Lorenz Ulrich (ulr)
09.12.00
Möglichkeit in der Vergangenheit
Konzepte für Series V
Es scheint beinahe organisiert, dass sich in zwei aufeinanderfolgenden Wochen einige Gerüchte konsolidieren. Standen letzte Woche einige grundsätzliche Inhalte von zehnten Trek-Kinoabenteuer fest, so stand diese Woche die fünfte Serie in den Schlagzeilen.
Lolita Fatjo, Drehbuchkoordinatorin von "Star Trek: Voyager", glaubte es zu wissen und Ronald D. Moore, Co-Ausführender Produzent von "Star Trek: Deep Space Nine" zog nach. Und dann wussten Quellen von Space.com gar, dass ein Paramount-Boss es bestätigt hatte. Natürlich erwarten Sie längst einen Doppelpunkt und den Titel des Konzepts, allerdings gibt es da eine schöne Anekdote aus unserem Redaktionsbetrieb. "Daily Trek"-Chefredakteur David Langkamp sendete die URL zum Bericht von Space.com mit einer Frage, was es damit auf sich hätte. Und dann folgte in Klammern die Anmerkung, er könne schon lesen, sei aber überrascht.
Und unter eben dieser Adresse ist folgendes (in englischer Sprache) zu lesen: "Quellen aus der Trek-Welt haben Space.com mitgeteilt, dass der Paramount TV Boss Kerry McCluggage grünes Licht zur fünften Trek Serie 'Star Trek: Birth of the Federation' gegeben hat." Ich habe daraufhin in meinem "Daily Trek"-Archiv geblättert und in der Ausgabe #2 dieses Newsletters vom 3. Juni 1999. Damals wurde Rick Berman zur Trek-Zukunft interviewt. 2002 war die damalige Einschätzung über einen Serienstart. Und Rick Berman, der Boss von "Star Trek", wurde folgendermassen zitiert: "Ich bin sicher, dass, was auch immer wir als nächstes tun wurden, anders sein wird, weil wir die Möglichkeit wollen, etwas tun, das uns herausfordert, und das einen Wechsel bringt. Wie sie dann auch immer aussehen wird - die nächste Serie - wir hoffen, dass die Dramaturgie total anders sein wird aber noch immer die Zukunfts-Vision von Gene Roddenberry verkörpert." Am Zitat sticht das Wort "challenge" hervor, was Herausforderung bedeutet. Gleichzeitig ist "challenge" auch eine Kampfansage. Oder das Konzept der "Birth of the Federation" auch eine Kampfansage an die Fans? Darauf wollen wir nun näher eingehen.
Wenn wir im Herbst 2001 eine neue Serie sehen werden, wird es mit "Birth of the Federation" eine sein, welche tausende neuer Möglichkeiten bringt, darunter die Möglichkeit, unabhängig von anderen Trek-Serien die Föderation aufzubauen, wie sie sich später in den vier Serien widerspiegelt. "Tausende neuer Möglichkeiten..." Hatten wir das nicht schonmal? Ja, richtig geraten. 1995 war "Star Trek: Voyager" die Serie der neuen Möglichkeiten. Sie würde in einem unerforschten Gebiet des Universums herumirren, würde auf neue Kreaturen und unbekannte Dinge stossen und würde garantiert viel Neues bringen. Bei "Star Trek: Voyager" sind wir an einem gelandet, an dem wir auch im Alpha-Quadranten etwas Neues hätten entdecken können. Es kommt also nicht nur darauf an, ob die Möglichkeiten da sind, sondern auch, ob sie genutzt werden.
Einen Satz später hören wir im Bericht bei Space.com, dass die Serie dort ansetzen würde, wo "Der erste Kontakt" endete und würde dort enden, wo die Classic-Serie startet. Man fragt sich, ob man richtig hört. Und dies gleich in zwei Hinsichten. Man beginnt beim achten Kinofilm. Wir zeigen einige alte Nuklearraketen, die nun zu Warpraketen umgebaut wurden. Vielleicht als Gastauftritt James Cromwell, der ein besoffenes Genie spielen darf. Und wir enden, bevor "Space Cowboy" William Shatner auf die Brücke der Enterprise tritt. Man würde also in einer vermutlich siebenjährigen Serie eine Zeitspanne von 2065 bis irgendwann um 2200 abdecken. Irgendwas muss da falsch sein.
Ist es auch. Denn um dies zu machen, scheinen die Produzenten sehr kreativ gewesen zu sein: Man will "einen Bösewichten aus dem 29. Jahrhundert" einbringen, "welcher die Föderation von der Entstehung abhalten will". Damit der Bericht von Space.com nochmals zitiert wäre. Wer sich Voyager anschaut, denkt natürlich sofort an den Pseudo-Antihelden Braxton und sein Zeitschiff Relativity. Dieser Mann tauchte bereits in den Episoden "Vor dem Ende der Zukunft" und "Zeitschiff Relativity" auf und drehte seine Runden, wurde aber am Schluss zur Strecke gebracht, könnte man jedenfalls meinen.
Man muss den Produzenten natürlich für ihren Ideenreichtum loben, eine total neue und andere Sache auf einem Storyelement aufzubauen, welches bereits in zwei (wenn auch interessanten) Episoden ausgereizt wurde. Loben muss man sich auch gleich ein zweites Mal: Mit dieser Storyline, sollte es dann so kommen, würden Sie den Fans der Technik von "Star Trek" ein Zückerchen zuhalten, damit diese wegen der Technik des 29. Jahrhunderts dann doch auch noch zuschauen.
Das waren dann auch schon alle "Fakten", welche der Bericht liefern konnte. Will Paramount tatsächlich diesen Mix aus Prä-Föderaton und Zukunft durchsetzen, können die Fans jedenfalls noch hoffen, dass es sich mehr um einen verfrühten Aprilscherz denn um ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk handelte. Wollen wir dem Titel des Artikels danken, welcher diese Informationen bereit hielt, dann fragt man sich, wie total neu die Serie werden wir: "Fünfter 'Trek' möge dorthin gehen, wo wir alle bereits waren."
(ulr - 09.12.00)