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"Er wollte der Beschützer der Unschuldigen sein und für sie die Dunkelheit vom Licht trennen, aber er hatte nicht begriffen, dass Licht nur in der Dunkelheit leuchtet und die Unschuld manchmal nur ein Vorwand für die Schuldigen ist."

 −Kira
 − in "Dunkelheit und Licht"

Juli 2014

 

ISSN 1684-7385

Volume VI

Ausgabe 141 (#194)

 features

 

Der Weg auf die Leinwand

Robert Wise erzählt

Der letzte Teil unserer Serie über die Entstehung des ersten Trek-Films

Unendliche Pleiten

Rezension

Das Buch "Spaß Trek" unter der Lupe

Ein Jahr auf dem Mars

Forschungsabenteuer

Curiosity feiert Jubiläum

 

Vorwort

Eine lange Zeit


Liebe Leserinnen und Leser

Seit langer Zeit beschäftigen wir uns in der "Incoming Message" mit der Entstehung des ersten "Star Trek"-Kinofilms. Eine lange Zeit deshalb, weil man allein über diese Produktionsphase Ende der 70er-Jahre wohl einen dreiteiligen Kinofilm machen könnte. Unglaublich, wie viele Wechsel im Produktionsteam es gab, wie viele Änderungen rund um das Drehbuch, wie viele Auseinandersetzungen zwischen den einzelnen Teammitgliedern. Erstaunlich, dass tatsächlich noch der Tag kam, an dem Robert Wise, der schlussendlich Regie führte, mit dem Film an die Premiere nach Washington fliegen konnte − am 7. Dezember 1979. Nur sechs Tage, nachdem am 1. Dezember um 3 Uhr nachts die letzten Soundtrack-Aufnahmen produziert wurden... Um die Fertigstellung der Special Effects und um diese letzten Tage vor der Premiere geht es im heutigen Teil unserer Artikelserie, die Alexandra Rimpler ins Deutsche übersetzt hat. Mit diesem Teil geht die Serie, die 2011 begonnen hatte, zu Ende. Wir hoffen, Sie konnten einige spannende Hintergründe erfahren und führen sich diesen Klassiker wieder einmal zu Gemüte!

Was haben wir sonst noch zu bieten? Henning Koonert beschäftigt sich in dieser Ausgabe mit dem neuen Buch "Spaß Trek". Wir werfen einen Blick auf die Jugendbuch-Verfilmung "Divergent" und auf ein neues Abenteuer von Sherlock Holmes in Hörspielform. Im Kino sorgen "The Purge 2: Anarchy" und "The Signal" für spannende Abende. Und unsere Raumfahrer.net-Kollegen berichten für uns vom Jubiläum von Curiosity: Ein Jahr auf dem Mars muss gefeiert werden!



Die Redaktion wünscht Ihnen viel Spaß beim Lesen!

Michael Müller
Herausgeber

 
   

Inhalt

Die ganze Ausgabe auf einen Blick

"Die Premierenkopie des Films lag unter meinem Bett..."

Das Remake von "Star Trek", letzter Teil

Der Weltraum ... unendliche Pleiten

Rezension zum Buch "Spaß Trek"

Die Ereignisse des Monats

Neue Blu-rays und Bücher

Unbestimmt in die neue Weltordnung

"Divergent"

"Der Bund der Rotschöpfe"

Folge 13 der Reihe "Sherlock Holmes − die geheimen Fälle des Meisterdetektivs"

Tag der Anarchie

Kino-Guide Juli: "The Purge 2: Anarchy" und "The Signal"

Das erste Marsjahr ist geschafft

Curiosity feiert Jubiläum

Impressum

Redaktion, Abonnement und Copyrights

Wussten Sie, dass...

... der Dschungel von Soukara in der DS9-Folge "Wandel des Herzens" künstlich in einem Filmstudio nachgebaut wurde? Weil die Darsteller viel laufen mussten, wurde das Set als großer Kreis angelegt.

... Cousin Gaila erst in der Episode "Kriegsgeschäfte" seinen ersten Auftritt hat, nachdem er bereits in mehreren Folgen erwähnt wurde, zum Beispiel in "Kleine, grüne Männchen"? Einen weiteren Auftritt hat er in "Der glorreiche Ferengi".

... der Musiker Varani aus der Folge "Auge des Universums" im Teaser eine Variation der Titelmelodie der Serie spielt?


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"Die Premierenkopie des Films lag unter meinem Bett..."

Das Remake von "Star Trek", letzter Teil

Oscar-Gewinner Robert Wise über den Weg der Enterprise auf die Leinwand.

Eines der weiteren Probleme, mit dem Wise während der Produktion zurechtkommen musste, waren die Special Effects. Zu der Zeit war Robert Abels Firma auf Werbespots spezialisiert. Sie hatten den Auftrag für "Star Trek: Der Film" als ersten dicken Fisch an Land gezogen, um ins Filmgeschäft einzusteigen. "Mit ihnen zu arbeiten hieß experimentieren", erinnert sich Wise. "Irgendwann waren wir fast fertig mit Drehen und ich war besorgt, was sie nach all unserer gemeinsamen Arbeit am Set daraus machen würden. Sie hatten sehr talentierte Leute, aber sie waren sehr, sehr langsam. Ich richtete es schließlich so ein, dass ich einige Tests von dem sehen konnte, was sie gemacht hatten. Als ich die Tests sah, wusste ich sofort, dass wir mit ihnen den Film niemals fertig bekommen würden. Das Fertigstellungsdatum war auf Weihnachten 1979 festgelegt. Ich musste zu den hohen Tieren gehen und sagen: Seht mal, diese Leute können es vielleicht fertig bekommen, wenn wir noch zwei oder drei Jahre zeit haben, aber die haben wir nicht. − Sie haben dabei sicherlich viel gelernt und einige ihrer folgenden Filme waren wirklich gut, viel ökonomischer ausgeführt. Ich war sozusagen ihr Versuchskaninchen."

"Wir mussten sie entlassen", fährt Wise bezüglich der ersten Special-Effects-Truppe des Films fort. "Zum Glück bekamen wir Doug Trumbull und John Dykstra und teilten die Arbeit zwischen ihnen auf, aber wir lagen so weit hinten, dass sie mit ihren Crews praktisch rund um die Uhr arbeiten mussten, um die Deadlines zu schaffen. Das blähte das Budget auf unzählige Millionen auf. Ich ärgerte mich darüber, so viel Geld für einen Film auszugeben, der auf einer Fernsehserie basierte. Daher war es keine meiner favorisierten Erfahrungen."

 
 

"Der erste Film ist ein guter Film, der unter fürchterlichen Bedingungen entstanden ist."


Hätten sie es nicht geschafft, die vom Studio vorgegebene Deadline einzuhalten, hätte Paramount von den 500 Kinobesitzern verklagt werden können, die Trek zu Weihnachten erwarteten. Sogar unter diesem Druck versuchte Wise die Paramount-Bosse zu beschwichtigen und um mehr Zeit zu bitten − aber ohne Erfolg. "Einmal war ich mit Eisner, Katzenberg und Barry Diller, die alle wollten, dass der Film gemacht wurde, in einem Meeting. Ich sagte: Nun, Leute. OK. Wir beginnen im Dezember. Wie wollt ihr es nennen? 'Drei Viertel von 'Star Trek: Der Film'?' Kommt schon!' Wir schafften es am Ende, aber nur weil jeder Tag und Nacht arbeitete."

"Kurz vor dem Ende", fügt Wise hinzu, "bekamen wir die Erstkopie. Ich stand um zwei Uhr früh auf, um sie zu prüfen, oder zumindest die erste Rolle. Sie machten eine Rolle nach der anderen. Ich nahm die Washington-DC-Premierenkopie buchstäblich im Flugzeug mit und hatte sie in der Premierennacht unter dem Bett meines Hotelzimmers! Es gab buchstäblich keine Zeit für eine Vorpremiere. Wir mussten nackig in die Premiere."

Mit 39 Filmen auf dem Buckel war "Star Trek: Der Film" der einzige Streifen, den er gemacht hatte und der keine Vorpremiere hatte. 12 Minuten waren vorher schon heraus geschnitten worden, aber als der Film ins Fernsehen kam, wurden diese wieder eingefügt, eine Sache, die der Regisseur für "ganz schrecklich" hielt. Die Zeitungen hatten den Film einen oder zwei Tage vorher gesehen und gaben ihm gute Kritiken. Aber nach der offiziellen Premiere waren andere Kritiken nicht so gut und es verbreitete sich schnell, dass der lang erwartete Trek-Film ein Ladenhüter wäre.

"Ich war enttäuscht", sagt Wise über die schlechten Kritiken. "Ich war immer unglücklich darüber, keine Vorpremiere gehabt zu haben, so dass wir nichts mehr daran verändern konnten. Ich denke, der eine oder andere Schnitt hätte noch etwas Tempo hinein bringen können. Trotzdem finde ich immer noch, dass wir einen besseren Film hatten, als die Kritiken sagten."

Das ist sicherlich richtig. "Star Trek: Der Film" ist ein guter Film, der unter fürchterlichen Bedingungen entstanden ist. Er hat zwar gewisse Längen, ist aber trotzdem ein interessantes Weltraum-Abenteuer. Die Reise der Enterprise durch V'jers Wolkenstruktur erinnert an die Weltraumtor-Sequenz in "2001: Odyssee im Weltraum"; geometrische Formen und farbige Ströme von reiner Energie gleiten in ähnlicher Weise ins Auge, wie es dem jungen Publikum in Dave Bowmans Reise zur großen Erkenntnis zehn Jahre zuvor gezeigt worden war. Trotzdem hätte eine Kürzung um 20 Minuten dem Film unermesslich gut getan. Obwohl er nicht der beste aller Trek-Filme ist, steht "Star Trek: Der Film" doch als Kämpfer da, der eine Science-Fiction-Legende wieder belebt hat. Nur die traditionellen finanziellen Exzesse von Hollywood hätten ihm beinahe den Garaus gemacht, aber für das, was dadurch losgetreten wurde, die initiale Zündung der Kinokarriere von Trek, verdient es eine nochmalige Betrachtung, vor allem, wenn diese mit einem weniger kritischen Auge erfolgt, als sie sonst erfolgt wäre.

Anmerkung der Redaktion: Dies war der letzte Teil unserer langen Reihe rund um die Entstehung des ersten "Star Trek"-Kinofilms.

Trek-Geschichte

Von Frederick C. Szebin im Januar 2000, übersetzt von Alexandra Rimpler.


 

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Der Weltraum ... unendliche Pleiten

Rezension zum Buch "Spaß Trek"

"Wer glaubt, dass die Captains und Crews der diversen Raumschiffe der 'Star Trek'-Saga über jeden Zweifel erhaben sind, hat wohl zu viel romulanisches Ale intus. Zwischen Kronos, Vulkan, Erde und dem Delta-Quadranten gibts jede Menge Raum für Missgeschicke, die in keinem Logbuch Erwähnung finden" − soweit der Klappentext dieses Büchleins. Was steckt nun zwischen den Pappdeckeln?


Inhalt

Auf über 60 Seiten zeigt dieses Hardcover-Büchlein kurze Comics unter dem Motto "Der Weltraum ... unendliche Pleiten". Die von Matthias Kringe erdachten und gezeichneten Parodien auf vertraute Elemente und Personen aus "Star Trek" erstrecken sich meist über drei bis fünf Bilder.

Am Ende des Bandes wird das Comic-Schema mit einer Bildergeschichte in Reimform durchbrochen. Nah angelehnt an Wilhelm Buschs "Max und Moritz" erzählt Kringe die Geschichte der beiden klingonischen Lausbuben "Makh und Moroth", die es zwar nicht wie ihre Vorbilder auf sieben, aber immerhin auf zwei Streiche bringen.

Kritik

Titelbild und Klappentext deuten noch auf eine Aneinanderreihung von kruden Bildwitzen und mäßig lustigen Ideen mit "Star Trek" als auswechselbarer Blaupause hin. Doch schon auf den ersten Seiten wird klar: Autor Matthias Kringe kennt sich mit der Materie aus. Der Humor ist sicher nicht feingliedrig angesetzt wie einst bei Loriot, aber basiert (zwar auch, jedoch) nicht nur auf Fäkal- und Oberweitenscherzchen.

Zum Schmunzeln regt zum Beispiel die Situationskomik an, die der Autor entstehen lässt, wenn die Lebenswirklichkeiten einer klingonischen und einer vulkanischen Nachbarschaftsfamilie aufeinandertreffen. Nett sind ebenfalls die Cartoons, die die Trek-Charaktere mit anderen Franchises in Berührung bringen und besonders zu empfehlen diejenigen, deren Pointe aus den Gegebenheiten der "Star Trek"-Produktionsumstände entsteht.

Als Bereicherung für diesen Band erweist sich Kringes findige Trek-Interpretation von "Max und Moritz" mit Spock statt Lehrer Lämpel und Captain Janeway anstelle von Witwe Bolte. Geradezu schade, dass es nur zwei der sieben originalen Streiche in diese Spaßbüchlein geschafft haben.

Als Manko bleibt, dass Kringes Humor-Ideen sich nur selten auf die Überspitzung der Charaktereigenschaften unserer bekannten Weltraumhelden gründen, wie es etwa die legendären lange Zeit online veröffentlichten "Sev Trek"-Cartoons taten.

Fazit: Humor ist Geschmackssache, stärker noch als vieles andere. Insofern ist auch das Fazit ein eher persönliches: besser als gedacht, jedoch keine höchste Kunst des Humors − aufgrund des erschwinglichen Preises (9,95 Euro fürs Hardcover) aber allemal als Geschenk geeignet.

Weiterführende Links

  • Jetzt bei Amazon.de bestellen
    "Spaß Trek" (gebundene Ausgabe).

  • Trek-Interview

    Panini Books veröffentlicht einen Band mit humorigen "Star Trek"-Comicparodien. Ob sich die Anschaffung lohnt, verrät Henning Koonert.


     

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    Die Ereignisse des Monats

    Juli 2014

    Die Trek-Highlights der nächsten vier Wochen im Überblick, zusammengestellt von Henning Koonert.

    Trek-Kalender

     
     

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    Roman
    "Star Trek: Titan − Gefallene Götter"
    Michael A. Martin
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    Buch
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    Robb Pearlman
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    Geburtstag
    David Warner (Gorkon; Mardred; St. John Talbot)

    Geburtstag
    Wil Wheaton (Wesley Crusher)

                     
     


     

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    Unbestimmt in die neue Weltordnung

    "Divergent"

    Mit "Die Bestimmung − Divergent" kommt eine weitere Jugendbuchverfilmung in die Kinos. Gegenüber dem gängigen Genremüll wie "Die Tribute von Panem" weiß die filmische Umsetzung von Veronica Roths Roman zwar durchaus zu überzeugen, ganz ohne Symbolik kommt sie aber dennoch nicht aus.

    Die Handlung beginnt nach dem dritten Weltkrieg und spielt in Chicago. Man merkt der Stadt die Kriegsschäden noch an, doch der Wiederaufbau hat bereits begonnen. So entsteht eine interessante, halb postapokalyptische, halb futuristische Kulisse, von der ein gewisser Reiz ausgeht. Die Stadt wird von gigantischen Windturbinen mit Strom versorgt und ist von einem hohen Zaun umgeben, der potenzielle Gefahren abhalten soll. Wie es im Rest der Welt aussieht, ist nämlich unbekannt.

    Die Gesellschaft ist streng in fünf Kasten eingeteilt, von denen die Ferox (die Furchtlosen) für die Verteidigung verantwortlich sind. Die Amite (die Freundlichen und Friedfertigen) sind die Bauern, die Ken (die Gelehrten) sind Wissenschaftler und Ingenieure, die Candor (die Freimütigen) sind für die Justiz zuständig und die Altruan (die Selbstlosen) kümmern sich um die Armen. Durch ihre uneigennützige Natur wurde den Altruan darüber hinaus auch die Politik anvertraut, da sie vom Charakter her nicht korrumpierbar sind.

    Dennoch ist das System keineswegs ideal. Die Kinder wachsen in die Kasten ihrer Eltern hinein und können sich nur einmal im Leben für eine andere Kaste entscheiden. Mit dem Erreichen der Volljährigkeit werden alle einem Charaktertest unterzogen, der ihnen helfen soll, ihren Platz in der Gesellschaft zu finden. Sie sind zwar frei, sich entgegen der Empfehlung zu entscheiden, werden sie jedoch in ihrer neuen Bestimmung nicht glücklich oder versagen, enden sie als Kastenlose. Kastenlose sind wiederum gleich Obdachlose und als Bettler sind diese auf die Almosen der Altruan angewiesen.

     
     

    Wer es nicht unter die Besten schafft, endet als Obdachloser und die Trainer haben keine Skrupel, die Rekruten gegeneinander auszuspielen.


    Mit anderen Worten grenzt die Gesellschaft alle aus, die nicht ins Raster passen. Für Kreative und Kunstschaffende ist schon gar kein Platz, da es keine Kaste für Künstler gibt. Lediglich in der Freizeit können sich Bewohner der Stadt kreativ betätigen, zum Beispiel als Tätowierer für die Ferox. Während der Arbeitszeit haben sie jedoch keinerlei Freiheiten.

    Dies muss auch Beatrice Prior (Shailene Woodley) lernen, als sie sich bei der Einteilungszeremonie entgegen dem Wunsch ihrer Eltern für die Ferox entscheidet. Nach außen erscheinen die Furchtlosen wagemutig und frei, aber ihre Ausbildung besteht aus hartem Drill. Wer es nicht unter die Besten schafft, endet als Obdachloser und die Trainer haben keine Skrupel, die Rekruten gegeneinander auszuspielen. Wie das aktuelle US-Militär werben auch die Ferox mit Coolness, während das eigentliche Ziel die Entmenschlichung der Neuankömmlinge ist.

    Beatrice, die sich fortan Tris nennt, besteht zwar die erste Mutprobe, indem sie als Erste von einem Hausdach springt, doch als Rekrutin sieht sie sich großen Herausforderungen ausgesetzt. Zudem ist sie entsetzt von den hygienischen Zuständen bei den Ferox und wagt es, einen Ausbilder unaufgefordert anzusprechen. Zum Glück für sie ist Tobias alias Four (Theo James) nicht nachtragend und fördert sie sogar. Zwischen den beiden entwickelt sich eine Freundschaft und später sogar ein romantisches Verhältnis.

    Besonders nützlich erweist sich Fours Hilfe bei den Vorbereitungen auf den großen, abschließenden Angsttest. Tris kann die mittels Drogen und Computer direkt ins Gehirn projizierten Prüfungen nämlich austricksen, indem sie sich bewusst macht, dass sie nicht real sind. Diese Fähigkeit würde sie jedoch als Unbestimmte entlarven.

    Bereits beim Charaktertest vor ihrer Kastenzuteilung stellte sich heraus, dass sie die charakterlichen Eigenschaften mehrerer Kasten besitzt und somit nicht eindeutig in ausschließlich eine Kaste passt. Damals blieb die geistig nicht so eindeutig strukturierte Tris nur dank der Hilfe ihrer Testerin Tori (Maggie Q) unbemerkt, die das Ergebnis für sie gefälscht hat. Wie sich nun in Anbetracht der bevorstehenden öffentlichen Angstprüfung zeigt, hätte Tris vielleicht auf deren Rat hören sollen, sich für die Kaste ihrer Eltern, die Altruan, zu entscheiden.

    Doch für eine Umentscheidung ist es inzwischen zu spät. Beatrice bleibt nur noch die Wahl, aufzugeben und sich in die Obdachlosigkeit zu verabschieden oder das Risiko einzugehen, als Unbestimmte entlarvt zu werden. Letzteres wäre besonders gefährlich, da die Gesellschaft keine Freigeister duldet. Hier wird letztendlich der totalitäre Charakter des Systems offensichtlich, welches Unbestimmte als Gefährdung der öffentlichen Ordnung einstuft, da diese sich nicht kontrollieren lassen. Die Unbestimmten stehen damit symbolisch für Menschen, die gegen gesellschaftlich etablierte Normen rebellieren.

    Tris gelingt es mit etwas Übung, ihre Ängste auf gewöhnlichem Wege zu besiegen und auch im Kampftraining schafft sie es auf einen sicheren Platz. Dank Four, dessen Spitzname sich von seinen eigenen vier Ängsten ableitet, besteht sie den abschließenden Angsttest und schafft es, die führende Ken-Vertreterin Jeanine Matthews (Kate Winslet) zu täuschen.

    Letztere ist nicht nur eine knallharte Jägerin von Unbestimmten, sondern plant zudem einen Putsch gegen die Altruan. Die Kaste der Ken besteht nämlich aus der geistigen Elite, welche glaubt, ein Anrecht auf die Regierung zu haben. Im Gegensatz zu den Altruan denken sie jedoch nicht vorrangig an andere, sondern in erster Linie an sich selbst, was genau der Grund ist, warum ihnen die Herrschaft nicht anvertraut wurde.

    Zunächst versuchen die Ken, die Altruan mit Propagandamitteln in Verruf zu bringen, wobei es ihnen immer gelegen kommt, wenn die Kinder von Altruan-Führern sich für eine andere Kaste als die ihrer Eltern entscheiden. Die Entscheidung von Tris und Four, von den Altruan zu den Ferox zu wechseln, erscheint dadurch in einem neuen Licht, zumal Four obendrein als Kind von seinem angeblich altruistischen Vater misshandelt wurde. Noch bedeutender ist jedoch der Übertritt von Tris' Bruder Caleb (Ansel Elgort) zu den Ken, womit dieser zum Mitverschwörer wird.

     
     

    Die Ken sind die Illuminaten im Chicago der Zukunft, und ihr Plan weist nur allzu bekannte Muster auf.


    Und da sind wir beim eigentlichen Kern der Handlung. Die neue Weltordnung ist nämlich noch nicht am Gipfel des Totalitarismus angekommen. Immerhin sind die Ferox keine willenlosen Schlägertruppen und die Regierungsgewalt liegt sogar grundsätzlich bei Altruisten. Es bedarf erst noch der Verschwörung einer geistigen Elite, deren Kastensymbol wohl kaum zufällig ein allsehendes Auge ist.

    Die Ken sind die Illuminaten im Chicago der Zukunft, und ihr Plan weist nur allzu bekannte Muster auf. Nachdem die Propagandakampagne gegen die Altruan bereits für eine gewisse Grundstimmung in der Bevölkerung gesorgt hat, sind die Ferox das nächste Ziel. Mit Ausnahme einiger Ferox-Anführer, die sich an der Verschwörung beteiligen, werden allen anderen Verteidigern RFID-Chips geimpft. Mit diesen Chips können ihnen von einem Zentralrechner aus Befehle direkt ins Hirn übermittelt werden. Durch diese Art des Mind Control werden sie zu willenlosen Werkzeugen ohne eigenständiges Denken.

    Im nächsten Schritt werden die Ferox gegen die Altruan eingesetzt. Der Befehl ist klar: alle verhaften und auf Flüchtige schießen. Einzig Tris und Four verweigern den Gehorsam, da die Fernsteuerung bei Unbestimmten nicht funktioniert. Dies unterstreicht einmal mehr ihre Fähigkeit zum eigenständigen Denken. Allerdings werden sie dadurch selbst zur Zielscheibe.

    Tris gelingt die Flucht nur, weil ihre Mutter (Ashley Judd) sich für sie opfert. Zusammen mit ihrem Vater, ihrem übergelaufenen Bruder und einigen anderen flüchtigen Altruan stürmt sie das Hauptquartier der Ken. Dort muss sie sich jedoch nicht nur ihrem Erzfeinden Eric (Jai Coutney) und Jeanine stellen, sondern auch Four, bei dem man nach seiner Gefangennahme sämtliche Register der Hirnwäsche gezogen hat.

    Letztendlich kann Four jedoch seinen Geist befreien und zusammen mit den anderen können die Ken überwältigt werden. Tris lässt Jeanine dabei ihre eigene Gedankenkontrolltechnologie kosten und gibt ihr den Befehl, den Zentralcomputer zu zerstören. Damit erhalten die Ferox ihren freien Willen zurück und der Putsch scheitert.

    Zu diesem Zeitpunkt hat die Verschwörung jedoch schon einige Opfer gekostet. Viele Altruan wurden beim Versuch zu fliehen exekutiert und auch Tris' Vater (Tony Goldwyn) musste beim Kampf um die Zentrale der Ken sein Leben lassen. Als wäre es noch nicht schlimm genug, dass Tris und Caleb nun Vollwaisen sind, müssen die beiden zusammen mit Four und dessen Vater aus der Stadt fliehen. Ihre Zukunft bleibt ungewiss, zumindest bis die Romanfortsetzung in die Kinos kommt.

    Fazit: "Die Bestimmung − Divergent" zieht so ziemlich alle Register, was die neue Weltordnung angeht. Mind Control und RFID-Agenda werden von einer geistigen Elite umgesetzt, die mit Verschwörung, Propaganda und Putsch arbeitet. Immerhin scheitern die Ken am Ende, womit der Film nicht gänzlich hoffnungslos bleibt.

    Zudem ist die Umsetzung sehr spannend und atmosphärisch gehalten, wodurch "Die Bestimmung" im Vergleich mit der sonstigen Flut an Jugendbuchverfilmungen durchaus positiv abschneidet. Wenn man an die übertriebenen Outfits, den offenen Faschismus und die sinnlose Gewalt in "Die Tribute von Panem" denkt, ist "Die Bestimmung" sogar überdurchschnittlich gut.

    Weiterführende Links

  • YouTube.com
    Der Trailer zum Film.

  • SF-Zone

    Wie "Divergent" bei den Zuschauern ankommt, lesen Sie hier in einer Filmkritik von Shinzon Darhel.


     

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    "Der Bund der Rotschöpfe"

    Folge 13 der Reihe "Sherlock Holmes − die geheimen Fälle des Meisterdetektivs"

    Die Pfandleihe von Mr. Wilson geht schlecht und er ist dankbar, dass sein Angestellter ihm treu zur Seite steht. Das Blatt scheint sich zum Guten zu wenden, als Mr. Wilson eine Annonce in der Zeitung liest, in der eine exzellent dotierte Stelle ausgeschrieben ist. Verwunderlich ist zwar, dass der Job nur an einen Mann mit roten Haaren vergeben werden soll, doch stellt dies für Mr. Wilson kein Hindernis dar, besitzt er doch flammend rotes Haar. Er bekommt die Stelle, die vom sogenannten Bund der Rotschöpfe finanziert wird, und er wird erst misstrauisch, als ihm aufgetragen wird, das Büro unter keinen Umständen zu verlassen. Brav verrichtet er mehrere Wochen lang seine Arbeit. Doch eines Tages steht er vor verschlossener Tür, an die eine Notiz geheftet wurde. "Der Bund der Rotschöpfe ist aufgelöst." Mr. Wilson wendet sich an Sherlock Holmes und Dr. Watson, denn er möchte herausfinden, was es mit dem obskuren Bund der Rotschöpfe auf sich hatte.

    Diese Geschichte ist eine der harmloseren der Reihe. Waren die Themen zuweilen recht düster, ist dieser neue Fall keiner, der Alpträume beschert. Das Skript ist originell und die Auflösung des Plots ist plausibel. Das Duo Tennstedt und Bierstedt (Holmes und Watson) zeigt wieder einmal, dass es richtiggehend mit den Rollen verwachsen ist. Der Schlagabtausch der beiden ist immer wieder vergnüglich. Auch die gute Mrs. Hudson (Regina Lemnitz) sorgt sich wieder rührend um ihre beiden Detektive. Inspektor Jones darf in dieser Folge ausnahmsweise nicht nur das Ende eines Falls miterleben, sondern wohnt dem Showdown bei. Am meisten gefordert war aber Gudo Hoegel, der dem naiven Pfandleiher Jabez Wilson seine Stimme verlieh.

    Der Sound wurde dezent und glaubwürdig in die Szenen eingebaut. Als Hörer ist man mitten im Geschehen, ohne gestresst zu werden.

    Das Cover zeigt die Szene, in der Jabez Wilson, sichtlich erschrocken, vor der verschlossenen Tür mit der Notiz steht. Gezeichnet wurde es von Ertugrul Edirne.

    Fazit: Ein amüsanter Klassiker aus Arthur Conan Doyles Feder, der geschickt in eine Hörspielfassung adaptiert wurde.

    SF-Zone

    Ein weiterer Klassiker aus der Sammlung von Arthur Conan Doyle − eine Rezension von Christiane Gref.


     

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    Tag der Anarchie

    Kino-Guide Juli 2014

    "The Purge 2: Anarchy"  (USA 2014)


     

    Regie

    James de Monaco

    Drehbuch

    James de Monaco

    Darsteller

    Frank Grillo (Leo), Carmen Ejogo (Eva), Zach Gilford (Shane), Kiele Sanchez (Liz), Zoe Soul (Cali), Michael K. Williams

    Start

    31. Juli 2014


    Inhalt
    USA in naher Zukunft: Einmal im Jahr ist für zwölf Stunden jede Art von Kriminalität inklusive Mord legal und völlig straffrei. Es handelt sich um die sogenannte Säuberung. Das Paar Shane und Liz ist auf dem Weg nach Hause zu seinen Kindern, als ihr Auto stehen bleibt. Genau dann beginnt die Säuberung, und sie müssen sich zu Fuß auf die Flucht vor maskierten Angreifern machen. Unterdessen ist Leo unterwegs, um sich an dem Mörder seines Sohnes zu rächen, und Eva und Cali, Mutter und Tochter, fliehen aus ihrem Haus, das von Randalierern zerstört wird. Die fünf Leute treffen sich schließlich und versuchen gemeinsam, die mörderische Nacht zu überleben.

    Erwartung
    Passabel bis gut. Mit "The Purge" gelang Regisseur James de Monaco 2013 ein Überraschungshit. Dementsprechend hat man nicht lange gewartet und bringt bereits ein Jahr später mit "The Purge: Anarchy" die Fortsetzung in die Kinos. Wie in Teil 1 scheint der gesellschaftskritische Unterton des Films klar durch. Der Film spielt diesmal mehr auf den Straßen, wodurch er sicherlich eine etwas andere Dynamik als der Vorgänger erhält. Mit Frank Grillo ist zudem ein Schauspieler dabei, der in seiner Rolle in "Captain America: The Winter Soldier" in diesem Jahr bereits profilieren konnte. Ansonsten funktioniert "Anarchy" weitestgehend nach dem Muster des ersten Films. Bahnbrechendes sollte man also nicht erwarten.

    Fazit: Wer Teil 1 mochte, wird sicher nicht enttäuscht.






    "The Signal"  (USA 2014)


     

    Regie

    William Eubank

    Drehbuch

    Carlyle Eubank, William Eubank, David Frigerio

    Darsteller

    Brenton Thwaites (Nic Eastman), Laurence Fishburn (Dr. Wallace Damon), Olivia Cooke (Haley Peterson), Lin Shaye (Mirabelle), Beau Knapp (Jonah Breck)

    Start

    10. Juli 2014


    Inhalt
    Die zwei Hacker Nic und Jonah sowie Nics Freundin Haley sind Studenten am MIT. Während die drei sich auf eine Tour durch das Land begeben, fangen sie ein Signal des Hackers Nomad auf und verfolgen es bis in die Wüste Nevadas. Als sie den Ursprung des Signals erreichen, kommt es zu einer unheimlichen Begegnung und alle drei verlieren das Bewusstsein. Nic wacht in einem geheimen Forschungslabor wieder auf und wird dort von dem Wissenschaftler Dr. Wallace Damon verhört. Doch das ist erst der Anfang einer Reihe von mysteriösen Ereignissen.

    Erwartung
    Passabel bis Gut. "The Signal" ist das zweite Werk des Regisseurs William Eubank, der mit seinem Erstling "Love" bereits einen Sci-Fi-Geheimtipp geschaffen hat. Er erschafft in seinem zweiten Film einen vielschichtig angelegten Mix aus Science-Fiction, Thriller, Mystery- und sogar Superheldenelementen. Die Atmosphäre wirkt sehr dicht und gut gestaltet und auch die visuellen Effekte sind sehr ansehnlich. Allerdings weist die durch etliche Wendungen geprägte Handlung einige Schwächen auf.

    Fazit: Recht ordentliche Mischung aus Sci-Fi und Thriller.












    Weitere Kino-Starts aus den Genres Science-Fiction, Fantasy und Horror

    Transformers: Ära des Untergangs; Start: 17. Juli 2014; Einschätzung: schlecht. Vierter Teil einer Reihe, die schon beim ersten Film nicht gut war.
    Drachenzähmen leicht gemacht 2; Start: 24. Juli 2014; Einschätzung: sehr gut. Überaus gelungene Fortsetzung des Fantasy-Trickfilm-Erfolges von 2010.
    Die innere Zone; Start: 31. Juli 2014; Einschätzung: schlecht. Langweiliger und uninspirierter Science-Fiction-Film aus Deutschland.


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    Das erste Marsjahr ist geschafft

    Curiosity feiert Jubiläum

    Heute vor 687 Tagen − dies entspricht 669 "Sols" auf dem Mars beziehungsweise genau einem Marsjahr − erfolgte die Landung des von der US-amerikanischen Weltraumbehörde NASA betriebenen Marsrovers Curiosity. Bereits kurz darauf begann der Rover damit, die unmittelbare Umgebung seines im Inneren des Gale-Kraters gelegenen Landeplatzes mit den zehn mitgeführten Instrumenten zu untersuchen. Noch während der Inbetriebnahmephase der Instrumente konnten dabei einige der wissenschaftlichen Zielsetzungen, welche die NASA mit dieser Mission verknüpft hat, erfüllt werden.

    Bereits Ende September 2012 gaben die an der Mission beteiligten Wissenschaftler bekannt, dass Curiosity offenbar in einem uralten Flussbett gelandet war, in dem vor mehr als 3,5 Milliarden Jahren größere Mengen an Wasser geflossen sind (Raumfahrer.net berichtete). Die Untersuchung einer am 9. Februar 2013 durch den Gesteinsbohrer des Rovers entnommenen Bodenprobe führte nur wenige Wochen später zu dem historischen Befund, dass unser äußerer Nachbarplanet in der Vergangenheit tatsächlich Umweltbedingungen aufwies, welche die Entstehung von einfachen mikrobiologischen Lebensformen prinzipiell ermöglicht haben könnten (Raumfahrer.net berichtete).

     
     

    Das Ziel: Der Zentralberg im Inneren des Kraters.


    Nach dem Abschluss seiner ersten Untersuchungskampagne in der Region "Glenelg/Yellowknife Bay" begann Curiosity schließlich im Juni 2013 mit der Fahrt zu seinem eigentlichen Ziel − dem im Inneren des Gale-Kraters gelegenen Zentralberg Aeolis Mons. Aufnahmen von verschiedenen Marsorbitern zeigten bereits im Vorfeld der Curiosity-Mission, dass dieser etwa 5.500 Meter hohe Berg über einen ausgeprägten Schichtaufbau verfügt. In den einzelnen Schichten ist − vergleichbar mit den Steilwänden des Grand Canyon im US-Bundesstaat Arizona − die langfristige klimatologische und geologische Geschichte dieser Region der Marsoberfläche enthalten.

    Anders als in Bohrkernen liegen diese Informationen dabei offen zutage und sind für Curiosity mehr oder weniger leicht einsehbar. Durch eine langsame, mit ausführlichen Analysen von aus geologischer Sicht interessant erscheinenden Ablagerungen verbundene "Besteigung" des Berges soll diese Geschichte in den kommenden Jahren Schritt für Schritt entschlüsselt werden. Auf diese Weise erhoffen sich die auf die Erforschung des Mars spezialisierten Planetologen Erkenntnisse darüber, wann, wie, warum und in welchem Zeitraum sich das Klima und die Umweltbedingungen auf dem Mars einstmals so dramatisch verändert haben.

    Vor dem Erreichen des geplanten "Einstiegspunktes" an der Basis des Aeolis Mons lag allerdings noch eine Strecke von mehr als acht Kilometern vor dem Rover. Auf der dabei vorgesehenen Route hatten die beteiligten Wissenschaftler mehrere Stellen ausgewählt, an denen der Rover jeweils mehrtägige Stopps für ausführlichere wissenschaftliche Untersuchungen einlegen soll.

    Das wissenschaftliche Ziel dieser Analysen besteht darin, Informationen über die Geologie des Geländes zu sammeln, welches sich zwischen der Region "Glenelg/Yellowknife Bay" und dem Aeolis Mons befindet. Diese Daten sollen den Wissenschaftlern dabei helfen, die bisher gewonnenen Informationen in einen Kontext zu den Erkenntnissen zu setzen, welche zukünftig bei den geschichteten Gesteinsablagerungen des Zentralberges erlangt werden sollen. Ein spezielles Augenmerk wird dabei auf geologische Strukturen gerichtet, welche offensichtlich durch fließendes Wasser erzeugt beziehungsweise verändert wurden.

    Der bisher letzte dieser Wegpunkte, die Region "Kimberley", wurde am 15. Mai 2014 verlassen (Raumfahrer.net berichtete). Seitdem hat Curiosity im Rahmen von insgesamt 24 einzelnen Fahrten eine Gesamtstrecke von etwa 1.560 Metern zurückgelegt.

     
     

    Weite Fahrten in kurzer Abfolge.


    Die Priorität der an der Mission beteiligten Wissenschaftler und der für die Steuerung von Curiosity verantwortlichen Roverdriver besteht dabei darin, sich möglichst schnell dem vorgesehenen Ankunftspunkt an der Basis des Aeolis Mons zu nähern. Statt die zur Verfügung stehende Zeit und Energie in erster Linie für wissenschaftliche Untersuchungen zu nutzen, werden deshalb stattdessen möglichst große Tagesetappen absolviert. Bei einigen der in den letzten Tagen absolvierten Fahrten wurden dann pro Tag auch Strecken von teilweise deutlich mehr als 100 Metern überbrückt.

    "Wir können mittlerweile auch längere Fahrten durchführen und dabei das anwenden, was wir zuvor gelernt haben", so Jim Erickson, der Projektmanager der Curiosity-Mission am Jet Propulsion Laboratory (JPL) der NASA in Pasadena/Kalifornien.

    Speziell bezieht sich dies auf den aktuellen Zustand der sechs Räder, mit denen der Rover ausgestattet ist. Jedes dieser Räder verfügt über einen Durchmesser von 51 Zentimetern und eine Breite von 40 Zentimetern. Die lediglich 0,75 Millimeter starken Laufflächen dieser Räder, auf denen das gesamte Gewicht des 899 Kilogramm schweren Rovers lastet, bestehen aus einer Aluminiumlegierung und sind mit verschiedenen Querrippen an den Oberseiten und Ringen an den Innenwänden verstärkt.

    Bereits im Rahmen der ausführlichen Tests, welche im Vorfeld der Mission auf der Erde durchgeführt wurden, zeigte sich, dass diese Räder bei ihrem Einsatz auf dem Mars nach einer gewissen Zeit verschiedene Beschädigungen wie zum Beispiel Dellen, aber auch Löcher und Risse aufweisen würden. Diese zu erwartenden Beschädigungen wurden von den für die Planung der Mission verantwortlichen Ingenieuren der NASA als für die Mission nicht bedrohlich eingeschätzt. Auch mit erheblich beschädigten Laufflächen, so zum Beispiel Matt Heverly, der Leiter des Roverdriver-Teams, welches für die Steuerung des Rovers verantwortlich ist, wird Curiosity auch weiterhin in der Lage sein, seine Fahrt fortzusetzen.

    Und tatsächlich − schon nach wenigen Fahrten über die Marsoberfläche zeigten sich bereits im Jahr 2012 auf den Laufflächen der Räder einzelne Kratzer und Dellen. In der Folgezeit bildeten sich zudem verschiedene Löcher und teilweise mehrere Zentimeter lange Risse. Diese zuletzt vermehrt auftretenden "Abnutzungserscheinungen" resultieren laut den Einschätzungen der in die Mission eingebundenen Techniker und Ingenieure daraus, dass Curiosity speziell im vierten Quartal des Jahres 2013 ein Gelände überquerte, auf dessen felsigen Untergrund sich eine Vielzahl zwar nur wenige Zentimeter großer, dafür aber scharfkantiger Steine befand. Beim Überfahren dieser Steine traten dann die Mehrzahl der jetzt zu beobachtenden Beschädigungen auf.

    Um die Belastung der Räder in Zukunft möglichst gering zu halten, sind die Roverdriver mittlerweile darum bemüht, Curiosity über ein Gelände zu steuern, welches möglichst wenig Steine oder felsigen Untergrund beherbergt. Aus diesem Grund wurde auch die zukünftige Route leicht abgeändert. Auf dem zukünftigen Kurs wird der Rover einen größtenteils sandigen Untergrund überqueren.

    "Wenn man einen fremden Planeten erkunden will, dann muss man auch mit Überraschungen rechnen. Die scharfkantigen Steine im Sand waren eine böse Überraschung, Yellowknife Bay dagegen eine gute", so die Beurteilung von Jim Erickson. Auch in den kommenden Wochen soll zunächst einmal hauptsächlich gefahren werden, um dem Aeolis Mons möglichst schnell näher zu kommen. Nach der bisher letzten Fahrt, welche erst vor wenigen Stunden erfolgte − hierbei wurden innerhalb von 65 Minuten weitere 42 Meter zurückgelegt − beträgt die Entfernung zu dem Ankunftspunkt noch etwa 3.700 Meter.

    Bis zum heutigen Tag, dem Sol 669 seiner Mission, hat der Marsrover Curiosity mehr als 8.000 Meter auf der Marsoberfläche zurückgelegt. Dabei hat der Rover mit seinen Kamerasystemen über 160.000 Bilder aufgenommen und an das Roverkontrollzentrum des Jet Propulsion Laboratory (JPL) in Pasadena/Kalifornien übermittelt. Diese Aufnahmen sind für die interessierte Öffentlichkeit auf einer speziellen Internetseite des JPL einsehbar.

    Der Rover Curiosity ist mittlerweile seit 669 Tagen − dies entspricht exakt einem Marsjahr − auf der Marsoberfläche aktiv. Dies markiert zugleich auch das Ende der Primärmission für den Rover, dessen Mission ursprünglich für die Dauer von einem Marsjahr ausgelegt war. Allerdings hatte sich die NASA erwartungsgemäß bereits vor längerer Zeit dazu entschlossen, diese bisher überaus erfolgreich verlaufene Mission auch weiterhin fortzusetzen. Sollten keine unvorhergesehenen technischen Probleme auftreten, so dürfen wir in den kommenden Monaten und Jahren auch weiterhin auf faszinierende Bilder und Messergebnisse von unserem Nachbarplaneten gespannt sein.

    Weiterführende Links

  • TZN Raumfahrer.net: Curiosity Sonderseite
    Erfahren Sie hier mehr über Curiosity.

  • Raumfahrt-News

    Ralph-Mirko Richter blickt zurück auf die bislang aufwändigste Marsmission.


     

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