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Daily Trek News
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Marianne Jaffke (mj)01.03.05

Meinungen, Prognosen, Aktionen

Zum Ende von "Enterprise"

Pressespiegel: Was berichten Fan-Medien? Was sagen die Verantwortlichen, was meinen die Schauspieler?

"'Star Trek: Enterprise' ist definitiv eine gestorbene Serie. Daran werden auch zig Milliarden E-Mails nichts ändern, die man mithilfe der gängigen Skript-Technologie leicht für den guten Zweck generieren kann", schrieb das "Corona Magazine". "Wer oder was ist schuld?", fragte sich der "Daily Trek"-Newsletter, während "Das ernsthafte 'Star Trek'-Magazin" schlichtweg feststellt: "Ab dem heutigen Tage gibt es mehr Rettungsaktionen als Tsunami-Spendengalas!" Und genauso ist es. Aber ist das der richtige Weg? Die Macher sollten erst einmal eine lange "kreative Pause" einlegen, meint TrekNews.

Eigentlich will man es gar nicht mehr lesen. Wo man hinsurft Schuldzuweisungen, Interviews, Kommentare, Statistiken, Schwarzseherei und Kampagnen. Ja, die Rettungsaktionen. Zuhauf gibt es sie. Das Tragische: Sie machen sich gegenseitig Konkurrenz. Oder geben unüberlegte Ratschläge.

Machen wir uns lächerlich? Die Geschichte wird über uns urteilen. Falls sie sich erinnert. Sollten wir erfolgreich sein, wäre das wirklich ein Triumph? Schaut her: Wir kämpften vereint um unseren "Star Trek"-Traum. Das war unsere Priorität. Andere Gründe, uns zusammenzuschließen, um etwas zu bewegen, sahen wir in dem Moment nicht. − Liebe Leserinnen und Leser, verzeihen Sie mir den Zynismus.

Was nun folgt ist ein Pressespiegel zur Absetzung der Serie "Star Trek: Enterprise", gestartet am 26. September 2001 mit sehr guten Ratings − und seither im Quotenfall befindlich.

"'Star Trek' ist tot. Es verstarb, nicht unerwartet, nach einer langen Krankheit. Die letzten Jahre seines Daseins verbrachte es, von der Weltöffentlichkeit kaum mehr beachtet, auf einem kleinen, unbedeutenden Network in den USA. Das Hinzuziehen eines kompetenten Arztes namens Dr. Coto in diesem Jahr kam für den Patienten einfach zu spät. Die Beisetzung findet am 13. Mai statt." (Peter Schipfmann, "Daily Trek"-Newsletter)

"Die Zeichen waren schon lange deutlich sichtbar. Wutausbrüche von Jolene Blalock, Klartext von John Billingsley, zuletzt auch noch Les Moonves' Kommentar. Dass UPN nicht mehr willens und fähig war, 'Enterprise' durchzuschleppen, damit mussten alle Beteiligten rechnen. Auch die kreativen Monumentalleistungen von Manny Coto in dieser Staffel konnten das nicht ändern. Ob es einem passt oder nicht, die Quoten entscheiden über Gloria oder Untergang einer jeden TV-Serie." (Christopher Kurtz, "Daily Trek Weekend")

Manny Coto

"Nachdem die Serie gerade noch eine vierte Staffel bekommen hat, wurde ein neuer Mann Chef des Autorenteams und Showrunner von 'Enterprise': Manny Coto. Mit ihm kam zugleich auch eine Trendwende hinsichtlich der Storys. Nachdem man endlich dem Temporalen Kalten Krieg schnell ein Ende bereitet hatte, brachte Coto die Serie wieder auf den richtigen Kurs, für den sie bestimmt war: ein Prequel zu sein. Endlich begann man Geschichten zu erzählen, die tatsächlich vor den anderen Serien sich so ereignet haben könnten und die vor allem auch Referenzen zur originalen 'Star Trek'-Serie hatte." (Mario Rössel, MemoryAlpha.de)

Wer oder was ist schuld?

"Rick Berman und Brannon Braga, die sich nach Jahrzehnten der Arbeit an 'Star Trek' nicht mehr aus dem von ihnen geschaffenen Universum befreien konnten (befreien in dem Sinne, aus Gewohntem auszubrechen und somit die kreative Grundlage für Storys zu legen, die den Zuschauer an den Fernseher binden)? UPN, der Sender, der sein Angebot auf in Großstädten lebende Frauen zwischen 25 und 35 ausrichten möchte und sich fragte, wie 'Enterprise' in dieses Konzept noch reinpassen soll? Falsches Denken von Viacom, dem Unterhaltungskonzern, dem sowohl das Produktionsstudio Paramount als auch der Sender UPN gehören und der in seinen Überlegungen nur auf Gewinnmaximierung setzte? Die Zuschauer, die der Serie keine echte Chance gaben? Schlussendlich lässt sich die Antwort auf fünf Buchstaben reduzieren: Quote." (Henning Koonert, "Daily Trek"-Newsletter)

"Berman hat es immer verpasst, neue Ideen und Strukturen einzuführen und durchzuhalten. 'Deep Space Nine' änderte nach zwei Staffeln sein Konzept und bediente sich daraufhin an bereits existierenden guten Ideen, um selbst zur Höchstform aufzulaufen. 'Voyager' brauchte zwar auch zwei Jahre, um die Kazon loszuwerden, aber nur wenige Folgen, um vom 'Lost in Space'-Konzept zur 'Next Generation' im Delta-Quadranten zu werden. Und auch 'Enterprise' schwenkte schon mitten in der ersten Staffel völlig weg und wurde wieder zu einer neuen Form der 'Next Generation'. Wenn sich etwas wiederholt, nutzt es sich irgendwann ab. Das gilt auch − und vielleicht sogar in besonderem Maße − dann, wenn man das ständig gleiche Konzept von Weltraumabenteuern immer nur neu betitelt." (Mike Hillenbrand, "Corona Magazine")

"Haben die Fans die Serie im Stich gelassen? In keinster Weise! Der Fehlschlag von Enterprise auf UPN liegt ganz allein bei UPN. Man muss für etwas Werbung machen, wenn man es auf dem Markt etablieren will, und in der Beziehung hat UPN versagt." (Tim Brazeal, SaveEnterprise.com)

Reaktionen

"Viele Szene-Projekte haben kürzlich ein E-Mail von der Fangemeinschaft TrekUnited.com bekommen, die zur Unterstützung ihrer Idee aufruft: Auf Initiative einiger amerikanischer 'Star Trek'-Freunde haben sich in dieser Gruppe angeblich Fans aus der ganzen Welt zusammengeschlossen, um die fünfte Staffel von 'Enterprise' zu finanzieren. Die Kosten für eine Staffel werden auf 38 Millionen Dollar geschätzt, und TrekUnited rechnet vor, dass bei durchschnittlich drei Millionen Zuschauern in den USA jeder 12 Dollar spenden müsste. Wenn Fans außerhalb der USA mithelfen würden, wäre das Geld noch schneller zusammen, und dazu ruft die Fan-Vereinigung nun weltweit auf, auch hier in Deutschland. Bei Aufforderungen zu Geldspenden sollte man grundsätzlich vorsichtig sein. Bei Paramount wurde die Absetzungs-Entscheidung nur getroffen, weil sich eine weitere Staffel finanziell nicht rentiert. Davon wird sich Paramount auch nicht durch ein paar Spendengelder abbringen lassen. Es ist zu bezweifeln, ob sie überhaupt Gelder annehmen würden." (Thomas Kohlschmidt, WARP-online.de)

"Als TOS 1968 abgesetzt wurde, starteten die Fans eine beispiellose Briefkampagne und sie schafften letztlich das Wunder, 'Star Trek' auf den Bildschirm zurückzuholen. Wir bringen mit Bewunderung und Respekt für die damaligen 'Star Trek'-Fans die Gemeinschaft auf ein neues Niveau und starten die Kampagne des 21. Jahrhunderts − Geld zu sammeln und damit selbst für die Fortsetzung des vor kurzem abgesetzten 'Star Trek: Enterprise' zu sorgen und dessen Zukunft zu finanzieren. Die Crew von 'Star Trek', ob vor oder hinter der Kamera, steht zu 100 Prozent hinter uns und die Verantwortlichen von Paramount haben ihre Bereitschaft ausgedrückt, uns zuzuhören, gleichwohl sie sehen möchten, dass wir fähig sind, dieses Projekt hier durchzuziehen. Sie brauchen das Wissen, dass das Fandom hinter 'Enterprise' steht." (TrekUnited.com)

"Neben der Seriosität eines solchen Vorhabens stellt sich die Frage, ob die Fans nicht begriffen haben, warum 'Enterprise' eingestellt wurde. 'Star Trek' war immer schon von den Spenden der Fans finanziert. Sie spendeten den Serien ihre Aufmerksamkeit, verschafften den Sendern damit Werbekunden und finanzierten die Serie − so einfach ist die Kalkulation. De facto bedeutet eine Einstellung, dass nicht mehr genug Geld verdient wurde, nicht mehr genug Werbepartner da waren, in letzter Konsequenz also die Fans ihre 'Spenden' einstellten." (Malte Kirchner, DSi)

Blick in die Zukunft

"Es scheint, als gäbe es bei Paramount, UPN oder CBS keine interessierten Verantwortlichen mehr, die bereit wären, für die Serie zu kämpfen. Jeder bei Paramount, der mit dem Franchise groß geworden ist, ist mittlerweile gegangen. Ich wüsste also noch nicht einmal, bei wem man sich beschweren könnte, weil es dort niemanden gibt, den es interessieren würde. Wir sind während des Wachwechsels unter die Räder gekommen." (Scott Bakula)

"Wir haben in den letzten 18 Jahren 624 Stunden 'Star Trek' produziert... Es gibt einen Punkt, an dem man so etwas wie den Overkill erreicht. Es ist wohl gut, es eine Weile brachliegen zu lassen, um es danach neu zu beleben." (Rick Berman)

"'Star Trek' wird wiederkommen. Aber im Moment braucht es eine Pause... Vielleicht würde es keine brauchen, wenn man es die ganze Zeit frisch und aufregend gehalten hätte." (Eugene W. Roddenberry jr.)

"'Star Trek' liegt jetzt in den Händen der Fans und die können für sich selbst entscheiden, welche Art von Abenteuer sie als nächstes haben wollen. Sie können anscheinend endlos viele Lizenzprodukte konsumieren, die es im Franchise gibt. Manches von dem eindrucksvollen und kreativen 'Star Trek'-Material, das es gibt, wurde nicht von Paramount, sondern von Amateuren geschaffen, die einfach eine interessante Idee über das 'Star Trek'-Universum hatten. Waren Kirk und Spock heimlich verliebt? Gedanken über die gesellschaftliche und kulturelle Geschichte von Vulkan. Ist das Spiegeluniversum faszinierender als unser eigenes? All diese Themen und viele andere wurden und werden von den Fans in ihren eigenen Fiktionen, Geschichten und Träumen behandelt." (Ronald D. Moore)

(mj - 02.10.08)


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