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Sara Hoeft (sho)12.12.12

Das neue Wachowski-Werk

"Cloud Atlas": Literaturgerecht verfilmt?

Die einen loben den Film "Cloud Atlas" als großen Oscar-Anwärter, die anderen kritisieren ihn. In den USA floppt der Film. Wer hat nun Recht? Eine Filmkritik von Sara Hoeft.

Handlung

Die Handlung lässt sich schwer beschreiben. Ein alter Mann erzählt die Geschichten verschiedener Schicksale aus unterschiedlichen Epochen, die miteinander durch Wiedergeburt und Schicksal miteinander verwoben sind: Da ist 1849 der junge Anwalt, der auf Reisen von einem Arzt vergiftet und von einem entlaufenden Sklaven gerettet wird, so dass er zu seiner Frau zurückkehren und sich den Sklavenbefreiern anschließen kann. Wir haben im Jahre 1936 einen jungen Komponisten, der einen Mann liebt und für einen bekannten Komponisten als Assistent arbeitet, während er selbst ein Stück schreibt, welches er "Cloud Atlas" nennt.

1973 bringt der vermeintliche Selbstmord eines alten Wissenschaftlers eine Reporterin dazu, über ein Atomkraftwerk zu recherchieren. Ein Buchverleger hat 2012 Probleme mit einem seiner Autoren, was sein Bruder nutzt und ihn - unter dem Vorwand ihn zu verstecken - in ein Altenheim einweist. In der Zukunft im Jahre 2144 rettet ein Untergrund-Kämpfer eine Duplikantin, die einen freien Willen entwickelt. Er beeinflusst sie, eine Botschaft der Toleranz über Funk zu verbreiten. Im Jahr 2346 leben drei unterschiedliche Völker auf der zerstörten Erde: Die einen fressen die anderen Menschen, die anderen leben friedlich mit den alten technischen Errungenschaften, während der Rest in dem Glauben lebt, die einstige Duplikantin wäre ihre Göttin. Der alte, erzählende Mann in jungen Jahren als Gläubiger tut sich mit einer Forscherin zusammen, um mit einer Entdeckung die verseuchte Erde zu überleben ...

Kritik

Die Romanvorlage von David Mitchell galt ähnlich wie "Herr der Ringe" als unverfilmbar. Sie handelt davon, dass Geschichte und Figuren, die sich nie treffen und nicht einmal in derselben Zeitepoche leben, zueinander in Beziehungen stehen. Stichworte hierzu sind Seelenverwandtschaft, Liebe sowie Freund- und Feindschaften. Zudem zeigt der "Wolkenatlas" auf, wie negative Gefühle wie Missgunst und Ichbezogenheit sowie Unterdrückung und Machtmissbrauch die Welt auf lange Sicht zerstören werden. Doch genau in dem eigentlichen Wesen des Buches liegt die große Schwachstelle des Films: Er gibt zwar die Handlung des Buches wieder - wenn auch zerstückelt und wie ein Puzzle sinnlos aneinander gereiht -, doch die Kernaussagen und Zusammenhänge der Figuren in den einzelnen Epochen ist kaum nachvollziehbar.

"Cloud Atlas" mit Tom Hanks und Halle Berry
So wirkt dieser Film mehr wie eine Mischung von verschiedenen Kurzfilmen, die als nettes Gimmick hin und wieder als Elemente der anderen Handlungen auftauchen. Beispiele sind zum Beispiel das Tagebuch des Anwalts von 1849, welches von dem Komponisten 1939 gelesen wird. Oder das Musikstück "Cloud Atlas", welches besagter Musiker schrieb und die Reporterin 1973 begeistert. Dass die eigentlichen Handlungen der einzelnen Personen miteinander verbunden sind, wird zwar gesagt, aber nicht durch Handlung gezeigt, nicht einmal am Ende des Filmes. Die Zerstückelung der einzelnen Handlungen der unterschiedlichen Epochen ist dabei wenig hilfreich. Sie irritieren mehr, als sie nützen. Dadurch fehlt es diesem Film an der Tiefe, die das Buch vorgibt; zudem wird das Nachvollziehen der Handlung für den Zuschauer zunehmend immer anstrengender.

Die Übergänge sind bildlich fantasievoll umgesetzt. Jedoch haben die einzelnen Handlungsfetzen nichts miteinander zu tun und bauen demnach ebenso wenig aufeinander auf. Hier wurde eine große Chance vertan, die Zusammenhänge zu verdeutlichen. Die Macher haben allein auf die Hauptdarsteller gesetzt, die in jeder Epoche dieselben waren - zum Teil unkenntlich kostümiert. Eine gute Idee, auch wenn durch die guten Masken nicht in jeder Epoche alle Schauspieler identifiziert werden können. Leider erfährt man erst im Abspann durch schnelle Bilder, welche Rollen beispielsweise Hugh Grant, Halle Berry und Tom Hanks spielten. Hätte man diese Information bereits am Anfang des Filmes, könnte man vielleicht eher die jeweilige Beeinflussung über die Epochen hinweg nachvollziehen. Andererseits hat diese Herangehensweise die Auswirkung, dass man diesen Film eigentlich ein zweites Mal sehen müsste.

Nicht jede Epoche ist voller Ernst. Die Gegenwart, in der es um den Buchverleger geht, ist recht lustig dargestellt. Insbesondere seine Fluchtversuche sind humorvoll umgesetzt. Die etwas merkwürdige Grammatik der Sprache des Jahres 2346 erinnert an die nervige Sprache von Jar Jar Binks aus "Star Wars", wenn auch nicht ganz so anstrengend. Offenbar sollen hiermit das Ausmaß der Dezimierung der Menschheit und der damit einhergehende Untergang der (Sprach-)Kultur verdeutlicht werden.

Trotz aller Kritik haben Andy und Lana Wachowski ("Matrix"-Trilogie) sowie Tom Tykwer ("Das Parfum") einen bildgewaltigen Film geschaffen, der trotz seiner dreistündigen Dauer keine Langeweile aufkommen lässt. Sieht man von den bereits genannten Mankos ab und lässt man sich auf die Geschichten ein, erlebt man einen Mix aus Gesellschaftskritik, (Liebes-)Drama, (einer Art) Piratenfilm und Science-Fiction. Für jeden Geschmack ist demnach etwas dabei. Die Schauspieler machen ihre Arbeit sehr gut und man nimmt ihnen jede ihrer Rollen ab. Auch sieht man die deutsche Schauspielerin Katy Karrenbauer als Statistin in einer Kneipen-Szene.

Geht man also nicht mit den Erwartungen in diesen Film, dass er sein Versprechen hält, tiefgründig die Verbindungen der verschiedenen Handlungen aufzuzeigen, und sieht die Handlungen der einzelnen Zeiten als Kurzfilme, so kann man diesen Film schon genießen. Fraglich ist, ob der Film auch wirkt, wenn er vom Kino ins Fernsehen kommt. Denn wenn dieser Film durch Werbepausen unterbrochen wird, ist es für einen Zuschauer noch schwerer, den Handlungen zu folgen. Daher sollte davon abgeraten sein, auf die Fernsehausstrahlung zu warten.

Fazit: Ein angenehmer Film, der jedoch sein Versprechen auf die Tiefgründigkeit durch Aufzeigen der verwobenen Leben und Auswirkungen des menschlichen Tuns auf die Zukunft nicht gerecht wird, aber dennoch unterhaltsame drei Stunden bescheren kann.

Diese Filmrezension ist auch zusammen mit weiteren Texten aus den Genres Science-Fiction, Fantasy und Horror in der Dezember-Ausgabe unseres monatlichen Magazins "Incoming Message" erschienen. Falls Sie die "Incoming Message" noch nicht abonniert haben, können Sie das Internet-Magazin zusammen mit unserem wöchentlichen Newsletter "TrekZone Weekend" hier kostenlos bestellen.

(sho - 12.12.12)


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