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Andreas Spreen (sp)29.10.07

Spock (Klammer auf und Klammer zu)

Was Logik eigentlich mit Faszination zu tun hat

Wird der einzige Charakter, der sich über den ersten Pilotfilm hinaus retten konnte, im kommenden Film das Ende für "Star Trek" einläuten?

Beim Klammerprinzip geht es, neben dem Klammerbeutel, mit dem ja niemand gerne gepudert sein möchte, vor allem um den befriedigenden Abschluss. Was mit einer Klammer-auf eröffnet wurde, so erwartet man zu Recht, sollte irgendwann auch wieder mit einer Klammer-zu abgeschlossen werden. Vermeidet man dabei auch noch eckige Klammern, so kann man gleich in doppelter Hinsicht von einer runden Sache sprechen.

Wie ich darauf komme? Nun, wenn man das Besetzungskarussell für den neuen "Star Trek"-Film so an sich vorbei taumeln lässt, dann fällt doch irgendwie auf, dass es sich hier offenbar nicht nur um einen Neuanfang handelt. Opi Leonard Nimoy war eigentlich schon längst in Rente, zumindest was die Schauspielerei anbelangt. Aber für diesen Film kommt er noch einmal von seinem vulkanischen Berg gestiegen und da wird er eben zur runden, schließenden Klammer.

Im ersten "Star Trek"-Pilotfilm war er als Einziger der späteren TOS-Crew mit dabei

Denn immerhin war Mr. Nimoy in deutlich jüngeren Jahren bereits im allerersten Pilotfilm dabei, als er noch ein wenig hinter der damals weiblichen Nummer Eins verschwand und wohl auch nicht recht wusste, was das alles soll. Konnte ja auch keiner ahnen.

Wie Nimoy in seinem Buch "Ich bin Spock" näher schildert, war die Annäherung an die später zu einer wichtigen Kultfigur heranreifenden Rolle von Spock im Anfang recht mühsam und stolperig. Aber Nimoy scheint als einer der ersten neben Roddenberry die Figur verstanden zu haben und hatte dann während der Dreharbeiten wohl auch alle Hände voll zu tun, ihre Integrität aufrecht zu erhalten und gegen widersprüchliche Drehbücher oder schludrige Produktionsanweisungen zu verteidigen.

Ich habe den Eindruck gewonnen, dass diesem eher introvertierten, ernsthaften und immer schon recht intelligenten Leonard Nimoy ein nicht unerheblicher Anteil am Erfolg der Figur Spock und damit auch am gesamten Franchise der Originalserie gebührt.

Ist Leonard Nimoy also das wahre A und O des Phänomens "Star Trek"? Es fing mit Spock an und endet nun auch mit ihm. Äh, habe ich eben "endet nun auch" geschrieben? Tatsächlich, zweimal sogar. Das muss ein Freudscher Verschreiber sein. Immerhin sind derzeit alle wunderbar froh und optimistisch gestimmt über den neuen Film. Wenn er Erfolg hat, werden da sicher noch weitere Filme folgen, oder vielleicht eine neue Fernsehserie, oder vielleicht beides.

Aber wenn nun der Erfolg ausbleibt, weil "Star Trek" eben doch seinen Zenit längst überschritten hat und die breite Masse heutzutage nicht mehr zu begeistern weiß? Was ist, wenn der Film zwar wunderschön gerät, tiefsinnig und humorvoll wird, ein echtes "Star Trek"-Feeling mit viel Charaktertiefe und vielleicht auch viel Wehmut beim Abschied vom alten Spock vermittelt. Was, wenn der Film ein tolles Abschiedsfest für die Fans wird, aber sonst niemanden so richtig interessiert? Es könnte immerhin sein, dass dann "Star Trek" doch ein wenig am Ende wäre und sich für einige Zeit da so recht kein Produzent mehr herantraut.

Wird der kommende Film der letzte Auftritt für Spock?

Na ja, und für genau diesen speziellen Fall stelle ich mir das dann gar nicht sooo schlimm vor. Immerhin wird der Film für Fans sicher sehr schön, das entnehme ich jedenfalls den positiven Kommentaren von Nimoy zum Drehbuch, in dem der "Star Trek"-Geist angeblich so gut getroffen ist. Ein schöner Film zum Abschluss und dann eben noch diesen abrundenden Effekt mit Nimoy als Klammer um alles. Das wäre sicher nicht die schlechteste Art und Weise, um meine reine Retro-"Star Trek"-Phase einzuläuten, wo es ab 2008 eben wirklich keine neuen Produktionen mehr gibt und man sich doppelt konzentriert auf das umfangreiche Archiv und sich auf die alten Folgen besinnen kann.

Aber selbst wenn das mit der Klammer doch nicht so ganz stimmen sollte und die "Star Trek"-Saga nächstes Jahr nach dem Film unverdrossen weitergeht, dann bleibt Nimoy doch wenigstens noch als recht langlebiges Symbol für einen gewissen roten Faden stehen. Ich meine zumindest, im gesamten Franchise einen solchen roten Faden zu erkennen. In allen Serien und Filmen war irgendwie immer das wiederkehrende Motiv vom logischen Außenseiter vertreten. Spock ist hier der Prototyp. Später hat Roddenberry diese Thematik weiter verfolgt in seinen weniger bekannten Serienversuchen in den 70er-Jahren um den Androiden Questor, der seinen Schöpfer sucht. Diese Rechnung ging erst so richtig mit dem brillant entworfenen TNG und der Figur Data auf.

Spock und Data sind sicher nicht umsonst äußerst beliebte Figuren des Franchise. Vielleicht sogar das Kernstück der Roddenberryschen Charakterstudien, die die Eigenarten der "Star Trek"-Familie am deutlichsten darstellen. Gut entwickelte Captains und Heldencharaktere haben schließlich viele Sci-Fi-Serien und –Filme zu bieten. Aber die Figur des trockenen, von Logik getriebenen Kommentators der Menschlichkeit, dieser Kniff scheint mir eine der entscheidenden Innovationen von Roddenberry zu sein.

Nimoy: Archetyp der Suche nach Menschlichkeit

Mit Odo, Seven of Nine, Tuvok, dem Holodoc und T'Pol ist diese Schiene ja auch von den Nachfolgern mit gutem Erfolg variiert und bereichert worden. Und an der Definition der ursprünglichen Rolle, des Archetyps sozusagen, ist Nimoy sicher nicht wenig beteiligt gewesen. Insofern symbolisiert er vielleicht am besten diesen roten Faden, der in dem nächsten Film durch den neuen Spock-Darsteller hoffentlich kompetent und treffend aufgenommen und weiter entwickelt wird.

Ich muss mich nur erst an Zachary Quinto gewöhnen. Als Sylar in "Heroes" hat er mir mit seiner Angewohnheit, in Köpfen zu lesen, doch einige Schauder aus Angst und Schrecken über den Rücken gejagt. Aber ich bin sicher, wenn man ihn mit der richtigen Schminke und dem richtigen Schlafanzugoberteil ausstattet, wird der alte Funke wieder überspringen. Ich freue mich darauf.

(sp - 24.09.08)


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