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Christian Freitag (cf)13.11.12

"Looper" unter der Lupe

Bruce Willis auf Zeitreise

Chrsitian Freitag erklärt, warum der Film mit Bruce Willis und Joseph Gordon-Levitt seiner Ansicht nach sowohl grandios als auch ärgerlich ist.

Inhalt

2044: Ein Mann steht im Feld, schaut auf seine Uhr. Vor ihm auf einer Plane erscheint aus dem Nichts ein Mann, der festgebunden ist und einen Sack über dem Kopf trägt und von ihm kaltblütig umgelegt wird. Die Leiche wirft er in die Müllverbrennung, nachdem er Silberbarren von ihr abgezogen hat. Diese surreale Bilderreihenfolge wird von dem Täter Joe (Joseph Gordon-Levitt) schließlich so erklärt, dass in 30 Jahren Zeitreisen kein Problem mehr darstellen, aber verboten sind. Es wird fünf Kartelle geben, die ihre Opfer in die Vergangenheit schicken, damit sie die Looper, die Killer, ausschalten können. In der Zukunft gibt es nämlich für Straftäter keine Möglichkeit mehr, jemanden spurlos verschwinden zu lassen, also bedient man sich an Killern in der Vergangenheit.

"Looper" mit Bruce Willis und Joseph Gordon-Levitt
Irgendwann können die Täter jedoch ihre Taten nicht ausführen und so knallen sie sich manchmal selbst ab und schließen sozusagen ihren Loop, haben aber noch eine - sofern sie dann noch leben - 30-jährige gute Lebenszeit vor sich. Schließlich taucht in der Zukunft der Regenmacher auf, der in kürzester Zeit alle Mafia-Kartelle unter sich vereint - im Alleingang, und alle Looper ausschalten möchte. Außerdem "räumt" er etwas unter den Obdachlosen auf. Sprich, er ermordet sie alle.

So viel zur Ausgangssituation. Von wegen Raumschiffe, alles super. Man hat beim Sehen das Gefühl, dass es keine Ordnungsbehörden oder Polizei gibt. Man kann einfach so Leute über den Haufen schießen, ein Großteil der Bevölkerung ist obdachlos oder gilt als Landstreicher, Drogen sind an der Tagesordnung, dieselben alten Fahrzeuge mit dem Versuch, den Tank irgendwie umzubauen, Straßenzüge sehen aus wie nach Endzeitstimmung.

Spoiler: Als Joes einziger Freund zu ihm kommt und um Hilfe bittet, ändert sich dessen Leben gewaltig. Ausnahmsweise hat sein Kumpel nämlich in das Gesicht seines eigenen zukünftigen Selbst gesehen, der ihm mitteilt, dass der Regenmacher Schluss mit den ganzen Loops machen wird. Joe versteckt widerwillig seinen Freund bei sich und wird dann von seinen Spießgesellen zu Abe (Jeff Daniels) gebracht, der Joe damals "entdeckt" hat und zu einem der seinen machte. Abe ist aus der Zukunft mit One-Way-Ticket. Er koordiniert die ganzen Loops.

Abe bietet Joe einen Deal an, entweder er verrät seinen Freund Seth oder er darf die Hälfte seines gebunkerten Silbers bei ihm abliefern. Er tut, was ein Freund tun kann, er verrät seinen Kumpel und verbringt die Nacht auf Kosten des Hauses bei einer Prostituierten, seiner Freundin Suzie (Piper Parabo). In der Zwischenzeit foltern die Schergen den jungen Seth, gleichzeitig verliert der alte Seth so ziemlich alles, was man so abschnippeln kann. Bevor Seth-Alt in seine Bestandteile vor der Tür von Joes Versteck zerfällt, kriegt er einen Kopfschuss verpasst, während der tote junge Seth ebenfalls in der Ecke liegt (was natürlich totaler Quatsch ist - wenn man den Alten killen wollte, hätte man laut Logik des Films den Jungen erledigen müssen. Abe erklärt das irgendwie, aber meines Erachtens ist seine Erklärung Unsinn).

Eines Tages, nach mehreren "Aufträgen", taucht Joe-Alt (Bruce Willis) ohne Kapuze vor Joe-Jung auf. Es wird zu lange gezögert, Joe-Alt kloppt den Müll aus Joe-Jung raus, der abends aufwacht und entgegen Joe-Alts Rat, die Stadt zu verlassen natürlich in die Stadt fährt und dort - vermutlich - das Zeitliche segnet. Wieder die gleiche Szene, nur diesmal knallt Joe-Jung den maskierten Joe-Alt ab. Und von da an geht der Film im Zeitraffer weiter. Man sieht die nächsten 30 Jahre von Joes Leben vor sich abspielen, der natürlich nicht die Kohle bei sich halten kann und statt in Paris doch nach Fernost geht, wie Abe vorschlägt, sich dort nach seinen Profi-Killer-Zeiten verknallt, heiratet, aber keine Kinder mit seiner Frau bekommt. Nach 30 Jahren wird Joe-Alt von den Killern des Regenmachers aufgespürt, seine Frau wird erschossen und Joe-Alt loopt sich ohne Kapuze zurück und gibt Joe-Jung noch eins auf die Glocke. Statt sich vom Acker zu machen, passt Joe-Alt nun auf den Idioten auf und rettet ihm das Leben. Joe-Jung ist jedoch fest davon überzeugt, sein altes Alter-Ego über den Haufen zu schießen. Von daher sucht dieser nach handfesten Argumenten erst mal das Weite und begibt sich auf der Suche nach dem Kind, das einst der Regenmacher wird, der seine Frau umbringen ließ. Ein harmloses Kind nietet er gleich um, das zweite ist das Kind der Prostituierten Suzie (welch Überraschung), was ihm aber nicht gelingt.

Joe-Jung, auf der Flucht vor Abes Schergen, kommt auf Saras (Emily Blunt) Farm. Diese zieht dort den kleinen Cid auf, der im Film wie eine Mischung aus Damian und Mini-Adolf rüberkommt. Seine Fratzen können einen allerdings eher zum Wüten als zum Fürchten bringen. Im Laufe des Films kommt sogar Joe-Jung trotz seines IQs von Fuseln darauf, dass Cid vielleicht der Regenmacher sein könnte, da seine telekinetischen Fähigkeiten es vollbringen, einen Ex-Kollegen von Joe-Jung zu zerfetzen (und nebenbei wird erwähnt, dass der "Unfall" seiner Ziehmutter auch auf Kosten des Balgs geht). Trotzdem ist Joe-Jung noch in der Lage, das Kind schützen zu wollen.

Joe-Alt dezimiert mal so eben in der Zwischenzeit im Alleingang alle bösen Jungs und begibt sich auf dem Weg zum Showdown. Es gelingt ihm jedoch nicht, das Kind zu töten, also schießt er sich durch die Mutter den Weg frei. Da wird Joe-Jung klar, dass es eine Zeitschleife ist, weil Joe-Alt immer die Mutter abknallen wird, Cid voller Wut und Hass ohne gute Erziehung auf Obdachlose und Looper sauer sein wird und Joe-Jung das nicht verhindern kann. Er durchbricht den Loop und der Alte verschwindet augenblicklich. Durch die Erziehung von Sara kann aus Cid doch noch was werden. Spoiler Ende.

Kritik

Der Film ist meiner Ansicht nach sowohl grandios als auch ärgerlich. Grandios, weil eine relative alte Grundidee von SF-Filmen, nämlich Zeitreisen, hier einmal anders dargestellt wird (obwohl man bei Bruce Willis hier teilweise auch an "12 Monkeys" erinnert und ordentlich geklaut wird). Außerdem spielt Joseph Gordon-Levitt die jüngere Version von Bruce Willis äußerst glaubwürdig. Im Übrigen kann man ihm auch das Aussehen seines Alter Egos durchaus abnehmen. Bruce Willis taucht hier übrigens eher selten auf, hat teilweise starke Momente (zum Beispiel die Szene mit dem Kind - ich will keine Einzelheiten aufführen, um das Vergnügen nicht zu versauen -, aber die Szene hat es in sich und ich hätte nicht gedacht, dass ein Film den Mut aufbringt, das konsequent durchzuführen), aber teilweise auch schwache Momente. Sprich: Bruce Willis macht, was er am besten kann: massenweise Leute über den Haufen knallen, ohne selbst eine Schramme (oder nahezu) abzubekommen. Die Motivation der "Helden" ist teilweise nachvollziehbar. Sie hinterlässt aber auch in dem übergeordneten Nebeneffekt folgende Frage: Was würde jemand machen, der die Möglichkeit hat, einen Übermenschen, der in der Zukunft äußerst üble "Säuberungsaktionen" durchführt, schon im Kindesalter auszuschalten, wo man es noch könnte - und kann man es überhaupt?

Was ärgerlich ist, ist die Inkonsequenz des Films. Gute Erziehung macht gute Menschen, immer. Ähem... Cids Ziehmutter, Saras Schwester, hat den Jungen abgöttisch geliebt und durch einen "Unfall" hat das Balg schon als Kleinkind die Frau alle gemacht. Absolute Macht korrumpiert absolut, und um Mr. Spock zu zitieren: "Er wird diese Kräfte einsetzen!" Ob Charlie X oder Gary Mitchell oder Q. Wer allmächtig ist, dreht am Rad. Er wird - ob bewusst oder unbewusst - immer seine Mächte auch mal böse einsetzen. Hui, es regnet und ich hab keinen Hut dabei. Einer grinst mich mit einem Regenschirm an, schon geht er in Flammen auf. Ampel schon wieder auf Rot, aber ich werde überholt, weg mit der Karre. Und wehe der nächsten Polizeikontrolle, die einen blitzt und dumm kommt... So kommt Cid rüber und nicht anders. Und so ein kleines "Ich hab dich lieb" macht alles, alles gut. Ich bin mir sicher, dass selbst die Eltern des wahnsinnigen Massenmörders Adolf Hitler ihn nicht mit Dornenpeitschen malträtiert haben, und was aus dem geworden ist, weiß man ja.

Leider wird der SF-interessierte Zuschauer am Ende des Films sich wieder - wie bei Zeitreisefragen üblich - den Kopf zermartern, wie viele Paradoxa der Film in sich hatte. Äußerst intensiv spielt Pierce Gagnon in einer diabolischen Damian-artigen Rolle. Ich möchte nicht allzu viel über das Ende verraten, aber ich hatte mich die ganze Zeit gefragt, wie die das hinbekommen wollen, dass die Sache rund wird, und nicht selten hatte man selbst bei dem Charakter den Wunsch, die Type selbst auszuschalten... Wahrscheinlich hätte ich nicht mal selbst gezögert, und ich bin nicht mal gewalttätig!

Bei einer Szene musste ich aber lachen. Bauer sucht Frau lässt grüßen. Die allein erziehende Sara hat dem Typen ja erst zugesetzt und ziemlich misstraut. Aber, Vorsicht, jetzt wird es ironisch: Was machen Weibchen, wenn man ihr Kind vor einem eventuellen Killer rettet, der dem Kind aber nichts getan hätte? Richtig. Sie werden geil, legen sich mit ihrem kleinen Schwarzen auf ein Bett und rufen den Kerl per heißem Froschtelefon ins Schlafzimmer. Diese Szene entstammte eher einem lächerlichen Billigporno (auch wenn nichts gezeigt wurde), aber es war einfach nur zum Fremdschämen peinlich und klischeereich.

Alles in allem: Rundum gelungen. Etwas weniger klischeehafter Bruce Willis, aber die Darstellung des jungen Alter Egos, die Handlung und auch die Zukunft an sich ist gut gestaltet.

Ich geb dem mal gut gemeinte 4 Sterne.

Diese Filmrezension ist auch zusammen mit weiteren Texten aus den Genres Science-Fiction, Fantasy und Horror in der November-Ausgabe unseres monatlichen Magazins "Incoming Message" erschienen. Falls Sie die "Incoming Message" noch nicht abonniert haben, können Sie das Internet-Magazin zusammen mit unserem wöchentlichen Newsletter "TrekZone Weekend" hier kostenlos bestellen.

(cf - 13.11.12)


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