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TZN

incoming message

"Er ist nicht tot − solange wir an ihn denken."


April 2015

 

ISSN 1684-7385

Volume VI

Ausgabe 148 (#201)

 features

 

Leonard Nimoy

Abschied von Spock

Rabbi John Rosove erzählt

Definition von Trek

Unterschiedliche Meinungen

Was ist eigentlich "Star Trek"?

Pimp my Enterprise

Heimwerkerkönige gefragt

Wie man "Star Trek"-Modelle aufmotzen kann

 

Statt eines Vorwortes


Kirk: "Von meinem Freund kann ich nur dieses sagen: Von allen Seelen, die mir begegnet sind auf meinen Reisen, war seine die … die menschlichste.”

("Star Trek II: Der Zorn des Khan" − Über Spock auf Spocks Trauerfeier)


Am 27. Februar 2015 verlor die Welt einen großartigen Schauspieler, Regisseur, Filmproduzenten, Autor, Musiker und Fotografen. Leonard Nimoy starb in Bel Air, Los Angeles, Kalifornien an einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) im Alter von 83 Jahren. Fast fünfzig Jahre lang verkörperte er einen der wichtigsten Charaktere im "Star Trek"-Universum und prägte es nachhaltig. Die Nachricht von seinem Tod löste eine Welle in sämtlichen Medien aus. Unzählige Artikel erschienen und würdigten sein Wirken. Auch das TZN gedachte seiner:

Über 80 aber kein Rentner
Leonard Nimoy − Ein Nachruf
Reaktionen auf den Tod von Leonard Nimoy
Leonard Nimoy beigesetzt

Ich möchte mich in der Trauer eines Fans um einen Schauspieler und in der Anteilnahme eines Menschen den Worten meines Kollegen Christian Freitag anschließen: "Ich gebe zu, dass ich den Fankult mit zunehmendem Alter nicht mehr so intensiv betrieben habe wie noch vor zwanzig Jahren. Auch man selbst verändert sich. Und so verlor ich die Altstars etwas aus den Augen, wusste aber hin und wieder von Auftritten, dass sie noch da waren und das gab ein beruhigendes Gefühl, wie eine wohlige Decke, mit der man sich zudecken konnte." Nun ist diese Decke verschwunden. Es ist kalt geworden. Leer.

Und es muss ein einsamer Geburtstag für William Shatner gewesen sein. Am 22. März 2015 wurde er 84 Jahre alt. Er ist nunmehr der Letzte des Triumvirates.

Noch immer tief bewegt verbleibe ich für heute ...


Melanie Brosowski
Chefredakteurin

 
   

Inhalt

Die ganze Ausgabe auf einen Blick

Nimoy lehnte Deutschlandbesuch zunächst ab

Rabbi John Rosove erzählt, was er in der Trauerrede bei der Beisetzung über den Schauspieler sagte

Leonard Nimoy

Ein Nachruf

Warum man "Star Trek" nicht (mehr) definieren kann

Ein paar Gedanken zu Vergangenheit und Zukunft

Pimp my Enterprise

Meine persönliche "Star Trek"-Modellbau-Geschichte

Der Boaco-Zwischenfall

Eine fast geglückte Revolution

"Ein Ruf in die Dunkelheit"

Die Utopie der Föderation trifft hier auf eine absolut gegenteilige Dystopie

Captain Future startet durch

Ein Gespräch über die neuen Folgen

Platte Füße, aber ein Lächeln im Gesicht

Das war die Leipziger Buchmesse 2015

Der Gigant nimmt Form an (Teil 2)

Fortschritte beim Bau des James-Webb-Teleskops

Impressum

Redaktion, Abonnement und Copyrights

Zitate, die den Charakter Spock prägten ...

"Faszinierend."

"Das Wohl vieler ist wichtiger als das Wohl weniger, oder eines Einzelnen."

"Ich war es und werde es immer sein, Ihr Freund. Leben Sie lange und in Frieden."


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Nimoy lehnte Deutschlandbesuch zunächst ab

Rabbi John Rosove erzählt, was er in der Trauerrede bei der Beisetzung über den Schauspieler sagte

Es ist kein Geheimnis, dass Leonard Nimoy gläubiger Jude war und verschiedene Aspekte seiner Religion in die Figur des Spock einfließen ließ − wie etwa den Vulkaniergruß, der anlässlich seines Todes häufig zu sehen war.

Die Zugehörigkeit zum Judentum hielt ihn aber auch viele Jahre davon ab, "Star Trek"-Conventions in Deutschland zu besuchen. Darüber sprach Rabbi John Rosove, der Cousin von Nimoys Frau, in seiner Trauerrede am Tag der Beisetzung des Schauspielers.

"Einmal fragte mich Leonard, was ich davon hielte, wenn er eine Einladung nach Deutschland annähme, vor Tausenden von 'Star Trek'-Fans zu sprechen (2)", sagte Rosove in der Trauerrede, die er auf ReformJudaism.org veröffentlichte. "Er erzählte mir, er sei schon früher darum gebeten worden, habe aber die Einladung stets abgelehnt, weil ihm nicht wohl dabei war, ein Land zu besuchen, in dem sechs Millionen Juden ermordet worden waren."

Rosove gab Nimoy jedoch letztlich den Rat, er solle diese Einstellung hinter sich lassen und nach Deutschland reisen. Die Deutschen hätten zwar ohne Frage eine Geschichte, auf die sie niemals stolz sein werden. Aber es gebe auch eine neue Generation von Deutschen, die viel von Nimoy über dessen Judentum sowie über die "jüdische Dimension von Spocks Persönlichkeit und Weltanschauung" lernen könnten.

"Nach seiner Rückkehr sagte er mir, er habe dem deutschen Publikum seine jüdische Lebensgeschichte erzählt. Spocks Gruß mit dem abgespreizten Mittel- und Ringfinger sei eine Geste, mit der der jüdische Hohepriester die Gemeinde segne. Dieses Bild entstamme seiner frühesten Kindheit, als er am Morgen des Schabbes (Sabbat) die Schul (Synagoge) in West-Boston mit seinem Großvater besucht habe. Dabei habe er hinter dessen Tallit (1) hervorgelugt, als die Kohanim-Priester die Hände zum Segen über die Versammlung erhoben", so Rosove. "Er erzählte mir, dass man ihm nach seinem Vortrag lang anhaltenden Beifall spendete. Dies sei für ihn eine der bewegendsten Erfahrungen seines gesamten öffentlichen Lebens gewesen."

 
 

Ende der 1980er-Jahre war der Schauspieler vom Staatlichen Filminstitut der UdSSR nach Moskau eingeladen worden, um über den Film "Star Trek IV: Zurück in die Gegenwart" zu sprechen, bei dem er auch Regie geführt hatte.


Nimoy versuchte auch, Barrieren anderer Art zu durchbrechen, nämlich keine geringere als den Eisernen Vorhang. Dieser trennte Angehörige seiner Familie, die in der Ukraine im damaligen Ostblock lebten, von den Nimoys, die von dort in die USA ausgewandert waren. Ende der 1980er-Jahre war der Schauspieler vom Staatlichen Filminstitut der UdSSR nach Moskau eingeladen worden, um über den Film "Star Trek IV: Zurück in die Gegenwart" zu sprechen, bei dem er auch Regie geführt hatte. Nimoy gab daraufhin zur Antwort, er werde nur dann kommen, wenn ihm gestattet würde, nach Isjaslaw zu reisen, damit er dort Verwandte besuchen könne, denen er noch nie begegnet war.

"Dies wurde jedoch von den zuständigen Stellen der Sowjets verweigert, daher lehnte Leonard ab", erzählt Rosove. "Dann überlegten sie es sich aber doch noch anders und gaben nach. Er und Susan besuchten die ukrainischen Nimoys, sodass die Familie seit über 80 Jahren wiedervereint war. Wer außer Leonard Nimoy würde sich mit der früheren Sowjetunion anlegen und sich dabei auch noch durchsetzen?"

Rosove sprach zudem über die letzten Augenblicke im Leben des Schauspielers am Morgen des 27. Februar 2015, als "ihn seine Seele verließ".

"Seine Familie versammelte sich um ihn, um ihm ihre Liebe zum Ausdruck zu bringen", erzählt er. "Leonard lächelte und dann war er schon von uns gegangen. Es war ein sehr sanfter Tod, so schmerzlos, wie wenn ein ‚Haar aus der Milch gezogen wird ... so beschreibt der Talmud den Augenblick des Todes."

"Was hat Leonard wohl in diesem Moment gesehen? Das können wir nicht wissen. Aber Susan (3) stellt sich vor, dass er seinen geliebten Cockerspaniel Molly vor Augen hatte, der für ihn im Leben eine engelhafte Präsenz darstellte und nun auch im Tod."

Rabbi Rosove ist seit 1988 Leiter der Synagoge Temple Israel of Hollywood und war mit Nimoy schon bekannt, noch bevor dieser Ende der 80er-Jahre Susan Bay heiratete. Der Ort von Nimoys Beisetzung wurde nicht publik gemacht, sodass die Familie und seine Freunde in Ruhe trauern konnten und eine radikal-religiöse Gruppierung die Feier nicht stören konnte (4).

Der Rabbiner nannte auch Nimoys hebräischen Namen, der für gewöhnlich anlässlich der Bar-Mitzwa (5) vergeben wird. Er lautet Yehuda Lev und bedeutet: Ein Jude mit einem Herzen.

"Seine Interessen und Neigungen waren im jüdischen Glauben und in der Überzeugung verankert, dass jedem Menschen eine besondere Würde innewohnt", erklärt Rosove. "Er behandelte jeden mit Freundlichkeit und Respekt ohne Ansehen der gesellschaftlichen Stellung, egal ob Freund oder Fremder. Seine Einstellung und seine Erfahrungen als Jude bereicherten seine Weltanschauung."


Anmerkungen des Übersetzers
1 jüdischer Gebetsmantel
2 Es handelt sich hierbei um die FedCon VII vom 30. April bis 2. Mai 1999 in Bonn
3 Susan Bay, Nimoys zweite Frau
4 Die Westboro Baptist Church demonstriert häufig während der Beisetzung Prominenter, da die Gruppierung deren liberale Ansichten nicht teilt. In diesem Fall konnte sie den Beisetzungsort jedoch nicht in Erfahrung bringen und musste den Protest absagen.
5 Der Tag, an dem ein Junge im Judentum die Religionsmündigkeit erhält, üblicherweise nach Vollendung seines 13. Lebensjahres. 

Weiterführende Links

  • 1701news.com
    Nimoy resisted going Germany.

  • Trek-Zone

    Von Michael Hinman, aus dem Englischen von Clemens Ganz.


     

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    Leonard Nimoy

    Ein Nachruf

    Mit dem Raumschiff USS Enterprise durchs weite All,
    als Mr. Spock flog er zwischen Sternen mit Überschall.


    Leonard Nimoy wurde am 26. März 1931
    in Boston, Massachusetts geboren.
    Am 27. Februar 2015 hat er seine Sterblichkeit verloren,
    sein Bild als Mr. Spock bleibt jedoch auf ewig eingefroren.


    Als Schauspieler in der Rolle
    des Mr. Spock ist er weltbekannt,
    1985 wurde auf dem Walk of Fame
    ein Stern nach ihm benannt.


    Von 1966 bis 2013 verkörperte er Mr. Spock,
    sein Tod ohne Rückkehr ist für viele ein Schock.
    Insgesamt 47 Jahre lang spielte er diese Rolle,
    kriegte sich dabei oft mit William Shatner in die Wolle.


    Wie in Teil drei "Auf der Suche
    nach Mr. Spock" gezeigt,
    wünschen wir, dass sich die Uhr
    noch nicht dem Ende neigt.


    Doch, wo können wir nach ihm suchen,
    wenn nicht in unseren Herzen?
    Seine Seele leuchtet zwischen den Sternen
    wie tausende von Kerzen.


    Herbert Weickert verlieh ihm
    die deutsche Stimme,
    in 23 Jahren sprach er
    108 Mal in Mr. Spocks Sinne.


    So strecken wir die Hand und winken Dir,
    spreizen die Finger in vulkanischer Manier.

    Trek-Zone

    Ein gereimter Nachruf von Phil Green.


     

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    Warum man "Star Trek" nicht (mehr) definieren kann

    Ein paar Gedanken zu Vergangenheit und Zukunft

    Der Wechsel von "Raumschiff Enterprise" zu "Star Trek" war reine Formsache. Immerhin hieß das auch in Deutschland heiß begehrte Franchise schon "Star Trek", seit es erstmals 1966 ausgestrahlt wurde. Jedenfalls in Amerika.

    Als viele Jahre später "Raumschiff Enterprise" im Fernsehen lief, prägte der Titel dennoch − wie ich behaupte − eine ganze Generation von Trekkies, für die "Star Trek" später grundsätzlich etwas mit DEM Raumschiff zu tun haben sollte.

    In den 70ern war "Raumschiff Enterprise" noch Mangelware und heiß begehrt. Überhaupt gab es damals wenig für Kinder und Jugend unterhaltsames (dafür in der Regel zukünfitig kultiges) Fernsehen in Deutschland. "Raumschiff Enterprise" war eine sehr übersichtliche Serie, aus der das ZDF zudem nur eine Hand voll für das deutsche TV aussuchte.

    Mit dem Einzug der "nächsten Genration" hieß "Star Trek" (wie man es inzwischen aus den Kinos kannte) wieder "Raumschiff Enterprise" und zwar "das nächste Jahrhundert". Für den deutschen Fan der ersten Stunde bewahrheitete sich, "Star Trek" IST "Raumschiff Enterprise". Später übernahm Sat.1 und führte den Originaltitel ein: "Star Trek − die nächste Generation".

    Da die Serie sehr erfolgreich war, purzelten auch gleich ein paar Nachfolgeserien nach, die jenem Fan der ersten Stunde ent-tabuisierend erscheinen mochten: Das "Raumschiff Enterprise" wurde zur unwichtigen Nebenrolle degradiert, kam in jener Serie (DS9) nur in einer Episode vor, während das Raumschiff bzw. seine Besatzung in "Voyager" nur mal aus der Schiffsbibliothek erwähnt wurde (oder mit Sulu einen Gast hatte; allerdings von der Excelsior).

    Der Sammelbegriff "Star Trek" galt nun nicht mehr allein als Synonym für "Raumschiff Enterprise", sondern als Oberbegriff für Science-Fiction Serien, welche irgendwie im "Star Trek"-Universum spielten. Da auch der ethisch-moralische Inhalt Roddenberrys (und seiner Anhänger aus Gründertagen der Reihe, wie Gene L. Coon und Robert Justman) nicht mehr so absolut und unabdingbar geworden war, verlor "Star Trek" nicht nur seine "deutsche" Definition über das einst namensgebende Raumschiff, sondern es verlor auch "Konsistenz". DS9 war − so sehen es viele Fans − eben "realistischer" (was nie Roddenberrys Absicht war: eine auf Werten und Sichtweise der Gegenward beruhende "realistische Serie" zu schaffen!). Dass die Voyager in einen weit entfernten Quadranten geschickt wurde, befreite Berman und seine Autoren ebenfalls ein wenig von Roddenberrys visionären, aber auch anspruchsvollen Vorgaben. Von nun an gab es nur noch äußerliche Definitionen von "Star Trek": Die Designs der Raumschiffe etwa, die Uniformen, die Rangbezeichnungen in den Serien.

    Als Rick Berman schließlich mit der Serie "Enterprise" ins Feld zog, schoß er − speziell für "Erst-Stunden-Deutsche" − den Vogel ab: kein "Star Trek" mehr im Titel, auch kein "Raumschiff", sondern nur "Enterprise". Einerseits wirkte der Titel verstümmelt, andererseits auch versöhnlich. Wollte man sich doch − so prädigte es Berman auch damals − wieder auf das "Wesentliche" beziehen. Was er nicht bedachte war dies: Es hatte längst eine Änderung der Definition von "Star Trek" stattgefunden!

    "Enterprise" begann sehr erdig und ansprechend, wobei sich die Serie, wie angekündigt, vorerst der Erforschung des Weltraums widmete. Leider verfielen die Macher der Serie schon ab Staffel 2 in das alte "Alien der Woche"-Schema und wandten sich damit von dem fremdartigen, erst noch zu erkundenden Weltraum ab. Es war ja schon alles da! Es musste nichts mehr erforscht werden! Damit hatte sich das eigentlich angestrebte Thema, und damit die Prämisse der Serie, schon in Staffel 2 erledigt. Danach griff man, CBS wurde ungeduldig, in die alte Trickkiste und zog Krieg, Terror und Sex hervor. Many Coto bemühte alte Themen der ersten Serie, teils sehr zum Gefallen der Zuschauer, aber insgesamt doch zu spät.

    "Star Trek" hatte sich − während eines kreativen und durchaus unterhaltsamen Prozesses − selbst ausgehöhlt. Ursache dafür war das verständliche Profitstreben seitens CBS, verbunden mit der Tatsache, dass es den Autoren unmöglich war, originell zu bleiben; zumal ohne dabei Roddenberrys Visionen − noch mehr − zu negieren. Seither ist "Star Trek" bunt und verwirrend: Frage fünf "Star Trek"-Fans, was "Star Trek" ausmacht, und du bekommst sieben Ansichten. Diese unterschiedlichen Anichten machen es jedem neuen Werk unter dem Schriftzug "Star Trek" unmöglich, allen Fans gerecht zu werden. Wer z.B. DS9 als erste Serie erlebt hat, wird etwas komplett anderes unter "Star Trek" verstehen als jemand, der mit TNG anfing.

    Als Abrams sich um die "Reanimation" von "Star Trek" kümmerte, schaffte er etwas Großes: Er brachte in den Filmen einerseits die Bedürfnisbefriedigung üblicher Kinogänger unter, bediente gleichzeitig Fans der ersten (und zweiten) Stunde und − das ist das wahre Kunststück − legte sich in Bezug auf Ethik und Moral nicht ein bischen fest: Die Filme machen zwar den Eindruck, nachdenkliche Filme zu sein, sind es aber nicht. Sie haben ihre großartigen Momente, jedoch nicht viel mehr ethische Inhalte als "Stirb langsam". Was die Filme allerdings aufwertet, ist die lodernde Flamme der Begeisterung in manchen Fans. Aber Fans − wovon?

    Was ist "Star Trek" nach alledem wirklich?

    Ich denke, was dem Trekkie allein übrig bleibt, ist, für sich selbst eine ganz eigene Definition von "Star Trek" zu erarbeiten. Eine gemeinsame, universelle wird es nicht mehr geben. Zu unterschiedlich ist das, was uns unter dem selben Banner präsentiert wurde! Gleich in der Erscheinungsform, komplett unterschiedlich in den Inhalten! Jeder Fan wird hoffen, dass die Serie, die ihn am meisten geprägt hat, auch in zukünftigen Werken wiederzuerkennen sein wird. Für mich sind es die ersten zwei Serien, auch bekannt unter dem Namen "Raumschiff Enterprise".

    Trek-Zone

    Gedanken von Matthias Wieprecht.


     

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    Pimp my Enterprise

    Meine persönliche "Star Trek"-Modellbau-Geschichte

    "Star Trek"-Fan Leo Höfner baut seit den 70er-Jahren Raumschiff-Modelle. Aber er belässt es nicht nur beim Zusammensetzen eines Bausatzes. Leo versieht jedes Modell individuell mit Beleuchtung. Uns hat er verraten, wie das funktioniert.

    Die allererste Ausstrahlung von "Raumschiff Enterprise", die 1972 im ZDF lief, faszinierte mich total. Keine Folge konnte ich auslassen.

    Schon damals begann ich die Sendungen aufzuzeichnen. Auf Kassette, mit dem Mikrofon vor dem Fernseher sitzend in der Hoffnung, dass niemand die Aufnahme störte.

    Ich war seit meiner frühesten Jugend mit dem Bauen von Plastikmodellen beschäftigt. Als ich dann irgendwann die Möglichkeit bekommen hatte, das Modell der Enterprise aus der Fernsehserie als Bausatz zu kaufen, musste ich die Gelegenheit nutzen.

    Das war der erste bei uns überhaupt erhältliche "Star Trek"-Bausatz von AMT/Ertl. Mein Hauptaugenmerk lag natürlich darauf, das Modell zu bauen und anzumalen. Aber was ist schon das Zusammenbauen und das Anmalen? Da musste doch noch mehr sein.

    Das beginnende Zeitalter mit LEDs und mein schon damals vorhandenes Interesse, Bausätze individueller zu gestalten und mit Beleuchtung zu versehen, ließen mein erstes Modell der NCC 1701 (ohne verdammtes A-B-C oder D) entstehen. Hochglänzend in weiß, mit Pinsel gestrichen, einige Rotznasen im Lack, aber selbst gemacht. Zwei Drähte kamen dabei aus dem Rumpf heraus, um die Beleuchtung mit 12 V zu versorgen. Nur sporadisch mit Beleuchtung ausgestattet, war es für mich zur dieser Zeit ein absolutes Highlight.

    Der nächste Schub kam mit der Veröffentlichung des Kinofilmes "Der Zorn des Khan". Hier war auch die Versorgung mit Modellbausätzen wesentlich besser, sodass ich relativ schnell an das "REFIT"-Modell herankam. Auch hier setzte ich wiederum die LEDs ein, dieses Mal aber wesentlich umfangreicher.

     
     

    Für die Beleuchtung des Deflektors opferte ich schließlich eine alte Taschenlampe, die mit ihrer passenden Größe des Reflektors ihren Teil zum Modell beitrug.


    Daraus resultierte für das Modell auch der Verbrauch von 30 Watt. Es waren zwar gelbe LEDs, aber die Beleuchtung hatte trotzdem ihren Charme. Ganze LED-Konstrukte, die aussahen wie Unimatrix Zero in "Voyager", welche die Beleuchtungspunkte der Untertassensektion nachbildeten, wurden zusammengelötet, mit Vorwiderständen versehen und eingeklebt. Die Panoramafenster im Rumpf habe ich dann mit rechteckigen grünen LEDs ausgefüllt, da es nichts anderes Passendes gab. Für die Impulstriebwerke wurden es rote rechteckige Teile, bestehend aus mehreren LEDs, die ich passend feilte. Für die Beleuchtung des Deflektors opferte ich schließlich eine alte Taschenlampe, die mit ihrer passenden Größe des Reflektor ihren Teil zum Modell beitrug.

    Die blaue Farbe, die ich verwendete, kam von einem Plastikdeckel einer Lebensmittelverpackung. In den Warpgondeln gab es nur die Blitzlichter und einige wenige LEDs für die Positionsbeleuchtung. Blaue LEDs gab es noch nicht und ich hatte damals auch noch kein Werkzeug, um saubere größere Öffnungen für weitere Effekte herzustellen.

    Mit weißer Farbe aus der Spraydose lackiert, stellte das schon einen Fortschritt dar, was die Bemalung anging. Decals aufgebracht und fertig war der modifizierte Bausatz. Das Modell hatte verschiedene Stromkreise, sodass man nicht nur die Beleuchtung, sondern auch Impulstriebwerke, Deflektor, Blitzlicht-Effekte und Ähnliches einschalten konnte. Aus der Unterseite des Rumpfes des Modells kamen zehn Drähte heraus.

    Das Modell verschraubte ich dann auf einem selbstgebogenen Alublech, das ich auf einem Ständer aus Holz befestigte, welcher auch die Schalter für die verschiedenen Beleuchtungen und Effekte enthielt. In diesem Modell wurden schon die ersten Elektronikschaltungen eingebaut, um die Steuerbord/Backboard-LEDs rot und grün, sowie mit einem Flasher-Bausatz die Lichtblitze der Positionslichter blinken zu lassen. Die Menge an verbauten LEDs und Elektronik ließen den Stromverbrauch des Modells sprunghaft ansteigen. Es wurde mit einem 50-W-Netzteil betrieben.

    "Star Trek: The Next Generation"

    Hier war wesentlich mehr Bildmaterial und Detailreichtum als bei den vorher zu sehenden Raumschiff-Szenen vorhanden. Jetzt konnte man sich so richtig satt sehen, was die Details und Lichteffekte anging. Doch die Anzahl der Beleuchtungspunkte auf dem Modell war auch sprunghaft gestiegen, sodass eine Beleuchtung für jeden Lichtpunkt, nur mit LEDs, nicht möglich war.

    Ich entdeckte die Kunststoff-Lichtleitfaser, und die Größe meines Problems verringerte sich. Jeweils 19 gebündelte, ein Millimeter dicke Fasern, mit Draht fixiert und mittels Schrumpfschlauch auf eine LED geklebt − schnell waren etwa 250 Meter Lichtfaser verbaut. Warpgondeln mit mehreren LEDs in blau und Bussard Kollektoren in rot gaben zwar die richtigen Farben wider, aber die lichtschwachen blauen LEDs machten es unmöglich, die blaue Farbe mit einzelnen LEDs zu realisieren, weshalb es nun mehrere blaue Leuchtpunkte in diesem Bereich gibt. Das Highlight bei diesem Modell war ein Lauflicht- Bausatz für die Anfluglichter der Haupt-Shuttlerampe auf der Rückseite der Untertassensektion. Ja, so etwas gab es nicht im Original, aber der Effekt war doch beeindruckend.

    Doch wie die Menge an Drähten aus dem Modell herausführen, ohne es fest auf einen Standfuß zu montieren, wie beim Vorgängermodell. Die Lösung war ein D-Sub-15-Pol- Stecker, der auf der Unterseite eingebaut wurde. So konnte das Modell beleuchtet und geschaltet auf seinem Standfuß ruhen, aber auch abgenommen werden, ohne irgendwelche hinderlichen Drähte. Leider ist das Modell sehr kopflastig, sodass die mechanische Verbindung nicht fest genug ist, um das Modell in seiner Position zu tragen. Hier besteht noch Handlungsbedarf, aber es existiert bereits eine Idee mit einem gelb beleuchteten Acrylstab, der im Bereich der Phaser als Abstützung und Laserabschuss dienen soll. Mit der Spraydose lackiert in seidenmatt weiß, mit Washtechnik etwas mehr Tiefe in die Strukturen hereingebracht, die Decals aufgebracht und fertig war das Modell. Leider habe ich den Standfuß nur auf Funktion gebaut, sodass dieser immer noch sehr provisorisch aussieht. Aber auch hier ist schon ein Update in Sicht.

    Da DS9 nicht wirklich flog und jetzt noch "Voyager" ausgestrahlt wurde, war dieser Bausatz ganz oben auf der Wunschliste. Eine andere Beleuchtungstechnik musste her, da mir die gelben LEDs als Fensterbeleuchtung nicht mehr gefielen. Also mussten es Mini-Glühlämpchen werden, weiße LEDs gab es noch nicht bzw. nicht zu einem erschwinglichen Preis. Als besonderen Effekt kam mir die Idee, Bilder von Innenräumen und die Entwicklung als DIA Positiv. Als Basis dafür dienten die Ordner aus den  offiziellen "Star Trek"-Fakten und Infos, in dem es genügend Bilder dazu gab. Auch wenn diese nicht exakt zur Position im Modell passten, war es doch mal etwas anderes und es erweiterte das Modell um ein interessantes Detail.

    Aber wie beleuchtete ich die Fenster, die im Original nur vorgeprägt waren?
     
     

    Als besonderen Effekt kam mir die Idee, Bilder von Innenräumen und die Entwicklung als DIA-Positiv.


    Ein Loch gebohrt und mit einer Schlüsselfeile eckig gefeilt, das war zwar viel Aufwand, aber relativ schnell erledigt. Das nächste Problem eröffnete sich: Wie sollte man die großen Öffnungen annähernd lichtdurchlässig verschließen? Ein Test mit meiner Heißklebepistole brachte die Lösung: Von innen ausgespritzt und außen bündig mit der Oberfläche abgeschnitten, blieben die Fenster durchsichtig und befanden sich in einer Ebene mit der Oberfläche des Rumpfes. Auch hier kam wieder der LED-Wechselblinker für rot/grün zum Einsatz, ebenso wie das Flash-Modul für die Positionsblitze und rote eckige LEDs für die Torpedorohre. Ich habe auch noch die Hangartür aufgesägt und ein Foto eines Shuttles hinterleuchtet eingeklebt, so war auch hier ein Detail aus dem Inneren zu sehen.

    Dann entstand die Idee, die offenen, unscheinbaren strukturierten Flächen, von welchen ich ausgehe, dass es Sensoren waren, mit einem Lichteffekt auszustatten. Dazu habe ich die verschiedenen Flächen mit 0,5-mm-Lichtleitfasern ausgestattet und ein LED-Lauflicht-Bausatz, mit verschiedenen Farben im Inneren, platziert. So blitzten in diesen Bereichen nun winzige farbige Lichtpunkte auf, was den ansonsten unbenutzten Flächen etwas mehr Aufmerksamkeit verschaffte. Die Schnittstelle zwischen Modell und Standfuß war auch hier wieder eine D-Sub mit 15 Pins. Mangels Zeit blieb dann der fertiggestellte Bausatz einige Jahre liegen, bevor ich wieder Lust hatte weiter zu machen. Eine Airbrush musste es sein, die ich mir zulegte und schnell feststellte, dass man damit wirklich - etwas Übung vorausgesetzt − super lackieren konnte. So erfolgte dann lange Zeit später die Lackierung, welche für meinen Geschmack die bis dahin beste war, die ich je auf einem Modell aufgebracht hatte. Ein Standfuß gibt es bis heute noch nicht, sodass zum Vorführen der Beleuchtung und Effekte des Modells kurzerhand der D-Sub Anschluss mittels Buchsenleiste kontaktiert und per Kabel mit dem Netzgerät verbunden werden muss. Hier wird es in Kürze aber eine passende Lösung geben. Ich muss nun wohl noch einige Stand-Displays bauen.

    Enterprise-E

    Es verging einige Zeit, bis der Kinofilm "First Contact" in die Kinos kam. Das Modell der NCC-1701-E hatte es mir sofort angetan und wurde schnellstens gekauft. Aber oh weh, wie klein die Strukturen dort sind und wie viele Fenster aufzubohren wären. Na ja, ich habe mich mit einem 0,5er-Bohrer bewaffnet und mittels meiner Mini- Bohrmaschine begonnen, die Fenster zu "öffnen". Bei zirka 800 Fenstern, die zu öffnen waren und zirka 4 Bohrungen pro Fenster waren es rund 3200 Löcher. Dann wurden die Bohrungen eines Fensters unter Zuhilfenahme des Bohrers zu einem Langloch gefräst. Mich wundert es heute noch, dass mich das nur einen einzigen Bohrer gekostet hatte.

    Es erfolgten erste Versuche mit der Beleuchtung, die auch sehr vielversprechend waren. Mittlerweile gab es ja LED-Stripes mit weißen LEDs, die sich perfekt dafür eigneten. Nach der ersten Lackierung von innen mit schwarzer Farbe, um das Durchscheinen der LEDs zu verhindern, habe ich die Außenfarbe aufgebracht und festgestellt, dass sie mir viel zu dunkel war.
    Da ich nicht zu viele Farbschichten auftragen wollte und ich keine Lösung für dieses Problem hatte, wurde der Bausatz erst mal liegen gelassen. Auch sonst hatte ich wenig Zeit, um mein Projekt fertigzustellen.

    Kurz vor dem Jahresende 2014 hat es mich dann gepackt. Mit völlig neuem Schwung ging ich das unvollendete Projekt erneut an.
    Einige technische Hürden waren zu nehmen. Auch wenn es einige der vorgesehenen Effekte nicht in das Modell geschafft haben, hatte ich hier einen guten Lauf. Besonders die herzustellenden notwendigen Kabelverbindungen aus dem Warpgondeln zum Rumpf waren eine Herausforderung. Es mussten acht Drähte sein, um die einzelnen Effekte in den Warpgondeln schalten zu können. Es war aber kein Platz in den doch nur einige Millimeter dicken Gondel- Aufhängungen. Komplett herausschneiden und dann wieder verspachteln wollte ich es aber nicht.
    Gelöst habe ich das Ganze dann mit dem Einfräsen kleiner Nuten und dem Einschmelzen von blanken Drähten in den Kunststoff. Aber acht Drähte waren auch schon das Maximum, was möglich war. Wieder ein interessantes Konstruktionsdetail. Zum Glück gab es Digitalfotografie, die ich ausgiebig nutzte, um die einzelnen Schritte und Details in Form eines Bildes festzuhalten.

     
     

    Wie verschließe ich nahezu 800 Öffnungen?


    Der Übliche LED-Flash-Bausatz wurde in diesem Modell nicht nur für die Positionsblitzer eingesetzt, nein, auch für die Quantentorpedorohre musste er herhalten. Eine ultrahelle blaue LED trug zum Erfolg des Effektes bei. Die vorderen und hinteren Torpedorohre wurden aus Platzgründen aber zusammengenommen, jeweils eine der LEDs mit zwei 1-mm-Bohrungen versehen und Lichtleitfasern eingeklebt. Tests mit der schon fertigen Untertassenbeleuchtung haben dann gezeigt, dass man durch die vielen ausgefrästen Fenster viele und sehr helle Lichtpunkte sehen konnte, aber man durch die dichte Anordnung quasi auch ins innere hineinsehen konnte. Das gefiel mir überhaupt nicht − doch was nun?

    Wie verschließe ich nahezu 800 Öffnungen? Da ist mir zufällig beim Reparieren von Holzstühlen aufgefallen, dass der trockene Holzleim leicht milchig erscheint, wenn er trocken ist. Die ersten Versuche am Modell waren schnell gemacht und eine Lösung gefunden:

    Mit einem kleinen Pinsel tupfte ich den Holzleim in die Öffnungen. Ich wiederholte den Vorgang zweimal und es führte zum besten Fenstereffekt, den man sich vorstellen konnte. Natürlich erst nach der ausgeführten Lackierung. Der Vorteil des Holzleims ist das einfache Entfernen von überschüssigem Leimresten mit einem Schwämmchen und Wasser.

    Das Design der Beleuchtung der Warpspulen bei den anderen Modellen wollte ich hier nicht wiederholen, sodass ich auch hier einen anderen Ansatz wählen musste. Wie beleuchte ich die Warpspulen und Bussardkollektoren? Hell, schön und gleichmäßig war das Ziel. Eine einzige blaue LED und selbstklebende Alufolie waren eine gute Option. Für die Bussardkollektoren musste ich auf eine statische Beleuchtung zurückgreifen, da in den Gondeln kein Platz für eine Elektronikschaltung war und durch die Verbindungsteile zum Rumpf auch nur die acht eingeschmolzenen Drähte zur Verfügung standen. Eine helle rote LED, in eine selbst angefertigte Trennwand eingebaut, verhinderten das Durchscheinen zu den Warp-Spulen.
    Die durchsichtigen Teile habe ich von innen zweimal mit Holzleim gestrichen und den Innenbereich mit Alufolie ausgeklebt. Es stellte sich als guter Weg heraus.

    Für die Impulstriebwerke hatte ich dann mehr Möglichkeiten, da die Untertasse mehr Platz für Elektronik bot. Ein rechteckiger Block in rot, mit je 6 LEDs und ein Lauflichtbausatz, waren die Zutaten für die nun leicht rot pulsierenden Impulstriebwerke. Seitlich durch zugeschnittenen Polystyrolteile abgeschottet, mit Alufolie ausgeklebt und zusätzlich von der Gegenseite schwarz angemalt, stellten genau das Richtige dar.
    Die rot/grün scheinenden Begrenzungsleuchten mussten mit Lichtleitfasern realisiert werden, da an der Außenseite der Untertasse kein Platz vorhanden war, um LEDs direkt einzubauen. Gleichzeitig mussten aber an dieser Stelle auch weiße Positionsblitzer sein. Die Lösung waren die rote bzw. grüne LED der Positionslichter mit einer weißen Flash-LED zusammen zu bringen. Der Effekt zeigte nun rot- und grünfarbiges Licht. Wenn die weiße Flash-LED aufblitzte, überlagerte dieser Blitz dann die Farben, sodass zwei Effekte über nur eine Lichtleitfaser realisiert wurden. Zur weiteren Lackierung erfolgten dann Abklebe-Marathons, bis alles für die nächste Farbe vorbereitet war. Mit Stirnbandlupe, Pinzette und Skalpell ging es an die Feinarbeit. Aber die Mühe lohnte sich. Leider sind die Strukturen auf dem Bausatz manchmal so klein, dass es an einigen Stellen nicht perfekt geworden ist.

    Weiter ging es dann mit den Rumpfeinbauten. Dabei war ein Stück LED-Stripe für die Fensterbeleuchtung schnell eingebaut. Aber wie gestaltete ich den Deflektor? Dafür musste zunächst einmal ein "Topf" aus Polystyrol angefertigt werden. Die nächsten Schritte folgten: Durchmesser des Deflektors ausmessen, Umfang ausrechnen, ein Streifen aus der Polystyrolplatte ausschneiden und mit dem Heißluftfön über einem passenden Metalldorn zu einem Runden Teil formen und verkleben. Ich schnitt einen runden Boden aus und klebte alles zusammen. So entstand ein Topf, der die gelbe Hintergrundbeleuchtung aufnahm. Um das Durchscheinen der Beleuchtung im gesamten Bereich des Deflektors zu verhindern, war ein mehrfaches Auftragen von schwarzer Farbe nötig.

     
     

    Nach dem kompletten Zusammenbau, der wegen einiger nicht exakt passender Teile noch spachteln und schleifen erforderlich machte, lackierte ich das Modell noch nach.


    Endlich konnten die Baugruppen zusammengeklebt werden − das Modell nahm langsam Form an. Die Verkabelung wurde wieder, weil es sich schon bei den anderen Modellen bewährt hatte, über den D-Sub 15 Stecker herausgeführt.
    Nach dem kompletten Zusammenbau, der wegen einiger nicht exakt passender Teile noch spachteln und schleifen erforderlich machte, lackierte ich das Modell noch nach.

    Aber was ist ein Modell, das man nicht ordentlich präsentieren kann?
    Der nächste Schritt war das Anpassen des original Display-Ständers. Wie sollte in ein 5 mm dickes Plastikteil eine D-Sub Buchse passen, geschweige denn die 15 Drähte? Kurzerhand wurde nun die Form aus Aluminiumblech und einer Sandwich-Zwischenlage aus Kunststoff nachgefräst. Im Aluteil dann die Halterungen für die Verschraubung der D-Sub-Buchse passend gebogen und Gewinde geschnitten. Für die Aufnahme der Buchse und der Kabelführung zum Standfuß wurden dann Teile herausgesägt und eine große Nut in den Kunststoffteil gefräst. All das sollte nun mit kleinen Senkschrauben verbunden werden. Die Alubleche habe ich blank gebürstet und mit Klarlack überzogen. Der Kunststoff-Mittelteil wurde im sichtbaren Bereich gespachtelt und geschliffen. Eine Lackierung mit weißem Lack passte gut dazu.

    So, Modell fertig, Kabelverbindung bis in den Standfuß geführt, was jetzt?
    Die Anzahl der nötigen Schalter sowie die Position und deren Anordnung musste jetzt festgelegt werden. Keine leichte Entscheidung, da das Flair des Standfußes im Communicator Design nicht allzu stark darunter leiden sollte.
    Ausschlaggebend war für mich die Farbe der verwendeten Mikro Schiebeschalter. Das bewegte mich dazu, die seitlichen Teile schwarz zu lackieren. Vorher musste ich aber noch die Öffnungen für die Schiebeschalter anzeichnen und fertigstellen. Mit einer Reißnadel angezeichnet und anschließend mit kleinen Feilen passend gefeilt, waren dann zehn Öffnungen herauszuarbeiten. Ich musste nun die zurechtgebogenen und eingeklebten Schalter noch richtig befestigen. In der Zwischenzeit machte ich mir Gedanken über die restliche Lackierung, die aber wie der original Communicator ausfiel: Mit einem Goldrand und silberfarbenen Inlay.
    Zehn Schalter ohne Beschriftung? Nein, das schien mir unpassend. Da ist mir eingefallen, dass man Decals auch selbst drucken kann.
    Dafür habe ich eine LCARS-Beschriftung entworfen und die Vorlage maßstabsgerecht auf Papier gedruckt. Das machte mir klar, dass ich hier auf dem richtigen Weg war. Online bestellt und wieder war eine Entscheidung fällig: Auf klarer oder auf weißer Basis? Das Ergebnis hat dann ein erster Drucktest gezeigt:

    Achtung, ein Tintenstrahl-Ausdruck auf Decal Folie, die in Wasser vom Trägerpapier gelöst werden muss, was würde da vom Ausdruck übrig bleiben? Ich beschloss den Ausdruck mit Klarklack zu versiegeln, so konnte ich weiter machen. Da immer noch nicht alles fertig ist, bin ich weiter dabei die Präsentationsständer anzufertigen und außer mit einer passenden Lackierung auch mit Schaltern und Beschriftungen zu versehen. To bodly go, der Weg ist das Ziel und meine 5-Jahres-Mission dauert noch an.

    Trek-Zone

    Ein Gastbeitrag von Leo Höfner.


     

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    Der Boaco-Zwischenfall

    Eine fast geglückte Revolution

    Die Föderation in "Star Trek" erscheint fast immer als strahlendes Leuchtfeuer der Zivilisation. Sie steht für Werte wie Frieden, Gerechtigkeit, individuelle Freiheit und eine egalitäre Gesellschaft. Judy Klass zeichnet in dem Classic-Roman "Der Boaco-Zwischenfall" jedoch ein gänzlich anderes Bild.

    Die Enterprise wird nach Boaco 6 geschickt, wo eine Revolution das föderationsnahe Regime gestürzt hat. Nun droht der Planet in die Hände der Klingonen und Romulaner zu fallen, weshalb Captain Kirk die Beziehungen zur neuen Regierung verbessern soll. Gemeinsam mit McCoy und Spock beamt er auf den Planeten, wo ihnen von Tamara Engel und anderen Mitgliedern des Rates der Jungen die Schrecken des alten Regimes vorgeführt werden.

    Es ist schon arg unglaubwürdig, dass die Föderation aus Profitinteressen eine grausame Diktatur unterstützt haben soll, in der Unterdrückung, Folter sowie politische Hinrichtungen an der Tagesordnung standen. Offensichtlich schlüpft die Föderation hier in die Rolle der USA. Der ehemalige Diktator Puil erinnert indessen stark an die zahlreichen faschistischen Diktatoren Lateinamerikas, wie z. B. Batista, Somoza oder Pinochet, die von den USA unterstützt worden sind. Von daher mag das Konzept des Romans zwar nicht so recht zu Roddenberrys Zukunftsvision passen, ist aber für sich genommen eine interessante Kritik an der US-Außenpolitik.

    Der Argwohn der Revolutionäre scheint angesichts des Vorgehens der Föderation absolut berechtigt und so gelingt es Kirk nur langsam, eine Vertrauensbasis aufzubauen. Die Revolution hat indes schon viel erreicht und sämtliche Ressourcen in das Bildungs- und Gesundheitssystem gesteckt. Auch hier sind wieder Parallelen zu Lateinamerika erkennbar, wo u.a die kubanische Revolution und die Sandinisten in Nicaragua zuvorderst in Bildung und Gesundheit investiert haben.

     
     

    Die Romulaner liefern minderwertige Billigprodukte, um möglichst schnell möglichst viel Geld zu machen, während die Klingonen durch ihr rüpelhaftes Verhalten unangenehm auffallen.


    Die Klingonen und Romulaner stehen dementsprechend wohl für die Sowjetunion und China. Wie ihre Vorbilder verfolgen die Klingonen und Romulaner allerdings gänzlich eigene Interessen. Die Romulaner liefern minderwertige Billigprodukte, um möglichst schnell möglichst viel Geld zu machen, während die Klingonen durch ihr rüpelhaftes Verhalten unangenehm auffallen. Letztendlich müssen sich die Boacaner von den beiden Großmächten emanzipieren.

    So viel zu den Parallelen zur Realität. Die erste Hälfte des Romans funktioniert in diesem Sinne sehr gut und ist spannend geschrieben. Doch dann tritt die Haupthandlung plötzlich in den Hintergrund. Ein Schiff marodiert nämlich durch den Sektor, was nur in so weit mit der Boaco-Mission zu tun hat, da es zwei Schiffe von Boaco 6 und 8 zerstört, wobei zwei Gesandte beider Welten ums Leben kommen. Da es sich um ein gekapertes Sternenflottenschiff handelt, wirft dies natürlich ein schlechtes Licht auf die Föderation.

    Doch statt sich auf diese Implikationen zu konzentrieren, dreht sich die Handlung fast nur noch um das Schiff namens Sperling, welches sich in der Gewalt einiger Kinder von Juram V ("Miri, ein Kleinling") befindet. Dieses ist obendrein auch noch mit einer Tarnvorrichtung ausgestattet, welche von Flint ("Planet der Unsterblichen") erfunden wurde. Die Enterprise wird von Boaco 6 abkommandiert, um Flint an Bord zu nehmen, damit dieser sich eine Lösung für das getarnte Schiff ausdenkt.

    Nun mag die Bezugnahme auf frühere Serienepisoden eine durchaus gut gemeinte Geste sein, aber diese ganzen Verwicklungen sind einfach zu viel des Guten. Zum einen lenken sie zu sehr von der Haupthandlung ab, zum anderen ergeben diese Nebenhandlungen in sich wenig Sinn. Warum z. B. stationiert die Föderation ein Schiff mit einer experimentellen Tarnvorrichtung ausgerechnet auf einem Planeten voller Kinder? Ein normales Versorgungsschiff wäre nicht nur ausreichend, sondern sogar weitaus besser geeignet gewesen. Das ergibt genauso wenig Sinn wie die Tatsache, dass ein geheimes Militärexperiment dermaßen schlecht abgesichert ist, dass es im Alleingang von einem amoklaufenden Jugendlichen gekapert wird.

    Bei dem Gefecht wurde übrigens Miri getötet, aber das wird nur als Randnotiz erwähnt. Umso erstaunlicher ist es, dass Kirk in tiefer Trauer versinkt, als wäre die Minderjährige die Liebe seines Lebens gewesen. Gänzlich vergessen hat er dagegen Reyna, die Androidin, welche Flint geschaffen hatte. Spock hatte ihm damals aus unerfindlichen Gründen die Erinnerung genommen, was nun ein Nachspiel hat. So kann Kirk Flint nicht leiden, ohne genau sagen zu können, woran das liegt. Später gesteht ihm Spock schließlich den Eingriff in sein Unterbewusstsein.

    Für sich genommen wäre zumindest dieser Handlungsstrang interessant gewesen, wenn er in eine andere Rahmenhandlung verpackt gewesen wäre. In diesem Roman stellt er hingegen nur eine weitere Ablenkung von der Haupthandlung dar. So richtig ruiniert wird diese aber durch Jahn, welcher schon in der Episode "Miri, ein Kleinling" unangenehm auffiel und jüngere Kinder gegen die Erwachsenen aufwiegelte. Nun lässt er es im wahrsten Sinne so richtig krachen und ermordet reihenweise Unschuldige, die er nicht einmal kennt.

    Weiterhin unterdrückt Jahn den kleinen Pal, den er zusammen mit Rhea entführt hat. Letztere bekommt neben Jahns Zorn auch noch dessen sexuelle Belästigungen zu spüren. Jahn ist ein absolut hassenswerter Charakter, der schließlich an seinem eigenen Irrsinn zugrunde geht, als er sich mit einem überlegenen Klingonenschiff anlegt.

     
     

    Die Kinder von Juram V brauchten nichts anderes als Fürsorge, doch stattdessen wurde mit ihnen in verächtlicher Weise herumexperimentiert.


    Erklärt wird sein Verhalten später durch den Einsatz des "Zentralnervensystemmanipulators", welcher bereits auf Elba II von Dr. Adams missbräuchlich verwendet wurde. Diese weitere Bezugnahme auf eine frühere Episode ergab selbstverständlich genauso wenig Sinn wie die gesamte Nebenhandlung. Warum erlaubt die Föderation den weiteren Einsatz eines Gehirnwäscheapparates, welcher aus dem finstersten Winkel eines CIA-Labors stammen könnte?

    Die Kinder von Juram V brauchten nichts anderes als Fürsorge, doch stattdessen wurde mit ihnen in verächtlicher Weise herumexperimentiert. Der Kinderpsychologe Voltmer (Voldemort?) setzt zudem auf eine autoritäre Erziehung, die im 23. Jahrhundert eigentlich überholt sein sollte. Musste es wirklich erst zu Jahns Amoklauf kommen, bevor die Föderation diesen Fehler erkennt?

    Nachdem die Sperling mittels eines fluoreszierenden Farbstoffes aufgebracht und von den Klingonen zerstört wurde, adoptiert Flint den einzigen Überlebenden Pal, während man sich auf Boaco 6 plötzlich dazu entschlossen hat, der Föderation zu vergeben und diplomatische Beziehungen aufzunehmen. Diese Auflösung wirkt ein wenig aus der Luft gegriffen und ist nur teilweise nachvollziehbar.

    Ebenso schwierig nachvollziehbar ist Fähnrich Michaels Entscheidung, auf Boaco 6 zu bleiben. Erst war er dem Rat der Jungen gegenüber paranoid ablehnend und plötzlich ist er total von der Revolution begeistert. Offenbar wollte die Autorin diesen nervigen Charakter einfach nur loswerden, der die Chuzpe besitzt, jede Entscheidung Kirks öffentlich anzugreifen. Das Rothemd soll lieber froh sein, dass es nicht gleich nach Betreten des Planeten von einem Weltraummonster gefressen wurde.

    Fazit: Die erste Hälfte von "Der Boaco-Zwischenfall" liest sich trotz der zweifelhaften Rolle der Föderation durchaus spannend. Danach verrennt sich der Roman in Nebenhandlungen, was letztendlich zu einem unbefriedigenden Ende der Haupthandlung führt. Die Bezüge auf frühere Episoden sind überflüssig und unpassend.

    Schlussendlich stellt sich die Frage, was in den Köpfen der Föderationsverantwortlichen vor sich geht. Diese unterstützen faschistische Regime, wenden Erziehungsmethoden aus der Steinzeit an, misshandeln gar Kinder mit Gehirnwäscheapparaten und drängen Flint dazu, Waffensysteme zu entwickeln. Das ist nicht die Föderation, die Fans aus der Serie kennen.

    Trek-Zone

    Eine Rezension von Sebastian B.


     

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    "Ein Ruf in die Dunkelheit"

    Die Utopie der Föderation trifft hier auf eine absolut gegenteilige Dystopie

    Michael Jan Friedman ist für eifrige Leser von "Star Trek"-Romanen gewiss kein unbekannter Name, zeichnet er sich doch für zahlreiche Werke verantwortlich. Darunter einige der Besten und da bildet "Ein Ruf in die Dunkelheit" keine Ausnahme.

    Die Enterprise befindet sich gerade auf der Suche nach dem vermissten Forschungsschiff U.S.S. Gregor Mendel, dessen Spur ins System der Klah’kimmbri führt. Das Sonnensystem ist offenbar von einer anderen Spezies verwüstet worden, weshalb sich die Klah’kimmbri auf ihre Heimatwelt A’klah zurückgezogen haben. Im Orbit dieses Planeten entdeckt die Crew der Enterprise die Gregor Mendel, welche in einem planetaren Energiefeld gefangen ist.

    Da die Tochter eines engen Freundes von Captain Picard zur Crew des Forschungsschiffes gehört, führt er selbst das Außenteam an. Begleitet wird er von Worf, Geordi LaForge und Dr. Pulaski, um auf alles vorbereitet zu sein. Katherine Pulaski, die gerade mit einem ansteckenden Bakterium an Bord der Enterprise beschäftigt war, hat jedoch wenig auf der Gregor Mendel zu tun. Die gesamte Crew ist verschwunden.

    Kurz darauf wird auch das Außenteam zur Planetenoberfläche transferiert. Nun rächt es sich, dass der Captain darauf bestanden hat, das Team persönlich anzuführen und auch Pulaski kann ihre Schlussfolgerungen in Bezug auf die Seuche an Bord der Enterprise nicht mehr übermitteln. Murphys Gesetz verlangt natürlich, dass sich kurz darauf die Infektion ausbreitet und der planetare Energieschild jeden Versuch verhindert, die Ärztin und die anderen zurück zu beamen. Der totalitäre Rat der Klah’kimmbri ist zudem zu keinerlei Verhandlung über die Freilassung der Entführten bereit.

     
     

    Aus der Sicht des klah’kimmbrischen Offiziers Dan’nor erfährt man schließlich den Zweck der Konflikte.


    Diese wurden für die so genannten Konflikte rekrutiert, in denen fast ausschließlich Außenweltler verheizt werden. Da sich die meisten wohl kaum freiwillig an fremden Kriegen beteiligen würden, blockiert das Militär sämtliche Erinnerungen der Rekruten an ihr früheres Leben. LaForge, Pulaski und Picard kommen dabei noch relativ glimpflich davon. Der Chefingenieur muss beim Bau einer Brücke helfen, die Ärztin ist mit der Krankenpflege der Kriegsversehrten beschäftigt und der Captain ist als Kutscher für eine Nachschubkolonne unterwegs. Nur Worf muss als Krieger an den blutrünstigen Schlachten teilnehmen.

    Aus der Sicht des klah’kimmbrischen Offiziers Dan’nor erfährt man schließlich den Zweck der Konflikte. Das totalitäre Regime, welches behauptet, den perfekten Frieden erschaffen zu haben, beutet die Arbeiterschaft schamlos aus. Um das Volk bei Laune zu halten, werden die Schlachten inszeniert. Das ganze ähnelt den Gladiatorenkämpfen im alten Rom und dementsprechend müssen sich die versklavten Fremdwelter auch mit primitiven Streitkolben, Äxten und Schwertern die Birne einhauen, obwohl die Klah’kimmbri durchaus moderne Strahlenwaffen besitzen.

    Letztere werden indes nur von den so genannten Himmelsreitern eingesetzt − Militärangehörige, die mit Flugmaschinen über den Schlachtfeldern schweben und jeden töten, der sich weigert, an den Kämpfen teilzunehmen. Die Kultur der Klah’kimmbri ist für Star Trek-Verhältnisse ausgesprochen brutal, was der Handlung jedoch einen entsprechenden Ernst verleiht. Die Utopie der Föderation trifft hier auf eine absolut gegenteilige Dystopie.

    In dieser fühlt sich auch Dan’nor zunehmend unwohl. Er hatte schon immer einen schweren Stand, da sein Vater als Vertreter der Aristokratie eine Arbeiterin heiratete. Er musste sich seinen Rang im Militär hart erarbeiten und wurde schließlich von einem Konkurrenten hinaus gedrängt. Als Fabrikarbeiter beginnt er langsam, die Konflikte zu hinterfragen. Als er eines Abends eine Kneipe aufsucht, stößt er in deren Hinterzimmer auf eine Widerstandsgruppe. Deren Mitglieder wollen sich des vermeintlichen Spions zunächst entledigen, doch überraschend taucht Dan’nors Vater auf, um dies zu verhindern.

    Der alte Tir’dainia gehört zu den Führungspersonen der Untergrundbewegung und zusammen planen sie die Befreiung des Widerstandsmitglieds Ralak’kai. Längst werden nämlich nicht nur Fremdweltler in die Konflikte geschickt, sondern auch oppositionelle Klah’kimmbri. Wie es der Zufall will, ist Ralak’kai auf Captain Picard gestoßen. Zunächst geraten sie in Kriegsgefangenschaft, aus der sie von Geordi befreit werden. Allerdings ergreift man schließlich alle drei und bringt sie zu ihrer Hinrichtung.

    Als die Widerstandsgruppe, der sich Dan’nor angeschlossen hat, in die Konfliktzone eindringt, begegnen ihnen dort auch Worf und Pulaski. Letztere kann sich nach einem Explosionsblitz wieder an ihr früheres Leben erinnern und überzeugt Worf, sich den Widerstandskämpfern anzuschließen. In der Überzeugung, so eine Chance zur Rache an den Vollstreckern zu erhalten, willigt er ein.

    In der Zwischenzeit hat Riker auch Data auf den Planeten geschickt, um nach den Entführten zu suchen. Da der Energieschild des Planeten viel Energie verbraucht, musste er das Schiff dazu nur auf Distanz bringen. Als der Schild gesenkt wurde, konnte Data herunter gebeamt werden. Praktischerweise sieht er mit seiner weißen Haut und den gelben Augen den Klah’kimmbri sehr ähnlich. Er brauchte sich nur noch die Haare rot zu färben, um das Militär erfolgreich zu infiltrieren.

     
     

    Mit einem künstlichen Meteoritenschauer sorgt die Enterprise für genügend Blitzlicht, um die Erinnerungen der Rekrutierten zurück zu bringen.


    Schlussendlich befinden sich Data, Picard, Pulaski, LaForge und Worf alle in derselben Festung und können zur Enterprise zurück gebeamt werden, wo das Gedächtnis aller Entführten wiederhergestellt werden kann. Selbstverständlich kann auch die Seuche geheilt werden, wobei der Nahrungsbrei der Klah’kimmbri behilflich ist, denn dieser enthält ein Antibiotikum. Ende gut, alles gut?

    Nicht ganz, denn auf dem Planeten befinden sich noch tausende andere Entführte aus den verschiedensten Völkern. Mit einem künstlichen Meteoritenschauer sorgt die Enterprise für genügend Blitzlicht, um die Erinnerungen der Rekrutierten zurück zu bringen. Die Folge ist ein Aufstand und das Ende der Konflikte. Nun ist der arrogante Rat endlich bereit, über die Freilassung aller Gefangenen zu verhandeln, wobei die Enterprise erstaunlicherweise 18.000 Entführte aufnehmen kann. Darunter auch selbstverständlich Dani Orbutu, die Tochter von Picards altem Freund.

    Der drohende Zusammenbruch des alten Regimes veranlasst ein Ratsmitglied darüber hinaus, mit dem Widerstand zu verhandeln. Die Konflikte seien nun Geschichte und alle Klah’kimmbri müssten sich nun zusammentun, um ihr altes Sternenreich neu aufzubauen. Die Unterwerfung anderer Völker ist jedoch nicht das Ziel, welches sich die Rebellen gesetzt hatten. Ihnen schwebt eine harmonischere Zukunft vor.

    Fazit: "Ein Ruf in die Dunkelheit" mag etwas sehr drastisch in der Darstellung von Gewalt sein, diese verfehlt jedoch nicht ihren Zweck. Man entwickelt schnell einen Zorn gegen das brutale Regime der Klah’kimmbri und kann daher gut mit allen Charakteren mitfühlen. Das Vorgehen von Picard, der den Horror der Konflikte selbst erleiden musste, ist angesichts dessen direkt milde. Er hätte auch einfach die Klingonen darauf hinweisen können, dass Angehörige ihres Volkes auf A’klah versklavt wurden. Die wären sicherlich hilfreich bei der Beseitigung des totalitären Regimes gewesen.

    Die oberste Direkte scheint ohnehin nicht wirklich zu greifen, da die Klah’kimmbri zum einen keine Präwarpzivilisation sind und sich zum anderen unter den Entführten auch Föderationsbürger befinden, was einen kriegerischen Akt gegen den Völkerbund darstellt. Picard hätte jedes Recht gehabt, angemessen darauf zu reagieren. Zumindest hätte der Captain bzw. schon in seiner Abwesenheit sein Stellvertreter Riker die Sternenflotte über die Lage unterrichten können. Dann wären vielleicht auch rechtzeitig weitere Föderationsschiffe eingetroffen, um die Befreiten aufnehmen zu können. Immerhin ist es etwas unrealistisch, dass die Enterprise 18.000 Personen aufnehmen kann.

    Sieht man jedoch von einigen wenigen Ungereimtheiten am Ende des Romans ab, kann man diesem nur eine Bestnote geben. "Ein Ruf in die Dunkelheit" ist spannend geschrieben, die Charaktere sind gut getroffen und die Handlung regt zum Nachdenken an.

    Trek-Zone

    Eine Rezension von Sebastian B.


     

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    Captain Future startet durch

    Ein Gespräch über die neuen Folgen

    Nachdem TZN-Redakteur Christian Freitag im April letzten Jahres ein Gespräch mit Sebastian Pobot von Highscore Music über die Wiederbelebung von "Captain Future" geführt hat (hier nachzulesen), hat sich Christian für diese "Incoming Message"-Ausgabe mit Sebastian über die neusten Folgen der dritten Staffel unterhalten.


    TrekZone Network: Mittlerweile liegt − wenn man so will − die dritte Staffel von "Captain Future"-CDs vor. Ich gehe also davon aus, dass der Verkauf der CDs gut läuft. Hättest du dir anfangs vorgestellt, dass es mal so weit kommt, dass ihr auch die Originalabenteuer vertont?

    Sebastian Pobot: "Gedacht" nicht, aber natürlich "gehofft". Gerade für die Fans der Zeichentrickserie ist es wohl sehr interessant, die Original-Abenteuer mal im eigentlich gemeinten Sinne des Autors zu hören und diese zu vergleichen.

    TrekZone Network: Ihr habt bislang zwölf "Captain Future"-CDs veröffentlicht. Die 13. ist in Vorbereitung. Alle Beteiligten sind CF-Profis, und das hört man mit jeder weiteren CD. Ich habe auch das Gefühl, dass ihr eure Möglichkeiten mehr ausnutzt, was einem Hörspiel nahekommt. Wie sieht das hinter den Kulissen aus? Habt ihr auch das Gefühl, routinierter zu werden, oder geht ihr an jede Folge so ran, als wäre es die erste?

    Sebastian Pobot: Auf jeden Fall merkt man, dass sich die Maschinerie immer mehr einspielt. Denn Highscore Music produziert inzwischen etliche Hörspielserien, wie "Offenbarung 23", "Batman" oder "Sherlock Holmes & Co.".

    TrekZone Network: Auch die Cover haben sich verändert. Von wem kommen die stylischen Bilder der futuristischen Stadtlandschaften, die auch selbst aus dem Anime entstammen könnten?

    Sebastian Pobot: Für das Artwork ist Lars Vollbrecht (Gloryboards) zuständig, mit dem wir bereits häufiger zusammengearbeitet haben.

    TrekZone Network: Wann erscheint der letzte Teil um den Sternenkaiser? Und wie kommt es, dass es fünf Teile wurden?

    Sebastian Pobot: Der fünfte Teil erscheint noch diesen Sommer. Fünf Folgen haben die Länge des Romans vorgegeben.

    TrekZone Network: Wie lange dauert ungefähr Planung und Durchführung einer kompletten Folge beziehungsweise Mehrteilers? Wie viel Zeit liegt zwischen den Aufnahmen?

    Sebastian Pobot: Wir nehmen, um Synergien zu schaffen, ganze Staffeln in Kombination mit anderen Serien auf. Deshalb kann ich dir den Aufwand für eine einzelne Produktion gar nicht sagen...

    TrekZone Network: Was hat euch letztlich dazu bewogen, neben Downloads auch CDs zu produzieren? Ich hatte mich sehr gefreut, als ich davon erfahren hatte.

    Sebastian Pobot: Eine Kooperation mit Pop.de.

    TrekZone Network: Vielleicht gibst du uns einen kleinen Ausblick auf zukünftige Veröffentlichungen. Werden weitere Folgen produziert wie zum Beispiel "Erde in Gefahr"? Es wäre schön, wenn man die ursprünglichen Synchronsprecher noch häufiger hören könnte.

    Sebastian Pobot: "Erde in Gefahr" kommt auf jeden Fall noch, beim Rest muss ich die aktuellen Verkaufszahlen abwarten.

    TrekZone Network: Mal zu euren anderen Veröffentlichungen. Ihr bringt auch die "Star Trek"-Folge "Tod im Winter" auf CD raus. Wann können wir damit rechnen? Handelt es sich um eine gekürzte Fassung?

    Sebastian Pobot: Es wird ein mp3-Release werden, deshalb können wir euch das Produkt (wahrscheinlich im Mai) ungekürzt präsentieren.

    TrekZone Network: Plant ihr weitere "Star Trek"-Inszenierungen?

    Sebastian Pobot: Das prüfen wir gerade...

    TrekZone Network: Kannst du mir etwas zu euren Neuerscheinungen dieses Jahr aus euren anderen Gebieten erzählen?

    Sebastian Pobot: Im Hause Highscore direkt: "Batman": "No Man's Land". "Offenbarung 23" und "Sherlock Holmes & Co." gehen natürlich weiter. Allscore (die Macher von "Sherlock Holmes − Die neuen Fälle") produziert für uns im Auftrag zurzeit neue "Professor van Dusen"-Folgen in Kooperation mit dem Original-Autor Michael Koser. Partner-Labels, die über uns releasen, bringen zum Beispiel "Dreamland Grusel", "Tony Ballard" und so weiter weiter heraus...

    In der nächsten "Incoming Message" lesen Sie die Episodenkritiken zu den Folgen der dritten Staffel.

    SF-Zone

    Christian Freitag berichtet über Neuigkeiten zu "Captain Future".


     

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    Platte Füße, aber ein Lächeln im Gesicht

    Das war die Leipziger Buchmesse 2015

    Zunächst die Fakten: Dieses Jahr verzeichneten die Buchmesse und die Veranstaltungsreihe "Leipzig liest" vom 12.3. bis 15.3., 251.000 Besucher (2014: 237.000), davon 186.000 Besucher (2014: 175.000) im Leipziger Messegelände. Insgesamt wirkten 3.000 Menschen bei den Veranstaltungen mit, es gab 2.263 Aussteller und 3.200 Veranstaltungen an 410 Leseorten.

    Es wird die Tage viel über die Leipziger Buchmesse geschrieben und allenthalben findet man Artikel über dies und jenes, über Skandale und Rührendes, das Programm im Allgemeinen, die Vergleiche zur größeren Schwester in Frankfurt im Besonderen. Ja, ich finde auch, Leipzig ist Familie und Frankfurt ist Geschäft. Und weil die Zusammenkünfte mit befreundeten Verlegern und Autorenkollegen in Leipzig immer sehr kurzweilig sind, lauert stets der Verschlinger der vierten Dimension an jedem Stand: Das berüchtigte Zeitloch. Deshalb kann ich an dieser Stelle auch nicht mit einem umfassenden Bericht einer jeden Halle aufwarten. Es gab fünf.

    Die meiste Zeit verbrachte ich in Halle 2. Dort stellten die, für mich, interessanten Fantasy-und Sci-Fi-Verlage aus. Heyne und Co. fand man dort nicht, dafür aber den Perry-Rhodan-Stand, den Verlag Torsten Low, die Romantruhe, Elysion Books und, und, und. Ich bitte an dieser Stelle um Nachsicht, dass ich nicht alle aufzähle. Übrigens, um die Unken zu besänftigen: Ich war auch in Hallen mit "richtiger" Literatur. Jüngst ließ sich wortgewaltig ein Redakteur der FAZ über die Manga- und Fantasyliteratur sowie über die Endzeitpropheten-Selbstverlage aus und warf dabei munter Birnen zu Äpfeln. Dass er kein gutes Haar an dieser Odyssee ließ, sei ihm verziehen, ist halt nicht sein Ding.

    Zurück zur Messe. Halle 2. Von den lieben Mädels bei Elysion Books, wo ich mich des Öfteren einfand, erfuhr ich, dass es einen Stand mit einem Fantasy-Science Fiction-Crossover gäbe. Fantasy für Erwachsene prangte der Schriftzug über dem Buchregal, vor dem Stand sah ich drei blau gewandete Menschen, die wunderbar mit den Covern ihrer ausgestellten Bücher harmonierten. Ich konnte nicht umhin, mir das genauer anzusehen. Ein Crossover, das wäre ja die eierlegende Wollmilchsau! Wie oft stand ich vor der Entscheidung: Reise ich lieber in die Zukunft oder verliere ich mich in Welten à la Mittelerde? Und nun beides in einem Buch vereint? Perfekt! Ich bat die Autorin um ein Gespräch, um mir das Konzept aus erster Hand erklären zu lassen. Wir trafen uns am nächsten Tag.

     
     

    Der erste Irakkrieg gab den Anstoß, die Welt im Kopf zu verändern, so erzählt die sympathische Autorin.


    Limarå Hèymdai begann im Alter von 13 Jahren zu schreiben. Schon damals spukten erste Szenen aus dem Epos in ihrem Kopf herum. Limarå ließ sie eine ganze Weile gären, doch wie das mit guten Ideen ist, sie erinnern einen immer wieder, dass sie noch da sind. Der erste Irakkrieg gab den Anstoß, die Welt im Kopf zu verändern, so erzählt die sympathische Autorin. Die Bilder aus dem Fernsehen, die bombardierte Häuser zeigten, in denen sich Kinder befunden hatten. Die unfassbaren Gräuel des Krieges. Limarå kamen Ideen zu alternativen Ansätzen eines friedvollen menschlichen Miteinanders. Ihre Protagonisten veränderten sich im Laufe der Jahre mit ihr, wurden vielschichtiger, kämpften gegen ihre Prägungen an. Aus der Romanze wurde eine authentischere Version der konträren Charaktere. Limarå entschied sich bewusst gegen eine Veröffentlichung in einem Publikumsverlag. Sie wollte nicht, dass ihre Schöpfung sich einem Verlagsdiktat unterwerfen muss. So gründete sie den Chawila Verlag, in dem sie bis dato nur ihre eigenen Bücher herausgibt.

    Doch wie sieht nun ein solches Crossover aus? Ich habe mir den ersten Band, "2044 − Kalte Gischt − Tag 1", heruntergeladen und schon einmal hineingelesen. Die junge Attentäterin Mizuee bringt mit der gekonnten Benutzung ihres Scharfschützengewehrs Gerechtigkeit in die Welt. Sie killt nicht wahllos, sondern sucht sich ihre Opfer zuvor akribisch aus. Um auf ihre Todesliste zu kommen, muss man ein ziemlicher Drecksack sein. Und davon gibt es im Jahr 2044 mehr als genug. Natürlich bleibt Mizuees Handeln nicht ohne Konsequenzen. Die Internationale Security Agency (ISA) jagt sie. Der Agent Jack Mac Galler kommt ihr so nah wie noch kein ISA Agent zuvor und ein erbitterter Kampf zwischen zwei ebenbürtigen Kontrahenten entbrennt. Dabei erkennen die beiden, dass sie eine Gemeinsamkeit haben.

    Mehr verrate ich nicht, es soll spannend bleiben. Dieses Buch, oder vielmehr diese Bücher als Gesamtkonzept sind wirklich etwas Besonderes. Mich hat Limarås Stil sofort in den Bann gezogen. Der Autorin gelingt es mit minimalistischen Mitteln eine gewaltige Stimmung zu erzeugen. Erzählt wird die Geschichte aus mehreren Perspektiven. Hier haben wir einmal Mizuees Sicht, Jacks Wahrnehmung und dann ist da noch etwas Uraltes, Ätherisches, das ebenfalls eine Rolle zu spielen scheint. Ich bin jedenfalls gespannt, wie es weitergeht.

    Jeder Band beinhaltet einen Tag Handlung, der komplette Plot umfasst zwanzig Tage. Das steht, laut Aussage der Autorin, bereits fest. Der Chawila Verlag plant demnächst eine Hörbuchreihe zusätzlich zu EBook und Print. Der Verlag konnte zum Einsprechen der Texte eine ausgebildete Sängerin gewinnen.

    Hier ein kleiner Eindruck des Messeteams vom Chawila Verlag.

    Natürlich habe ich noch viel, viel mehr auf der Buchmesse erlebt. Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

    Bücherecke

    Ein kleiner Eindruck von der Leipziger Buchmesse, von Christiane Gref.


     

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    Der Gigant nimmt Form an (Teil 2)

    Fortschritte beim Bau des James-Webb-Teleskops

    Der vierte und letzte wichtige Punkt im wissenschaftlichen Programm ist das Studium planetarer Systeme und der Ursprung von Leben. Mit den spektroskopischen Instrumenten an Bord kann das Teleskop Exoplaneten untersuchen, dabei sollen u.a. folgende Fragen beantwortet werden: Entstehen alle Planeten in Sonnensystemen oder gibt es Wanderplaneten, die außerhalb eines Sonnensystems entstehen und erst später zu einem stoßen? Wie entstehen eigentlich die Bahnen, auf denen sich die Planeten bewegen? Wie beeinflussen große Planeten andere kleinere Planeten?

    Der vierte und letzte wichtige Punkt im wissenschaftlichen Programm ist das Studium planetarer Systeme und der Ursprung von Leben. Mit den spektroskopischen Instrumenten an Bord kann das Teleskop Exoplaneten untersuchen, dabei sollen u.a. folgende Fragen beantwortet werden: Entstehen alle Planeten in Sonnensystemen oder gibt es Wanderplaneten, die außerhalb eines Sonnensystems entstehen und erst später zu einem stoßen? Wie entstehen eigentlich die Bahnen, auf denen sich die Planeten bewegen? Wie beeinflussen große Planeten andere kleinere Planeten?

    Auch über unser eigenes System sollen Informationen gewonnen werden, denn Webb ist stark genug, um kleine Kometen und andere Körper am Rande des Sonnensystems zu lokalisieren und zu untersuchen, welches Hinweise auf die Entstehung von Leben in unserem System bringen könnte, indem man diese Körper spektroskopisch auf organische Moleküle untersucht. Doch auch auf unsere äußeren Nachbarplaneten kann das Teleskop gerichtet werden, so wären u.a. neue Erkenntnisse über den Mars oder die Gasplaneten möglich. Schlussendlich könnte man sogar versuchen, direkt außerirdisches Leben zu beobachten, in dem man in spektroskopischen Analysen von Exoplaneten nach Zeichen von entwickelten Zivilisationen in der Atmosphäre sucht (z.B. durch erhöhte CO2-Anteile).

    Um diese hochgesteckten Ziele zu erreichen, müssen radikal neue Technologien angewendet werden. Doch auch die Konzeption des Weltraumteleskops folgt diesen Zielen. Die Konsequenzen daraus sind u.a. die Festlegung auf die Beobachtung des infraroten Spektrums sowie die Wahl der geplanten Position.

    Warum Infrarot?

    Die vier Instrumente des Webb können nur nahes und mittleres Infrarot detektieren, also Wellenlängen zwischen 0,8 und 30 Mikrometer. Dafür gibt es unterschiedliche Gründe: Erstens kann Infrarot Staubwolken im All durchdringen und somit einen Blick ins Innere dieser hochinteressanten Gebiete erlauben. Weiterhin haben die für spektroskopische Untersuchungen besonders interessanten Moleküle, welche auf die Ursprünge von Leben hindeuten könnten, im Infrarotbereich besonders starke Spektrallinien. Zu diesen Molekülen gehört u.a. Wasser, Kohlenmonoxid, Kohlendioxid oder Methan. Ein weiterer Grund für die Auswahl des Infrarotbereichs ergibt sich aus der Rotverschiebung. Da sich das Universum ausdehnt, bewegen sich die weit von uns entfernten (und somit besonders alten) Sterne und Galaxien besonders schnell von uns weg. Dadurch "verschiebt" sich das von ihnen emittierte Licht in Richtung Rot, genauer gesagt erhöht sich durch die Ausdehnung der Raumzeit dessen Wellenlänge. Durch die Beobachtung infraroter Emissionen dieser Objekte wird also eigentlich das sichtbare Spektrum beobachtet. Würde man nur das sichtbare Spektrum aufnehmen, wären diese für Wissenschaftler besonders interessanten Objekte aufgrund der Rotverschiebung kaum sichtbar.

     
     

    Die Bilder des JWST lassen sich vielmehr auf das sichtbare Spektrum abbilden, daher darf man sich auch hier auf faszinierende Fotos freuen.


    Das derzeit aktive Hubble-Teleskop dagegen nimmt im sichtbaren Spektrum auf. Auch dafür gibt es Gründe, welche ebenfalls in der wissenschaftlichen Zielsetzung zu finden sind. Doch die Öffentlichkeit muss bei dessen Nachfolger nicht auf die faszinierenden Bilder aus den Tiefen des Alls verzichten, an die man sich durch das Hubble-Teleskop gewöhnt hat. Die Bilder des JWST lassen sich vielmehr auf das sichtbare Spektrum abbilden, daher darf man sich auch hier auf faszinierende Fotos freuen.

    Wofür ist der Hitzeschild nötig? Und warum L2? Das James-Webb-Teleskop soll infrarotes Licht von weit entfernten und sehr lichtschwachen Objekten aufnehmen. Doch alle Objekte, inklusive Sonne, Erde und das Teleskop selbst emittieren Wärme in Form von infraroter Strahlung. Damit diese Strahlung nicht die Messungen der viel weniger hellen Objekte stört, müssen das Teleskop und seine Instrumente extrem kalt sein. Der Hitzeschild, welcher im ausgefalteten Zustand etwa so groß wie ein Tennisfeld ist und aus fünf Lagen Kaptonfolie besteht, schafft zwischen sonnenzu- und sonnenabgewandter Seite eine Temperaturdifferenz von 320°C. So kann das Teleskop in einer Temperatur von -233°C arbeiten. Doch einem Instrument, dem Mid Infrared Instrument (MIRI), reicht das noch nicht: Durch eine Heliumkühlung muss es auf -266°C abgekühlt werden.

    Damit der Hitzeschild diese Arbeit vollbringen kann, muss das Licht von Sonne, Erde und Mond aus etwa der gleichen Richtung kommen. Die Antwort darauf ist der Lagrange-Punkt L2 des Sonne-Erde-Systems, also einem der Gleichgewichtspunkte. Der zweite Lagrange-Punkt liegt auf der Sonne-Erde-Halbgeraden und ist etwa 1,5 Millionen Kilometer von der Erde entfernt. Normalerweise würden Körper mit einem größeren Bahnradius als die Erde auch eine größere Umlaufdauer haben. Es wirkt jedoch zusätzlich die Anziehungskraft der Erde, so dass sich im L2-Punkt eine Bahn ergibt, die die Umlaufdauer der Erde hat − somit "schwebt" ein Körper in diesem Punkt von der Sonne betrachtet stets über der Erde, die Position kann also relativ leicht gehalten werden. Der zweite Vorteil ist, dass die Sonne immer im Schatten der Erde liegt − und mit dem Sonnenschild somit stets sowohl das Licht der Sonne wie auch das der Erde abgeblockt werden kann. Um zusätzlich die Einflüsse des Mondes zu verringern, wird das Webb-Teleskop auf einen sogenannten Halo-Orbit geschickt, dabei umkreist es den L2-Punkt mit einem Abstand von etwa 800.000 km. Es handelt sich hierbei nicht um einen Orbit im näheren Sinne, da der L2-Punkt natürlich keine eigene Masse hat und somit auch keine Anziehungskraft, dennoch kann diese Bahn mit relativ geringem Aufwand gehalten werden. Aus der Wahl der Position ergibt sich auch noch ein weiterer Vorteil gegenüber dem Hubble-Teleskop: Letzteres befindet sich in einer etwa 600 km hohen Erdumlaufbahn. Somit wird die Belichtungszeit auf 40 Minuten begrenzt, da das zu beobachtende Objekt dann hinter dem Horizont verschwindet. Das Webb-Teleskop hat keine derartige Beschränkung. Andererseits macht die größere Entfernung Versorgungsmissionen wie bei Hubble äußerst schwierig, doch die NASA gibt sich hier optimistisch: Passend zur Entwicklung der Orion-Raumkapsel wurde an das Teleskop ein Andockring angebracht.

    Die Bildqualität eines jeden Teleskops steht und fällt mit der Qualität und der Größe des Hauptspiegels. Schon zu Beginn der Planungen stand fest: Er muss deutlich größer sein als der Spiegel von Hubble. Doch das führt zu einem Problem: Keine im Einsatz befindliche Rakete kann einen so großen Spiegel aufnehmen. Daher muss dieser zusammengefaltet werden. Diese Überlegung führte zu dem für das James-Webb-Teleskop verwendete Design von 18 kleineren sechseckigen Spiegeln. Das hat zwei große Vorteile: Erstens kann man einige Spiegelsegmente vor dem Start "wegfalten" und im Weltraum erst ausklappen, zweitens kann man durch Bewegung einzelner Segmente den Fokus viel genauer einstellen als mit einem einzigen, unbeweglichen Spiegel. Die Ausrichtung der Spiegel muss auf Nanometer genau ausgeführt werden, was eine technische Meisterleistung darstellt. Insgesamt sieben Motoren auf der Rückseite jedes Spiegels werden vom Bordcomputer so genau gesteuert, dass man ein spezielles Mikroskop bräuchte, um die Veränderungen bei der Feinausrichtung zu sehen. Für diese werden Genauigkeiten von 10 nm benötigt. Zum Vergleich: 80g-Papier ist etwa 10.000-mal so dick. Bei den je sieben Motoren wird immer einer als zentraler Motor verwendet, welcher den Spiegel vor und zurück bewegen kann, sowie sechs Motoren, welche zusammen einen Hexapod bilden und somit Kippbewegung in alle Richtungen ermöglichen.

    Auch bei den Materialien der Spiegel ging man neue Wege. Wurde bei Hubble noch ein Spiegel aus Glas überzogen mit Aluminium und einer Magnesiumflourid-Schutzschicht verwendet, entschied man sich beim Webb-Teleskop für Beryllium als Basismaterial sowie eine Goldbeschichtung. Beryllium ist ein sehr leichtes, gleichzeitig aber relativ festes Metall, besonders bei niedrigen Temperaturen und verformt sich auch bei Temperaturschwankungen kaum. Die Goldbeschichtung hat den Zweck, infrarotes Licht optimal zu reflektieren. Diese Eigenschaft von Gold ist der Grund, wieso es die für unsere Augen goldene Farbe erhält: Blaues Licht wird sehr schlecht reflektiert (nur etwa 10%), oranges, rotes und infrarotes Licht dagegen sehr gut. Im für die Instrumente des Teleskops relevanten Bereich von 800nm bis 30µm wird daher mindestens 96% des einfallenden Lichts reflektiert. Die Goldbeschichtung ist 100 Nanometer dick, etwa ein Tausendstel der Dicke eines menschlichen Haares. Somit werden gerade mal 48g Gold verwendet. Die dritte Beschichtungsschicht, die das Gold schützen soll, ist wiederum amorphes Siliciumdioxid, also Quarzglas. Trotz dieser feinen Struktur können Mikrometeoriten den Spiegeln nichts anhaben, dies wurde bereits getestet. Diese Eigenschaften ermöglichen dem primären Spiegel eine Größe von 25m², gleichzeitig wiegt er − inklusive Stützstruktur − gerade mal 650kg.

    Da die Spiegel eine der wichtigsten Funktionen des Teleskops erfüllen, muss ihre korrekte Funktion und Ausrichtung sichergestellt werden. Dafür wurde ein eigenes, höchst präzises Messinstrument entwickelt, genannt COCOA (Optisches Krümmungszentrums-Messgerät). Dieses soll, nachdem diesen Sommer die Hauptstruktur des Teleskops fertiggestellt und in der JSC-Vakuumkammer installiert wurde, ebenfalls dort Platz finden und Unebenheiten wie Fehler in der motorgesteuerten Ausrichtung der Spiegelsegmente nachweisen. Wäre der Spiegel so groß wie die USA, könnte COCOA "Berge" von einem Zentimeter Dicke finden, so genau ist das Instrument.

    Gar nicht so weit weg: Spinoffs des Webb-Telekops

     
     

    Wäre der Spiegel so groß wie die USA, könnte COCOA "Berge" von einem Zentimeter Dicke finden, so genau ist das Instrument.


    Einige technische Errungenschaften, die im Rahmen der Webb-Entwicklung gemacht wurden, bieten Anwendungsmöglichkeiten, von denen man auch auf der Erde profitieren wird. So enthält das COCOA-Gerät beispielsweise einen verbesserten Sensor zur Wellenfrontmessung, kann also Unebenheiten in Materialien sehr genau aufspüren. Dies könnte zur Verbesserung der Diagnose von Augenkrankheiten beitragen, so weist das Gerät eine hohe Geschwindigkeit auf und könnte das Auge in Sekunden viel genauer vermessen, als es heutige Geräte in Stunden erreichen. Diese Technologie resultierte in vier von der NASA angemeldeten Patenten. Weiterhin wurden für Webb besonders kältebeständige integrierte Schaltkreise entwickelt, die bei der letzten Versorgungsmission auch das Hubble-Teleskop spendiert bekam. Die für das Teleskop entwickelten Infrarot-Sensoren werden bereits erfolgreich in dutzenden Sternwarten auf der ganzen Welt eingesetzt.

    Fünf Tage später wird dann das Stativ des sekundären Spiegels aufgestellt. Da dieser etwa 10m vom primären Spiegel entfernt ist, kann auch er nicht in der angezielten Form an Bord der Rakete Platz finden. Daher ist das dem Sonnenschild gegenüberliegende Bein mit einem Gelenk in der Mitte sowie alle Beine mit Gelenken zur Bewegung in vertikaler Richtung versehen. Bei der Entfaltung des sekundären Spiegels wird nun das Bein durch einen Motor gespannt und das Stativ klappt auf. Nun öffnet sich der primäre Spiegel, dabei drehen sich die beiden Flügel der Struktur des Spiegels, auf denen je drei Segmente montiert sind, um 90 Grad, so dass der Spiegel − und das gesamte Teleskop − nun einsatzbereit ihren Weg zum Zielpunkt fortsetzen. Dieser soll hoffentlich im Dezember 2018 nach fast zwei Jahrzehnten Bauzeit erreicht werden. Die Erwartungen an das Teleskop sind riesig, daher darf bei diesem Öffnungsprozess nichts schief gehen. Wenn alles klappt, darf man sich auf genauso spektakuläre Entdeckungen freuen, wie das Hubble-Teleskop sie ermöglicht hat.

    Weiterführende Links

  • TZN Raumfahrer.net: Forumsdiskussion zum JWST
    Debatte in der Raumcon.

  • In Space

    Jonathan Hofinger über das Teleskop der Superlative.


     

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