon in "Protectors" ist die Desillusionierung deutlich spürbar: Immer mehr beginnt sie zu erkennen, dass das nicht mehr ihr Zuhause ist und sie hier kein Glück finden kann – und das verstärkt ihren Wunsch, wieder auf die Voyager zurückzugehen. Hinzu kommen die direkten oder latenten Vorwürfe, mit denen sie konfrontiert ist: dass erst ihr Feldzug gegen das Borg-Kollektiv in "Endspiel" dazu geführt habe, dass die kybernetischen Invasoren sich dazu entschlossen, die Föderation ausradieren zu wollen. Auch in dieser Hinsicht gibt es ein großes Charakterkino.

Alles in allem entsteht der Eindruck, dass "Protektors" kein Buch ist, das sich in den falschen Plots verirrt, sondern weitgehend konsequent die Handlung aus "The Eternal Tide" fortsetzt. Allerdings gibt es auch Schwachpunkte, die zwar deutlich geringer ausfallen als in früheren Bänden, die ich gleichwohl aber nicht verschweigen will.

Die Voyager-Handlung erscheint mir als die mit Abstand schwächste von allen Plots. Das liegt vor allem daran, dass die Geschichte rund um den "mysteriösen Nebel" eigenartig und willkürlich erscheint. Vieles wirkt extrem konstruiert. Kim kommt (nach langem und für mich wenig verständlichem Schweigen) plötzlich auf die Idee, man könnte doch mal diesem Nebel von vor zehn Jahren nachgehen, und Chakotay wirkt, als hätte er nur darauf gewartet. Was sich dann im Laufe des Buches dem Leser preisgibt, ist eine gewöhnungsbedürftige Story rund um böse Artefakte, eine ausgestorbene Zivilisation und Milliarden Lebewesen, die davon bedroht sind. Hatten wir das nicht schon zuhauf in anderen "Star Trek"-Reihen? Auch die Probleme mit dem Demeter-Kommandanten O'Donnell und die Diskussionen in Bezug auf die Oberste Direktive überzeugen mich weniger. Dieser Handlungsbogen erscheint mir weitgehend als Lückenbüßer.

Nebenbei bemerkt: Es erschließt sich mir nicht wirklich, warum Chakotay der Sternenflotte mit dieser Mission einen "Beweis" für den Wert der Full-Circle-Flotte liefern will – und was das bringen soll. Es ist doch in vielerlei Hinsicht total unstrittig, dass es von großem Vorteil ist, ein paar Schiff im Delta-Quadranten zu haben, und ich wüsste nicht, was eine aus dem Ärmel geschüttelte weitere Mission daran ändern sollte, erst recht, wenn sie derart willkürlich gewählt ist?

Überhaupt hätte ich es besser gefunden, nicht so viele parallele Handlungsbögen laufen zu lassen und auf die separate Mission der Voyager zu verzichten. Mir hätte es nämlich gefallen, wenn die gesamte Voyager-Crew mal wieder im Alpha-Quadranten gewesen wäre. Im Gegenzug hätte man die anderen Plots besser ausgestalten und ihnen noch mehr Platz einräumen können.

Schattenseiten gibt es wiederum beim Janeway-Plot, allerdings weniger bei der Qualität der Handlung, sondern wegen einiger Längen, die negativ auffallen. Zum einen wird relativ ausführlich rekapituliert, was in den 14 Monaten, in denen die Admiralin "weg" war, mit der Föderation und ihrer Nächsten passierte. Der Leser weiß das ja schon alles. Hier hätte Beyer sich deutlich kürzer fassen können.

Was eine weitere Länge ist: Janeways Hadern, ob sie jetzt in den Delta-Quadranten zurück will oder nicht, kauft man ihr von vorneherein nicht wirklich ab – erst recht nicht, wenn sie ständig über ihre Crew als die Personen spricht, die ihr am meisten bedeuten. Man weiß doch, dass sie letztlich nichts lieber will als auf die Voyager zurückzukehren und die Full-Circle-Flotte zu befehligen (allein schon Chakotay ist da ein starkes Pro-Argument). So hätte man sich auch hier etwas kürzer fassen können – und sich insbesondere die Szene mit Picard sparen können, der in "Protectors" fast wie ihr Beichtvater auftritt.

Was ich dann auch ein wenig verwunderlich fand, war, wie schnell sich die ganze Blockade seitens der Admiralität aufzulösen beginnt. Janeway wendet eine andere Strategie an (die ihr Picard erst ins Ohr flüstern musste), und schon scheint niemand mehr etwas dagegen zu haben, dass sie in Zukunft dem Projekt Full Circle vorstehen wird.

Fazit: Alles in allem macht "Protectors" vieles sehr richtig und dafür relativ wenig falsch. Es bietet nicht mehr die Angriffsflächen früherer "Voyager"-Romane, dafür aber zeigt Kirsten Beyer einmal mehr, dass sie eine herausragende Charakterautorin ist.

"Protectors" ist kein Buch, das sich verzettelt, sondern seit "Full Circle" der bislang beste Roman, weil offenkundig der Versuch unternommen wird, die Voyager nicht (wie so häufig schon zu Serienzeiten) in Einzelabenteuern versauern zu lassen, sondern die Grundfragen, die dereinst "Full Circle" stellte, wieder anzugehen und die Serie stärker in den Kontext der "Typhon Pact"-Reihe einzubetten. Abgesehen vom weniger gelungenen Voyager-Plot bietet das Buch vor allem tolle und tiefgehende persönliche Momente. Ich muss zugeben, ich hätte nicht gedacht, dass der "Voyager"-Relaunch noch einmal die Kurve kriegt, aber es sieht fast danach aus. Jetzt habe ich die Hoffnung, dass in den zwei folgenden Teilen der Trilogie noch einer obendrauf gesetzt wird.

2. Martin Weinrich

Die Flotte im Delta-Quadranten wurde in den beiden vorherigen Romanen deutlich dezimiert. Dadurch steht die ganze Full-Circle-Mission zur Disposition. Denn die Flotte müsste entweder aufgestockt oder aber aus dem Delta-Quadranten abgezogen werden. In dieser Situation wird Admiral Janeway zurück zur Erde beordert, wo sie sofort versucht, die Lage der Full-Circle-Flotte zu verbessern. Die Voyager-Besatzung hingegen versucht, ihren Wert unter Beweis zu stellen.

Im Mittelpunkt der Handlung steht Janeways Rückkehr unter die Lebenden. Es wirkt geradezu grausam, dass sie überstürzt zur Erde zurückgerufen wird. Dort erwartet sie an mehreren Stellen offene Feindseligkeit. Ihre Kollegen in der Admiralität bezweifeln offen ihre Fähigkeit, verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen. Ihr wird vorgeworfen, das Schicksal Vieler für das Wohl der Voyager-Besatzung zu riskieren. Ihre Bemühungen, die Sicherheit der Full-Circle-Flotte zu erhöhen, verstärken diesen Vorwurf noch. Auch in ihrer Familie erlebt Janeway Gegenwind: Ihre eigene Schwester ist nicht begeistert davon, dass Janeway weiterhin der Sternenflotte dienen möchte. Sie erwartet, dass sich Janeway nach ihrem Tod nun eine friedlichere Aufgabe sucht.

Aus dieser Ausgangssituation schreibt Beyer ihre bisher beste Charakterstudie. Janeway wird mithilfe einer fähigen Psychologin klar, dass sie etwas Abstand braucht. Sie erkennt, dass ihren Entscheidungen - wie zum Beispiel ihre ambivalente Haltung zur Full-Circle-Flotte – kaum objektiven Kriterien zugrunde lagen. Daraufhin nimmt sie eine Auszeit, die zum Beispiel von dem Doktor als Anteilslosigkeit gewertet wird. Für Janeway scheint sie jedoch im Gegenteil sehr nützlich zu sein, erlaubt ihr der Abstand doch die veränderte Welt, in die sie zurückgekehrt ist, zu akzeptieren.

Getrübt wird dieser sowohl gelungene als auch bewegende Handlungsstrang im Alpha-Quadranten nur von zwei Elementen. Erstens scheint Beyer gar kein Interesse daran zu haben, die Handlung des Relaunchs an die aktuellen Ereignisse im Alpha-Quadranten heranzuführen. Natürlich wird der Typhon-Pakt erwähnt, doch die Handlung bleibt noch immer einige Zeit vor "The Fall" stehen. Das ist schade, da die Voyager dadurch in den Großereignissen weiterhin keine Rolle spielen wird. Das bereitet dem Roman auch inhaltliche Schwierigkeiten. Die Seuche, der der Doktor in diesem Roman begegnet und die scheinbar eine so große Bedrohung darstellt, dass die Werte der Föderation einmal mehr gebrochen werden, wird zum Beispiel in den anderen Bänden gar nicht erwähnt. Entweder deutet das bereits daraufhin, dass sie keine wirkliche Bedrohung werden wird oder aber die inhaltliche Koordinierung der Reihen ist mangelhaft. Zweitens wurde das – in diesem Roman vor allem durch besagte Seuche und die darauffolgende Suche nach einem Gegenmittel, die ganz offensichtlich Folter beinhaltet, aufgeworfene – Thema der "dunklen Föderation", die vor Folter und anderen grausamen Methoden nicht zurückschreckt, bereits kurz zuvor in "The Fall" aufgegriffen. Dort hat man es gerade zu einem gelungenen und würdigen Abschluss gebracht, da wird es in "Protectors" wieder angesprochen. Sollte es nicht das Ziel der Autoren sein, die Föderation in den kommenden Romanen moralisch umzuschreiben, sind folternde Politiker, Militärs und Ärzte in der Föderation auf Dauer einfach nicht glaubwürdig.

Beyers Schwerpunkt liegt also auch in diesem Roman wieder auf den Charakteren. Diesmal bietet das viele richtig gute Szenen. Dafür sorgt nicht nur die gelungene Janeway-Handlung, sondern zum Beispiel auch die Skrupel des Doktors, Sevens Patientendaten offenzulegen. Einzig die Tatsache, dass Toms Mutter ihrem Sohn und ihrer Schwiegertochter das Sorgerecht entziehen möchte, wirkt äußerst unglaubwürdig. Ihr Zorn auf ihren Sohn, der sie hinsichtlich des angeblichen Todes ihrer Enkelin belogen hat, ist zwar verständlich. Ihre harsche und unbedachte Reaktion ist es jedoch nicht. Im Gegenteil, es erscheint lächerlich, dass Janeway dieses juristische Vorhaben überhaupt ernstnimmt.

Captain Chakotay und seiner Besatzung gelingt es wiederum sehr gut, ihren Wert zu demonstrieren. Sie retten nach einer langwierigen Diskussion darüber, ob die Oberste Direktive dies erlaubt, nicht nur vorbildlich ein Ökosystem, sondern machen auch eine sonderbare Entdeckung. Denn eine Reihe xenophober Völker aus dem Delta-Quadranten scheint sich zu einer Art Verteidigungs- oder Angriffsgemeinschaft zusammen geschlossen zu haben. Das sorgt am Ende des Romans sogar für ein actiongeladenes Finale.

Dieses Finale führt zudem zu dem ersten Kontakt mit einer weiteren Konföderation im Delta-Quadranten. Hierbei handelt es sich um einen Zusammenschluss sehr zurückgezogener Völker, die einst unter Borg-Angriffen litten. Sie verhalten sich etwas weniger xenophob wie die von der Voyager gerade erst bekämpften Völker, dennoch hat diese Konföderation in der Vergangenheit ein sehr aggressives Verhalten an den Tag gelegt. Dieses in einigen Punkten sogar föderationsähnliches Konstrukt kann sehr interessant sein. Bereits in früheren Romanen, war das Zusammentreffen mit ähnlichen, in wesentlichen Punkten jedoch unterschiedlichen politischen Systeme sehr interessant. Mit der Konföderation hat der "Voyager"-Relaunch nun die Chance, sich nicht mehr in "kleinen Gefechten" oder aber dem "Retten des Universums" im Delta-Quadranten zu verlieren. Stattdessen besteht nun mit der Konföderation, den verschwindenden Subraum-Sendern sowie dem anderen Völker-Zusammenschluss die Möglichkeit, einen besseren Überblick über die das Borg-Kollektiv ersetzenden politischen Strukturen zu gewinnen.

Fazit: "Protectors" überzeugt mit einer sehr gelungenen Charakterstudie Janeways. Auch die anderen Charaktere erhalten zumindest ordentliche Auftritte in diesem Roman. Dass der Roman nicht an die bisherigen Romanereignisse im Alpha-Quadranten anschließt, wird durch die gute Handlung im Delta-Quadranten ausgeglichen. Die hier entdeckten Zusammenschlüsse bieten das Potential für weitere gute Handlungen.

"Protectors" ist unter anderem bei Amazon.de als Taschenbuch und als E-Book erhältlich.

3. Thomas Götz

Die folgende Rezension bezieht sich auf die deutsche Ausgabe des CrossCult-Verlages.

Der neunte Voyager-Roman knüpft an die Ereignisse des Vorgängers an und spielt zum Jahreswechsel 2381/2382: Die Ereignisse der Borg-Invasion sind also immer noch spürbar und der Typhon Pact werkelt im Hintergrund. In diese Irrungen und Wirrungen kommt der Roman mit einigen recht starken Charakterszenen, allerdings auch einigen Vorhersehbarkeiten daher und hinterlässt einen etwas durchwachsenen Eindruck. Doch der Reihe nach.

Zunächst einmal muss sich Janeway mit den Konsequenzen ihrer Taten und natürlich ihrer Rückkehr auseinandersetzen. Dabei wird das hastig im letzten Band angebotene Kommando der Full Circle-Flotte erstmal zurückgezogen. Was sich entspinnt ist Star Trek pur, denn Janeway wird mit einigen Vorurteilen konfrontiert und muss sich die Frage stellen, ob die Destiny-Ereignisse durch ihr Handeln im Delta-Quadranten ausgelöst wurden. Die hier gestellten moralischen Fragen und das daraus entstehende Dilemma gehören dann auch zu den Highlights des Bandes und werden so richtig erst im letzten Drittel aufgelöst. Mehr dieser Szenen hätten dem Roman sichtlich gut getan.

Denn der Rest der Story hat leider einige eklatante Schwächen. Von den Charakterszenen mal abgesehen, von denen immerhin versucht wird, noch einige auf der Voyager einzubauen, ist die Handlung um die Wellenformen und die Leere im großen und ganzen leider etwas enttäuschend. Der große Auftrag der Flotte, den Borg-Raum zu erforschen, gerät leider auch diesesmal wieder ins Hintertreffen. Bis auf einige Randbereiche des Borg-Gebietes in den letzten Romanen, wobei es sich um Teile gehandelt hat, die eh von den Borg kaum frequentiert wurden, kommt diese Prämisse bislang so überhaupt nicht voran. Fast so, als wären die Autoren angehalten, ja nicht auf diese Thematik einzugehen, da man die Borg vielleicht doch noch zurückholen will. So wird wieder einmal eines der "alten" Phänomene erforscht, auf die die Voyager während ihrer Odyssee traf. So schön es auch sein mag, vielleicht unbeantwortete Fragen aufzuklären, erweist sich dies erneut als unbefriedigend.

Die Auseinandersetzung (oder besser: Erforschung) mit den Fremden und derem Archen-Planeten, hat zwar stellenweise recht interessante Ansätze, nutzt sich aber auch schnell ab. Es muss nicht immer Action sein und auch dieser Roman kommt fast völlig ohne aus, trotzdem dümpelt dieser Storybogen etwas vor sich hin. Das hat offenbar auch die Autorin gemerkt, denn einige Sachen werden teilweise abgekürzt, wie etwa der Lernprozess. Richtige Spannung kommt aber so nicht auf und erst gegen Ende ändert sich das, als man auf die Welten der Konföderation trifft. Dieses, der Föderation nicht unähnliche, Staatengebilde wirkt im ersten Moment tausendmal interessanter, als die Umweltschützeraktion auf dem Archen-Planeten (so schön eine etwaige Botschaft dort auch eingeflochten sein mag). In der Konföderation selbst, so wird angedeutet, könnte nicht alles so eitel Sonnenschein sein, wie es auf den ersten Blick wirkt. Bleibt zu hoffen, das dieser Handlungsstrang im nächsten Buch fortgesetzt wird.

Aber um von der etwas dünnen Handlung abzulenken hat man ja noch erwähnte weitere Charakterszenen. Leider vermögen auch diese nicht so recht zu überzeugen, was auch daran liegt, das einige Klischees bedient werden. Janeway erhält letztlich das Kommando über die Full Circle-Flotte zurück? Natürlich - und man muss als geneigter Leser und Fan an der Stelle fragen: Was auch sonst? Das die Voyager-Crew wieder vereint wird, war abzusehen, ebenso, dass das Schiff möglicherweise demnächst wieder allein im Delta-Quadranten herumkurvt. Zwar wurde ein Schiff der Flotte wieder instand gesetzt, in den letzten Büchern wurde aber bereits die Hälfte von ihnen zerstört und auch die Kommandanten fielen wie die Fliegen, um Bahn frei für Janeway zu machen. Dies wirkt fast schon etwas zu gekünstelt, um zwanghaft den alten Stand wieder herzustellen (auch wenn man diesmal die Möglichkeit einer sofortigen Rückkehr hat).

Hinzu kommt die Beziehungskrise um Seven. Im letzten Band hat sie es endlich geschafft, mit dem neuen Schiffscounselor eine Beziehung einzugehen. Nun taucht plötzlich ein Geist aus der Vergangenheit auf, der ebenfalls Seven liebt, was besagte Beziehung - natürlich - in die Krise stürzt. Hinzu kommen auch noch weitere Beziehungskrisen bei Torres und Paris und auch bei Chakotay und Janeway läuft es etwas unrund, auch wenn letztere Beziehung in diesem Roman etwas im Hintertreffen ist. Dennoch, das ist einfach zuviel des Guten und statt die Sache etwa mit Seven einfach weiterlaufen und sie ihre Beziehung erforschen zu lassen, wird hier dieses Gebilde konstruiert, das am Ende auch noch zu einer Dreiecksbeziehung ausartet, als auch der Doktor noch Gefühle für Seven eingesteht (wenn auch eher passiv). Ob man dies als Fanservice erachtet, in dem man diese alten Kamellen ausgräbt, muss wohl jeder für sich entscheiden. So oder so, wie schon bei einigen anderen Beziehungen, etwa in der Deep Space Nine-Fortführung, wirkt auch dieses Szenario mehr als aufgesetzt.

Und am Ende deutet sich auch bereits an, dass Seven wohl ihre derzeitige Beziehung beenden und mit einem der bekannten Charaktere... Auch an dieser Stelle muss man sich fragen: Was auch sonst?

So bleibt am Ende leider ein Band übrig, der viel Potential verschenkt und viel zu wenig Neues wagt, um interessant sein zu können. Die moralische Frage rund um Axums (und respektive eigentlich auch Sevens) Folter bleibt, leider, auch außen vor, wird aber hoffentlich, wie einiges andere, im nächsten Band aufgelöst.

Fazit: Trotz einiger interessanter Ansätze, auch an der Charakterfront, bleibt der Roman leider etwas blass. Viel zu sehr verliert man sich in altbekannten Bahnen und schafft es nicht, neue Facetten abzugewinnen, was beim Leser etwas zu Langeweile führt. Beyer hat schon Besseres abgeliefert, der vorliegende Roman gehört leider nicht unbedingt dazu.

Bewertung

1. Julian Wangler
2. Martin Weinrich
3. Thomas Götz

Weitere Infos


Titel "Bewahrer"

Originaltitel "Protectors"

Buchreihe VOY-Relaunch

Autor Kirsten Beyer

Preis 14 Euro

Umfang 475 Seiten

Verlag CrossCult

ISBN 978-3-95981-146-0

(jw, wc, tg - 11.01.17)


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