Christopher Kurtz (ck), Simon Thomas Johr (sj)09.03.09
Gedanken zum März-Trailer
Ansichten aus der TZN-Redaktion
Seit Donnerstag ist er jetzt da, der finale Trailer zu "Star Trek". Was kann man nun Neues über den Film sagen, den noch niemand außerhalb des engsten Zirkels gesehen hat? Christopher Kurtz und Simon Thomas Johr haben sich Gedanken gemacht.
Seit Donnerstag ist er jetzt da, der finale Trailer zu "Star Trek". Was kann man noch über den Film sagen, der ja schon längst fertig unter Verschluss bei Paramount liegt, den aber noch niemand außerhalb des engsten Zirkels gesehen hat? Welche neuen Erkenntnisse lassen sich Einzelbild für Einzelbild aus den zwei Minuten saugen, die uns als vorläufig letzter Appetithappen vor dem großen Promotionangriff serviert werden?
Zunächst einmal ist der Trailer bei weitem nicht so hektisch wie der erste und kehrt fast schon wieder zu der getragenen und epischen Stimmung des Teasers zurück. Das erste Mal erfahren wir etwas über die Rahmenhandlung des Films. Und dann sind da diese spektakulären Bilder, die ILM gezaubert hat - atemberaubend.
Kirk: Vom Raufbold zum Raumschiffcaptain
Alles der Reihe nach. Wir erfahren von Jim Kirks Vater, offenbar ein Held, der in einer Krise das Kommando über das Raumschiff Kelvin übernahm und durch kluges und aufopferungsvolles Handeln das Leben von 800 Menschen rettete - darunter der Säugling Jim Kirk selbst. Als Heranwachsender in Iowa führt Jim ein wenig ambitioniertes Leben, bis ihn Christopher Pike zufällig in einer Kneipe nach einer Schlägerei trifft. Eine folgenschwere Begegnung, die Kirks Leben wieder in die richtige Bahn lenkt und ihn Kadett in der Sternenflotte werden lässt.
Während des Kadettentrainings bricht eine Krise aus, Nero greift an, was er "die Abrechnung" nennt. Kirk schreitet wie sein Vater zur Tat, als die Enterprise ohne Captain der Bedrohung gegenübersteht und nimmt den Platz in der Mitte ein. Außerdem erfahren wir aus dem Munde Neros indirekt, dass er aus der Zukunft kommt, indem er über Captain Kirk in der Vergangenheitsform und dessen "anderes Leben" spricht.
Alles in allem ein Plot, der zumindest von seiner Komplexität dem Niveau der übrigen "Star Trek"-Filme entspricht - was bekanntlich keine Oscarqualitäten vermuten lässt. Allerdings machen die Präsentation und die (wenn auch nur ausschnittsweise zu bewundernde) solide Charakterentwicklung sehr viel von den Qualitäten eines solchen Streifens aus, und hier scheint alles zu stimmen.
Weite Bilderwelten und ein stimmungsvoller Soundtrack lassen den Film so ambitioniert und gewaltig erscheinen, wie dies höchstens von dem ersten der Kinofilme behauptet werden kann. Die schier unaufhaltsame Planetenvernichtungsmaschine Neros, die die ganze Leinwand füllt, ist gewaltig und ehrfurchtgebietend wie V'Ger, Panoramen von Vulkan und der Erde lassen diese Welten real werden und damals wie heute müssen sich die Trekkies mit einer Hauptdarstellerin in neuem Gewand anfreunden.
Über die Arbeit der Spezialeffektschmiede ILM lässt sich nur schwer ein schlechtes Wort verlieren. Nur eine Szene gefällt mir überhaupt nicht und das ist Neros Schiff beim Passieren eines Energiefeldes, wahrscheinlich der Zeitreiseeffekt.
Leider bestätigt sich ein Verdacht, den schon der letzte Trailer genährt hat. Nämlich, dass J.J. Abrams bei der Canon- und Reboot-Frage - Entschuldigung, das ist meiner Ansicht nach der Stand der Dinge - gelogen hat. Die Kontinuität des Produktionsdesigns war ja schon seit dem letzten Trailer erkennbar nicht mehr gewährleistet. Allerdings wurde immer wieder betont, wie sehr der Film dennoch die Figuren und die Geschichte des Universums respektieren würde. Auch das scheint nun mehr ein Lippenbekenntnis gewesen zu sein als eine aufrichtige Antwort.
Der Trailer suggeriert, dass Kirk als Kadett das Kommando über die Enterprise übernimmt und dass das Schiff kaum älter ist als Kirks Sternenflottenambitionen. Zudem stehen ein Haufen ausgebildeter Offiziere auf der Brücke der Enterprise und scheinen offenbar völlig ratlos zu sein, wer denn nun der Rangfolge nach den leeren Platz in der Mitte übernehmen soll, bis ihn sich der einzige Anwesende ohne Uniform unter den Nagel reißt.
Wie bereits in der Analyse des letzten Trailers von mir zu Protokoll gegeben, habe ich gegen keine dieser "Brüche" etwas einzuwenden. Im Gegenteil, ich bin ein großer Bewunderer der neuen "Battlestar Galactica"- und "Batman"-Auflagen. Allerdings gehörte an diesen Film seit dem ersten Tag das Schild "Reboot". Stattdessen haben Orci, Kurtzman und Abrams zwei Jahre lang die echten Hardcore-Fans bei der Stange gehalten, indem sie ihnen Hoffnung auf einen anderen Film gemacht haben. Das sagt natürlich nichts über die Qualität ihrer Arbeit, da bin ich sehr zuversichtlich, aber ich frage mich, was aus Gene Roddenberrys Mantra geworden ist, das "Publikum als intelligente Lebensform" zu behandeln.
Glaubte Abrams, die Geeks, Nerds und Fanboys würden dem Film keine Chance geben, solange er kein bewegtes Bildmaterial in der Hand hätte? Denkt er jetzt, dass eben jene Fans angesichts der sagenhaften Trailer den offensichtlichen Bruch nicht bemerken? Wenn man in Internetforen die Kommentare liest, scheint die Rechnung aufzugehen.
Der einflussreiche Fan-Blog Trekmovie.com schriebt gar, es sei der "beste 'Star Trek'-Trailer aller Zeiten". Dem mag ich so nicht zustimmen. Meinen Favoriten, den Trailer zu "First Contact", entthront auch dieser Clip nicht, trotz aller guten Worte, die ich für ihn finde.
Jetzt bleibt nur noch, die nächsten zwei Monate spoilerfrei zu überstehen und wohlwollend über die ungebremste Vermarktungsgewalt hinwegzuschauen, mit der Paramount den Film so sicher wie das Amen in der Kirche in den Massenmarkt drücken wird. Bis dahin halten wir frohen Mutes den 8. Mai im Auge und drücken die Daumen für ein würdiges "Star Trek"-Fest nach der längsten Pause in der Geschichte des Franchise seit der Absetzung der Originalserie.
Text: Christopher Kurtz / Video: Simon Thomas Johr
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