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Christian Freitag (cf)12.05.14

"Pompeii": Zwischen Kult und Kitsch

Irgendwo zwischen "Titanic" und "Super Mario" ...

Zwei Stars fernab von Sci-Fi: Kit Harington ("Game of Thrones") als heroischer Sklave an der Seite von Carrie-Anne Moss ("Matrix") in einem 3D-Katastrophenfilm. Kitsch oder Kult? Eine Betrachtung von Christian Freitag.

Der junge Milo muss mit ansehen, wie bei dem keltischen Aufstand gegen die Römer seine Eltern von diesen getötet werden. 17 Jahre später ist "der Kelte" Milo (Kit Harington) als Sklave und Gladiator hochgefürchtet. Als Ein-Mann-Armee walzt er mühelos alle platt. Damit er nicht so in der Versenkung verschwindet, holt man ihn als Attraktion nach Pompeii. Dort lernt er auf dem Hinweg die junge Cassia (Emily Browning) kennen und verliebt sich in sie. Auch sie ist von diesem muskelstrotzenden Wilden und gleichzeitig sanften Pferdeflüsterer angetan. Cassias Eltern Aurelia (Carrie-Anne Moss) und ihr Mann freuen sich natürlich über die Rückkunft ihrer Tochter aus Rom. Nicht so sehr freut sich Cassias Vater über denjenigen, den er da selbst im Schlepptau hat ... (Kiefer Sutherland mimt wunderbar den Bösewicht).

Kinoplakat zu "Pompeii"
Kennen Sie noch den Koch aus der "Muppet Show", der zu seinem Smörrebröd eine ganze Menge Unsinn in seinen Topf wirft und das Ganze unter rührendem Blödsinn vermengt? Etwas in der Art ist auch bei diesem Film passiert. Zugegeben: Ich mochte ihn, aber wenn man genau dahinterschaut, mochte ich eigentlich nur das Krachbumm, was die Stadt hat untergehen lassen.

Fangen wir mal von vorne an. Reisen wir durch das Tal der Klischees und tauchen in den abgrundtiefen Kitsch ein. Blubb. Zunächst lassen wir uns von Zitaten von Plinius dem Jüngeren berieseln und schauen uns eingeäscherte Leichen an. Dank Plinius haben wir den allerersten Augenzeugenbericht in der Geschichte der Naturkatastrophen. Geradezu akribisch schilderte er den Fortgang des Ausbruchs des Vesuv, der vermutlich am 24. August 79 stattgefunden hat. Man muss dem Film zugutehalten, dass man sich gerade bei dem Ausbruch an die Einzelheiten gehalten hat. Dieser ist teilweise derart realistisch dargestellt als befinde man sich inmitten des Geschehens. Erdbeben, Sprengungen, Tsunami und pyroklastische Ströme werden sämtlichst gezeigt. Historisch korrekt angedeutet wird auch in einem kurzen Satz durch einen Protagonisten, dass es bereits ein großes Erdbeben gab, das die Stadt teilweise verwüstet hatte. Dies war einer der Vorläufer, der letzten Endes den großen Ausbruch ankündigte, dem insgesamt vier Ortschaften mit mehr als 5000 Menschen zum Opfer gefallen sind.

Wie gesagt, wo es um den alleinigen Ausbruch geht, ist der Film echt sehenswert. Allerdings kann man es sich hier nicht verkneifen, dass weniger auch oft mehr wäre. Im Augenblick, wo um einen herum die Welt in Stücken gerissen wird, die man kennt, nehme ich den Leuten nicht ab, dass sie nicht das tun, was jeder vernünftige Mensch tun würde: abhauen. Zwar gibt es Belege dafür, dass diverse Bewohner viel zu früh in eine Nachbarstadt zurückgekehrt sind, damit man ihre Villen nicht ausräumt, aber hier stehen sich dann zwei Leute gegenüber und versuchen die Sch... aus sich rauszukloppen. Das halte ich für mehr als unglaubhaft. Es war dann auch wieder wie bei einem Computerspiel, bei dem man dem Endgegner gegenübertritt. Dieser darf sich dann auch immer im Angesicht seines Abtretens als besonders feige darstellen.

Die Charaktere bleiben etwas farblos. So sind die Fiesewichter äußerst fies und gemein und haben so überhaupt keinen halbwegs nachvollziehbaren Charakterzug an sich. Fies um des Fiesseins Willen. Wenn ich nicht gesehen hätte, dass man sich im alten Rom befindet, hätte ich befürchtet, dass der Konsul seinen nicht vorhandenen Schnäuzer zwirbelt und an seinem Monokel spielt.

Dahingegen sind die Sympathieträger und Helden auch zeitlich untypisch. Gladiatorenkämpfe sind eh Pfuibäh (und das zu einer Zeit, wo Brot und Spiele das A und O waren), die Vorzeigefamilie ist superlieb zu ihren Sklaven und auch ansonsten politically correct. Man liebt die Tiere des Waldes und herzt auch mal Bambi. Äh, falscher Film, aber sie sind herzensgut und es ist auch vernünftig, wenn man keine Vernunftheirat eingeht, sondern die Tochter darf sich weidmännisch in den vergucken, den sie will und sei es noch so ein Rabiatosklave. (Ja, ich kann das überhebliche Gebasche, angesichts heutiger richtiger Moralvorstellungen, die aber über damalige wohl kaum urteilen dürfen, im Sinne von "Twelve Years A Slave" hören: Man urteilt mal wieder nach heutigen Maßstäben. Herzensgut? Das waren doch alles Sklavenhalter und damit Dämonen! Eyesroll.) Jedenfalls ist man unter den Lieben nur gut zu sich.

Ach ja, das typische Prollgehabe darf nicht fehlen.
"Meine Muskeln sind größer als deine."
"Ich töte dich eher. Erst töte ich mich, dann dich − in der Reihenfolge."
"Und wenn ich dich getötet habe, bist du ja viel töter als ich."
"Das kann nicht sein, weil ich dich ja vorher schon so was von tot gemacht hab."
"Töter als tot täte ich sonst keinen töten können."

So oder ähnlich gerät der dünnflüssige Dialog zwischen Atticus und Milo. Man hatte das Gefühl, zwei brachialen Teletubbies zuzuhören. Dabei weiß man bereits, wie die Story weitergeht, bevor man überhaupt den Film einmal gesehen hat. Als ich Atticus das erste Mal gesehen habe, wusste ich: Die können sich nicht verkniesen, schlagen sich ein paar Mal in die Fresse, werden durch Zankereien gut Freund und Brüder und der eine geht dann für den anderen durch einen Fiesewicht drauf und stirbt den Heldentod. Jo. Und so kam's dann auch. Ey, das ist kein Spoiler. Das ist so offensichtlich wie nur was. Ach ja und noch was: Was passiert mit dem Kumpel, der noch einen Tag/Kampf bis zur Rente in US-Filmen hat? Ha ha... der kann froh sein, wenn er noch einmal einkaufen kann. Normalerweise erreichen diese Leute nämlich nicht mal mehr die nächste Hauswand.

Fazit: Wenn man die Lovestory von "Titanic" klaut, sie etwas mit "Der Pferdeflüsterer" vermengt, die Protagonisten wie in "Super Mario Land" ihrer Nemesis gegenüberstellt, die übrigens 17 Jahre lang keinen Deut gealtert ist - anders als der Held -, sogar die Pappfrisur hält noch, der muss sich dann auch nicht wundern, wohin die Reise führt. Wenn man also Conan, den Bibliothekar auf die Titanic versetzt, ein bisschen Gladiator dazu und Teletubbie-Dialoge − das wäre dann love-story-technisch "Pompeii". Das peinliche Ende hat man sich dann − halbwegs - erspart, und so überrascht man halbwegs den Zuschauer mit einem realistischeren (auch kitschigem) Ende, was ich hier jedoch nicht vorwegnehmen möchte.

Bei den Effekten sieht man natürlich hin und wieder, dass sie aus dem Rechner kommen, irgendwann wird's wischiwaschi, das Bild, aber ansonsten kann man gerade da nicht meckern. Fazit vom Fazit: Trotz allem Kitsch aus dem Bussi-Bären-Land klare Kaufempfehlung.

Diese Filmrezension ist auch zusammen mit weiteren Texten aus den Genres Science-Fiction, Fantasy und Horror in unserem monatlichen Magazin "Incoming Message" erschienen. Falls Sie die "Incoming Message" noch nicht abonniert haben, können Sie das Internet-Magazin zusammen mit unserem wöchentlichen Newsletter "TrekZone Weekend" hier kostenlos bestellen.

(cf - 12.05.14)


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