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Christopher Kurtz (ck)06.02.05

Farewell, "Enterprise"

Es ist passiert

Irgendwie hat man es ja schon kommen sehen. Die letzten beiden Jahre hat man immer wieder darüber spekuliert, ob "Enterprise" ein langes Leben garantiert ist. Seit Mittwoch wissen wir, dass "Enterprise" in der Tradition der ersten "Star Trek"-Serie unfreiwillig sein Network verlassen muss, wahrscheinlich sogar ganz aus der Produktion ausscheidet.

Die Zeichen waren schon lange deutlich sichtbar. Wutausbrüche von Jolene Blalock, Klartext von John Billingsley, zuletzt auch noch Les Moonves' Kommentar. Dass UPN nicht mehr willens und fähig war, "Enterprise" durchzuschleppen, damit mussten alle Beteiligten rechnen.

Jetzt bleibt noch die Frage nach der Zukunft von "Star Trek". Bestandsaufnahme: Seit dem Ende von "The Next Generation" sind die Quoten des Franchise immer weiter gesunken. "Enterprise" die Schuld daran zu geben, wäre sicher ungerecht. Die verschärfte Situation im "phantastischen Drama" macht es "Star Trek" nicht leicht, zu bestehen. Andere Serien und Universen, wenn auch kurzlebiger oder oberflächlicher, bringen immer einen Neureiz mit, den "Star Trek" nach bald 40 Jahren nicht mehr unbeschwert darstellen kann. Auch die kreativen Monumentalleistungen von Manny Coto in dieser Staffel konnten das nicht ändern. Ob es einem passt oder nicht, die Quoten entscheiden über Gloria oder Untergang einer jeden TV-Serie. Schon "Voyager" hätte nach Gesichtspunkten des Marktes dieses Schicksal ereilen können. Nur die Tatsache, dass "Star Trek" Paramounts heilige Kuh und UPNs Herzstück war, haben die Serie so lange vor dem Unvermeidbaren gerettet.

Was diese Staffel geboten hat und noch bieten wird, verlangt eigentlich nach mehr. Nach zweieinhalb Jahren Dauernörgelns bin ich spätestens in der aktuellen Staffel wieder mit Feuer und Flamme bei "Enterprise". Aber wie viele Jahre musste man sich Berman'sche Mittelmäßigkeit antun? Irgendwann ab Staffel 3 bei "Voyager" / Staffel 7 bei "Deep Space Nine" merkte man, dass die Luft raus war. Dass da die Leute angefangen haben abzuschalten, war verständlich. Und jetzt, wo die Funken wieder sprühen, da ist es zu spät. Es ist Freitagabend, der Todesplatz - eingepfercht zwischen "Stargate" und dem "richtigen Leben". Paramount hat mit der "Resteverwertung" von "Enterprise" angefangen. Und das recht erfolgreich. Beinahe alle Syndication-Kunden haben in Zukunft "Enterprise" im Programm. Außerdem ist die Spannung vor dem DVD-Release schon beachtlich. Schon sehr früh wurden im Internet die ersten Bilder von den Staffelboxen verbreitet, die Resonanz ist hoch.

Was bleibt denn als Perspektive? Nun ... so wie ich schon lange darauf hingewiesen habe, dass "Enterprise" bei UPN mittelfristig nicht zu halten wäre, so möchte ich erneut dringend auf eine Alternative aufmerksam machen. Wenn man sich alle offiziellen Stellungnahmen ansieht, wird man auch merken, dass da nichts vom Ende der Serie steht. Die Meldungen beziehen sich eindeutig auf das Ende bei UPN. Der gute Verkauf an die Syndication-Sender sollte als Chance verstanden werden. Das Schlimmste, was Kampagnen wie SaveEnterprise.com jetzt tun können, ist der Versuch, UPN klar zu machen, dass sie gefälligst wieder "Enterprise" ins Programm aufnehmen sollen. Das kann nicht passieren. UPN ist von seiner momentanen Spartenstruktur absolut ungeeignet für "Enterprise". Ich möchte noch etwas weiter gehen: Was in aller Welt soll eine dramatische Science-Ficton-Serie in einem Umfeld von "Top-Models", Sitcoms und Reality Shows? Also, wer "Enterprise" jetzt noch retten will, und ich will nicht behaupten, dass das unmöglich ist, der sollte eine Syndication-Zukunft für die Serie anstreben. Wohl wissend, dass dort der Sendeplatz noch unsicherer ist als bei einem Network.

Rick Berman weiß das. Der Stratege hinter der Marke "Star Trek" hat offenbar kein Vertrauen in eine Übernahme durch den Sci-Fi Channel oder einen anderen Sender. Das Projekt "Stargate" wird sich nach seinem offen bekundeten Willen nicht wiederholen. Zwar rennen schon jetzt die Fans gegen die Entscheidung Sturm (MSNBC erreichte mit einer Blitz-Umfrage über 11.000 Zuschauer, 66 Prozent hielten die Absetzung für eine grobe Fehlentscheidung), aber Berman reagiert in Interviews mit Worten wie "Übersättigung" und "Franchise-Müdigkeit", um eine "mindestens dreijährige Pause" wieder und wieder zu begründen.

Warum? Aus Berman wird man nur selten wirklich schlau, aber mir scheint, dem obersten "Star Trek"-Chef gefällt schlicht und ergreifend die aktuelle Produktionskonstellation nicht. Er bekommt Druck. Seit Jahren rebellieren mehrere Fan-Initiativen gegen die Besetzung seines Stuhles (der Autor dieses Artikels im Übrigen auch), dazu kommen noch die zunehmend deutlicheren Worte aus dem Cast. Und auch bei der Planung von "Star Trek XI" hat das Studio dem Chef klar gemacht, dass es ganz andere Vorstellungen hat. Berman wird jetzt einen Teufel tun und öffentlich die Entscheidung von oben, seine Arbeit auf Eis zu legen, in Zweifel ziehen. Das Absetzen von "Enterprise" attestiert ihm schwarz auf weiß, dass seine Arbeit für das Studio nicht den Erfolg einbrachte, den man sich erhofft hatte. Rick, setzen, Sechs. Berman ist clever genug, sich jetzt so zu verhalten, dass das Studio ihn nicht als uneinsichtig oder gar als Ärgernis empfindet.

All dies sollten die jetzt anlaufenden Kampagnen berücksichtigen. Berman steht zurzeit jedem Risiko, "Enterprise" in eine vermeintlich noch quotenschwächere Staffel zu prügeln, im Weg. Damit will ich nicht behaupten, dass es unbedingt sinnvoll sein muss, ein fünftes Jahr zu machen (auch, wenn ich es gerne sähe). Aber Tatsache ist: Selbst mit den schlechtesten Quoten seit Serienstart wird "Enterprise" an einem Freitagabend immer noch von mehr Menschen gesehen als "Stargate". Und letztere Serie geht jetzt in die neunte Staffel.

Persönlich kann ich nur noch abschließend sagen, dass es eine Freude war, diese Staffel bis hierhin zu verfolgen. Ich glaube, dass der Kir'Shara-Handlungsbogen den gleichen Respekt verdient, wie zum Beispiel "In den Händen der Borg"/"Angriffsziel Erde" (TNG) oder "Zu den Waffen!" (DS9). Wenn ich mir die großen Projekte für den Rest der Staffel ansehe, wie die Rückkehr der Defiant oder das Finale mit Frakes und Sirtis (im Übrigen eine weit bessere Wahl als Shatner), dann denke ich, dass "Enterprise" es wohl sehr wert wäre, auf diesem Niveau sieben Jahre alt zu werden. Man muss nur abwägen, ob die Serie nach zwei Nahtodesjahren je wieder aus der Rolle der "Looser-Serie" herauskommt oder ob die Pause nicht tatsächlich das mittelfristig kleinere Übel wäre.

Sollte alles so bleiben wie jetzt, könnte es auch ein positives Zeichen setzen. Wenn nämlich in 40 Jahren die Anhänger der neunten "Star Trek"-Serie sich an diese Tage erinnern, dann werden sie die Absetzung ihrer Lieblingsserie mit Fassung ertragen, denn sie werden wissen, dass dieses Franchise weiterlebt, egal ob es auf Sendung ist oder nicht.

(ck - 02.10.08)


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