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Sebastian Kowald (sk)27.03.05

Manny Coto und die vierte Staffel

Was hat es gebracht?

Immer, wenn auf UPN keine neuen Episoden von "Enterprise" ausgestrahlt werden, bekomme ich nette E-Mails, in welchen ich gefragt werde, ob ich nicht einmal wieder eine Kolumne beisteuern kann. Da kann man natürlich nicht Nein sagen, und deshalb, liebe Leserinnen und Leser, kommen Sie auch einmal wieder in den Genuss von ein paar Zeilen von mir.

Allzu oft wird das wohl leider nicht mehr vorkommen, denn wie wir alle wissen, endet am 13. Mai ein bedeutender Abschnitt in unser aller Leben, nach fast 20 Jahren wird es keine neuen "Star Trek"-Episoden mehr im wöchentlichen Rhythmus geben. Mein MP3-Player spielt gerade "Jugendliebe", und so melancholisch fühle ich mich auch. Man mag "Enterprise" nun mögen oder auch nicht, aber eines bleibt festzuhalten: Wir alle haben eine Verbindung zu "unserem" "Star Trek"-Universum - ansonsten würden Sie diese Zeilen wohl kaum lesen. Aber noch haben wir knapp zwei Monate, und deshalb werde ich jetzt hier aufhören, große Reden zu schwingen und zum Punkt kommen.

Ich kann mich erinnern, in regelmäßigen Abständen Kolumnen geschrieben zu haben, und die Aussage war meistens gleich, wenn auch die Formulierungen differiert haben: Es muss sich etwas ändern, damit "Enterprise" überleben wird. Nun hat sich in der vierten Staffel einiges geändert, aber nichtsdestotrotz haben die Verantwortlichen ernst gemacht. "Enterprise" ist abgesetzt. Punkt! Was bleibt, ist die Frage nach dem Warum. Rational gesehen dürfte die Antwort jedem klar sein: Einschaltquoten - Produktionskosten - Werbeeinnahmen, kurzum Geld! Aber wenn man die Sache losgelöst von solchen Aspekten betrachtet und sich nur einmal auf die Qualität konzentriert, was natürlich nur subjektiv geschehen kann, was ist dann die Antwort?

Ich habe mal einen Blick in meine kleine Datei geworfen, wo ich seit Jahr und Tag die von mir und Kollegen vergebenen Noten notiere und Durchschnitte berechne. Die ersten drei Staffeln hatten jeweils einen Notenschnitt von ziemlich exakt 2,3. Die vierte Staffel liegt bis jetzt bei 2,4. Der Unterschied ist, wenn man ihn überhaupt als solchen anerkennen kann, höchstens marginal. Die Zahlen bringen also auch keine Antwort, suchen wir weiter. Man muss ganz klar sagen, jede Staffel hatte ihre Höhen und Tiefen (so zum Beispiel "Lieber Doktor" aus der ersten Staffel und so weiter), aber wir wollen einmal den Gesamteindruck betrachten.

In der ersten und zweiten Staffel gab es vornehmlich Einzelepisoden, ab und zu mal einen Zweiteiler und gelegentlich Bezüge in den Episoden untereinander. Für den Gelegenheitszuschauer war das prima, weil er immer sofort wusste, worum es geht und sich keine Gedanken zu machen brauchte über das, was er vielleicht in der letzten Woche verpasst hatte. Für die treuen Seelen unter uns war es natürlich nicht sonderlich befriedigend, weil man sich nach komplexeren Handlungsbögen sehnte, welche nicht im 45-Minuten-Takt gelöst werden können. In der dritten Staffel gab es dann eine Kehrtwende und man stellte die komplette Staffel unter ein Motto, um die Zuschauer, die keine Episode verpassen, zu belohnen. Sicherlich war es immer noch möglich, sich einzelne Episoden losgelöst anzuschauen, doch der Gesamtkontext mit allen Feinheiten erschloss sich einem nicht mehr. Aber auch dies brachte nicht die erhofften Verbesserungen der Zuschauerquoten.

Nicht wissend, was das Richtige sei, setzte man in der vierten Staffel auf eine Kompromisslösung. Mini-Arcs, kleine, in sich geschlossene, zwei bis drei Episoden lange Handlungsbögen hieß das vermeintliche Zauberwort. Nichts Halbes und nichts Ganzes mögen die einen sagen, begeistert mögen die anderen sein. Festzuhalten bleibt, dass es sich unweigerlich um einen Kompromiss handelt. Abwechselnd strahlte man Zwei- und Dreiteiler aus, ab und zu wurde das Ganze durch eine "Stand Alone"-Episode unterbrochen. Was dabei herauskam, war teilweise wirklich sehenswert. Das größte Problem war jedoch, dass die Qualität selten über alle drei Folgen gehalten werden konnte. Die dritte und abschließende Folge konnte leider des Öfteren nicht den Erwartungen entsprechen, welche die beiden Vorgänger aufgebaut hatten, und auch die "Stand Alone"-Folgen konnten nicht wirklich überzeugen.

Das Resultat war aus wirtschaftlicher Sicht, dass die Episoden von immer weniger Menschen geschaut wurden. So schalteten in der vierten Staffel durchschnittlich nur noch drei Millionen Amerikaner am Freitagabend ihre Fernseher ein, gut eine Million weniger als noch in den beiden Vorjahren. Diese niederschmetternden Zahlen führten wohl dazu, dass sich die Bosse gegen eine Verlängerung der Serie entschieden haben. Doch das wissen wir bereits. Was hat Manny Coto nun mit der ganzen Sache zu tun? Die letzten zehn Jahre waren die Herren Berman und Braga an der Spitze der jeweils produzierten "Star Trek"-Serie und hatten damit großen Einfluss, in welche Richtung die einzelnen Serien sich entwickelten. Aus welchem Grund auch immer, sei es wachsende Kritik aus allen Richtungen oder einfach der Burn-out-Effekt, kombiniert mit dem Wunsch, etwas Neues zu tun, gab es zu Beginn der vierten Staffel einen Wechsel an der Spitze von "Enterprise". Manny Coto übernahm das Ruder und versuchte zu retten, was zu retten war. Natürlich tritt jemand, der so lange in "Star Trek" involviert war, nicht von heute auf morgen komplett ab, und deshalb blieben Berman und Braga weiterhin im Hintergrund tätig, und wer am Ende bei den Entscheidungen die Serie betreffend das letzte Wort hatte, muss wohl nicht näher erörtert werden.

Mit diesem schwierigen Erbe startete Manny Coto und versuchte, das Beste daraus zu machen. Den Staffeleinstieg "Storm Front" sollte man an dieser Stelle lieber nicht erwähnen, weil es nicht sehr viele Gründe gibt, sich diese Folgen noch einmal anzuschauen. Nach der ordentlichen "Stand Alone"-Episode "Home" ging es dann auch mit dem ersten Mini-Arc los, welcher durchaus begeistern konnte, mit Ausnahme des Schlusses. Aber man lernte dazu und bereits der darauf folgende Mini-Bogen um die Vulkanier und ihr spirituelles Schicksal kombiniert mit unseren blauhäutigen Freunden, den Andorianern, wusste durchweg vom Anfang bis zum Ende zu begeistern. Es folgten zwei durchschnittliche "Stand Alone"-Episoden, bevor man bei dem nächsten Mini-Arc den gleichen Fehler wie am Anfang machte und der letzte Teil der Trilogie einfach nur in die Hose ging. Bevor man in die lange Frühjahrspause ging, in welcher wir uns immer noch befinden, gab es noch mal einen Zweiteiler, welcher sehr gut begann und auch ordentlich abgeschlossen wurde, wobei nicht das Niveau des ersten Teils erreicht werden konnte.

Es bleibt abschließend nur noch zu sagen, dass Manny Coto durchweg frischen Wind in "Enterprise" gebracht hat, sich am Ende aber leider Faktoren geschlagen geben musste, auf welche er selber keinen Einfluss hatte, und so blieb ihm nichts anderes übrig, als sich bei den Fans zu bedanken, die verzweifelt versuchen, Captain Archer und seine Crew eine weitere Staffel lang fliegen zu lassen!

(sk - 02.10.08)


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