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Christopher Kurtz (ck)18.11.07

Star Trek: The Beginning

Das verworfene Konzept zum elften Film

Bevor J.J. Abrams den Auftrag für "Star Trek XI" erhielt, arbeitete Erik Jendresen an einem Film-Konzept, das "Star Trek" neu definiert hätte.

Vor J.J. Abrams gab es eine Zeit, die Vielen als die B&B-Ära in Erinnerung ist (Berman & Braga). Um es kurz zu machen, führte diese Ära zu einem schmerzvollen Ende von "Enterprise" im Fernsehen und einem traurigen Abschied von der "Next Generation" im Kino.

Dennoch plante Rick Berman ein Comeback für Trek, das in Anlehnung an den sehr erfolgreichen "Batman Begins" - Sie werden es sicher schon erraten haben - "Star Trek: The Beginning" heißen sollte. Das Drehbuch stammte aus der Feder von Erik Jendresen ("Band of Brothers") und sah vor, eine völlig neue und unbekannte Crew ins All zu schießen. Gerüchten zufolge sollte es der Auftakt zu einer Trilogie über die Romulanischen Kriege werden.

"The Beginning": Bermans letztes Trek-Konzept

Zu diesen Gerüchten gesellt sich nun ein ausführlicher Bericht auf Ain't It Cool News. Darin behauptet der Autor, dieses verworfene Skript in die Hände bekommen zu haben. Zwar könnte es sich hier auch um eine Ente handeln, aber das Thema ist nun mal zu interessant, als das es nicht berichtenswert wäre. Schließlich wäre diese Story der letzte Berman-Trek aller Zeiten.

In einem kurzen Abriss kann man "Star Trek: The Beginning" wohl als "Star Trek" meets "Starship Troopers" bezeichnen. Die Story ist wie ein Kriegsfilm strukturiert und die Sprache sehr militaristisch, es zollt aber an vielen Stellen der "Seele" von "Star Trek" Tribut. Vieles hört sich so an wie die düsteren Momente aus "Deep Space Nine", gepaart mit der Zuversicht und Abenteuerlust der Originalserie. So werden zum Beispiel Liebesbriefe der Protagonisten von einer Stimme aus dem Off vorgetragen, während der Held in die Schlacht zieht und seine Liebste zu Hause auf seine Rückkehr hofft.

Inhalt

Alles beginnt mit einem vernichtenden Angriff der Romulaner gegen die Erde im Jahr 2159. Ihr Ziel ist der Genozid an ihren vulkanischen Blutsverwandten. Es stellt sich schnell heraus, dass diese mühsam zurückgeschlagene Angriffswelle nur der Vorbote einer noch größeren Streitmacht ist. Offensichtlich hat die Erde selbst mit der Unterstützung ihrer Verbündeten keine reale Chance gegen die herannahende Übermacht.

Der Andorianer Shran taucht im Drehbuchentwurf auf

In diesen Handlungsbogen ist die Geschichte um den jungen Soldaten Tiberius Chase, offenbar ein Vorfahr eines gewissen Captain Kirk, eingebettet. Er stammt aus einer arktischen Enklave, die von militanten Rassisten bevölkert wird. Diese fürchten eine Verunreinigung des menschlichen Genpools durch den Kontakt und die Fortpflanzung mit Außerirdischen. (Hollywood-Nazi-Allegorie, jemand?) Um dem zu entkommen, schließt Chase sich den Streitkräften der Erde an, die zum Zeitpunkt der Filmhandlung noch nicht in Starfleet absorbiert wurden. Deswegen und aufgrund seiner Herkunft ist ihm der Weg zu den Sternen verbaut. Eigentlich soll er als bester Pilot der Erde die neue NX-Omega, das erste Warp-8-Schiff, durch die Saturn-Teststrecke steuern, aber auch das wird ihm verwehrt. Stattdessen bleibt er auf der Erde zurück, wo er mit Penelope Gardner, einer Lehrerin aus Iowa und ja, der Tochter von Admiral Gardner aus "Enterprise", anbandelt.

Obwohl Trekkies also vom Hauptcharakter noch nie etwas gehört haben, enthält der Drehbuchentwurf doch ein paar mehr oder weniger Bekannte. So taucht der Andorianer Shran auf und ein Vulkanier namens Skon, der in "Star Trek III" als Spocks Großvater erwähnt wird, ist vulkanischer Botschafter auf der Erde. Man sollte die Columbia NX-02 zu Gesicht bekommen und eine Stelle im Drehbuch verweist auf Captain Archer, der sich mit der Enterprise gerade auf Risa befindet.

Als die Romulaner zuschlagen, entschließt Tiberius sich, die unausweichliche Niederlage vor Augen, auf eigene Faust das romulanische Sternenimperium so hart zu treffen, bevor die Angriffsflotte die Erde erreicht. Dazu borgt er sich aus seiner früheren Heimat eine Atombombe - offensichtlich hat jeder Neonazi eine unter seinem Kopfkissen liegen - die U.S.S. Spartan und einige freiwillige und unfreiwillige Besatzungsmitglieder. Diese illustere Gesellschaft aus Helden, Deserteuren und Geiseln bricht also mit einer Atombombe im Gepäck nach Romulus auf, um dort einen Abbruch des Angriffs zu erzwingen.

Hiermit endet der Drehbuchentwurf. Richtig, ein Cliffhanger, denn dieser Film wäre der Auftakt zu einer Trilogie geworden. Wäre.

Ein paar Gedanken dazu

Aus reiner Boshaftigkeit habe ich in der Zusammenfassung auch ein paar nette Nuancen verschwiegen, die den Film deutlicher in Richtung "erkennbares 'Star Trek'" bringen. Insgesamt wird man trotz der militärischen Natur und des hurra-patriotischen Tons des Skripts kaum abstreiten können, dass die Handlung um Tiberius Chase, der seiner faschistischen Herkunft entfliehen will, ziemlich gutes Trek wäre.

Die Romulaner hätten auch in diesem Film eine wichtige Rolle gespielt

Allerdings empfinde ich fast alles rund um die Nazi-Gemeinde als ziemlich unglaubwürdig. Besonders, dass die Erde im 22. Jahrhundert ihnen gestatten würde, Atommacht zu sein. Und dann wäre da noch die (vom Skript unbeantwortete Frage), worauf Chase vorhat, die Atombombe abzuwerfen - für mich klingt das nach Hiroshima/Nagaski. Ich habe da ein ganz schlechtes Bauchgefühl.

Wie oft schon haben wir beklagt, dass die Storys aus der B&B-Denkfabrik alle ziemlich uninspiriert daherkamen? Kurz bevor Berman also endgültig seinen Hut nahm, ist ihm tatsächlich noch einmal etwas Neues eingefallen - das heißt er hat jemanden gefunden, dem etwas Neues eingefallen ist. Ein waschechter WWII-Trek mit genoziden Aliens, Nazis und Atombomben. Finde ich das gut? Nicht wirklich.

Einerseits demonstriert es, dass es tatsächlich noch neue Möglichkeiten gibt, das "Star Trek"-Universum aus einer frischen, unverbrauchten Perspektive zu betrachten. Aber auf diese spezielle Perspektive kann ich gut verzichten. Nicht, dass ich etwas gegen eine zünftige Raumschlacht á la "Star Wars III" hätte. Aber ich für meinen Teil vermisse unter anderem die Elemente, die zum Beispiel "Star Trek: The Motion Picture" trotz aller Schwächen noch heute zu einem bemerkenswert intelligenten Film machen.

Wie soll ein "Star Trek: The Beginning" junge Menschen dazu anregen, Naturwissenschaften zu studieren, sich ehrenamtlich zu engagieren oder politisch aktiv zu werden? Welche moralische Qualität hat ein Film, in dem der Held Konflikte mit Atombomben zu beenden sucht? Kurzum: Ich freue mich schon jetzt auf J.J. Abrams' "Star Trek", da weiß ich noch nichts über den Inhalt, außer dass er wohl gut genug ist, um Leonard Nimoy nach 16 Jahren wieder an Bord zu bringen.

(ck - 24.09.08)

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