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Peter Tigmann (pt)14.07.01

Keine Pause

Das Ende des Star Trek-Franchises?

Schon bevor verkündet wurde, dass es eine neue Star Trek-Serie nach Voyager geben würde, haben viele Fans darüber spekuliert, ob es nicht besser gewesen wäre, nach der siebenjährigen Reise der Voyager dem Franchise eine Pause zu gönnen.

Ich erinnere mich an einige Umfragen, in welchen Fans gefragt wurden, welches Format sie als nächstes gerne als "Star Trek"-Serie sehen würden. Bei den Antwortmöglichkeiten wurde auch die Option "Längere Pause" angeboten. Zumindest bei den Umfragen, die ich gesehen habe, war diese Option immer ganz weit vorne mit dabei.

Wie wir nun aber alle wissen, wird es eine solche Pause nicht geben - in ein paar Monaten dürfen wir die Enterprise unter dem Kommando von Jonathan Archer kennenlernen.

Die Frage, ob eine Pause ratsamer gewesen wäre, kann man sicherlich auch erst dann beantworten, wenn man die neue Serie sieht.

Dennoch, ich gehöre zu denen, die dem ganzen "Birth of Federation"-Konzept eher skeptisch gegenüberstehen und die auch für eine Pause gewesen wären. OK, wir hätten vielleicht die nächsten Jahre auf eine Serie verzichten müssen, aber hätte es nicht auch den Produzenten besser getan, mal eine Weile etwas anderes zu machen und wieder neue Ideen zu bekommen? "Voyager" war zwar nicht so schlecht wie sie von vielen gemacht wurde, aber der Serie war oft stark die Ideenlosigkeit der Autoren anzumerken. Ist vielleicht nach 14 Jahren "Dauer-Trek" die Luft raus? Viele sagen ja. Sogar Brannon Braga war vor ein paar Jahren noch davon überzeugt, dass eine Pause "Star Trek" gut tun würde. Wie wohl jedem bekannt sein dürfte, ist jetzt aber genau Braga neben Berman der Hauptverantwortliche bei "Enterprise" - ein schlechtes Omen? Wir werden sehen.

Ob es Berman und Braga schaffen, uns die neue Serie auch ohne eine Pause frisch und mit neuen Ideen zu präsentieren, können wir erst dann beurteilen, wenn ein paar Episoden gelaufen sind. Aber was hätte eine Pause den Fans gebracht? Leiden auch die Fans an einer zu hohen Dosis an Trek? Viele werden sagen "Eindeutig nein, je mehr desto besser". Andere werden sagen "Definitiv ja, wenn 'Star Trek' dann wieder mit spannenden und ausgereiften Storys aufwarten kann".

Eine Pause hätte aber auch den Hunger auf "Star Trek" unter den Fans wieder beträchtlich steigen lassen und dem ganzen Franchise vielleicht wieder einige neue Fans gebracht, denen das "Star Trek"-Universum in seiner jetzigen Form einfach noch zu komplex ist, oder aber Fans, die jetzt noch andere Science-Fiction-Serien sehen.

Dies ist ein weiterer Punkt: Die Anzahl an Science-Fiction-Serien, die momentan im TV zu sehen sind, ist extrem hoch, dieses Genre hat zur Zeit eben Hochkonjunktur. Aufgrund der hohen Anzahl kann es so sehr gut passieren, dass neue SF-Serien kaum noch akzeptiert werden. Ein gutes Beispiel hierfür ist "Farscape". Sicherlich keine schlechte Serie, die aber - zumindest hier in Deutschland - relativ wenig Beachtung findet.

Dies wäre wohl das Schlimmste, was "Enterprise" passieren könnte, denn wie auch immer man es dreht, zum Schluss bleibt "Star Trek" immer noch ein Produkt, welches für Paramount Gewinn abwerfen muss und wenn "Enterprise" dies nicht kann, wird die Serie gestoppt, und ich denke mal, das wäre nach drei - relativ erfolgreichen Serien - ein Eklat.

Hätte das gesamte Franchise eine eventuelle Pause überlebt? Ich glaube schon. Schließlich hatten wir schon mal eine fast 20-jährige Pause ohne neue Episoden - und hat es "Star Trek" geschadet? Ich denke nein. Wie oben schon erwähnt, hat die lange Pause eher eine Wiederbelebung ergeben, egal ob es jetzt die Pause zwischen TOS und dem ersten Film oder der Pause zwischen TOS und TNG war. Man müsste sich ja auch nicht vollständig von "Star Trek" verabschieden, alle paar Jahre mal ein Kinofilm würde wohl jeden daran erinnern, dass Trek durchaus noch vorhanden ist.

Man könnte diese eventuellen negativen Folgen für das "Star Trek"-Universum natürlich verhindern, wenn viel frisches Blut einfließen würde, sprich, wenn es speziell unter den Autoren neue Gesichter gäbe. Zumindest bei "Star Trek X" hat Berman mit John Logan einen bisher noch nicht für "Star Trek" arbeitenden Autor verpflichtet, und so begeistert wie dieser sich über das Script äußert, gehe ich einfach mal davon aus, dass er auch etwas frischen Wind unter die TNG-Charaktere bringen wird. Auch für "Enterprise" wäre dies wohl das Richtige.

Der größte Gefahrenpunkt von "Enterprise" ist einfach, dass wir Sachen zu sehen bekommen werden, die vielleicht Archer und seine Mannen noch nicht kennen, uns aber schon lange bekannt sind und eventuell langweilen. Die Gefahr, dass sich Elemente aus den uns bekannten Serien wiederholen, ist einfach sehr groß. Eine neue Autorengilde könnte auch hier weiterhelfen.

Aber was nützen alle Bedenken hinsichtlich der noch ungeschriebenen Zukunft. Letzten Endes ist "Star Trek" halt ein Produkt, mit dem sich zur Zeit noch viel Geld machen lässt und das die Studiobosse natürlich noch weiter ausschlachten wollen. Hoffen wir, dass es nicht zum Nachteil des gesamten Franchise geschehen wird.

Ich weiß, dass dies ein sehr pessimistischer Blick in die Zukunft von "Star Trek" ist und es ist auch nur meine eigene Meinung. Aber wie ich schon erwähnt habe, außer Scott Bakula als Hauptdarsteller kann ich dem "Enterprise"-Konzept nicht viel abgewinnen. Ich hoffe aber dennoch, dass ich mich täusche und wir eine tolle neue Serie zu sehen bekommen werden.

(pt - 14.07.01)


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