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Christiane Gref (gr)30.03.10

Schräge Kids und seitenweise Bücher – Das war die Leipziger Buchmesse 2010

Als ich am Freitagmittag gegen 13.00 Uhr das Messegelände erreichte, wunderte ich mich über die zahlreichen aufwändig verkleideten Teenies.

Ein Blick in eine der Hallen

Viele von ihnen trugen Pappmaché-Waffen oder Banner in den Händen. Ich erfuhr, dass die illustren Gestalten Cosplayer genannt werden und kam mir mit einem Mal sehr alt vor. Doch mehr dazu später.

Wir, mit von der Partie waren meine Autorenkollegen Meike Schwagmann und Carsten Steenbergen, suchten als erstes die Fantasy-Leseinsel auf, die sich in Halle 2 befand. Leider verpassten wir die Lesung von Janine Höcker, die aus ihrem gerade erschienenen Buch Die Saga der Drachenschwerter las. Bei unserem Eintreffen erklang der Schlussapplaus der Zuhörer.

Die Leseinsel sollte unser heimatlicher Hafen werden, den wir stets aufs Neue nach Rundgängen in andere Hallen, ansteuerten und uns dort verabredeten. Am Stand von WerkZeugs traf man regelmäßig auf bekannte Fantasy-Autoren. Uschi Zietsch (Fabylon Verlag) hatte direkt einen Stand daneben , ebenso Klaus N. Frick, über dem das Banner „Perry Rhodan“ prangte. Wunderschön anzusehen und immer einen Besuch wert, war der Manticor-Stand, an dem die Illustratoren Maik Schmidt und Elke Brandt vor den Augen der Besucher Drachen und andere Kreaturen auf dem Papier entstehen ließen. In aller Munde war auch Markus Heitz’ Lesetour von „Judassohn“, die ihn durch ganz Deutschland führt, und die standesgemäß im Rahmen der Buchmesse, in Leipzig begann.

Der Fokus der Buchmesse lag auf dem Sektor Jugend- und Kinderbuch sowie Bildung und nicht zuletzt Fantasy. Diese Halle war die meist frequentierte.
Leider war die Buchmesse nicht so gut strukturiert wie die große Schwester in Frankfurt. Suchte man beispielsweise im Terminal nach „historischen Romanen“, wurde man auf den allgemeinen Eintrag „Belletristik“ verwiesen. Der geneigte Leser weiß, dass nahezu alle Prosa in diesen Begriff fällt. Die Verlage präsentierten ihr gesamtes Programm, was dazu führte, dass Kinderbücher neben Bildbänden und Autobiografien neben Krimis lagen. Um sich einen Gesamtüberblick zu verschaffen, musste man wohl oder übel alle Stände besuchen. Unmöglich zu schaffen. Also gingen wir das Ganze intuitiv an und gelangten zufällig zu einer der zahllosen Leseflächen, wo Martin Ebbertz sein „Bestiarium Nonsens“ vorstellte. Erschienen im Razamba-Verlag.

Der Messetag verging wie im Flug. Abends schauten wir uns Leipzig an und trafen uns mit Tom und Stephan Orgel, die mitten in der Nacht die Stadt erreichten. Das Team-Leipzig war endlich komplett.

Der Samstag war angefüllt mit Aktivitäten. Wir ließen uns von der Menge mal hierhin mal dorthin schieben. Es war voll, um nicht zu sagen, proppevoll. Trotzdem gelang es uns, einige interessante Lesungen mitzunehmen. Aus dem samstäglichen Füllhorn strömten unter anderem: Jeanine Krock, Markus Heitz, Karl-Heinz Witzko, Bernhard Hennen, Kai Meyer, Oliver Plaschka, Thomas Finn und Christoph Hardebusch. Kaum hatte letzterer ausgelesen, kam plötzlich Bewegung in die Menge. Der Publikumsmagnet Wolfgang Hohlbein erreichte die Leseinsel. Kaum wurde er von den Fans gesichtet, war die Autogrammstunde eröffnet. Seine Bücher sind so beliebt, dass um ein Haar seine Lesung aus Mangel an einer Ausgabe von „Thor“ gescheitert wäre. Eine gute Seele von WerkZeugs erbarmte sich und half Hohlbein mit seinem privaten Exemplar aus. Die Lesung war gerettet.

Im Laufe des Tages ergaben sich immer wieder nette Gespräche mit Autoren, Herausgebern, den Illustratoren von Manticor und Kollegen von der Presse wie zum Beispiel Wolfgang Brandt vom Geisterspiegel. Gemeinschaftlicher Konsens: Fantasy ist beliebt und die Tendenz geht dahin, dieses Genre weiterhin salonfähig zu machen, was die vielen Ableger großer Verlage, die nur Fantasy im Programm haben, beweisen. Und die Bücher verkaufen sich – und wie! Das belegten wiederum die Massen an Lesern, die den WerkZeugs-Stand stürmten und sich mit Literatur eindeckten. Als wir uns gerade verabschiedeten, begegnete ich noch kurz Torsten Low, der gerade seine Sachen packte. Zumindest konnten wir ein paar Worte über seine neu erschienene Anthologie „Geschichten unter dem Weltenbaum“ wechseln.

Den Abend ließen wir gemütlich in einer Tapas-Bar ausklingen.

Der Sonntag nahte und langsam verwandelten sich unsere Füße in tellerartige Gebilde. Wir legten eine Pause an der Lese-Insel ein und wurden Zeuge der ersten Lesung von Gesa Schwartz, die aus ihrem Werk „Grim“ vortrug. Nicht nur Gesas Optik überzeugte, auch der gesamte Vortrag war spitze. Im Anschluss beantwortete Gesa Publikumsfragen und gab Auskunft über die Entstehung ihres Romans.

Generell boten sich immer wieder Möglichkeiten, mit den Autoren zu sprechen und dabei ging es mitnichten ständig um das Schreiben. Das ist eindeutig ein Vorteil von Leipzig. Diese Messe ist – trotz ihrer Größe – sehr familiär und auf die Leser besser zugeschnitten. In Frankfurt liegen die Stände der Verlage zu weit auseinander, die Autoren sind getrennt und permanent im Stress.

Fast zum Schluss meines Messebesuches kam ich hinter das Geheimnis der Cosplayer. Die Kostümierten spielten Filmszenen aus Mangas und Animes nach. Die Bühne war riesig, verhängt mit schwarzen Tüchern und das Publikum zahlreich. Dies erklärte auch die Massen an verkleideten Gruppen, die aus ganz Deutschland zur Buchmesse angereist waren.

Das gelungene Ende der Messe bildete ein das Treffen mit den Apokalyptischen Schreibern, die leider erst am Nachmittag aus ihrem Gemeinschaftswerk „In Blut geschrieben“, erschienen beim Persimplex-Verlag, lasen. Zeit für ein Gespräch und viel Gelächter blieb dennoch.

Dann hieß es auch schon „Auf Wiedersehen“, Leipzig. Schön war’s und mir wird dieser Messebesuch in guter Erinnerung bleiben.

(gr - 30.03.10 - Quelle: Autorenkrise - Keine Kommentare)

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