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Randolph Sutter (su), Shinzon Darhel (sd)18.10.12

Filmkritik zu "Total Recall"

Zwei Blicke auf das Remake aus dem Jahr 2012

Verschwörungstheorie oder einfach nur technikverliebte Science-Fiction mit alten Elementen? Zwei ganz unterschiedliche Kinokritiken zum Film von Len Wiseman aus dem Jahr 2012.

Ein Kind seiner Zeit

von Randolph Sutter

Da es in den Shoppingmeilen Hollywoods offensichtlich keine Bücher zu kaufen gibt und man auch lieber Brettspiele wie "Schiffe versenken" ("Battleship") verfilmt statt sich womöglich eher storylastigen Computer-Games wie "System Shock", "Half-Life" oder "Deus Ex" zu bedienen, liegt es nahe, Remakes von alten Filmen zu drehen. Immerhin darf man von den Drehbuchautoren nicht erwarten, sich selbst eine Vision der Zukunft auszudenken und diese auf Papier zu bringen. Warum auch?

Nun, Remake stimmt bei "Total Recall" ohnehin nicht gänzlich, da diese Story auf der Philip-K.-Dick-Kurzgeschichte "We Can Remember It For You Wholesale" basiert.


Dass man beim Anschauen dieses Streifens jedoch trotzdem an den alten Film von 1990 denken muss, haben sich die Macher selbst zuzuschreiben, weswegen auch ein direkter Vergleich erlaubt sein sollte. Nein, Colin Farrell besitzt bei Weitem nicht die Präsenz eines Arnold Schwarzeneggers, ein besserer Schauspieler ist Farrell aber allemal. Und nein, leider ist Regisseur Len Wiseman ("Underworld") nicht im Geringsten ein würdiger Nachfolger von Paul Verhoeven ("Robocop", "Starship Troopers"). Wiseman, der sich vor allem dadurch auszeichnet, dass er sich durch nichts auszeichnet, liefert einen durchaus unterhaltsamen, stimmigen und in weiten Teilen sogar guten Science Fiction-Film ab. Eine persönliche Handschrift ist bei Wiseman allerdings in keinem seiner Filme zu erkennen. Er ist der geborene Handwerker, der seine Werke ohne visuelle Einfälle oder Überraschungen fast fabrikartig abspult. "Total Recall" ist durchaus gelungen, aber dem Film fehlen Momente, die einem auch nach dem Abspann in Erinnerung bleiben. Das Setting ist stimmig, und die Schauspieler machen ihre Sache gut. Kate Beckinsale (Miss Wiseman) hat sichtlich Spaß an der Rolle des Bad-Ass-Chicks und stiehlt allen die Show.

Langweilig ist der Film nie, aber blutleer und überraschend gewöhnlich. Trotz der tollen Effekte, die man jedoch alle irgendwie und irgendwo bereits gesehen hat. Die Schauwerte sind enorm. Die Referenzen, teilweise eben ungewollt, sind es leider auch. Die asiatischen Sets erinnern an "Blade Runner", die Fahrzeuge an "Minority Report", die Maschinen an "I, Robot".

Dies geht so weiter bis zum Schluss. Und wenn "Total Recall" Ideen aus dem Vorgängerfilm übernimmt und diese leicht abwandelt, dann verlieren genau alle diese Szenen im direkten Vergleich völlig. Wenn sich Arnold Schwarzenegger im Original einen großen Sender aus der Nase ziehen muss, dann ist man als Zuschauer angewidert und glaubt fast, den Schmerz zu spüren. Szenen, die im Gedächtnis haften bleiben. Im neuen Streifen wird der Sender aus der Hand gezogen. Eine Szene. Überraschend clean, fast banal, schnell vergessen, aber leider bezeichnend für den ganzen Film.

Fazit: Unfair möchte man nicht sein. Der Streifen hat minutenlange Verfolgungsjagden, zahlreiche wilde Kämpfe, massig Action. Zu sagen, der Film sei schlecht, ist völlig falsch. Ist er nicht einmal ansatzweise. Er ist einfach nur ein Kind seiner Zeit und versucht, es allen recht zu machen. Doch allen bedeutet in der heutigen Zeit schlicht und ergreifend ... allen Teens. Das muss nicht zwangsläufig schlecht sein. Etwas mehr Sorgfalt in die innere Logik der gezeigten Welt, ein wenig mehr Mühe in der Ausarbeitung der Figuren, ein paar visuelle Überraschungen, und der Film wäre mehr geworden als eine nett anzuschauende Mär, welche das Potenzial ihrer eigentlichen Grundidee erschreckend schnell und achtlos beiseite wischt. Vielleicht ist dies der Grund, weswegen auch der Zuschauer diesen Film trotz guter Unterhaltung schnell vergessen wird.

Erschreckende Zukunftsvision

von Shinzon Darhel

"Total Recall" ist ein absoluter Science-Fiction-Klassiker aus dem Jahr 1990, in dem es Arnold Schwarzenegger auf den Mars verschlägt. Bis zum Ende wird der Zuschauer im Dunkeln gelassen, ob die Rolle des Douglas Hauser nun den Mars befreit hat oder als Opfer eines wirren Mind-Control-Experiments in einem Labor dahinvegetiert. 2012 folgt nun ein Remake dieses Klassikers, und obwohl die wichtigsten Grundelemente geblieben sind, ist dennoch alles anders.

Kinoplakat
Die Neuerungen beginnen bereits damit, dass die Handlung nicht auf dem Mars spielt. Es gibt lediglich eine kleine Anspielung auf das Original, was eine nette Hommage für Insider ist. Eine weitere Hommage ist die fehlerhafte Maskierung von Douglas Hauser (nunmehr Colin Farrell), die während einer Personenkontrolle auffliegt. Diese ist ganz zeitgemäß keine Robotermaske mehr, sondern ein Hologramm. Zu guter Letzt hat noch die Frau mit den drei Brüsten einen kleinen Auftritt. Ansonsten bleibt aber nicht mehr viel vom Original übrig, außer dem Gehirnwäscheaspekt.

Der Auftakt zeigt eine Erde, die vom Dritten Weltkrieg gezeichnet ist. Die Erdbevölkerung wurde stark reduziert, was ganz im Sinne der herrschenden Elite ist. Diese hat ihren Sitz in London, während die einzigen noch bewohnbaren Gegenden in Europa und Australien zum britischen Empire gehören. Ja, richtig gelesen, "Total Recall" propagiert ganz offen die neue Weltordnung unter der britischen Flagge.

Dies ist in Hinsicht auf die Vorahnungen eines Anschlags in London, der den Beginn eines Dritten Weltkrieges sowie die darauf folgende neue Weltordnung markieren soll, sehr interessant. Aus der Asche Londons soll sich das neue Jerusalem erheben, welches das Zentrum einer neuen Weltmacht werden soll. Zumindest wurde dies auf den Eröffnungs- und Abschlusszeremonien der Olympischen Spiele 2012 so angekündigt. Während man auf der Eröffnung William Blakes Hymne "Jerusalem" sang, baute man zum großen Abschluss eine Pyramide und ließ den Phönix aus der Asche aufsteigen.

Ja, die ganze Symbolik hat einen tieferen Sinn. Dazu gehört auch die symbolische Vereinigung aller Völker zu einem Olympischen Feuer, sprich einem Weltstaat, sowie der gemischte Einmarsch der Athleten während der Abschlussfeier. Es handelt sich um den Beginn dessen, was wir als Endresultat in "Total Recall" aufgetischt bekommen.

In diesem Film ist in der Tat ein Teil von London zerstört worden und nunmehr eine lebensfeindliche "No-Area". Überraschenderweise steht der Big Ben Tower noch, allerdings scheint das angrenzende Parlamentsgebäude zu fehlen. Jedenfalls wurde auf dem, was von London noch übrig ist, eine ultramoderne Megacity errichtet. Wenn man so will das neue Jerusalem respektive Zion, was ja trefflicherweise im Film den Nabel der Welt darstellt. Der Kopf der neuen Weltordnung, Cohaagen (Bryan Cranston), gibt dabei gleich noch einen prima Antichristen ab, der die Menschheit nach allen Regeln der Kunst tyrannisiert. Er schreckt nicht einmal davor zurück, die komplette Bevölkerung des aufmüpfigen Australiens auszurotten und entsendet zu diesem Zweck eine Invasionsarmee von Robocops. Maschinen sind einfach die besseren Killer, weil sie keine Gewissensbisse haben, auf Zivilisten zu schießen.

Und das ist nicht einmal mehr Science-Fiction, da im Irak und Afghanistan bereits bewaffnete Kriegsroboter zum Einsatz kommen. Ebenso unbemannte Drohnen, die ganze Dörfer auslöschen können. Noch sitzen dabei Offiziere an Steuerpulten, die jedoch schon fernab der Kriegsgebiete keinen Bezug mehr zu den Menschen haben, die sie per Knopfdruck ausradieren. Bald könnten sie von intelligenter Software ersetzt werden, die die modernen Kriegsgeräte gänzlich ohne Skrupel steuert. "Total Recall" zeigt diese Entwicklung in ihrer Vollendung.


Etwas unrealistisch wird es dann aber doch, wenn die Truppen durch einen Tunnel direkt am Erdkern vorbei transportiert werden. Es ist schon klar, dass hier auf den Tunnel zwischen Großbritannien und Frankreich angespielt wird, doch dieser geht ja nur durch die Erdkruste. Es ist vollkommen absurd, einen stabilen Tunnel durch den zähflüssigen und extrem heißen Erdmantel zu bauen. Von Geologie scheinen die Drehbuchautoren keinerlei Ahnung zu haben.

Der Story an sich tut das allerdings keinen Abbruch. Es darf halt keinen halben Tag dauern, von England nach Australien zu kommen. Warum man sich jedoch nicht entschied, Europa als Gegner zu nehmen, was dem Zuschauer den unrealistischen Fall durch das Erdinnere erspart hätte, bleibt schleierhaft. Immerhin sollte man meinen, dass die Europäer ebenfalls nicht gerade glücklich sein werden, unter der Knute Londons zu leben.

Da der Film aber nun einmal so ist, werfen wir zum Abschluss noch einen Blick auf die australischen Rebellen. Wie sich am Ende herausstellt, sind diese alles andere als Terroristen. Im Gegenteil kämpfen sie einfach für ihre Freiheit und Unabhängigkeit. Das Perfide dabei ist, dass die Terroranschläge, die man ihnen zuschreibt, vom britischen Regime selbst inszeniert wurden. Ja, richtig gelesen, Terror unter falscher Flagge ist ein wesentliches Element von "Total Recall". Na wenn das mal kein böses Omen ist.

Fazit: Alles in allem ist "Total Recall" ein eigenständiger Film, der eigene Wege geht und außer dem Grundgerüst nicht mehr viel mit dem Original gemein hat. Optisch ist er sehr eindrucksvoll, wenn auch physikalisch nicht immer logisch. Die dargebotene Zukunftsvision ist äußerst erschreckend und man wünscht sich, dass sie niemals wahr werden möge. Was das Mind-Control-Thema angeht, bleibt schlussendlich nur noch zu sagen: Geht in keinen verdammten Recall-Laden oder sonstige MK-Ultra-ähnliche Einrichtungen!

Diese Filmrezension ist auch zusammen mit weiteren Texten aus den Genres Science-Fiction, Fantasy und Horror in der Oktober-Ausgabe unseres monatlichen Magazins "Incoming Message" erschienen. Falls Sie die "Incoming Message" noch nicht abonniert haben, können Sie das Internet-Magazin zusammen mit unserem wöchentlichen Newsletter "TrekZone Weekend" hier kostenlos bestellen.

(su, sd - 18.10.12)


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