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Christian Freitag (cf)07.06.09

Wenn deutsche Magazine Trek lieben

Das Medien- und Merchandise-Echo auf "Star Trek XI"

Der neue "Star Trek"-Reboot ist kaum draußen und schon ist ganz Deutschland in einer riesigen Merchandise- und Berichtewelle. Ein kleiner und kurzer Überblick...

Zum ersten Mal - jedenfalls nach meinem Kenntnisstand - veröffentlicht die US-Kette Burger King in Deutschland, in der Schweiz und in Österreich auch die in den Staaten erschienenen 16 sprechenden Figuren und Schiffe für "Star Trek": Kirk, Spock, McCoy, Sulu, Chekov, Uhura, Scotty, Botschafter Spock, die Enterprise, die Kelvin, die Jellyfish, Neros Schiff, ein Shuttle, der Tricorder, der Kommunikator und seltsamerweise ein klingonischer Kreuzer lassen Sprüche und Töne erklingen. Gut, die Figuren sehen unecht und etwas kitschig aus, aber es ist doch schon ein Werbefeldzug sondergleichen.

Das Kinopersonal trägt "Star Trek"-Shirts, in diversen Cinestars sind gesamte Brücken nachgebaut... Bezeichnend ist auch, dass kurz nach dem US-Start sowohl der Comic zur Vorgeschichte als auch der Roman schnell veröffentlicht wurden beziehungsweise werden.

Im Fernsehen laufen Werbespots für den Film und auch für die "Star Trek"-Serien. Der Sender Kabel Eins bringt Serienfolgen, Filme, Specials... Auf Comedy Central lief am 9. Mai ein Shatner-Bashing.

In Zeitungen sind ganzseitige Werbematerialien. Ich habe mal diverse Zeitschriften gesichtet.

Großflächig, aber eher uninformiert: Die Berichterstattung der Cinema
Die ansonsten so Trek-verschmähende "Cinema", Deutschlands größtes Kinomagazin, hat "Star Trek" jahrelang kaum Aufmerksamkeit gezollt. Für "Star Trek V" gab's noch ein Kinoposter in dem Magazin bei der TV-Ausstrahlung, für "Star Trek VII" wurde noch etwas Furore gemacht, aber dann Schweigen im Walde. Für die neuen Filme konnte sich die "Cinema" kaum etwas abringen. Anders bei "Star Trek XI". Ganze zwei "Star Trek"-Cover haben es in die Ausgaben 02/09 und 05/09 geschafft! Und das Ende ist nicht in Sicht. Es konnte nicht bewertet werden, daher ist für 06/09 noch ein Artikel zu erwarten.

Das hat aber nichts daran geändert, dass die "Cinema" einfach nur uninformiert bleibt. Da werden diverse Fehler gemacht (Scotty erfindet den Transporter, Kirks und Uhuras Sexleben werden beleuchtet) und reißerisch ist dann die Aufmachung. Da verwundert es dann auch nicht, dass in der etwas verbesserten Berichterstattung (unter anderem sogar eine korrekte Zeitlinie) in Ausgabe 05/09 auch der Fehler gemacht wird, dass die Classic-Serie im 22. Jahrhundert spielen soll... So prophezeit auch "Cinema", dass dem Zuschauer der Film gefallen wird, der auch "Batman Begins" oder "Superman Returns" mochte. Das Gesamtergebnis fällt aber recht positiv aus.

In der "TV direkt" spielt "Star Trek" in Ausgabe 09/09 zunächst noch eine kleine Rolle. Es erfolgten nur ein doppelseitiger Überblick über alle Serien und ein ganz kleiner Abschnitt für den elften Film, der relativ pauschal abgefertigt wurde. Dafür wartet die Zeitung dann in 10/09 mit einem Knaller auf: ein Doppelposter, einmal das Originalfilmposter und auf der anderen Seite die originale Crew um Shatner. Sie urteilt: "Mitreißend! Erfindet die Legende neu, ohne sie zu zerstören" und prophezeit, dass für zwei weitere Abenteuer bereits unterschrieben ist. Und das Schöne: Ausgabe 11/09, die am 15. Mai erscheint, bringt ein größeres Interview mit William Shatner.

Der "tv GUIDE" 10/09 hat ein kleines "Star Trek"-Foto auf dem Cover und wartet mit einem doppelseitigen Bericht auf, als eine der wenigen Zeitschriften mit eher zwei seltenen Fotos: Chekov an einer Holoschalttafel und James Kirk als Säugling mit Mama. Viel erfährt man zwar nicht, dafür gibt's aber ein Interview.

Die "nur TV" 05/09 hat ein "Star Trek V"-Foto unten auf dem Cover, aber keine Infos zu dem neuen Film, sondern eher Infos über die Kinofilme im laufenden Programm.

Etwas Skepsis könnte man zwischen den Zeilen bei "TV Movie" 10/09 lesen... Kids von heute begriffen die alte Serie und den Style nicht, prophezeit wird aber gleich ein Blockbuster. "Hemmungen kennt Abrams keine: So macht er Spock und Lieutenant Uhura zum Paar. Abrams findet das - logisch", aber dann wieder in der Bewertung: "Bereits die Anfangssequenz bietet mehr Emotionen und Weltall-Fights als die letzten beiden Filme zusammen!" (Wohl kaum, da "Nemesis" bislang immer noch die längste Raumschlacht in der Filmgeschichte zeigt, aber wenn man den Anfang der beiden letzten Filme sieht, einverstanden.)

Lobenswert: Die "TV Spielfilm" liefert eine differenzierte Auseinandersetzung
Allerdings kommt Abrams im Interview etwas großspurig daher. So macht er erneut klar, dass der Film nicht für die alten Fans sei, er sich aber freue, wenn diese ihn sehen würden und er keine Angst vor der Kritik habe. Merkwürdigerweise verwies die "TV Movie" auch gleich auf diese Frage. Gleichzeitig fällt jedoch auf, dass er sich widerspricht. Einerseits ist es seine Interpretation - auch des Kanons -, was demjenigen auffallen wird, der den Film sieht, andererseits hängt er sich an dem Tod Kirks auf. Wenn er schon den Kanon umgeht, wäre es nur ein Leichtes gewesen, Shatner irgendwie hineinzuschreiben.

Die Bilder sind nicht immer vorteilhaft. So sieht der neue Spock aus wie die Vulkanette aus "(T)Raumschiff Surprise" auf dem Cover der "TV Spielfilm" 09/09. Auch hier gibt es eine Doppelseite mit einer noch ausführlicheren Zeittafel, die überwiegend korrekt ist. Auch hier ist der Ausblick auf das elfte Kinoabenteuer eher positiv. Die "TV Spielfilm XXL Digital" 09/09 bewertet es dann auch als Kino-Hammer auf dem Cover. Doch dann scheint die "TV Spielfilm"-Redaktion den Film tatsächlich gesehen zu haben. Denn etwas ändert sich an dem Ton in Ausgabe 10/09. So ist die Zeitschrift die einzige, die tatsächlich differenziert und nicht nur huldigt:

"Es ist eine echte Leistung, 43 Jahre nach Erstausstrahlung von Gene Roddenberrys 'Star Trek' weltweites Interesse an einem neuen Spielfilm zu entfachen. Umso größer aber auch die Erwartungshaltung, und auch wenn der elfte Film der Reihe weit entfernt davon ist, ein kompletter Reinfall zu sein, lässt sich eine leise Enttäuschung nicht leugnen. Bezeichnend: Beim Jungfernflug kommt die neue Enterprise nicht so recht aus dem Dock. Da geht jede Selbstironie nach hinten los. Um neue Fans zu rekrutieren, muss man viele neue Ideen haben, und die sind hier so unausgewogen wie die wenig originelle Story und Optik. So erinnert Neros Raumschiff an einen zusammengeklappten Weihnachtsbaum; es gab schon coolere Looks. Die Pappkulissen der TV-Serie sind bei einem Budget von 150 Millionen Dollar längst Geschichte, die Action ist solide, die Effekte makellos, wenn auch nicht bahnbrechend. Wer ein über 40 Jahre altes Auto flottmachen will, muss Abstriche beim Fahrkomfort in Kauf nehmen. Bei 'Star Trek' rumpelt's zuweilen gewaltig. Aber wenn das Schmuckstück in der Sonne glitzert, ist man doch wieder stolz."

Die Bewertung dann auch von V. Bleeck: "Science-Fiction-Kult reloaded: sattes Actionabenteuer mit Startproblemen."

Dieser Artikel ist auch zusammen mit weiteren Texten zu "Star Trek XI" und anderen Themen in der Juni-Ausgabe unseres monatlichen Magazins "Incoming Message" erschienen. Falls Sie die "Incoming Message" noch nicht abonniert haben, können Sie das Internet-Magazin zusammen mit unserem wöchentlichen Newsletter "TrekZone Weekend" hier kostenlos bestellen.

(cf - 07.06.09)

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