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Christopher Kurtz (ck)25.11.08

Das Warten hat ein Ende

Zusammenfassung und Analyse des Trailers

Am Montag ist mit einer Stunde Verspätung der erste Trailer für "Star Trek" im Internet erschienen. US-Kinobesucher konnten diesen schon eine halbe Woche vorher im Vorprogramm von "James Bond" bestaunen, so denn das Kino wollte.

Nach dem wenig sagenden, aber andeutungsschwangeren Teaser aus dem Frühjahr bekamen wir diesmal einen ersten richtigen Einblick in J.J. Abrams' Blockbuster, denn - soviel steht seit Montag fest - um einen solchen handelt es sich. Paramount hat alles aufgeboten, mit dem man Erfolg kaufen kann. Spezialeffekte und Marketing werden den Film zum geplanten Erfolg tragen, selbst wenn Abrams' Story und das junge Ensemble den Film nicht aus eigener Kraft tragen werden.

Zu Letzterem kann man leider immer noch nicht viel sagen, auch wenn die Präsentation einen dazu neigen lässt, vor Begeisterung und Euphorie sich ein neues goldenes Zeitalter für "Star Trek" auszumalen. So weit sind wir noch nicht, aber erst einmal der Reihe nach.

Zusammenfassung

Der Trailer beginnt wie der Teaser intelligent mit einer Szene, die aus jedem beliebigen Hollywoodstreifen der Neuzeit stammen könnte. Abrams will das breite Publikum in seinen Bann ziehen, bevor es nur "Science-Fiction" denken und auf taub schalten kann. Diesmal sehen wir keine Schweißer, sondern eine Verfolgungsjagd auf einer Buckelpiste. An den Feldern vorbei rast eine Corvette mit Nummernschild aus Iowa, der Tacho zittert, verfolgt von einem Polizeimotorrad. Plötzlich durchbricht das Auto eine Absperrung, die Straße endet im Nichts. Eine Schlucht vom Ausmaß des Grand Canyon, allerdings künstlich angelegt, es hat jemand den schier endlosen Abgrund in rechteckigen Blöcken aus dem Felsen geschlagen.

Der Fahrer reißt das Fahrzeug herum, springt aus dem fahrenden Wagen und entgeht nur um ein Haar dem Schicksal des in die Tiefe stürzenden Oldtimers. Der Polizist steigt ab, wir sehen ein metallenes Gesicht, und eine verzerrte, blecherne Stimme fragt den etwa zehnjährigen auf dem Boden liegenden Jungen nach seinem Namen. Der blonde Knabe steht auf und stellt sich mit vollem Namen vor: "James Tiberius Kirk."

Als er auf der Brücke der Enterprise landet, hat Kirk eine wilde Jugend hinter sich
Jahre später. Kirk fährt mit einem Motorrad an endlosen Feldern vorbei. Eine Stimme aus dem Off scheint uns direkt anzusprechen. "Du hattest schon immer deine Schwierigkeiten, deinen Platz in der Welt zu finden, nicht wahr? Wenn du nicht weißt, was du wert bist, gibt du dich auch mit weniger als einem gewöhnlichen Leben ab." Kirks Motorrad kommt zum Stehen, er richtet seine Blick nach oben - wir sehen die Werft aus dem Teaser in der Dämmerung. "Oder glaubt, du, dass du für etwas Besseres bestimmt bist? Etwas Besonderes?"

Szenenwechsel. Vor einer fast schon grotesken, roten Felslandschaft ragen dicht gedrängt Wolkenkratzer aus Glas und Stein wie Stehlen in den Himmel. Wir sehen Amanda und Sarek, sie mit einem Baby im Arm. Eine neue Stimme aus dem Off spricht zu dem jungen Spock, den wir auch als Kind und Heranwachsenden vor einem vulkanischen Komitee sehen. Er sei das Kind zweier Welten, mit der Fähigkeit, seinen Weg selbst zu bestimmen.

Der erwachsene Spock in Uniform materialisiert auf einem bebenden Vulkan, Felsen brechen weg. Eine Gruppe Kadetten steht in einem Shuttlehangar, auf den Transportern sehen wir "NCC-1701" (und entdecken als Ausbilder Paul McGillion aus "Stargate: Atlantis"). Die Stimme fährt fort: "Die Frage ist, welchen Weg du einschlagen wirst." - Spock und Kirk zusammen auf der Brücke der Enterprise.

Inzwischen ist die Musik des Trailers in den Vordergrund gerückt. Der Rhythmus gibt ein gewaltiges Tempo vor, Schnitte erfolgen im Sekundentakt. Wir sehen nur noch eine Kaskade von auf uns einstürzenden Bildern:

Das Schiff verlässt den Orbit der Erde, rast mit Warpgeschwindigkeit davon. Eine gigantische Raumschlacht findet statt, aus der U.S.S. Kelvin ist ein großes Stück der Untertassensektion gerissen worden. Shuttles fliegen nahe an der Kamera vorbei, Explosionen erschüttern die Szene. Auf der Brücke der Enterprise sitzt Chekov an der Navigation. Die beschädigte Kelvin fliegt einem riesigen Komplex entgegen, der die ganze Leinwand ausfüllt. Auf Vulkan versucht Spock mit seiner Mutter und einer Gruppe Vulkaniern dem Steinschlag zu entkommen.

Kirk fragt ihn auf der Brücke "Sie haben Angst, nicht wahr?", Spock antwortet: "Ich dulde es nicht, mich von Ihnen belehren zu lassen", Kirk: "Warum tun Sie dann nichts dagegen." Spock holt aus, schlägt auf Kirk ein.

Es gibt eine Explosion. Drei Gestalten in Raumanzügen stürzen aus dem Orbit im freien Fall Vulkan entgegen. Sie rasen entlang eines langen, gezackten, furchteinflößenden Ausläufers, der offenbar vom Komplex im All bis kurz über die Oberfläche reicht. Die Enterprise verlässt den Subraum und rast in ein Trümmerfeld. Eine Sirene ertönt, Alarmstufe Rot, Kirk, McCoy und Uhura rennen einen Korridor entlang. Pike sitzt auf der Brücke: "Alle Waffen bereit machen".

Ein ovales Raumschiff jagt durch das Bild. Kirk im Faustkampf mit einem Gegner auf einer Plattform des langen Ausläufers, Kirk mit nacktem Oberkörper unter einem Bett, Uhura zieht ihre Uniform aus.

Scotty: "Ich liebe dieses Schiff, so aufregend!"

Kadetten McCoy und Kirk
Sulu duelliert sich mit einem Romulaner. Eine gewaltige Detonationswelle erschüttert die Enterprise. Kirk hängt mit bloßen Händen am Ende des Ausläufers, unter ihm ein hunderte Meter tiefer Abgrund, ein gleißender Strahl scheint ein Loch in den Planeten zu Bohren, ein Romulaner steht direkt drüber auf einer sicheren Plattform.

McCoy zu Kadetten auf einem Transport: "Der Weltraum ist Krankheit und Gefahr, gehüllt in Dunkelheit und Stille."

Nero schlägt zwei klingonische Wachen. Eine weitere Explosion, diesmal ein Teil des großen Komplexes im Weltraum. In einem Schneesturm sehen wir ein Furcht einflößendes fünf Meter hohes Monster, kurz davor, einen Humanoiden zu zerfleischen.

Kirk in der Uniform des Captains klopft im Vorbeigehen McCoy auf die Schulter: "Schnall dich an!"

Die Kelvin kollidiert mit dem Weltraumkomplex, eine Feuerwalze jagt über die zerberstende Untertassensektion. Spock würgt Kirk mit einer Hand. Uhura steht entsetzt von ihrer Station auf (den Empfänger im Ohr). Der Komplex, aus der Ferne in seiner Erscheinung fast eine Krake, durchdringt eine Art Energiefeld. Kirk im Bett mit einer Frau vom Planeten Orion. Eine vulkanische Steinstatue stützt krachend zu Boden. Das ovale Raumschiff schießt sich einen Weg durch den Weltraumkomplex. Eine menschliche Frau in den Wehen. Kirk feuert einen Disruptor. Ein Jäger löst sich vom Komplex. Ein ganzer Schwarm von ihnen greift die Kelvin an, die überall von Explosionen erschüttert wird. Schwarze Blende.

Nero: "Das Warten hat ein Ende." Schwarze Blende, das Starfleet-Delta und der Filmtitel im Originalschriftzug, die Credits, 8. Mai 2008. Ende.

Ausblick

So rast der Trailer in zwei Minuten am Zuschauer vorbei. Er legt folgende Story nahe: Der junge Kirk ist undiszipliniert, fügt sich nur schwer in die Gesellschaft ein. Schließlich hat er aber ein Schlüsselerlebnis, das ihn auf den richtigen Weg in Richtung Starfleet und letztlich Kommando bringt. Analog muss Spock herausfinden, welchem Teil seiner Selbst er den Vorzug gibt. McCoy indes hat bereits abgewirtschaftet, sieht das Raumfahren desillusioniert und hat keine Perspektive. Die erste gemeinsame Reise des Raumschiffs Enterprise wird sozusagen zum Selbstfindungstrip für das Trio.

Dabei geht es wohl um die Bedrohung des Planeten Vulkan durch (den vermeintlichen Romulaner) Nero. Kontinuitätsgezänk vorprogrammiert. Zur Entschärfung könnte jedoch noch der Handlungsstrang um den alten Spock dienen - Zeitreise vorprogrammiert?

So weit, so gut, so vorhersehbar. Stehen und Fallen wird die ganze Unternehmung mit der Ausgestaltung und den Schauspielern. Das Wenige, was uns der Trailer davon bisher zeigt, weiß zu gefallen. Zachary Quinto trifft eine nahezu unheimlich genaue Tonlage, und "Buckle up!" hätte Shatner auch nie lässiger über die Lippen gebracht als Pine.

Wird J.J. Abrams auch die Fan-Basis zufriedenstellen können?
Eines aber ist sicher: Abrams' Gerede über Kontinuität und "Reboot vs. Reimagination vs. Remake vs. Reinvigoration" erweist sich als unaufrichtiger Versuch, die Gemüter der allzu pingeligen Trekker zu beruhigen. Bis auf die Uniformen ist alles so Lichtjahre weit von der Originalserie entfernt, dass die Auskünfte des letzten Jahres geradezu peinlich wirken. Kurtzman, Orci und Abrams haben einen so massiven Stilbruch vollzogen, dass "Star Trek" wirklich eine völlig neue Phase in der Produktions- und Kontinuitätshistorie einläutet.

Während Manny Coto in der letzten Staffel "Enterprise" den Kontinuitätsbogen versöhnlich und detailverliebt zwischen der Originalserie und den moderneren Inkarnationen schloss, will Abrams sich von den Limitationen befreien, die ihm 43 Jahre Film- und Fernsehgeschehen aufgebürdet hätten. Eine Entscheidung, die er völlig legitimer weise treffen durfte. Der Ehrlichkeit halber hätte man aber von Anfang an von einem Remake reden sollen statt den Fans Sand in die Augen zu streuen. Bisher hatte er stattdessen Erwartungen geschürt, dass sich dieser Film in den Kanon einfügt wie ein Puzzelstück.

Raumschiffe und Sets sind auf dem Stand der Technik. Mit einem Ring ständig animierter Displays entlang aller Brückenstationen realisiert Abrams, was Roddenberry aus gewerkschaftsrechtlichen Gründen verwehrt blieb. Holographische Einblendungen neben dem Hauptbildschirm lassen selbst Picards Enterprise alt aussehen. Und böse Zungen sprechen beim neuen Inventar direkt von der iBridge - in Anlehnung an das weiße, runde Hochglanzdesign, mit dem Apple-Produkte bekannt wurden.

Ehrlicherweise muss man Abrams zugestehen, das viele dieser Änderungen absolut notwendig waren. Während "The Next Generation" ein betont organisches, humanistisches Design mit zurückhaltender Zurschaustellung von Technik pflegte, haben alle folgenden Treks einen zunehmend mechanischeren Anstrich erhalten. Abrams Trek fällt nicht ganz auf die "Odyssee 2001"-Ästhetik zurück. Aber runde Formen und klare Farben bestimmen wieder den Gesamteindruck, nicht ausschließlich eine Wand Okudagramme. Das hat nichts mehr mit der Ästhetik der Originalserie zu tun, und ob sie sich wie das Design der "Next Generation" 20 Jahre zeitlos wird behaupten können, bleibt abzuwarten.

Stattdessen beginnt ein neues Zeitalter, auch und gerade für den Fandom. Paramount wird mit aller Macht den Film in den Massenmarkt drücken, bereits jetzt ist eine einminütige Kurzfassung des Tailers in TV-Werbeblöcken auf Sendung - ein halbes Jahr vor Release. Das Zielpublikum ist nicht die abgeschlossene, kleine, eingeschworene Fan-Gemeinde, die Paramount nicht mehr als ein vernichtendes Einspielergebnis bei "Nemesis" bescheren konnte. Stattdessen werden die "Transformers"-, "Fluch der Karibik"-, "Indiana Jones"-, "Star Wars"-, "Spider Man"-, "Cloverfield" und "James Bond"-Zuschauer gesucht.

Die Masse wird es richten. Ob J.J. Abrams es auch der abgeschlossenen, kleinen, eingeschworenen Fan-Gemeinde richten wird, ohne die es keinen Goldesel namens "Star Trek" gäbe, kann man nur spekulieren. Ich bleibe, wie seit einem Jahr, vorsichtig optimistisch.

(ck - 25.11.08)


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