Daily Trek Cast & Crew Focus & Background Franchise & Fandom
Star Trek Into Darkness Star Trek XI Enterprise Universum
SF-Zone Raumfahrer.net
GameZone Literatur
Trek BBS Quark's Bar Star Trek Rollenspiel

Seitenoptionen



News & StoriesSerien & FilmeScience & FictionMediaCommunity

Portal Facebook Twitter YouTube Flickr Chat Trek BBS

 
Daily Trek News
SF-Zone News

Shinzon Darhel (sd)17.12.13

Filmkritik: "Ender's Game"

"Full Metal Jacket" für Kinder

Mit der Verfilmung des Romans "Das große Spiel" kommt wieder einmal ein Invasionsfilm in die Kinos. Bereits im Trailer heißt es "Wenn wir überleben wollen, brauchen wir einen neuen Typ Kämpfer." Und das wären? Richtig: Kindersoldaten!

Der Film beginnt mit dem Überfall einer insektoiden Spezies auf die Erde. Dem Kampfpiloten Mazer Rackham (Ben Kingsley) gelingt es in "Independence Day"-Manier, eines der Mutterschiffe zu zerstören, woraufhin die restlichen Invasionstruppen ohne Führung zusammenbrechen. Man erfährt später zwar, dass die Insektoiden, ähnlich wie die Borg, von Königinnen gesteuert werden. Aber waren da nicht noch mehr Mutterschiffe mit Königinnen am Himmel?

Nach dem Sieg über die Aliens, die als "X-Form" bezeichnet werden, herrscht erst einmal Ruhe. Die Erde hat sich in den darauffolgenden 50 Jahren erholt und es ist eine neue Weltordnung entstanden, welche von der Internationalen Flotte geschützt wird. Die Flotte bildet ihre Rekruten wie eingangs erwähnt bereits im Kindesalter aus und überwacht sie dabei über Monitore. Diese werden in den Nacken implantiert und verbinden sich direkt mit dem Nervensystem. Man nimmt den Rekruten also nicht nur ihre Kindheit, sondern auch ihre Freiheit. Als Ender Wiggin (Asa Butterfield) im wahrsten Sinne des Wortes hochgestuft wird, entfernt man ihm überraschenderweise den Chip, was jedoch nicht das Ende seiner permanenten Überwachung bedeutet.

"Enders Game" zeigt keine erstrebenswerte Zukunft.
Bevor seine Reise weitergeht, wird er noch einmal nach Hause zu seiner Familie geschickt. Zunächst glaubt er, aus dem Ausbildungsprogramm geflogen zu sein, zumal bereits sein älterer Bruder aufgrund dessen unkontrollierbarer Aggression entlassen wurde. Doch das Militär gewährt Ender lediglich einen Abschied von seiner Familie.

Der kurze Einblick in das Familienleben ist zugleich ein Einblick in die Familienpolitik der neuen Weltordnung. Die Eltern der Zukunft dürfen nur noch zwei Kinder bekommen, jedes weitere bedarf einer Genehmigung. Ender steht als Drittgeborener daher unter einem besonderen Erwartungsdruck.

Ein wenig seltsam ist diese Politik schon, denn durch die Invasion einige Jahrzehnte zuvor starben Abermillionen Menschen. Nachdem die Menschheit dermaßen stark dezimiert wurde, würde wohl selbst China seine Ein-Kind-Politik aufgeben. Zumal die Menschheit obendrein in den Weltraum expandiert. Von daher geht es dem Weltstaat der Zukunft wohl eher um Bevölkerungskontrolle als totalitäres Machtinstrument. Totalitär geht es auch für Ender Wiggin weiter. Der nächste Teil seiner Ausbildung findet auf einer radförmigen Raumstation statt. "Elysium" als Boot Camp, auch mal was Neues.

Die Rolle des Gunnery Sergeant Hartman übernimmt Sergeant Dap (Nonso Anozie). Während in der Militärakademie auf der Erde bereits geduldet wurde, wenn sich die kleinen Rotznasen gegenseitig k.o. schlagen, ermutigt Sgt. Dap sie nunmehr regelrecht dazu. Er trichtert ihnen ein, dass die Personen links und rechts neben ihnen keine Freunde, sondern Feinde sind. Hmm, und da dachte man, die X-Form seien die Feinde.

Das Ziel dieser Erziehungsform ist klar. Aus den Kindern sollen erbarmungslose Killer werden, die weder Mitleid mit dem Feind haben noch Skrupel, eigene Leute für den Sieg zu opfern. Die Boot-Camp-Methoden können direkt schon als Hirnwäsche gewertet werden.

Zweifel an diesen Methoden kommen jedoch lediglich bei Major Anderson (Viola Davis) auf, die als einzige Frau im Kommandostab noch so etwas wie einen Mutterinstinkt hat. Dabei dürfte eigentlich jedem mit einem gesunden Menschenverstand klar sein, dass Gewalt, Drill, Kontaktverbot mit der Familie sowie strikte Trennung von Jungen und Mädchen einer gesunden geistigen Entwicklung total abträglich sind.

Andererseits sollen aus den Kleinen auch keine geistig gesunden Erwachsenen werden, sondern Kanonenfutter für den Krieg. Ein derart verkommenes Menschenbild gab es zuletzt im Dritten Reich und während des Bürgerkriegs in Sierra Leone. Angesichts dessen fragt man sich schon, ob die Menschheit wirklich die bessere Spezies ist oder es nicht besser wäre, wenn die X-Form den Sieg davontragen?

Solange die Menschheit von einer skrupellosen Elite manipuliert wird, lässt sich diese Frage leicht beantworten. Die Gewalterziehung, die den Kindern vom globalen Militärregime aufbürdet wird, betrifft derweil nicht nur das Training. Selbst die Freizeit der Kinder besteht nur aus Kampftraining und Gewaltsimulationen. Dabei sticht ein Killerspiel besonders hervor, welches auf Enders Tabletcomputer freigeschaltet wird. Als Ender einen besonders drastischen Schachzug wählt, um im Spiel voranzukommen, wird er schließlich befördert. Wieder einmal wird Gewalt belohnt.

Colonel Graff (Harrison Ford), der bereits von Anfang an große Hoffnungen in Ender setzt, befördert ihn in die nächsthöhere Trainingsgruppe, in der die Geschlechtertrennung offenbar nicht so streng gehandhabt wird. Ender freundet sich schnell mit der einzigen weiblichen Rekrutin Petra (Hailee Steinfeld) an, was dem psychopathischen Teamleader Bonzo (Moises Arias) gar nicht gefällt.

Noch weniger gefällt Bonzo, dass Ender entscheidend zum Sieg eines Trainingsspiels beiträgt. Es kommt schließlich zum Kampf zwischen den beiden. Bonzo überrascht Ender in der Dusche und obwohl Colonel Graff die Situation am Monitor verfolgt, greift er nicht ein. Es fragt sich, was daran eigentlich schlimmer ist? Dass Graff nackte Jungen beim Duschen beobachtet oder dass er es zulässt, wie einer der beiden durch seine unterlassene Hilfeleistung fast stirbt?

Die moralische Verkommenheit des Militärs kennt keine Grenzen und wer genau hinsieht, der erkennt auch den Grund. Das grüne Team, dem Ender zugeteilt wurde, hat einen Salamander als Logo. Ein anderes, blaues Team, steht im Zeichen der Schlange, während das finale Team, welches Ender schließlich anführen darf, einen roten Drachen als Logo hat. Es handelt sich bei allen dreien um Reptilien, die mit Kaltblütigkeit assoziiert werden. Man wird das Gefühl nicht los, es hier mit einer reptiloiden Hierarchie zu tun zu haben.

Die kaltblütige Konditionierung funktioniert bei Ender allerdings nicht so ganz. In ihm kommen zunehmend Zweifel auf und letztendlich verlässt er das Ausbildungsprogramm fast. Col. Graff erlaubt ihm daraufhin ein Treffen mit seiner Schwester (Abigail Breslin), die ihn überredet weiterzumachen.

Als er schlussendlich einlenkt, kehrt er jedoch nichts ins orbitale Boot Camp zurück, sondern wird direkt an die Front verlegt. Ender wird auf einem ehemaligen Planeten der X-Form stationiert, der von den Erdstreitkräften erobert wurde.

Dort trifft er Mazer Reckham, der überraschenderweise seinen Kamikazeflug vor 50 Jahren überlebt hat. Dies wird, wie so vieles, vom Militär geheim gehalten. Mazer übernimmt die abschließende Ausbildung von Ender und dessen Freunden, welche aus immer schwierigeren Gefechtssimulationen besteht. Nach erfolgreichem Abschluss soll Ender das Oberkommando erhalten, während Petra, Bean (Aramis Knight) und die anderen Kids einzelne Flottenverbände kommandieren.

Moment mal, werden jetzt die meisten denken. Man überlässt Kindern das Kommando über die Streitkräfte? Es ist ja noch einigermaßen nachvollziehbar, wenn auch extrem abscheulich, Kinder als Kanonenfutter einzusetzen. Ihnen jedoch den Oberbefehl zu überlassen ist einfach nur haarsträubend und dumm!

Im Film wird dieser Verzweiflungsakt damit begründet, dass nur der kindliche Verstand sich in die Denkmuster der X-Form hineindenken und eine siegreiche Strategie entwickeln kann. Demnach müssten die Romanvorlage sowie das Drehbuch von Kindern geschrieben worden sein? Wohl eher nicht. Zudem sind die angewandten Strategien derart vorhersehbar, dass auch jeder Erwachsene im Kinosaal von selbst darauf hätte kommen können. Es ist einfach grober Unfug, dass den Kindern die Entscheidungsschlacht der Menschheit überlassen wird.

Wirklich schlimm ist dabei außerdem, dass man den Kleinen den Krieg als Spiel verkauft. Krieg ist aber kein Spiel und immerhin darf Ender dies sogar infrage stellen. So fällt ihm auf, dass die X-Form die Erde seit 50 Jahren nicht mehr angegriffen haben und ihre Strategien allein auf Verteidigung ausgerichtet sind. Dazu haben die Insektoiden auch allen Grund, denn in Wirklichkeit sind die Menschen auf dem Vormarsch. Die Erdstreitkräfte haben alle ihre Kolonien ausradiert und bedrohen nun die Heimatwelt der X-Form.

Die letzte Simulation stellt dementsprechend auch ein Angriffsszenario auf den insektoiden Heimatplaneten dar. Ender entwickelt eine erfolgreiche Strategie, die zwar viele Opfer in den eigenen Reihen kostet, aber letztendlich eine Geheimwaffe nah genug an den Planeten heranbringt, um ihn zu zerstören. Die Waffe zerstört die molekularen Bindungen und zersetzt die Planetenoberfläche regelrecht. Es bleibt lediglich ein von Lava überzogener Planetenkern zurück, auf dem kein Leben mehr möglich ist.

Zunächst bricht in der Trainingshalle großer Jubel aus (Achtung Filmfehler: man sieht seltsamerweise niemanden klatschen). Nach einer Weile kehrt jedoch Stille ein und die führenden Militärs danken Ender für den Sieg. Es stellt sich wenig überraschend heraus, dass der Angriff auf die X-Form-Heimatwelt gar keine Simulation war. Ender muss plötzlich nicht nur damit leben, dass er getäuscht wurde, sondern überdies für den größten Genozid der Menschheitsgeschichte verantwortlich ist.

Eigentlich hätte er es wissen müssen, denn während seiner gesamten Ausbildung wurde ihm eingehämmert, dass man so lange auf den Feind einprügeln muss, bis er nie wieder die Gelegenheit haben wird zurückzuschlagen. Dennoch ist es positiv zu bewerten, dass sich schlussendlich zeigt, dass seine entmenschlichende Erziehung fehlgeschlagen ist.

Und mehr noch: Es stellt sich heraus, dass die Insektoiden telepathisch mit ihm in Kontakt getreten sind. Dies hatte Auswirkungen auf das Killerspiel, welches von Ender durch ein neuronales Interface gesteuert wurde. So erklärt sich letztendlich auch, wie die Insektenkönigin ins Spiel kam und warum sie sich in Enders Schwester verwandelt hat. Es war eine versteckte Botschaft.

Diese führt ihn schließlich zu einer Ruine auf der eroberten X-Form-Kolonie, wo eine Königin auf ihn wartet. Sie liegt bereits im Sterben und vertraut ihm ihr letzte Ei an - die einzige Hoffnung auf das Überleben ihrer Spezies. Nachdem Ender zum Admiral befördert wird (ja klar), stehen ihm alle Freiheiten offen und er macht sich auf die Suche nach einer neuen Heimatwelt für die X-Form.

Fazit: Nach diesem Film kann man nur hoffen, dass es niemals zu einer Alieninvasion kommt. Man muss dabei weniger das Ereignis an sich fürchten, sondern viel eher das, was dadurch aus der Menschheit werden könnte. Eine globale Militärdiktatur wäre schon schlimm genug. Doch die Zukunft der Kindererziehung, die in "Ender s Game" gezeigt wird, setzt dem Fass die Krone auf.

Permanente Hasspropaganda, die Aberziehung von jeglichem Mitgefühl und gnadenlose Brutalität auf der einen Seite, allgegenwärtige Überwachung und der Verlust von Freiheit sowie Privatsphäre auf der anderen. In einer solchen Welt möchte kaum jemand leben. Wenn die Menschheit erst einmal so tief gesunken ist, wäre es direkt besser, sie würde ausgelöscht. Denn die wahre Bedrohung wären dann letztendlich wir.

Immerhin weiß das Ende zu überraschen und man kann die Auflösung nur als gelungen bezeichnen. Es stellt sich danach sogar die Frage, ob die X-Form überhaupt jemals Feinde waren? Denn der Film lässt offen, wer bei ihrer Ankunft auf der Erde zuerst geschossen hat. Den letzten Schuss geben jedenfalls die Menschen ab und jeder sollte sich davor hüten, das Fremde derart zu hassen, dass aus diesem Hass ein Genozid erwachsen kann. Zumindest in diesem Punkt hat der Film recht: "Wer seinen Feind kennt, der liebt ihn auch." Hass kann dagegen nur aus Unwissenheit erwachsen.

Diese Filmrezension ist auch zusammen mit weiteren Texten aus den Genres Science-Fiction, Fantasy und Horror in der Dezember-Ausgabe unseres monatlichen Magazins "Incoming Message" erschienen. Falls Sie die "Incoming Message" noch nicht abonniert haben, können Sie das Internet-Magazin zusammen mit unserem wöchentlichen Newsletter "TrekZone Weekend" hier kostenlos bestellen.

(sd - 17.12.13)


Nach oben

Alle Berichte sind das geistige Eigentum der Autorinnen und Autoren. Jede unautorisierte Übernahme ist ein Verstoß gegen das Urheberrecht. Für Anfragen betreffend Artikel- oder Newsübernahme wenden Sie sich bitte an den Redaktionsleiter.

"Star Trek", "Star Trek: The Next Generation", "Star Trek: Deep Space Nine", "Star Trek: Voyager", "Star Trek: Enterprise" und alle verwandten Markennamen sind eingetragene Handelsmarken von Paramount Pictures. Kopierrechtlich geschütztes Material wurde ausschließlich für nichtkommerzielle Zwecke genutzt. Dies gilt auch für alle Materialien, die aus anderen Franchises stammen und im Rahmen der TZN SF-Zone genutzt wurden.

Mitarbeit Kontakt Impressum

© TrekZone Network, 1999-2017