Thorsten Wulff (tw)
14.11.08
"Star Trek XI": Eindrücke von der Kölner Vorführung
"Da kommt was auf uns zu im nächsten Mai"
Thorsten Wulff war am 12. November bei der Pressevorführung von 20 Minuten aus "Star Trek XI" in Köln dabei. Für das TrekZone Network schildert er, was es zu sehen gab und wie es ihm als langjährigem Fan gefallen hat. - Spoiler -
J.J. Abrams, Bob Orci, Damon Lindelof und alle anderen, die an Paramounts Reboot von "Star Trek" mitwirken, haben ganze Arbeit geleistet. Abrams ist wirklich begeistert von diesem Projekt, und die Stimmung hat er rübergebracht. Paramount ist sich bewusst, dass Deutschland ein wichtiger Markt für Trek war und ist, und diese Werbetour ein halbes Jahr vor dem Filmstart zeigt, wie wichtig es den Machern damit ist, neue Schichten für "Star Trek" zu begeistern.
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Thorsten Wulff im Selbstporträt |
Die vier Segmente, die Abrams in Köln gezeigt hat, reichen, um einen guten Eindruck für die Grundstimmung des Films und das hohe Produktionsniveau zu bekommen. Dies ist das schnellste Trek, das ich bisher gesehen habe, und das meine ich in einem positiven Sinn.
Der Einstieg in die Begegnung von Uhura und Kirk, irgendwo in Iowa, zeigt uns einen wilden, aufgewühlten und rebellischen Jim, der sich genervt mit Kadetten prügelt. Ich weiß nicht, ob ich dabei den Comic-Relief-Moment, bei dem er an Uhuras Brüste greift, gebraucht habe, aber ansonsten funktioniert die Szene sehr gut. Und sie dient ja auch nur als Vorbereitung für einen großen Auftritt von Chefausbilder Pike, der Kirk dann eine Moralpredigt hält und ihn für Starfleet rekrutiert.
Pike hat mir dabei sehr gut gefallen, auch wenn die Canonistas Probleme mit seiner frühen Beziehung zu Kirk haben. Was den Canon angeht, ich bin ein TOS-Fan seit 1970, habe aber keine Probleme mit einem gut gemachten Neustart. Alles, was ich in Köln gesehen habe, hat mir bestätigt, dass Trek in besseren Händen als in den letzten Jahren war. Von der bleiernen Zeit Bermans und Bragas ist nichts mehr geblieben.
Die zweite Szene, wo McCoy Kirk als seinen Patienten auf die Enterprise schmuggelt, zeigte uns wunderbar die Wurzel des Verhältnisses der beiden. Der Humor stimmt und die Chemie zwischen Urban und Pine auch. Außerdem sieht man viel vom Schiff, von der Krankenstation über diverse Decks bis zur Brücke. Chekov spricht mit seinem gewohnten Akzent, so dass der Bordcomputer ihn nicht versteht, ein weiterer Joke für die Freunde der russischen Sprache. Wie in den besten Folgen von Trek, oder in "Star Trek IV", scheint die Mischung von Humor und Drama zu stimmen. Bei Spock und Kirk wird deutlich, wie sehr sie voneinander irritiert sind, was ziemlich lustig ist. Ich denke, erst die Begegnung mit Spock Prime (Nimoy) erwärmt Jim für seinen späteren Freund.
Scottys Vorstellung im Föderationsaußenposten ist perfekt, Simon Pegg ist unschlagbar. Leonard Nimoy liefert einen glaubwürdigen Elder Statesman ab, der staunt, auf den jungen Scott zu treffen. Alles in allem ein sehr warmer Moment, und gelungen auch der Joke mit Scottys Formel zum Transwarp-Beamen, welche ihm so in den Schoß fällt, wie er einst das Geheimnis transparenten Aluminiums weitergab ... oder geben wird, wer weiß das schon bei all diesen Zeitlinien, die hier im Spiel sind. Sehr schöner Abschied von Spock und Kirk, wobei der eine den anderen des Schummelns durch Zeitreisen bezichtigt, da wird einem warm ums Herz. Die Situation, dass hier ein alter Mann das junge Ich seines besten Freundes trifft, war greifbar.
Die Bohrersequenz schließlich zeigte uns einen extrem coolen Captain Pike, der das Kommando an Spock übergibt und ihm gleichzeitig Jim Kirk als zweiten Mann unterjubelt. Der Shuttlestart war beeindruckend, die Effekte ihr Geld und die Zeit, die ILM investiert hat, wert. Olsen, der Chefingenieur, findet ein schnelles Ende und Sulus Katanakünste sind atemberaubend. Kirk zeigt deutlich, was in ihm steckt, als er nicht zögert, Sulu in den Abgrund hinterher zu springen.
Mein Fazit
Da kommt was auf uns zu im nächsten Mai... Ich habe die Enterprise und ihre Crew nie atemberaubender gesehen als in diesen 20 Minuten in Köln. Natürlich ist es problematisch für Fans, die nicht darüber hinwegkommen, dass weder die Brücke noch das Schiff aussehen wie 1966 und dass Bill Shatner nicht an Bord ist. Aber "Star Trek" 2009 ist in meinen Augen eine gewagte und absolut sehenswerte Neuinterpretation des Stoffs, der mich seit 40 Jahren begeistert.
Thorsten Wulff ist Fotograf und Grafikdesigner und schreibt für die Magazine "MacUp", "PAGE" und "Digit". Wer mehr über den langjährigen "Star Trek"-Fan erfahren möchte, sollte seine Website ThorstenWulff.com besuchen.
(tw - 17.11.08)