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Peter Tigmann (pt), Julian Wangler (jw) "The Farther Shore" Christie Golden Inhalt Der grippeähnliche Borgvirus, der mit dem Eintreffen der Voyager auf der Erde ausbricht, kann nicht gestoppt werden. Anfangs sind davon nur Kinder und alte Leute betroffen, aber in absehbarer Zeit werden auch die gesunden und starken Menschen assimiliert. Jetzt muss Janeway unbedingt herausfinden, wie und vor allem warum sich der gefährliche Virus ausbreitet. Sie befreit mit der Hilfe von Commander Data Icheb, Seven und den Doktor aus dem Gewahrsam, um mit ihrer Unterstützung Ermittlungen anzustellen. Zusammen schaffen sie es, auf die Voyager zu gelangen und ein Mittel gegen die Borg-Nanosonden zu finden. Sie entdecken Spuren, die darauf hinweisen, dass eine neue Borgkönigin kurz davor steht, ihre ganze Macht zu entfalten. Zur gleichen Zeit treibt Baines weiterhin sein Unwesen, entführt Föderationspersonen und lässt sie foltern, um zu demonstrieren, wie sich die Hologramme unter der Herrschaft der Menschen "fühlen". B'Elanna erfährt weder von dem Vorfall mit der Borgseuche noch von dem Streik der Hologramme etwas, sondern sucht auf dem klingonischen Planeten Boreth verzweifelt ihre Mutter. Tag um Tag kommt sie ihrem Ziel näher. Dichter kommen auch Janeway und ihre Offiziere dem Geheimnis der Borgplage, und sie müssen entsetzt feststellen, dass der Borgangriff aus den eigenen Reihen der Starfleet kommt... Kritik 1. Peter Tigmann
Hatte sich Autorin Christie Golden im ersten Teil noch sehr stark mit den Charakteren beschäftigt, so ist "The Farther Shore" etwas actionlastiger, auch wenn immer noch viel Charakterarbeit betrieben wird. Sämtliche Handlungen aus "Homecoming" werden fortgesetzt, dabei kann nach wie vor die große A-Story, in der es um den auf der Erde um sich greifenden Borgvirus geht, am meisten überzeugen und bringt viel Lesespaß. Christie Golden gibt uns auch endlich eine Erklärung dafür, warum es immer wieder neue Borg-Königinnen gibt, auch wenn wir in Serien und Film schon die ein oder andere haben über den Jordan gehen sehen. Das war etwas, worum sich die Autoren der Serie bisher mit etwas fadenscheinigen Ausreden herumgedrückt haben. Golden gibt eine wirklich gute und - für Science-Fiction-Verhältnisse - plausible Erklärung: Die Queen wird von einem Computerprogramm erschaffen, das immer wieder neu ausgeführt wird, wenn die aktuelle Queen mal wieder das zeitlich segnet. Die zunächst etwas klischeehaften Charaktere Montgomery und Covington tauschen im Laufe der Geschichte geschickt ihre Rollen; aus Feind wird Freund und aus Freund Feind. Montgomery bleibt zwar immer noch etwas blass, aber Sternenflotten-Geheimdienstchefin Covington wird sehr interessant. Leider bleiben ihre Gründe, warum sie auf der Erde ein Kollektiv erschaffen will, etwas oberflächlich. Dies fügt dem Roman aber keinen großen Schaden zu. Etwas müßiger war es da schon zu lesen, in welch großer Gefahr sich Seven und Icheb doch befinden, weil sie sich nicht regenerieren dürfen. Und auch die drohende Löschung des Doktors wegen dem Holostreik wollte einen nicht wirklich aufschrecken lassen. Dazu kennt man die "Star Trek"-Gesetze zu gut. Zwar wäre mit der Relaunch-Serie die Möglichkeit da gewesen, einige Charaktere der Serie sterben zu lassen, dass dies aber nicht gerade mit den populären Figuren Seven und Doktor geschieht, war relativ klar. Der Holostreik ist immer noch nicht die stärkste Seite der Relaunch-Reihe. Glücklicherweise verknüpft Golden diesen Handlungsstrang am Ende aber mit der A-Story, so dass der Erzählfluss hier auch etwas flotter wird. So recht überzeugen mag der Handlungsstrang aber dennoch nicht. Dass Baines Menschen von Holodeck-Figuren misshandeln lassen würde, um ihnen zu zeigen, wie die Menschen mit Holofiguren umgehen, erscheint leicht überzogen und weit hergeholt. Das Ableben von Baines kam etwas überraschend. Hier hätte eigentlich noch etwas Klärungsbedarf bestanden. Der dritte und letzte Haupthandlungsstrang ist wie auch schon im Vorgänger B'Elanna Torres' Suche nach ihrer Mutter. Diese Geschichte ist wirklich nicht sonderlich einfallsreich. War es im ersten Teil relativ langweilig zu lesen, wie B'Elanna sich durch den Dschungel kämpft, so ist das Wiedersehen mit ihrer Mutter jetzt auch nicht sonderlich ergreifend. Die Dialoge der beiden kann man sich schon vorher denken und dass die beiden keine glückliche gemeinsame Zukunft haben, war auch klar. Man wartet quasi nur darauf, dass irgendetwas passiert, was die beiden wieder auseinander bringt. Lange warten muss man nicht... Wenigstens hat das Ganze B'Elannas Charakter weiterentwickelt. Am Ende des Romans scheint sie ihre klingonische Hälfte weiter erforschen zu wollen. Auch die restlichen Charaktere sind wieder relativ gut getroffen. Dabei weiß vor allem das schöne Zusammenspiel von Janeway und Chakotay zu gefallen. Man merkt, dass die beiden sich in den letzten Jahren sehr nahe gekommen und durch eine tiefe Freundschaft verbunden sind. Die Vertrautheit, die in ihren Dialogen zum Ausdruck kommt, ist sehr angenehm zu lesen. Janeway merkt man deutlich ihre sieben Jahre im Delta-Quadranten an. Sie ist nicht einfach so bereit Seven, Icheb und den Doktor ihrem Schicksal auszuliefern und sich und die Crew der Voyager für den Borgvirus verantwortlich machen zu lassen. Wenn dafür wieder einige Regeln gebrochen werden müssen, ist das halt so. Dass auch die restliche Crew ihrem Captain hilft, steht natürlich auch außer Frage. Einige stört das vielleicht. Allerdings hat man die Charaktere so in den vergangenen Jahren kennengelernt und somit geht auch dieses Handlungselement mehr als in Ordnung. Die restlichen Charaktere haben allerdings nicht wirklich viel zu tun. Seven und der Doktor sind hauptsächlich Gefangene und haben nicht viel zu sagen. Tuvok und Kim haben zwar auch ihre Szenen, allerdings werden die beiden Charaktere nicht sonderlich viel entwickelt. Der arme Harry ist zwar befördert worden, aber immer noch so kindlich naiv wie zu Beginn der Serie. Hier wäre zukünftig mal ein bisschen mehr Entwicklung angebracht. Tom ist vor allem eines - liebevoller Ehemann und Vater und hat außer der Befreiungsaktion gegen Ende auch nicht viel anderes zu tun. Am meisten Entwicklung erfährt aber ein Nebencharakter: Kims Freundin Libby, die wir in der zweiten Staffel von "Voyager" kennen gelernt haben und die hier und in "Homecoming" eine sehr wichtige Rolle spielt. Der Charakter ist sehr sympathisch und weiß zu gefallen. Bleibt zu hoffen, dass von ihr auch noch in zukünftigen Romanen zu hören sein wird. Apropos zukünftige Romane: Auf den weiteren Verlauf der Relaunch-Serie darf man nach dem letzten Satz von Kathryn Janeway sehr gespannt sein. Wird die Voyager zukünftig von einem männlichen Captain namens Chakotay durch den Weltraum düsen? Schlecht wäre dies sicher nicht. Viele Fans können vielleicht Robert Beltran wegen mancher seiner (teilweise mehr als berechtigten) kritischen Äußerungen gegenüber "Star Trek" nicht besonders gut leiden, aber zu sehen, wie sich Chakotay als Captain weiter entwickeln würde, wäre sicherlich sehr interessant. Aber auch wenn Janeway jetzt Admiral ist, wird wohl ziemlich sicher sie der "Star" der Relaunch-Serie bleiben, denn "Voyager" ohne Janeway, das geht ja wohl nicht! Fazit: Man kann definitiv die oder andere Sachen an den ersten "Voyager"-Relaunch-Romanen beanstanden. All diese Kritikpunkte können den Lesespaß aber nur wenig mindern. Golden hat den Start der neuen Buchserie beachtlich gemeistert, vor allem im Vergleich mit S.D. Perrys Relaunch-Start-Romanen zu "Deep Space Nine", die teilweise nur wenig überzeugen konnten. 2. Julian Wangler Eines kann man Christie Golden nicht vorwerfen: dass sie nicht konsequent wäre. Nahtlos knüpft "The Farther Shore" an den Cliffhanger von "Homecoming" an, drückt dabei aufs Tempo und betont die A-Story um die Nanosondenseuche noch stärker. Das ist auch bitter nötig, denn sonst wäre auf den 270 Seiten nicht der nötige Platz, um eine weit ausholende Erklärung bezüglich der Borg zu liefern. Janeway, Seven und Co. gehen nämlich dem Phänomen auf den Grund, weshalb es scheinbar immer wieder neue Borgköniginnen gibt, nachdem die vorigen das Zeitliche gesegnet haben. Dafür verantwortlich ist ein spezieller Borguralgorithmus, das so genannte Royale Protocol, welches immer aufs Neue ausgeführt wird. Wer in den Besitz dieses Protokolls gelangt und es für sich nutzbar zu machen versteht, kann tendenziell in der Borghierarchie zur Königin aufsteigen. Auf diese Weise gelingt es Seven später, die Borgkönigin zu überlisten, die sich mittels Royale Protocol in einen weiblichen Admiral transferiert hatte. Interessant: Es scheint darauf anzukommen, dass die Vorlage für eine Königin eine Frau ist, weil die Beschaffenheit des weiblichen Gehirns wohl günstiger für die Multitaskingfähigkeiten einer Schwarmkontrolleurin ist als das männliche. Ohne die Bodenbereitung der Geheimdienstchefin Covington wäre das Schamassel gar nicht erst entstanden. Leider gibt Golden eine äußerst dürftige Erklärung dafür, weshalb Covington ein Kollektiv auf der Erde erschaffen wollte. Das hat rückwirkend eher schlechte Auswirkungen auf das Bedrohungsszenario, denn an dieser Stelle wäre weniger mehr gewesen. Es wirkt einfach unglaubwürdig, dass hochrangige Sternenflotten-Offiziere leichtsinnig mit Borgtechnologie experimentieren und sich etwas davon versprechen. Letztlich verpufft das Abenteuer als eines von vielen. Besonders langatmig ist das Gehadere um Icheb und den Doktor, die die meiste Zeit über zu Statisten degradiert sind. Das hätte man sich schenken können, weil doch klar sein sollte, dass beide nicht sterben werden. Szenen über Tuvok und Kim haben weder Unterhaltungs- und Storywert; man hätte sie getrost streichen können. Tom schließlich ist nur damit beschäftigt, sich um seine Familie Sorgen zu machen. Auch der Holostreik unterbietet das ohnehin schlechte Niveau des Themas im vorangegangenen Roman. Die Verknüpfung mit der Borgseuchenstory macht einen gordischen Knoten daraus. Dass Oliver Baines Menschen von Holodeckfiguren misshandeln lassen würde, um ihnen zu demonstrieren, wie die Menschen mit Holofiguren umgehen, erscheint unangemessen. Zudem kommt das Ableben von Baines zum falschen Zeitpunkt. Es verstreichen wertvolle Chancen. Der dritte Handlungsstrang um B'Elanna entbehrt leider auch wesentlichen Einfallsreichtums. Es ist um nicht zu sagen einschläfernd, zu verfolgen, wie B'Elanna sich durchs Dickicht von Boreth kämpft, und die Wiedersehensszene mit ihrer Mutter geht sowieso baden. Die Dialoge sind abgedroschen und vollkommen vorhersehbar. Zumindest scheint B'Elanna am Ende des Buches ein verstärktes Interesse daran zu haben, ihre klingonische Hälfte weiter zu erforschen, was mittelfristig dem "Voyager"-Relaunch nutzen könnte. Zumal ja ohnehin nicht viele Protagonisten noch mit großen Überraschungen aufwarten können. Unter all dem ermüdenden Actionhickhack und der nimmer enden wollenden Borggefahr ist der einzige richtige Lichtblick des Buches das Verhältnis von Janeway und Chakotay. Meiner Meinung nach das, was man weiter entwickeln und worauf man sich künftig besinnen sollte. Es ist den Gesprächen zu entnehmen, dass sich ein Captain und sein Erster Offizier in den vergangenen Jahren nah gekommen sind - und dass etwas Unausgesprochenes zwischen ihnen liegt, das einfach nur schön ist. Auch Janeway führt ihre Delta-Quadrant-Linie fort, die sie dazu erzogen hat, nötigenfalls Regeln zu brechen, um ihre Crew heil durchzubringen. Ihre Figur wirkt authentisch. Friede, Freude, Eierkuchen. Die Ankündigung zum Schluss hat mich dann doch etwas verstört. Einerseits war es in Anbetracht dessen, was wir in "Nemesis" erlebten, abzusehen, aber nun ist es verbindlich: Chakotay wird fortan das Kommando über die Voyager führen, während Janeway neue Aufgaben im Oberkommando bekommt. Schön. Bloß: Wenn Janeway nun einen Schreibtisch hütet, dann wird ausgerechnet jene Personenkonstellation auseinander gerissen, die der Serie neuen Schub geben könnte, scheint doch der ganze Rest schon verbraucht. So gesehen ist das Ende von "The Farther Shore" eine waschechte Verschlimmbesserung: Die Vorstellung, dass die Voyager als stinknormales Schiff unter vielen durch den Weltraum tuckern wird - ohne Janeway im Kommandostuhl obendrein -, das ist so fad wie ein Trill ohne Flecken. Fazit: Gegenüber dem ersten Teil lässt "The Farther Shore" nochmals Federn. Abgesehen von der interessanten Eröffnung zum Royale Protocol wird das Borgabenteuer mit einem Minimum an Kreativität durchgestanden, ohne dass das Gros der Charaktere besondere Rollen darin für sich beanspruchen darf. Wieder einmal konzentriert sich alles auf Janeway und Seven. Die Aussichten sind leider alles andere denn rosig: Künftig wird die Voyager einen neuen Captain bekommen. Doch was ist Chakotay ohne Kathryn Janeway? Und was ist eine Crew ohne das Kräftefeld, das sie zusammenhält? Richtig, Ratatouille! Der Neustart der Voyager verkommt zum Rohrkrepierer. "The Farther Shore" können Sie u.a. bei Amazon.de erwerben. Bewertung
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