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Shinzon Darhel (sd)08.06.13

Die Pyramide ist unser Gott

Eine kritische Ansicht zu "Oblivion"

Tom Cruise in dem neuen Actionthriller von Regisseur Joseph Kosinski. Ein Supersoldat, der Jagd auf Aliens macht. Shinzon Darhel vermutet allerdings noch ganz andere Dinge hinter dem Film.

Nach einer Alieninvasion im Jahr 2017 liegt die Erde in Trümmern. Die Menschen haben zwar scheinbar gewonnen und sind auf den Titan geflohen, doch einige sind geblieben, um die verbliebenen Ressourcen auszubeuten.

Achtung Spoiler! Zwei der auf der Erde Verbliebenen sind Jack Harper (Tom Cruise) und Victoria (Andrea Riseborough), die in einem optisch durchaus ansprechenden Wolkenkuckucksheim leben. Überhaupt hat der Film eine atemberaubende Optik, die als größter Pluspunkt hervorzuheben ist.

Doch etwas stimmt mit dieser Welt nicht. Als Erstes fallen dabei die Drohnen auf, deren Reparatur Jacks Aufgabe ist. Der Satz "Die Drohnen überwachen alles" sollte hier besonders hervorgehoben werden, handelt es sich doch um einen ziemlich unverhohlenen Hinweis. Denn Überwachungsdrohnen dringen immer weiter in unseren Alltag vor.

New Yorks Bürgermeister Bloomberg äußerte dazu erst kürzlich, dass sich die Menschen an die permanente Überwachung durch Drohnen gewöhnen sollten, da diese absolut nötig und vollkommen alternativlos sei. Natürlich spielt der Film im New York der Zukunft, weswegen man bei dem Satz "Die Drohnen überwachen alles." von einer bewussten Konditionierung des Kinopublikums ausgehen muss.

Die Entdeckung Jacks, dass die Drohnen gar keine außerirdischen Plünderer, sondern überlebende Menschen jagen, passt da ebenfalls gut ins Bild. Der Terror, den bewaffnete Kampfdrohnen in Ländern wie Afghanistan und Pakistan über die Zivilbevölkerung bringen, ist leider schon alltäglich. Der Einsatz bewaffneter Kampfdrohnen zur Aufstandsbekämpfung gegen die eigene Bevölkerung wäre der nächste logische Schritt.

Doch die Menschenjagd ist nicht die einzige erschütternde Entdeckung, die Jack macht. Der Absturz eines alten Erdraumschiffes, bei dem es Jack gelingt, eine überlebende Frau vor den Killerdrohnen zu retten, setzt eine unglaubliche Ereigniskette in Gang.

Jack und Victoria arbeiten gar nicht für die Menschheit und es gibt keine Kolonie auf dem Titan. In Wirklichkeit arbeiten beide für die Invasoren, die ihr Gedächtnis gelöscht und sie nach allen Regeln der Kunst hirngewaschen haben. (Damit dürfte sich Cruise als Scientologe ja bestens auskennen ...)

Und mehr noch − Jacks Träume von der Erde vor dem Alienangriff sind in Wirklichkeit Erinnerungen, denn er und Victoria waren Astronauten, die als Erste auf das pyramidenförmige Mutterschiff der Aliens gestoßen sind. Sally (Melissa Leo) von der Mission Control der Tet-Raumstation ist indes nur eine Reproduktion der vor 60 Jahren umgekommenen echten Sally von der Mission Control der NASA.

Die überlebende Frau namens Julia (Olga Kurylenko) stellt sich als Jacks Ehefrau heraus, was bei der unwissenden Victoria einen heftigen Eifersuchtsanfall auslöst. Sie informiert in einer Kurzschlussreaktion die Alienbasis und fällt kurz darauf einer Killerdrohne zum Opfer.

Doch halb so schlimm, denn die nächste Offenbarung wartet bereits in den Startlöchern. Es gibt nämlich noch weitere Victorias und Jacks. Die Invasoren haben eine ganze Klonarmee geschaffen, die die Drecksarbeit erledigen muss. Irgendwie erinnert dies stark an die Auflösung des Films "Moon" von 2009, obgleich in diesem keine Aliens als Drahtzieher vorkommen.

Wo wir schon mal beim Mond sind − dessen Zerstörung in "Oblivion" ist ebenfalls aus einem anderen Film geklaut. In der Neuverfilmung von H. G. Wells' "Die Zeitmaschine" (2002) war es allerdings die Schuld der Menschen.

Zusammen mit den überlebenden Erdenmenschen unter der Führung von Malcolm Beech (Morgan Freeman) entwickeln Jack und Julia einen Plan, mittels einer erbeuteten Drohne das Alienmutterschiff Tet zu infiltrieren und mit einer Atombombe in die Luft zu jagen. Doch kurz vor der Umsetzung des Plans wird die Basis der Menschen von Drohnen überrannt und es kommt zu einem blutigen Gemetzel.

Nachdem die Hälfte der Überlebenden brutal mit der Gulaschkanone in kleine Fleischfetzen geschossen wurde, entschließt sich Jack, mit einem Bubble-Schiff selbst zum Mutterschiff zu fliegen, um dort die Bombe zu zünden. Dabei zitiert er den römischen Dichter Horaz, laut diesem es ehrenvoll sei, für sein Land zu sterben. Mehr Pathos geht nun wirklich nicht!

Man hätte auch gleich einen Werbespot für die US-Army einblenden können. Dieser Stumpfsinn von wegen "Sei stolz, wenn du für dein Vaterland ins Gras beißen darfst!" kommt nämlich aus genau dieser Ecke. Der Film haut einem wirklich jede seiner Botschaften derart um die Ohren, dass man schon nicht mehr von "unterschwellig" reden kann.

In diese Kategorie passt auch die Auflösung. Jack gelingt es natürlich, in die Station Tet einzudringen, die schon von außen wie eine gigantische umgedrehte Pyramide aussieht. Doch es kommt noch besser! Überraschenderweise handelt es sich nämlich nicht um Außerirdische, sondern um eine künstliche Intelligenz, die von Planet zu Planet zieht, um diese wie reife Orangen auszupressen.

Die Gestalt der Entität verrät derweil viel über die freimaurerischen Hintergründe der Macher dieses Films. Es ist eine umgedrehte Pyramide mit einem allsehenden, rot leuchtenden Auge. Deutlicher geht es nun wirklich nicht. Und dann faselt diese Pyramide noch davon, sie sei Jacks Gott, da sie ihn geschaffen habe. "Ancient Aliens" lassen grüßen.

Eine weitere üble Anspielung gibt es im Soundtrack zum Film. Der Titel aus dem Trailer heißt nämlich "Extra Dimensional". Obgleich die extradimensionale Komponente im Film selbst nicht vorkommt, dürfte der Verweis im Soundtrack kein Zufall sein.

Doch allein schon die im Film zur Schau gestellte Symbolik ist dermaßen offensichtlich und massiv, dass es echt traurig mit anzusehen ist, dass viele sie immer noch nicht bemerken, geschweige denn hinterfragen. Der Film ist von vorne bis hinten Propaganda für die neue Weltordnung.

Das scheinbar glückliche Ende ist ebenfalls Teil dieser Agenda. Die überlebenden Menschen finden einen Flecken unberührter Natur und fangen wieder bei Null an. Dafür mussten sie nur durch die Hölle gehen und einen hohen Blutzoll zahlen. Ordnung aus dem Chaos! Die neue Weltordnung ist nicht der Krieg und nicht die globale Tyrannei, sondern das falsche Utopia, welches uns hier schmackhaft gemacht werden soll. Natürlich mit einem Scientologen als Erlöser der Menschheit an der Spitze.

Nun kennen wir bereits das Ende. Doch wie fängt alles an? Dazu gibt es gleich zu Beginn einen Hinweis, als Jack in einem zerstörten Stadion steht, in welchem der letzte Superbowl stattfand. Die Superbowls sind bekannt für ihre okkulten Rituale.

Als Beispiel sei hier der Superbowl 2012 angeführt, auf dem Madonna als ägyptischer Totengott Anubis auftrat. Wenn das mal nicht prophetisch ist! Wird also der nächste große Knall bei einem zukünftigen Superbowl stattfinden? Da können wir nur abwarten. Laut "Oblivion" soll es jedenfalls 2017 zu einer (gefakten) Alieninvasion kommen.

Fazit: Optisch ist "Oblivion" zweifelsohne ein Meilenstein der Filmgeschichte. Spannend ist er dank der vielen überraschenden Wendungen ebenfalls allemal. Völlig unbedarfte Kinogänger werden also ihren Spaß daran haben.

Die freimaurerische Symbolik sowie die Scientology-Propaganda kommen jedoch dermaßen offensiv zum Einsatz, dass sie selbst für ungeübte Augen schwer zu ignorieren sind. Man bekommt den Eindruck, dass die neue Weltordnung bereits in greifbare Nähe rückt, denn ihre Architekten treten immer dreister an die Öffentlichkeit.

Diese Filmrezension ist auch zusammen mit weiteren Texten aus den Genres Science-Fiction, Fantasy und Horror in der Juni-Ausgabe unseres monatlichen Magazins "Incoming Message" erschienen. Falls Sie die "Incoming Message" noch nicht abonniert haben, können Sie das Internet-Magazin zusammen mit unserem wöchentlichen Newsletter "TrekZone Weekend" hier kostenlos bestellen.

(sd - 08.06.13)

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