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Julian Wangler (jw)02.02.16

Heimkehr nach langer Reise

Der englische Autor Samuel Johnson sagte einst, im Angesicht des Todes sei der Geist zu ungeahnten Dingen in der Lage, er lebe noch einmal richtig auf. Und da es bereits zu Beginn der vierten Staffel als so gut wie sicher galt, dass es angesichts nicht gestiegener Quoten das letzte Jahr für "Enterprise" sein würde, stand den Verantwortlichen das vorzeitige Ende der Show unmittelbar vor Augen. Es ist bemerkenswert, dass gerade in diesem letzten Abschnitt der Reise ganz neu über "Enterprise" nachgedacht wurde. Staffel vier ist ähnlich umwälzend wie die kleine Revolution, die wir nur ein Jahr zuvor mit der Xindi-Saga erlebten, und doch ganz anders.

Damit aufs Engste verknüpft ist ein Name: Manny Coto. Brannon Braga, der sich als kreativer Vater von "Enterprise" und zentraler Produzent in dem Bemühen gescheitert sah, mit einer grundlegend veränderten dritten Staffel die ersehnte Trendwende herbeizuführen, räumte seinen Stuhl. Abgesehen von der finalen Episode der Serie (Dies sind die Abenteuer), die er und Rick Berman für sich reklamierten, übertrug Braga die Verantwortung an Coto, der erst ein Jahr zuvor ins Autorenteam hinzugestoßen war. Coto ist ein leidenschaftlicher TOS-Fan und wollte sich als neuer Executive Producer dem Prequel-Charakter von "Enterprise" voll und ganz verschreiben. Für ihn sollte es vor allem eine Verneigung vor der jahrzehntelang treuen Fangemeinde werden. Während man sich noch in der dritten Staffel von "Star Trek" zu distanzieren versuchte, steht das letzte Jahr für einen komplett gegenteiligen Kurs: Noch nie zuvor in der Serie waren die Bezüge zur Kirk-Ära so groß. Um das bestmöglich zu erreichen, hat Coto mit dem Ehepaar Judith und Garfield Reeves-Stevens sogar erstmals Autoren aus der Star Trek-Romanszene in sein Team geholt.

Nach dem staffelübergreifenden Bogen der Xindi-Handlung kehrte man (bis auf ganz wenige Ausnahmen) nicht mehr zu den klassischen Einzelepisoden der ersten zwei Seasons zurück. Stattdessen entschied man sich für eine Mischung aus Dreiteilern und Doppelfolgen, die den Großteil der Episoden von Staffel vier beanspruchen. Sie boten zum einen mehr Entfaltungsmöglichkeiten für komplexere Geschichten und für die Figuren, ohne den seriellen Charakter aufzugeben. Ausgedehnte Mehrteiler waren aber auch eine willkommene Lösung, das geschrumpfte Budget zu kompensieren, da man drei Folgen lang auf dieselben Sets zurückgreifen und damit Kosten sparen konnte. Das Format ging auf: Staffel vier ist über weite Strecken nicht anzumerken, dass sie unter einem deutlich reduzierten Finanzrahmen litt. Teilweise gibt es sogar regelrecht großartige SFX-Effekte zu bestaunen. Doch wenden wir uns der wichtigsten Ebene zu: dem Inhaltlichen.

Wenn Manny Coto auch ganz Stürmer und Dränger war, so konnte er seine neue Vision von Enterprise nicht auf Anhieb starten. Erst einmal musste er Altlasten loswerden, sprich: den seltsamen Cliffhanger auflösen, den Berman und Braga am Ende von Stunde Null hinterlassen hatten. So unglücklich dieser Versuch war, den Temporalen Kalten Krieg wieder zu pushen, so sehr merkt man dem Zweiteiler Sturmfront aus Cotos Feder an, dass es nicht sein Herzensthema war, mit dem Zeitkrieg zu hantieren. Präsentiert wird eine ziemlich aberwitzige Was-wäre-wenn-Realität, in der Nazis in den USA eingefallen sind, weil sie sich mit einer rotäugigen Spezies, den Na’kuhl, verbündeten haben, die sie im Austausch für Komponenten zum Bau eines Zeitkanals mit futuristischer Militärtechnologie versorgt. Wie sich herausstellt, sind die Na’kuhl die schlimmste und bösartigste Partei im Temporalen Kalten Krieg. Wenn es ihnen gelingt, ihren Zeitkanal zu komplettieren, werden sie mit großer Wahrscheinlichkeit im temporalen Konflikt die Oberhand gewinnen und die Geschichte damit nach ihrem Belieben verändern können. Zwar sind die beiden Episoden beinahe hanebüchen und wenig überzeugend, aber zumindest treten Archer, Daniels und Silik noch einmal vereint gegen die große Bedrohung an. Das Ende des Temporalen Kalten Kriegs kommt überstürzt, was sicherlich Cotos Ungeduld widerspiegelt, das Thema endlich loshaben zu wollen. Immerhin sind nach Sturmfront die Horizonte tatsächlich offen für Neues. Wie heißt es so schön: Besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.

Zuhause ist eine Übergangsepisode, in der ausschließlich die Charaktere im Mittelpunkt stehen. Dies war nach den umwälzenden Ereignissen der dritten Staffel überfällig. Trips und T’Pols Liebesbeziehung wird deutlich seriöser – man merkt die Verbundenheit zwischen ihnen –, aber zugleich auch tragisch. Archer wiederum bekommt die Möglichkeit, das Trauma seiner moralisch fragwürdigen Entscheidungen in der Ausdehnung zu verarbeiten. Ansonsten erhalten wir Einblicke in die aufgewühlte Seele der Menschheit, die nach dem Xindi-Angriff zuweilen verschnupft auf Außerirdische reagiert. Die Folge ist insgesamt wertvoll, weil man merkt, wie stark sich die drei zentralen Figuren weiterentwickelt haben. Zugleich bietet sie jedoch zu wenig Platz, um den Charakteren gebührenden Entfaltungsspielraum zu lassen. So fällt T’Pol zu schnell in die Hochzeit mit Koss, und es ist nicht recht nachvollziehbar, wie Archer seine Dämonen binnen eines Kletterausflugs loswird. Zuhause ist auch die Gelegenheit, ein paar Gastrollen zu setzen, die in der vierten Staffel noch auftauchen werden: T’Pols exzentrische Mutter T’Les, ihren kurzzeitigen Ehemann Koss und Captain Erika Hernandez, Kommandantin der NX-02.

Erst in Folge vier startet die Enterprise zu neuen Ufern. Schon wieder ein Pilotfilm, wenn man so will, was die Szene zwischen Archer und seinen Leuten unmittelbar vor dem Abflug symbolisiert („Es geht wieder los“). Im ersten Dreiteiler Borderland/Cold Station 12/Die Augments schlagen sich die Recken mit einem Dutzend Supermenschen aus der Khan-Linie herum, die illegalerweise von einem Genetikwissenschaftler namens Aarik Soong (Vorfahre von Datas Erschaffer Noonien Soong) vor Jahrzehnten großgezogen wurden, ehe er gefasst und ihm der Prozess gemacht wurde. Nun provozieren die inzwischen erwachsenen Augments einen politischen Zwischenfall mit den Klingonen, indem sie einen Bird-of-Prey übernehmen und die Crew töten. Archer nimmt den lebenslänglich inhaftierten, zynischen Soong an Bord, um dessen ‚Kinder‘ zu finden, die sich irgendwo im Grenzgebiet zwischen Klingonenreich und Orion-Syndikat aufhalten. Dabei erlebt das Schiff ein wenig erfreuliches Intermezzo mit den grünhäutigen Orionern, und kurz nachdem der Bird-of-Prey entdeckt wird, entkommen die Augments zusammen mit ihrem ‚Vater‘. Sie setzen einen Kurs nach Cold Station 12, jene Station, auf der die verbliebenen Embryonen der Mutantenmenschen aus den Eugenischen Kriegen gelagert werden. Es gelingt ihnen, die Station zu entern und mit den Embryonen zu entkommen. Doch Archer ist ihnen auf den Fersen.

Der Augment-Dreiteiler hinterlässt gemischte Eindrücke. Er ist unangenehm gewalttätig und läuft eher schleppend an. Zwar hat die Idee, genetisch erweiterte Menschen zu thematisieren, natürlich einen starken Bezug zur Classic-Serie (TOS-Episode Der schlafende Tiger), doch wirkt diese Geschichte zu aufgesetzt. Der Ausbruch einer Augment-Krise nach den Eugenischen Kriegen im späten 20. Jahrhundert ist weder von der bisherigen Star Trek-Historie belegt noch kann sie der ganzen Thematik etwas wirklich Neues hinzufügen. Die teeniehaften Soong-Zöglinge, allem voran Malik, erreichen zu keiner Zeit die ehrfurchtgebietende Autorität und das eisige Charisma eines Khan Singh. Immerhin in Einzelheiten gibt es Positives zu vermelden. So macht Brent Spiner als exzentrischer Soong-Vorfahre eine solide Figur. Gelungen sind auch die Dialoge mit Phlox über Eugenie, der wieder zu seiner alten Form zurückzufinden scheint. Darüber hinaus erfährt die Frage, was die Eugenischen Kriege tatsächlich waren (ein Krieg unter der Hand oder ein offener Krieg?), endlich eine deutliche Klärung. Immerhin werden die Ereignisse in der Augment-Trilogie zu einem späteren Zeitpunkt der Staffel noch einmal aufgegriffen (Die Heimsuchung/Die Abweichung).

Weit besser als die Mutantenstory ist der nächste Dreiteiler. Hier geht es gewissermaßen um alles oder nichts. Die Darstellung der Vulkanier und ihrer recht aggressiven Außenpolitik hat viele Fans in den ersten Staffeln verstimmt. Die Episoden Der Anschlag/Zeit des Erwachens/Kir’Shara liefern die Erklärung hierfür. In Wahrheit sind die Vulkanier, ohne dass ihnen das wirklich bewusst ist, längst von Suraks Pfad des logischen Pazifismus abgekommen. Unter dem machthungrigen Administrator V’Las und dem Dach des Oberkommandos (Regierung und Militärorganisation in einem) entwickelte sich in den vergangenen Jahrzehnten eine Art verkappte Diktatur, die obendrein im Geheimen mit den Romulanern im Bunde ist. In dieser epischen Geschichte, die maßgeblich aus der Feder der Reeves-Stevens stammt, steckt viel Ironie. So ist es ausgerechnet Archer, der Suraks Seele beherbergen und das Kir’Shara finden wird, ein Jahrtausende verschollenes Artefakt, das die Schriften des vulkanischen Urvaters der Logik enthält. Durch Archers Fund wird letztlich nicht nur das totalitär agierende Oberkommando gestürzt und eine neue, friedfertige Regierung unter T’Pau (TOS-Episode Weltraumfieber) eingesetzt, sondern auch die Erde nicht länger von der vulkanischen Politik gegängelt. Die Menschen stehen nun auf eigenen Beinen.

Der Vulkan-Dreiteiler hat es in sich. Es gelingt ihm zum einen, die vielen offenen Fragen rund um die Vulkanier des 22. Jahrhunderts einer hinreichenden Erklärung zuzuführen, zum anderen Archers Charakter entscheidend voranzutreiben. Hier macht er endgültig seinen Frieden mit den Vulkaniern und beginnt sie besser zu verstehen. Es ist schon ein starkes Symbol, dass gerade ein emotionaler Mensch den Vulkaniern die große politphilosophische Wende bringt. Selbst T’Pol, die eigentlich schon ein so vielschichtiger Charakter ist, wird um weitere Facetten bereichert, insbesondere mit Blick auf das schwierige Verhältnis zu ihrer Mutter. Während Admiral Forrest Opfer eines Anschlags wird, wandelt sich Soval vom Hardliner zum Anwalt der Menschheit, und es stellt sich heraus, dass er selbst lange Zeit unter den Zwängen seiner politischen Vorgesetzten stand und den Erdlingen in Wahrheit viel abgewinnen kann. All die Auflösungen und Eröffnungen, die auf den Zuschauer einprasseln, mögen schlagartig kommen, aber sie wirken zu keiner Zeit künstlich. Das Einzige, was am Ende viel zu schnell geht, ist der politische Wechsel auf Vulkan. Es ist nicht klar, wie er vonstattengegangen ist. Gab es Neuwahlen? Auch wäre es schöner gewesen, schon zu einem früheren Zeitpunkt von der Einmischung der Romulaner und ihrer ‚Fremdsteuerung‘ der vulkanischen Administration erfahren zu haben. Man hätte sicherlich noch mehr daraus machen können. Aber auch so ist diese Trilogie zweifellos eine der besten und dramatischsten Geschichten der gesamten Serie.

Ähnliches gilt für den Romulaner-Dreiteiler Babel/Vereinigt/Die Aenar. Nach Das Minenfeld in der zweiten Staffel kehrt das Romulanische Sternenimperium, mit dem die Menschen bereits wenige Jahre später im Krieg sein werden, auf die Bildfläche zurück. Das Szenario: Die Enterprise transportiert eine tellarite Delegation durch andorianisches Gebiet zum Planeten Babel, wo sie Handelsgespräche mit den Andorianern aufnehmen wollen. Beide Parteien waren lange im Krieg miteinander; insofern kann jedes noch so unüberlegte Signal heikel sein. Inmitten dieser empfindlichen Großwetterlage kommt es plötzlich zu einem vermeintlichen Überfall andorianischer auf tellarite Schiffe und umgekehrt. Niemand kann sich erklären, wie es zu diesen Konfrontationen gekommen ist, doch sie schlagen hohe Wellen. Als die Enterprise per Zufall die Überlebenden von Shrans Schiff birgt (die offenbar ebenfalls von Tellariten angegriffen wurden), hat man plötzlich zwei Parteien an Bord, die sich am liebsten an die Gurgel gehen wollen. Während Shran und der tellarite Botschafter sich gegenseitig die Schuld für einen nicht provozierten Angriff zuzuschieben versuchen, kommt Archer einem ominösen Schiff auf die Spur. Dieses verfügt, wie sich herausstellt, über eine Art Camouflagesystem und kann so das Aussehen und die augenscheinliche Energiesignatur von Schiffen anderer Völker imitieren. T’Pol entdeckt Hinweise darauf, dass es sich um die Romulaner handeln könnte. Schon bald findet Archer zur Überzeugung, dass er diesen Marodeur stoppen muss, da er offensichtlich vorhat, die gesamte stellare Region zu destabilisieren und eine Allianz der hiesigen Völker zu verhindern. Doch um das fremde Schiff unschädlich zu machen, ist er auf die Unterstützung der Andorianer, Tellariten und Vulkanier angewiesen. Irgendwie muss er sie zu einer ersten großen gemeinsamen Flottenoperation bewegen.

Die dritte Trilogie der Staffel ist mindestens so gut wie die zweite. So offensiv wie nie wird hier zum einen der Prä-Föderationsplot angegangen, zum anderen die romulanische Bedrohung gesetzt. Bereits in Waffenstillstand in der zweiten Staffel sahen wir, wie die Menschen ihre Rolle als Mittler im Konflikt zwischen Vulkaniern und Andorianern fanden. Nun vermittelt Archer erneut: diesmal zwischen Andorianern und Tellariten. Dabei muss er Vorurteile, Hass und kulturelle Eigenheiten überwinden. Hier entsteht ein deutliches Gefühl dafür, warum ausgerechnet die Erde zum Mittelpunkt der Föderation werden wird. Sie ist zwar technologisch nicht so weit wie andere Völker, aber sie ist das entscheidende Bindeglied zwischen Vulkaniern, Andorianern und Tellariten. Der Dreiteiler ist vollgepackt mit Figurenentwicklung. Shran wird als leidenschaftlicher Liebhaber und glühender Racheengel gezeigt, die andorianische Kultur dabei erheblich vertieft, abgesehen davon, dass endlich einmal Andoria besucht wird (warum nicht gleich so?). Auch die Tellariten werden einem etwas näher gebracht und machen Lust auf mehr. Lediglich der letzte Part, Die Aenar, weist die Schwäche auf, dass mit den Aenar ein Schwestervolk der Andorianer eingeführt wird, das verdächtig an die Remaner im letzten TNG-Kinofilm Nemesis erinnert. Nie war irgendwo die Rede von ihnen, plötzlich sind sie da: eine ominöse, im Abseits lebende Unterspezies. Ihr Erscheinen wirkt künstlich herbeigeführt. Zudem bleibt es ein Rätsel, wie es den Romulanern gelungen sein soll, einen Aenar zu entführen, wenn nicht einmal die Andorianer so genau wissen, wo ihre entfernten Brüder und Schwestern sich aufhalten.

Ein Schnitzer dieses Dreiteilers ist sicherlich das romulanische Drohnenschiff. Es wirkt schlicht viel zu fortschrittlich für diese vermeintlich primitive Ära, und einen Telepathen von Romulus aus als Fernnavigator zu verwenden, so etwas haben wir nicht einmal in TNG oder DS9 jemals gesehen. Meiner Meinung nach wäre das, was ganz am Ende des Vulkan-Dreiteilers gezeigt wird – die Romulaner als intrigante Macht in den Schatten – auch hier das bessere Rezept gewesen. Man hätte das ohne den Einsatz eines solchen Drohnenschiffes gut entwickeln können: Die Romulaner streuen Gift und ziehen im Hintergrund die Fäden, möglicherweise setzen sie auch Undercoveragenten ein, die Sabotageaktionen durchführen. Aber dafür hätte man vermutlich mehr ausholen und dies über einen größeren Zeitraum entwickeln müssen. Diese Zeit fehlte in der vierten Staffel, weshalb die Drohne vermutlich eine Notlösung gewesen ist. Umso besser ist die Zeichnung des romulanischen Admirals Valdore gelungen, dem, obwohl er nur eine Nebenfigur ist, eine erstaunliche Tiefe verliehen wird. Was ein wenig zu kurz kommt, ist, warum die Romulaner die Menschen als Feind auszumachen beginnen. Es wird zwar angedeutet, dass sie das Potenzial einer mächtigen Allianz fürchten, die sie an weiterer Expansion hindern könnte. Doch das hätte man noch ausbauen können. Trotzdem ist auch diese Geschichte ausgesprochen gut gelungen – nicht nur, weil Shran am Ende mit Jhamel schon eine neue Gefährtin hat.

Als nächstes gibt es eine Doppelfolge, Die Heimsuchung/Die Abweichung. Über den Anlass des Zweiteilers kann man trefflich streiten. Es geht um die Frage, warum die Klingonen in TOS so anders aussehen als in den Kinofilmen und im 24. Jahrhundert. Nun, weil die Masken und Kostüme im Jahr 1966 noch nicht so weit waren und es schätzungsweise nicht genug Geld für Höckerstirnen gab, mag man da einwenden. Manny Coto machte daraus aber eine größere Sache. Obwohl diese Erklärseligkeit unnötig wirkt, ist der Zweiteiler wunderbar umgesetzt und spannend. Die Klingonen haben mit Augment-DNA experimentiert und sehen sich nun einer Epidemie ausgeliefert, Reed bekommt endlich einen größeren Auftritt und eine dunkle Vergangenheit, indem er für den Sektion 31-Vorläufer gearbeitet hat, sein Verhältnis zu Archer wird auf die Probe gestellt. Ebenfalls gelungen ist die Beziehung, die zwischen Phlox und dem klingonischen Mediziner Antaak entsteht. Er ist eine willkommene Möglichkeit, die klingonische Kultur von einer anderen Seite zu zeigen. Was in diesem Zweiteiler hingegen unnötig ist und extrem aufgesetzt wirkt, ist Trips Weggang auf die Columbia – zumal von vorneherein klar ist, dass sein Verbleib dort nur eine kurzfristige Sache sein wird. T’Pol und er haben gemeinsam so viele gefährliche Abenteuer durchgestanden, dass man sich nicht vorstellen kann, er könnte es plötzlich nicht mehr ertragen, sie in einer brenzligen Situation zu sehen. Und der weitere Gang der Staffel spricht da ja auch eine klare Sprache.

Im finsteren Spiegel entführt uns ins Spiegeluniversum, in die Ära, in der das Terranische Imperium zur Vormacht aufsteigt, nachdem Vulkanier und andere Völker unterjocht wurden. Der Schlüssel zu noch mehr Macht wird ein Schiff, das aus der Zukunft eines Paralleluniversums stammt und in das Spiegeluniversum durch ein Raumphänomen übergetreten ist: die U.S.S. Defiant der Constitution-Klasse (TOS-Episode Das Spinnennetz). Eine unmoralische, imperialistische Version von Jonathan Archer organisiert an Bord der Enterprise eine Meuterei und nimmt Kurs auf tholianischen Raum, um das mächtige Schiff in seinen Besitz zu bringen. Archer gedenkt, sich mit der geballten Feuerkraft der Defiant selbst zum Imperator auszurufen.

Zwar mag die Detailtreue bei der Rekonstruktion der Constitution-Klasse und die Effekte noch so schön anzusehen sein, trotzdem fragt man sich, was dieser Zweiteiler eigentlich soll. Er hat außer viel Schnickschnack wie dem veränderten Intro und dem alternativen Ersten Kontakt keinen nennenswerten Inhalt anzubieten. Anders als in anderen Spiegeluniversumsfolgen fehlt sowohl eine positive Identifikationsfigur aus ‚unserem‘ Universum als auch der nötige Humor, der in DS9 solche Ausflüge (obgleich sie sicher nicht zu den Glanzlichtern zählen) immer erträglich gemacht hat. Hier sind einfach alle böse, sadistisch, niederträchtig. Das wird schnell langweilig. Auch könnte Im finsteren Spiegel zu jedem x-beliebigen anderen Zeitpunkt in der Serie spielen. Warum gerade jetzt, am Ende der vierten Staffel, wo sowieso nur noch so wenig Platz ist, um die vorrangigen Handlungsbögen zu entfalten (Prä-Föderation, Romulaner etc.)? Offensichtlich war hier vor allem der Wunsch nach einem maximalen nostalgischen Effekt ausschlaggebend. Coto wollte wohl unbedingt die NX-01-Crew sehen, wie sie an Bord eines alten Kreuzers aus der Kirk-Zeit geht und die Classic-Uniformen überstreift. Und da man schon dabei war, konnte man das Ganze auch noch irgendwie mit dem Spiegeluniversum verrühren. Was dabei herausgekommen ist, ist zwar anfangs originell, am Ende aber eine wenig überzeugende und schlecht durchdachte Mixtur ohne inhaltlichen Anspruch.

Der Gegensatz dazu ist Dämonen/Terra Prime. Dieser Zweiteiler bildet die letzte Geschichte unter der Ägide von Manny Coto und stellt für viele Fans den eigentlichen Abschluss von Enterprise dar. Das Thema, das im Mittelpunkt steht, ist Fremdenfeindlichkeit und ihre Überwindung. Wie schon in Zuhause angeklungen, hat die Xenophobie auf der Erde infolge des Xindi-Anschlags stark zugenommen. Die Bewegung Terra Prime hat davon ungemein profitiert, und ihr fanatischer Anführer John Frederick Paxton (Peter Weller) will nun ein Exempel statuieren. Er nimmt die Verteron-Phalanx auf dem Mars ein und stellt ein Ultimatum: Wenn nicht alle Außerirdischen unverzüglich aus dem Sol-System abreisen, werde er San Francisco samt Sternenflotten-Hauptquartier in Schutt und Asche legen. Noch einmal begeben sich Archer und seine Leute auf einen schwierigen Einsatz, der sie auf den Roten Planeten führt. Letztlich gelingt es, Paxton das Handwerk zu legen, doch Zweifel, ob die Menschheit bereit ist, um die Formierung einer Koalition der Planeten zu moderieren, bleiben. Da ergreift Archer die Initiative und hält vor den Delegierten verschiedenster Spezies in San Francisco eine beeindruckende Rede. Am Ende ist es Soval, der ihm als erstes applaudiert. Trip und T’Pol indes müssen sich von einem schweren persönlichen Verlust erholen. Paxton hat aus dem Erbmaterial beider einen Klon gezeugt, um Furcht unter den Bürgern der Erde zu verbreiten und die Schreckensvision heraufzubeschwören, die Menschheit werde durch die Verbindung mit Außerirdischen nach und nach verschwinden. Trotz Phlox‘ Bemühungen, das Baby zu retten, stirbt es kurz darauf. In der letzten Szene trauern beide um das Mädchen, das sie beschlossen nach Trips Schwester Elizabeth zu nennen.

Der Terra Prime-Zweiteiler ist ein würdiger Abschluss mit einer starken Botschaft, die zu Star Trek passt. Sie atmet bereits den frühen Geist der Föderation und gibt vor allem Archer die Gelegenheit, als geläuterter, kosmopolitisch und friedlich denkender Mann eine Vision zu entwickeln - die Vision einer neuen galaktischen Ordnung. Das ist der Captain, den Enterprise konsequent hätte verfolgen sollen. Staffel drei war dagegen ein Irrweg. Neben Archer bekommen vor allem Trip und T’Pol noch einmal die Bühne. Vor allem die letzten Momente, als sie in der Trauer um das tote Baby vereint sind, sind schauspielerische Glanzleistungen.

Eigentlich markiert Terra Prime den natürlichen Schlusspunkt der vierten Staffel. Doch Braga und Berman wollten unbedingt noch ein Denkmal für achtzehn Jahre Star Trek setzen und mit Enterprise verbinden. In Dies sind die Abenteuer sucht zu TNG-Zeiten ein William Riker auf dem Holodeck nach Orientierung in einer schwierigen Situation – indem er am letzten Abenteuer der NX-01-Crew zehn Jahre nach ihrem Erstflug teilnimmt. In der Rolle des Küchenchefs spricht er mit den Führungsoffizieren über Gott und die Welt und hilft dabei mit, Shrans Tochter aus den Fängen von Kriminellen zu befreien. Schließlich verfolgt er auch, wie sich Trip für seinen Freund Archer opfert und dabei sein Leben verliert. Die Folge endet, als Archer auf die Tribüne geht, um seine Ansprache anlässlich der Föderationsgründung zu halten.

Dies sind die Abenteuer ist von den Enterprise-Fans zerrissen worden. Vernichtende Kritik hat sich zum einen daran entzündet, dass die Folge den Eindruck aufkommen lässt, bei der Serie habe es sich möglicherweise nur um eine Holodecksimulation gehandelt. Zum anderen erscheint Trips Tod völlig unnötig, und die Folge wird mit ihrer lieblosen Aufmachung dem Verlust einer so zentralen Hauptfigur überhaupt nicht gerecht. Ansonsten stellt sich die Frage, warum unbedingt die Gegenwartshandlung in der siebten TNG-Staffel (Das Pegasus-Projekt) angesiedelt sein muss. Es gibt hierfür keine natürliche Begründung – außer, dass Berman und Braga ihrem persönlichen ‚Lieblingsbaby‘ "The Next Generation" huldigen wollten. Das merkt man der Folge sehr stark an, und hier liegt auch der Hund begraben: Dies sind die Abenteuer ist eine verkappte TNG-Folge, und zwar mit sichtlich gealterten Schauspielern Jonathan Frakes und Marina Sirtis im Mittelpunkt. Wir erfahren nichts über den Krieg gegen die Romulaner, nichts darüber, wie die Entwicklung in Richtung Föderation seit Terra Prime weiterging. Die Enttäuschung könnte kaum größer sein.

Daneben ist die Episode zum Ende hin eine dramaturgische Katastrophe, da man nach höchst ambivalenten vierzig Minuten endlich einmal glaubt, doch noch versöhnt zu werden: Archer geht zum Podium, um seine Rede zu halten. Hat Troi nicht gesagt, sie musste die Ansprache in der Schule auswendig lernen? So etwas weckt Erwartungen. Doch ehe Archer auch nur ein Wort sagen kann, wird das Programm beendet, und die Folge ist vorbei. Eine einzige Provokation! Die zahllosen Negativeindrücke wiegen die guten Aspekte der Folge nicht im Entferntesten auf. Trotzdem seien sie genannt: Riker ist als Schiffskoch gar nicht so unsympathisch. Aus seiner Warte erlebt man die Figuren ganz anders; das ist durchaus erfrischend. Er ist so eine Art Küchencounselor. Hätte man diese informellen Gespräche nicht also schon früher in der Serie einbauen können? Der Koch wurde zwar immer wieder erwähnt, trat aber nicht in Erscheinung. Zudem gibt es ein paar wunderbare Charaktermomente: Archer, wie er auf T’Pol zugeht und sie liebevoll umarmt, Trip und T’Pol, die ihrer irgendwann auf der Strecke gebliebenen Liebesbeziehung gedenken, Trip und Malcolm, wie sie etwas schwermütig das Ende der Mission kommen sehen. Shrans Rückkehr ist ein netter Zug, doch kann er sich nicht mit jener Fulminanz verabschieden, die er in früheren Episoden an den Tag legte. Dafür ist das ganze Szenario zu wirr (er galt jahrelang als tot, musste untertauchen, weil er krumme Geschäfte gemacht hat, ist jetzt wieder da, hat eine Tochter, die aber von Kriminellen entführt wurde.

Die Beurteilung der Staffel würde noch etwas besser ausfallen, hätten Berman und Braga ihr nicht den Anfang und das Ende verhagelt. Zudem wirkt die (inhaltlich sehr flache) Doppelfolge im Spiegeluniversum wie ein Fremdkörper. Die eigentliche Leistung von Manny Coto ist jedoch unbestritten gut, teilweise sogar großartig. Was haben sich Berman und Braga abgemüht mit den Xindi. Unter großem Aufwand haben sie die Serie in eine neue Richtung zu zwingen versucht. Sie hatten einige Erfolge, zahlten jedoch auch einen Preis dafür: Der Star Trek-Geist blieb auf der Strecke. Dann kommt Coto, und nahezu spielerisch führt er Enterprise auf das Terrain, das man sich schon immer für die Serie vorgestellt hat.

Enterprise ist in seiner vierten Season endlich dort angekommen, wo es die Fans sehen wollten. Das ist eine echte Versöhnungsleistung. Auch, wenn die Zeit nicht mehr ausreicht, um alle wichtigen Themen in der gebührenden Länge zu entfalten, so sind sowohl die Anfänge des Konflikts mit den Romulanern als auch die noch zaghafte Entwicklung in Richtung Föderation klar erkennbar. Zwar mag die Serie am Ende an fehlendem Quotenerfolg gescheitert sein, aber es hinterlässt einen zufrieden, dass sie sich in ihrem letzten Jahr fand und uns zumindest ein paar wichtige Eindrücke vermittelte, was geschah, damit im 23. Jahrhundert Kirk und Spock auf große Fahrt gehen konnten.

Fazit: In seiner letzten Season versöhnt sich "Enterprise" mit sich selbst - und mit all den Fans, die den Kurs von Berman und Braga im dritten Jahr nicht mittrugen. Querverbindungen zu TOS gibt es in Hülle und Fülle, die Serie nimmt ihre Rolle als echtes Prequel ein. Das geschieht zwar spät, aber dank Manny Coto sind einige erstklassige Geschichten darüber entstanden, wie es zur Föderation kam. Der Abschied nach nur vier Jahren mag damit nicht leichter fallen, doch zumindest tun wir dies im Wissen, dass noch wesentlich mehr möglich gewesen wäre.

Gesamtwertung: gut

(jw - 09.02.16)


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