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Randolph Sutter (su), Christian Freitag (cf), Shinzon Darhel (sd)02.10.12

Kinokritik zu "Prometheus"

Anschauen lohnt sich trotz verschenktem Potenzial

Drei TZN-Rezensenten kommen in ihrer Bewertung des "Alien"-Prequels "Prometheus" zu einem ähnlichen Schluss: Tollen Bildern und interessanten Fragen stehen dumme Charaktere gegenüber. Das Anschauen lohnt sich trotzdem.

Bei Handlung und Charakteren versagt

Von Randolph Sutter

Inhalt

Ein Forscherteam reist zu einem fernen Planeten, um dort nach dem Ursprung der menschlichen Rasse zu suchen. In einem außerirdischen Gewölbe finden sie rätselhafte Spuren möglicher Schöpfer.

Kritik

Regisseur Ridley Scott hat ein Problem, um welches ihn viele seiner Kollegen beneiden. Er hat es geschafft, gleich zwei Filme zu drehen, die ein ganzes Genre beeinflusst haben und noch heute oft und gerne zitiert werden. "Alien" und "Blade Runner". Beide Filme sind inhaltlich durchaus kritikwürdig, visuell hingegen sind sie selbst heute noch über jeden Zweifel erhaben. Oder um es klarer auszudrücken: Meisterwerke.

"Prometheus" konnte die hohen Erwartungen nicht erfüllen.
Wenn also ein Altmeister wie Scott nach Jahrzehnten zur Science-Fiction zurückkehrt, dann erwartet der Zuschauer nichts weiter als einen neuen Meilenstein. Einen Film, der das Genre vorantreibt, Grenzen sprengt und sich nicht darauf verlässt, nonstop Actionszenen aneinanderzureihen und ein Computer-Effektgewitter zu liefern, die den etwas anspruchsvolleren Zuschauer inzwischen durch ihre Einfallslosigkeit nur noch langweilen. Ja, damit bist du gemeint, Peter Berg ("Battleship").

Eines gleich vorneweg: "Prometheus" ist ein berauschender, geradezu hervorragend inszenierter und glänzend gespielter Science-Fiction-Film mit einem wuchtigen Score, brillanten 3D-Effekten, fantastischem Set-Design, großartigem FX-Make-up und grandioser Atmosphäre. Man spürt, dass die Macher versucht haben, einen "echten" Science- Fiction-Film zu schaffen, der diese Bezeichnung auch wirklich verdient. Ausgeklügelt, durchdacht, jederzeit stimmig. Wenn es auch nur einen Film dieses Genres gibt, den Sie sich dieses Jahr anschauen sollten, dann ist es wahrlich "Prometheus". Beim Betrachten des Streifens wird man förmlich hineingesogen in diese bedrohliche Welt, deren Erkundung man mit Anspannung und grausiger Vorahnung verfolgt.

Die erste Stunde ist gemächlich, geradezu ruhig, doch ohne Langeweile aufkommen zu lassen. Scott lässt sich Zeit. Hier müssen nicht gleich in den ersten fünf Minuten ganze Städte dem Erdboden gleichgemacht werden, Tausende sterben und die Helden coole Onliner zum Besten geben. Hier werden Fragen gestellt, über die es sich nachzudenken lohnt. Fragen, bei denen man nicht unbedingt Antworten erwarten sollte. Ist es nicht das, was die Science-Fiction so faszinierend macht? Fragen der Menschheit nachzugehen, dem Grund zu folgen, woher wir kommen und wohin unser Weg führt. Was alles sein könnte?

Die Antworten darauf zu finden, ist die Sache des Zuschauers. Science-Fiction soll uns zum Nachdenken anregen, soll zulassen, dass wir unsere eigenen Schlüsse ziehen, soll zum Diskutieren anregen. "Prometheus" bietet ungemein viel Stoff. Man denke an den Androiden David (dargestellt vom großartigen Michael Fassbender). Die Menschen haben den Androiden geschaffen und starten nun zu einer Reise, um ihren eigenen Schöpfern zu begegnen.

Die Möglichkeiten, die sich hier bieten, gehen weit über das hinaus, was uns die üblichen sündhaft teuren "Doofe-Aliens-wollen-die-Erde-erobern"-Filme bieten. Doch leider entfaltet "Prometheus" sein Potenzial bei Weitem nicht und versagt genau dort, wo es am Wichtigsten gewesen wäre. Bei der Story. Genauer gesagt, bei den Charakteren. So ziemlich jede Figur in diesem Film verhält sich so dumm, man könnte meinen, Multimilliardär Weyland hätte für seine Expedition, deren Ziel immerhin die Beantwortung der größten Frage der Menschheit betrifft, eine Crew zusammengestellt, die aus Beavis und Butthead, Homer Simpson, Fry, Bender sowie Waldorf und Statler besteht. Wobei sich die beiden Letzteren zumindest nicht so dämlich aufführen wie die Figuren in "Prometheus". Sie möchten ein paar Beispiele? Nun gut ...

Achtung, Spoiler: Einer der Charaktere fragt, ob die Atmosphäre des Planeten für die Außenhülle des Raumschiffs eigentlich gefährlich ist. Wozu? Das Schiff fliegt bereits mitten hindurch. Ausgerechnet der Kartograph verirrt sich in der Höhle, obschon seine technischen Maschinen, die er kurz zuvor durch die Gänge schweben lässt und die alles exakt aufzeichnen, locker zum Ausgang hätten weisen können. Der Biologe flieht angsterfüllt vor einem "toten" Alien, nur um dann nachher unbedingt eine "lebende" Kreatur anfassen zu wollen, deren höchst aggressives Klapperschlangengebaren eindeutig zeigt, dass man es hier nicht mit Bambi zu tun hat.

Man hat eben das größte Rätsel der Menschheit gelöst? Was tut man? Zeit nutzen, weiterforschen? Nein, man spielt eine Runde Billard, hat Sex, kifft und besäuft sich. Wenn das die Elite der Menschheit ist, dann versteht man den Grund für das Verhalten der Schöpfer nur zu gut. Leider sind die Figuren in diesem Film allesamt Idioten oder Arbeitsverweigerer wie beispielsweise der waffenstarrende Sicherheitschef, der - statt die Forscher zu schützen - im Raumschiff bleibt und Däumchen dreht. Spoiler Ende.

Fazit: Enttäuschend, geradezu ärgerlich, viel verschenktes Potenzial in einem ansonsten grandios inszenierten Science-Fiction-Film. Anschauen lohnt sich dennoch.

"Prometheus" beweist: Es gibt kein intelligentes Leben auf der Erde!

Von Christian Freitag

Auf der Erde findet das Pärchen Elizabeth Shaw (Noomi Rapace) und Charlie Holloway (Logan Marshall-Green) in Schottland in einer Höhle ein uraltes Piktogramm, das ein fremdes Wesen darstellt, das auf eine Sternenkonstellation zeigt, welche es wirklich gibt. Unabhängig haben diverse Zivilisationen in der Frühzeit diese Piktogramme erstellt. Jetzt existiert die Möglichkeit, dass die Menschheit ihre Schöpfer, genannt Konstrukteure, findet. Der Firmengründer Sir Peter Weyland (Guy Pearce) bezahlt eine teure Mission und schickt die Prometheus mit der jungen, attraktiven, aber eiskalten Meredith Vickers (Charlize Theron) und dem Androiden David (Michael Fassbender) sowie einigen anderen zum Ursprungsort. Nach einer langjährigen Reise erreicht man den Planetoiden LV-223. Dort findet man tatsächlich Spuren einer hochentwickelten Zivilisation. Allerdings sind die dortigen Konstrukteure alle tot. Etwas hat jedoch überlebt ...

Ich möchte mit der Geschichte nicht spoilern, das erledigt gleich in einigen Teilen die Kritik, aber es sollen für diejenigen, die den Film noch nicht gesehen haben, genügend Überraschungen bleiben. Ich rege mich gleich nur etwas über - marginale - Details auf.

"Prometheus" einzuschätzen ist nicht so ganz einfach. Gegen Ende des Films hat sogar eine Gruppe Zuschauer applaudiert. Diesen Applaus konnte ich nicht so ganz nachvollziehen. Zugegebenermaßen schwelgt der Film in außergewöhnlichen (Panorama-)Aufnahmen sowohl auf Himmelskörpern als auch im All. Hinterher verliert er sich aber in einer sich überstürzenden und vorschnellen Handlung.

Nach dem Anschauen des Films kam mir zunächst der Gedanke, dass dies der "Alien"-Planetoid aus dem ersten Teil von 1979 ist. Es wäre einfach ein zu großer Zufall gewesen, dass das abgestürzte Schiff der Konstrukteure ähnlich abgestürzt war wie das Wrack aus dem ersten Teil. Allerdings hat Regisseur Ridley Scott mitgeteilt, dass das Schiff aus dem ersten regulären Teil einfach nur geparkt war. So wie das aussah, war es aber nicht geparkt. Im Übrigen hätte dann auch dieses Schiff etwas aufrecht stehen müssen und nicht wie ein Höhlensystem liegen dürfen. Nachdem der Film jedoch verarbeitet und eine Nacht drüber geschlafen ist und nachdem ich gesehen habe, wer an dem Film mitgearbeitet hatte, verärgert es mich doch etwas: Damon Lindelof. Für die einen ist dieser Mann unter anderem mit seinen Kollegen die Rettung von "Star Trek" im Jahre 2009 gewesen. Für die anderen haben er und seine Kollegen mit ihrer Interpretation auf das Franchise - sorry, aber das ist meine Ansicht - gekotzt.

Offensichtlich ist er ein Mann der Extreme. Denn während meine erste Ansicht des Films - teilweise - schlüssig war, nämlich dass es sich tatsächlich um denselben Planetoiden handeln würde, schlägt die konkrete Aussage, dass dem nicht so ist, wieder alles über den Haufen. Mich hatten die Widersprüche im Film im Gegensatz zu "Alien" eh gewundert: aggressive Zombies und schwarze, auflösende Haut statt Xenomorphe? Tintenfischähnliche Wesen und Würmer statt der uns bekannten Zweibeiner mit langem Schwanz und Kopf? Selbst das Wesen gegen Ende des Films sah anders aus als die bekannten Wesen. Trümmer und Fahrzeuge, ja Leichen wurden von der Nostromo-Crew auch nicht gefunden. Aufzeichnungen über die Prometheus wurden auch nicht weitergegeben. Das System und die planetaren Gegebenheiten waren etwas anders. Das Wesen im Stuhl fehlte. Die Nostromo-Besatzung hat selbst gesagt, dass es mit dem Stuhl festgewachsen zu sein schien, also dort schon länger saß. Weyland, der hier auftauchte, hatte man sich auch anders vorgestellt. Es ist selbst 2012 nicht möglich, Menschen realitätsnah alt aussehen zu lassen. Guy Pearce war unter einer schlechten Maske versteckt. Aufgrund all dieser Detaildiskrepanzen wunderte ich mich, dass hier so schlampig gearbeitet wurde, aber gleichzeitig viel Mühe darauf verwendet wurde, ein stimmiges "Alien"-Prequel zu schaffen, auch wenn Scott den Begriff "Prequel" für "Prometheus" nicht hören möchte.

Aufgrund der Schiffslage der Konstrukteure war ich definitiv vom selben Planetoiden ausgegangen. Ich bin aber - noch nicht ganz, aber gleich werde ich dazu - der Vollnerd, sodass ich zugegebenermaßen die Bezeichnung des Planetoiden aus "Alien" vergessen hatte und nur noch die ungefähre Lage des Schiffes im Kopf hatte. Ich wusste nur, dass es eine Bezeichnung mit LV- war und dass es ausgesprochen dämlich wäre, wenn es zwei verschiedene Planetoiden gäbe. ABER: Wir sprechen ja von Damon Lindelof (man merkt, ich bin kein Freund von ihm seit dem neuen "Star Trek"-Film). Da ist es ja auch möglich, dass sich Delta Vega nahe Vulkan befindet. So, jetzt wird es richtig nerdig: Der Planetoid, zu dem die Prometheus fliegt, ist LV-223. Der Planetoid, auf dem die Nostromo-Crew in "Alien" gelandet ist (und der später durch die Weyland-Yutani Corporation vor "Aliens" kolonisiert wurde), ist LV-426, auch als Acheron bekannt. Es handelt sich also definitiv um zwei verschiedene Planetoiden. Es kommt aber noch schlimmer und konfuser.

Sehen wir uns mal die Systeme im Einzelnen an. Im Film waren beide Planetoiden dergestalt dargestellt, dass sie als Monde größere Gasgiganten umkreisen. LV-426 ist einer von mindestens vier Himmelskörpern, die einen riesigen rötlichen Gasgiganten umkreisen, während LV-223 einer von zwei Monden ist, der einen blaufarbenen Gasgiganten umkreist! Somit handelt es sich nicht nur um verschiedene Planetoiden, sondern auch um unterschiedliche Sternensysteme. Das System Zeta Reticuli aus "Alien" gibt es wirklich. Es ist ein knapp 39 Lichtjahre von der Erde entferntes binäres Sternensystem. Beide Sterne sind jedoch so weit voneinander entfernt, dass sie ihr eigenes System tragen könnten.

"Prometheus" spielt laut Filmeinblendung jedoch 327.000.000.000.000 Kilometer von der Erde entfernt, also etwas über 34 Lichtjahre. Einige Fans glaubten, dass LV-422 bei Gliese 86 liegt. Dieser hat ebenfalls einen Gasgiganten. Das würde fast passen. Beide Systeme sind knapp zehn Lichtjahre voneinander entfernt. Es würde die lächerlich kurze astronomische Distanz von fünf Lichtjahren Unterschied bestehen ...

Doch jetzt kommen Ridley Scott und Konsorten. Es wird definitiv klargestellt, dass auch "Prometheus" bei Zeta Reticuli spielt, und somit ist das Ganze hinfällig. Entweder ändert sich das Erscheinungsbild der Gasgiganten ziemlich schnell vom 21. bis zum 22. Jahrhundert, oder jeder der Planetoiden umkreist einen anderen Stern im selben System, was aber die Entfernungen unplausibel macht. Das heißt, einerseits hat sich das System innerhalb von 28 Jahren enorm verändert und andererseits fliegt die Prometheus eine fünf Lichtjahre kürzere Strecke als die Nostromo zum selben System. Honk.

An sich war "Prometheus" nicht übel. Aber als Prequel zu "Alien" waren viel zu viele Widersprüche in dem Film vorhanden. Zeitlich gesehen spielt der Film 28 Jahre vor "Alien". Von daher sind Technik und Raumschiffe so getrimmt, dass es sich durchaus um Vorgängertechnik von "Alien" handeln kann, wenn auch Schnickschnack dabei ist, das - wie bei den meisten Prequels - die Technik des Vorgängerfilms altertümlicher erscheinen lässt, obwohl der Film danach spielt.

Entfernen wir uns mal von dem Nerdigen und kommen zu was Lustigem. Die Erforschung des Weltalls. Heute ist es nahezu unmöglich, das Weltall zu erforschen. Die Entfernungen machen es einem nicht einfach und man muss in ausgesprochen guter körperlicher und geistiger Verfassung sein. Wir können uns also auf die Erforschung des Alls in knapp 80 Jahren freuen. Jeder Trottel kann ins All fliegen. Hierzu benötigt man nur ein gut ausgerüstetes Raumschiff mit allem technischen Geschnörkel und eine total hirnrissige Besatzung, füge etwas Seven-for-Sex-Ästhetik hinzu und fertig ist die Laube. Man kann auf unbekannten Planeten landen, nimmt dumm wie Brot seinen Helm ab ohne zu wissen, was so in der Luft rumschwirrt und eine Luftschleuse zu öffnen ohne zu ahnen, ob es dahinter ebenso atembare Luft gibt. Ist ja auch egal. Wir laufen auch bei Stürmen raus, die einem die Anzüge wegfetzen könnten, nur weil ein Kopf da draußen rumliegt, den man später auch noch aufpicken könnte. Wir packen alles an, nehmen alles mit und sichern überhaupt nichts. Und kranke Crewmitglieder wollen wir ohne Quarantäne an Bord bringen oder machen aus ihnen die lebende Fackel. Taucht irgendwo ein Viech aus dem Wasser auf, wollen wir es streicheln, auch wenns einem den Arm wegreißt.

Wer so eine bescheuerte Truppe ins All lässt, ist entweder vollkommen behämmert oder hat so viel Kohle, dass er Dutzende von Missionen mit Schwachköpfen auf die Außerirdischen loslassen kann. Aber wenigstens die Frauen müssen in guter körperlicher Verfassung sein. So ein Kaiserschnitt bei vollem Bewusstsein mit etwas Schmerzmittel und zugetackerter Bauchdecke ist ja kein Problem, um einen auf Rambolina zu machen ... Die Charaktere sind größtenteils nicht ausgearbeitet, agieren eindimensional und/oder komplett schwachsinnig.

"Prometheus" beweist, dass es auf der Erde kein intelligentes Leben geben kann. Aber der Unterhaltungswert ist groß genug, um ins Kino zu gehen.

Die Hausaufgaben nicht gemacht

Von Shinzon Darhel

Nachdem 1997 der vierte Teil der "Alien"-Reihe erschien, wurde es sehr still um das Franchise. Zwar folgten noch zwei Crossover mit den Predators, die starken Bezug auf die Quadrilogie nahmen, doch auf einen reinen "Alien"-Film musste die Fangemeinschaft lange warten. Nun kommt mit "Prometheus" nicht etwa eine Fortsetzung, sondern ein Prequel in die Kinos. Bei diesem führte kein Geringerer als der Schöpfer des Franchise, Ridley Scott höchstpersönlich, Regie.

"Prometheus" beginnt mit der Schöpfung der Menschheit durch Außerirdische und zugleich mit einer verspielten Chance. Wenn man schon Bezug auf antike Legenden nimmt, dann hätte man auch gleich zeigen können, wie der sumerischen Legende nach die Annuna die Menschen als Sklavenrasse erschaffen haben. Im Alten Testament, welches größtenteils auf sumerischen Schriften basiert, ist ebenfalls von einer Auskreuzung der Menschen mit den Engeln die Rede, durch welche das Riesengeschlecht der Nephilim entstand. Stattdessen begeht ein einzelner Alien, der wohl Prometheus darstellen soll, Selbstmord, wodurch dann irgendwie das irdische Ökosystem durch humanoide DNS kontaminiert werden soll. Da Prometheus gleichbedeutend mit dem Annuna-Gott Enki ist, lässt diese Darstellung doch sehr zu wünschen übrig.

Eine direkte Interaktion der Titanen mit den Menschen wird hingegen gar nicht gezeigt, obwohl es dafür nicht nur in der Realität Hinweise gibt. Auch im Film findet ein Archäologenpaar Höhlenmalereien auf der schottischen Isle of Skye, die einen direkten Kontakt zeigen. So bleibt der Auftakt zwar durchaus bildgewaltig, aber unverständlich. Das Zusammenspiel der Yautja mit den Maya in "Alien vs. Predator " ist im Vergleich dazu weitaus schlüssiger und besser durchdacht.

Wo wir schon einmal bei der Präastronautik sind, sollte nicht unerwähnt bleiben, dass es tatsächlich Höhlenmalereien gibt, die fliegende Untertassen, Wesen in Astronautenanzügen und typische Grey-Aliens zeigen. Man bekommt fast den Eindruck, dass Filme wie "Prometheus" uns auf die offene Anerkennung solcher archäologischen Funde vorbereiten sollen. Zumal mit der Doku-Reihe "Ancient Aliens" des History Channel bereits sämtliche dahingehenden Tabus gebrochen werden.

Leider haben Ridley Scott und die Drehbuchautoren ihre Hausaufgaben nur unvollständig gemacht. Zum einen spielen in den meisten Legenden über die Herkunft antiker "Götter" das Sirius-System und die Konstellation des Orion/Osiris eine zentrale Rolle. Man denke nur an die Pyramiden von Gizeh, die den Gürtel des Orion/Osiris nachbilden.

Zum anderen verweist die Konstellation in "Prometheus" nicht auf die Heimat der Titanen, sondern auf einen Außenposten, auf dem für die Erde bestimmte Massenvernichtungswaffen lagern. Doch Warum sollten die Außerirdischen den Menschen der Antike zeigen, wo ihre geheimen Waffendepots liegen? Das macht ebenso wenig Sinn wie die geplante Vernichtung der Menschen. Immerhin sind die Menschen im Film die genetischen Abkömmlinge der Titanen.

Es wäre weitaus interessanter gewesen, einen interstellaren Krieg zwischen den Titanen und den Yautja zu etablieren. Ein Vernichtungskrieg hätte dabei sogar den Einsatz biologischer Waffen schlüssiger wirken lassen. Stattdessen wollen die Titanen unkontrollierbare Kreaturen auf die Menschheit loslassen, um die Erde für sich zu erobern.

Man muss sich an dieser Stelle doch ernsthaft fragen, warum sie die Menschheit dann überhaupt erst erschaffen haben, wenn sie den Planeten doch gleich für sich hätten beanspruchen können. Zudem würde den Titanen die Erde nicht viel nutzen, wenn sie von säureblütigen Parasiten verseucht ist.

Wenn man schon auf den Theorien eines Erich von Däniken aufbaut, so müssten die Titanen zurückkehren, um sich die von ihnen geschaffenen Menschen wieder Untertan zu machen. Die gezielte Kontamination der Erde mit Xenomorphen macht dagegen nur aus Sicht der Yautja Sinn, denen es um die Jagd auf selbige geht. Und sogar die Yautja sind schlau genug, diese Aliens durch Massenvernichtungswaffen auszulöschen, bevor sie sich unkontrolliert über den gesamten Planeten ausbreiten können (siehe "AvP").

Bei der Story von "Prometheus" wurde also erhebliches Potenzial verschenkt. Dabei kann man durchaus noch damit leben, dass es neben den klassischen Aliens einige andere biologische Waffen gibt. Die Idee, dass der Navigator aus dem ersten "Alien"-Film nur einen Schutzanzug trägt und darunter ein Humanoid steckt, ist sogar brillant und die größte Überraschung, die der Film zu bieten hat.

Man ist zudem bemüht, eine Brücke zum "Alien"-Film von 1979 zu schlagen. Das Titanen-Design fügt sich perfekt in die düsteren, organisch wirkenden Bilder des Originals und verwandelt die Kulissen in einen Alptraum des Schweizer Okkultisten H. R. Giger. Das Titanen-Raumschiff ist eine detailgetreue Nachbildung und die Gründe seines Absturzes werden plausibel dargestellt. Die Weyland Corporation macht indessen die erwarteten Fortschritte in der Androidentechnologie und es ist absolut okay, dass der Konzern schon vor der Landung der Nostromo Menschen nach LV-426 schickt. Schlussendlich ist man angesichts des realen technischen Fortschritts seit Ridley Scotts erstem "Alien"-Film sogar geneigt, den höheren Technologielevel zu akzeptieren.

In den letzten fünf Minuten wird jedoch alles kaputt gemacht. Ridley Scott scheint fast schon unter Amnesie zu leiden, dass er das Finale derart verpatzt. Er liefert ein Puzzleteil, welches absolut nicht zu dem bereits vorhandenen Puzzle passen will. Mal abgesehen von einigen geänderten Details in der Navigationskammer des Raumschiffs sollte der Pilot doch eigentlich auf seinem Sessel sitzend sterben und dabei seinen Anzug tragen. Außerdem fehlt das Loch in die Eikammer, durch welches die Nostromo später steigt.

Es wäre perfekt gewesen, wenn durch den Absturz ein Loch zum tiefer liegenden Schiffsdeck gerissen worden wäre, ein Facehugger herausgekrabbelt käme und der Navigator an der Stelle durch einen Chestburster getötet werden würde, an der ihn Jahre später die Crew der Nostromo findet. Stattdessen hetzt der Titan der Präastronautik-Expertin Elizabeth Shaw (Noomi Rapace) hinterher und macht eine unheimliche Begegnung mit einem Krakenwesen. Durch diese Kreatur befruchtet gebiert der Humanoid einen Xenomorphen, der entfernt an die klassischen Vertreter dieser Gattung erinnert.

Es ergibt einfach keinen Sinn, warum hier zwei offensichtlich unterschiedliche biologische Waffen miteinander vermischt werden. Und statt wie bereits beim Titanen-Raumschiff mit dem Originaldesign eine weitere Brücke zu schlagen, wird dem Zuschauer hier eine stark entfremdete Kreatur aufgetischt, die ebenso wenig ins Gesamtbild passt wie die Todesumstände des Navigators.

Immerhin vermag die Flucht von Elizabeth Shaw mit einem weiteren Titanen-Raumschiff dem Ende etwas Positives abzugewinnen. Hier wird offensichtlich der Grundstein für eine mögliche Fortsetzung gelegt, die hoffentlich mehr Licht ins Dunkel bringen wird.

Alles in allem ist "Prometheus" gutes Popkornkino. An den Spezialeffekten gibt es nichts zu bemängeln, stilistisch ist der Film ein echter Hingucker und zuweilen kommt sogar richtiges "Alien"-Feeling auf. Bei einigen Details und insbesondere beim Ende wurde jedoch geschlampt und viel gutes Potenzial verspielt.

Diese Filmrezensionen sind auch zusammen mit weiteren Texten aus den Genres Science-Fiction, Fantasy und Horror in der September-Ausgabe unseres monatlichen Magazins "Incoming Message" erschienen. Falls Sie die "Incoming Message" noch nicht abonniert haben, können Sie das Internet-Magazin zusammen mit unserem wöchentlichen Newsletter "TrekZone Weekend" hier kostenlos bestellen.

(su, cf, sd - 02.10.12)

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