T R E K Z O N E   W E E K E N D 

































Phlox: "Optimismus, Captain!"


     ("Enterprise": 1.01 "Aufbruch ins Unbekannte" - In Sachen "Star Trek" bestehen inzwischen wieder viele Gründe für Optimismus.)

TrekZone Weekend #2684
ein Newsletter des TrekZone Networks

ISSN 1684-7377

28. März 2016

            Intro

 


Ostergeschenke

Liebe Leserinnen und Leser,

Dieses Jahr hat der Osterhase uns "Star Trek"-Fans ein paar richtig große Eier ins Nest gelegt. Die Verlautbarungen rund um die neue Serie stimmen Beobachter rund um die Welt sehr positiv. Es scheint, als habe man aus den Fehlern der letzten zwei Filme gelernt und sei nun darauf bedacht, alles richtig zu machen.

Ein entscheidender Faktor, dass dies überhaupt möglich ist, scheint die Entscheidung zu sein, die neue Serie auf der CBS Streamingseite "All Access" zu platzieren. Dies führt zu einer grundlegenden Verschiebung der Zielgruppe. Während man bei den Filmen und der letzten "Star Trek"-Serie "Enterprise" extrem darauf bedacht war ein Produkt abzuliefern, welches neue Zuschauerinnen und Zuschauer nicht verschreckt, setzt man bei der "All Access"-Serie genau auf die vielen Fans, welche ihre Geldbeutel öffnen werden, um eine Mitgliedschaft bei der Streamingseite abzuschließen. Und denen muss man natürlich eine Serie bieten, die für sie interessant ist. Von daher sind all die positiv stimmenden Rekrutierungen der vergangenen Wochen ein sehr kluger Schachzug.

Der bedeutendste Neuzugang ist Bryan Fuller. Seine Karriere begann er einst bei "Deep Space Nine" und "Voyager". Seit dem Ende dieser Serien hat er weitere Erfahrungen bei der Produktion von Fernsehserien gesammelt und ist nun mit 46 Jahren im besten Alter eine neue "Star Trek"-Serie zu leiten.

Anders sieht es bei Nicholas Meyer aus. Der legendäre Regisseur von "Der Zorn des Khan" und "Das unentdeckte Land" ist bereits 70 Jahre alt. Seine Beteiligung ist für ihn wahrscheinlich der krönende Abschluss seiner Laufbahn. Es bleibt abzuwarten, wie lange er dabei bleiben wird. Auch Beteiligte der Classic-Serie wie Bob Justman oder Dorothy Fontana waren einst nur für kurze Zeit in "Star Trek: The Next Generation" involviert.

Die Beteiligung von Gene Roddenberry's Sohn Ron ist wahrscheinlich vor allem ein kluger Marketingschachzug. Wie er selbst unseren amerikanischen Kollegen von trekzone.org verriet, hat er bisher gerade einmal an zwei Besprechungen teilgenommen. Man kann vermuten, dass er hauptsächlich bei dem Projekt beteiligt ist, um ihm mit seinem guten Namen eine Art Segen zu geben.

Zusammenfassend kann man feststellen, dass sich die Verantwortlichen der "All Access"-Serie bisher größte Mühe gegeben haben, alles richtig zu machen. Dies ist um so erstaunlicher, als der Hauptverantwortliche niemand anderes als Bob Orci ist, welcher mit seinen Drehbüchern zu den letzten zwei Filmen bei Fans auf ein durchaus geteiltes Echo stieß. Bisher ist das Urteil über die neue Serie in den sozialen Netzwerken überaus positiv. Bleibt abzuwarten, ob sich dies ändern wird, sobald ein paar Inhalte bekannt gegeben werden. Denn eine Reihe guter Personalentscheidungen bedeutet natürlich nicht automatisch, dass dieser Personenkreis auch ein gutes Konzept entwickeln wird. Die Chancen für einen Reinfall sind dennoch in den letzen Wochen rapide gesunken. Und darüber sollten wir Fans uns erst einmal freuen.

Guten Wochenstart nach Ostern

            Simon Thomas Johr
            Redaktionsleiter

Inhalt

- BookReview:
      A Pocket Full of Lies

- Im Rückblick
       "Star Trek: Voyager"

- TrekTube:
      ST BEYOND: Easter Eggs

- Star Trek XIII:
      Personalzugänge

- Trek Books:
      Voyager Companions In Fate

- SFZ Weekly:
      Nachrichten der Woche

- In Space:
      Zum 48. Todestag von Juri GagarinZum 48. Todestag Gagarins

- Impressum:
      Disclaimer & Kontakt

- Outro:
      Heute vor zehn Jahren

 
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            BookReview

 

A Pocket Full of Lies
Auf dem Planeten Sormana im Delta-Quadranten tobt ein jahrhundertealter Konflikt. Als die Voyager in der Region auftaucht, stellt sie fest, dass eine Seite von Kathryn Janeway angeführt wird.

Inhalt

Die Full Circle-Flotte folgt einem Hinweis von Neelix: Die Nihydron haben sich auf das Sammeln von Informationen über den Sektor spezialisiert. Ein Austausch mit diesem Volk könnte große Informationsgewinne bringen. Doch der erste Kontakt verläuft nicht gut. Die Nihydron sind von Admiral Janeways Auftritt sehr irritiert. Sie halten sie für die Anführerin einer Bürgerkriegsfraktion auf dem Planeten Sormana. Dort bekämpfen sich die Rilnar und die Zahl seit vielen hundert Jahren.

Die Völker haben sich aus den gleichen Vorfahren auf Sormana entwickelt. Im Laufe ihrer Geschichte versklavte eins das andere und beide Völker brachen unabhängig voneinander ins All auf. Nun verfügen beide über unabhängige Weltraumreiche, die miteinander in friedlicher Koexistenz leben können. Nur auf Sormana bekämpfen sich die beiden Seiten noch.

Der Planet ist durch einen Minengürtel von äußeren Einflüssen abgeschnitten. Sowohl den Zahl als auch den Rilnar außerhalb von Sormana ist die Existenz des Bürgerkrieges eher peinlich. Eine Evakuierung der beiden Bevölkerungsgruppen könnte den Konflikt jedoch in den Sektor tragen, deswegen hat man sich entschieden ihn einzudämmen. Bis vor wenigen Jahren sah es so aus, als würden die Zahl auf dem Planeten den Sieg davon tragen. Doch dann tauchte Denzit Janeway auf und seitdem haben die Sormana die Oberhand.

Admiral Janeway und die Full Circle-Flotte machen sich umgehend auf den Weg nach Sormana. Eigentlich dürfte keine Janeway neben Admiral Janeway mehr existieren, sie starben schließlich alle aufgrund einer Intervention von Q zur selben Zeit. Janeway ist entschlossen, die Hintergründe ihrer Doppelgängerin herauszufinden und sie davon abzuhalten, Partei in dem Bürgerkrieg zu ergreifen.

Kritik

Der Titel des Romans, "A Pocket Full of Lies", ist auch sein Programm. Das merkt man zunächst nicht: Die Handlung erscheint klassisch und direkt. Denzit Janeway ist das Resultat einer temporären Anomalie, sie wurde von den Zahl Gefangen genommen und gefoltert. Nun rächt sie sich an ihren einstigen Peinigern. Admiral Janeway ist daher davon besessen, ihre Doppelgängerin zurück auf den "rechten" Pfad zu bringen. Doch was zunächst ganz simpel scheint, ist es nicht. Bald kristallisieren sich verschiedene Lügen auf beiden Konfliktseiten heraus. Kurz darauf entpuppt sich der Rachefeldzug der Denzit als deutlich persönlicher und selbstbloser. Und zuletzt taucht mit den Krenim aus "Ein Jahr Hölle" eine weitere Partei auf, deren Intentionen die Voyager auch mit dem Auffinden temporal geschützter Bojen aus ihrer Zeit in einer Parallelzeit in "Ein Jahr Hölle" nicht sofort entschlüsseln kann. Dies ist ein vielschichtiger Mix, der viel Platz für Logiklöcher aber gleichzeitig auch für eine spannende und dichte Handlung bietet.

Denn natürlich hängt auch hier mal wieder alles mit allem zusammen. Die Krenim haben erfahren, was in "Ein Jahr Hölle" geschehen ist und streben weiterhin in erster Linie eigene Stärke an. Dafür fachen sie den Konflikt auf Sormana an, da dieser einen Großteil der Flotten der Rilnar und Zahl bindet und sie davon abhält, ihre Reiche zu expandieren. Auf dieser globalen Ebene würde der Roman jedoch nicht funktionieren. Daher wird der Denzit eine private Geschichte angeschrieben, die alle Zutaten einer klassischen Spionageromanze enthält. In der Handlung muss die Voyager-Besatzung diese Wahrheit jedoch mühselig, Schicht um Schicht von Lügen trennen und bis zum spannenden Schluss gelingt es ihnen nicht, alles herauszufinden.

Daher ist der Epilog des Romans seine größte Schwäche. Hier wird dem Leser deutlich mehr über die Hintergründe der Ereignisse verraten als die Voyager-Besatzung jemals herausfinden wird. Auch dieser Epilog, so befriedigend er vom Erkenntnisgewinn auch sein mag, bemüht sich ein möglichst tragisches Ende für die Geschichte um die Denzit und ihre Begleiter zu erschaffen. Er verdeutlicht zudem noch einmal, welche Mächte hinter den Ereignissen tatsächlich standen. Tatsächlich gelingt es dem Epilog noch einmal viel Sympathien für die Denzit herauszuarbeiten. Gleichzeitig nimmt er der Handlung die Chance mit einem offenen Ende zu enden und den Leser tatsächlich mit nichts weiter als einer Handvoll Lügen zurückzulassen.

Ein weiterer kleiner Schwachpunkt des Romans ist, dass ihm das Leid der Rilnar und Zahl egal erscheint. Während die Entbehrungen der Denzit eindringlich geschildert werden, finden sich keine solchen Szenen für die vielen Tausend Rilnar und Zahl, die sich in einer sinnlosen, immer wiederholenden Auseinandersetzung auf Sormana gegenseitig umbringen. Dieser Teil der Erzählung wirkt im Gegenteil geradezu steril.

"A Pocket Full of Lies" wäre zudem kein Beyer-Roman, wenn er sich nicht umfassend mit den Sorgen und Nöten der Voyager-Besatzung auseinandersetzen würde. Hier überzeugt vor allem die (temporäre) Rückkehr Tuvoks zur Besatzung. Anhand der Szenen Beyers wird einmal mehr deutlich, welches Potential in diesem Charakter steckt und wie es auf der Titan bzw. in den (derzeit ziellosen) Romanen der Titan-Autoren versauert. Beyer wiederum arbeitet für Tuvok eine überzeugende emotionale Testsituation heraus, in der sich der Vulkanier bewähren muss. Das ist sehr gelungen. Die anderen Charaktererzählungen nehmen zwar wieder einmal viel Raum ein, plätschern aber vor allem im Vergleich zu Tuvoks Handlung nur vor sich hin und verlieren sich in Nebensächlichkeiten.

Fazit: "A Pocket Full of Lies" erzählt die Geschichte einer eigentlich unmöglichen Doppelgängerin Kathryn Janeways und die eines grausamen Bürgerkrieges. Der Roman konzentriert sich auf Janeway und Tuvok als Hauptpersonen, präsentiert eine straffe Handlung und baut in cleverer Weise Zeitreiseelemente ein. Trotz kleiner Schwächen ist er damit sehr guter Lesestoff.

(wc)


Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Haben Sie Lob, Anregungen oder Kritik dazu? Schreiben Sie an leserbriefe@trekzone.de

von Martin Weinrich

 
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            Rückblick: "Star Trek: Voyager"

 

Ein großes Versprechen und viele verpasste Chancen
Als "Deep Space Nine" erstmals über die Leinwände flimmerte, hatte die Serie ein klares Ziel: Mit dem Bajoranischen Sektor und dem angrenzenden cardassianischen Raum sollte ein bislang nahezu unbekannter Fleck des Alls näher beleuchtet werden – inklusive Ausflügen in den noch weit fremdartigeren Gamma-Quadranten durch das neu entdeckte Wurmloch. Nicht nur Benjamin Sisko kam ursprünglich her, um Entdecker zu sein. Wie drückte es Julian Bashir doch gleich aus: Er wollte absichtlich in die „entlegenste Gegend der Galaxis“ auf einen der „abgelegensten Außenposten der Sternenflotte“ gehen, um in der „Wildnis“ Heldengeschichten zu schreiben. Für die Autoren der Serie war damals wohl noch nicht absehbar, dass sich DS9 in späteren Staffeln immer mehr zum gefühlten Zentrum des "Star Trek"-Universums entwickeln und alles, was Rang und Namen hat, auf diese Station kommen würde.

Einer solchen Entwicklung wollte die vierte Serie, "Voyager", unbedingt vorbeugen. Diesmal wollte man in die Wildnis gehen und in der Wildnis bleiben. Das Szenario: Es verschlägt eine zusammengewürfelte Mannschaft aus Sternenflotte und Maquis auf der brandneuen U.S.S. Voyager in die Tiefen des Delta-Quadranten, 75.000 Lichtjahre (und damit gut 70 Jahre bei maximaler Warpgeschwindigkeit) von der Heimat entfernt. Das Ziel: Nachhause kommen, irgendwie. Damit ist der Name des titelgebenden Schiffes auch zugleich Programm. Die Ausgangsidee war damals frisch und verheißungsvoll, denn sie bot Stoff für neue, unverbrauchte Geschichten. Außerdem durfte zum ersten Mal eine Frau im Stuhl des Captains Platz nehmen: Kate Mulgrew alias Kathryn Janeway

Tatsächlich hängt bereits die Auftaktdoppelfolge die Latte sehr hoch und weckt enorme Erwartungen in Bezug auf die weitere Entwicklung der Serie. Mit Sicherheit handelt es sich um den besten Pilotfilm aller "Star Trek"-Shows, der locker Stoff für mehr als nur einen Zweiteiler hergegeben hätte. Mit der Voyager und einer zunächst ziemlich militärisch wirkenden Kathryn Janeway wird ein Sternenflotten-Schiff eingeführt, das nicht unbedingt die Forscher- und Diplomatenabteilung à la Picard repräsentiert, sondern eher den polizeilichen Arm. Dazu passt auch die Mission: einen entlaufenen, hochrangigen Maquis namens Chakotay in den Badlands aufzuspüren und hinter Schloss und Riegel zu bringen. Bekanntlich kommen die Dinge etwas anders, und die Voyager verschlägt es aufgrund der Intervention eines Wesens, das ‚Fürsorger‘ genannt wird, auf die andere Seite der Galaxis.

Am Ende des Pilotfilms ist die Voyager nicht nur aufgrund von Janeways Entscheidung, das vom sterbenden Fürsorger protegierte Volk der Ocampa zu schützen, im Delta-Quadranten gestrandet. Auch das Maquis-Schiff wurde im Kampf gegen die habgierigen Kazon zerstört. Da bei der Verschleppung der Voyager in diesen Teil des Alls so manche Führungsoffiziere und Crewmitglieder ums Leben kamen, gibt es Platz an Bord. Janeway führt in Anbetracht der neuen Ausgangssituation beide Mannschaften zusammen und entschließt sich sogar dazu, Chakotay zu ihrem neuen XO zu ernennen. Schon in der nächsten Episode wird die halbklingonische Maquisadin B’Elanna Torres neue Chefingenieurin.

Der Pilotfilm verdient Lob und Respekt, das ist gar keine Frage. Doch gewissermaßen trägt auch er dazu bei, dass die Enttäuschungen schon zu Beginn der ersten Staffel umso größer ausfallen. Unmittelbar im Anschluss an Der Fürsorger beginnt die Serie stark abzufallen. Dies hat im Wesentlichen damit zu tun, dass die Handlungen, die man sich aus dem unkonventionellen Piloten verspricht, so nicht eintreten bzw. nicht von den Autoren weiterverfolgt werden. Allem voran zu nennen sind fünf zentrale Kritikpunkte, die alle miteinander zusammenhängen:

Erstens: Man nutzt das Potenzial, das der Maquis und eine bunt gemischte Besatzung bieten, nicht aus. Dass Chakotay – ausgerechnet jener Mann, den man gerade noch jagte – kurzerhand von Janeway zu ihrem neuen Stellvertreter ernannt wird, ist weder nahe liegend noch stört sich jemand in der Crew erkennbar daran. Man reibt sich schon etwas verwundert die Augen, wie schnell die Not der neuen Lage aus den ehemaligen Kontrahenten Freunde macht. Die Zusammenführung der beiden Besatzungen erfolgt insgesamt viel zu reibungs- und problemlos; nach der Post-Pilot-Folge Die Parallaxe ist sie bereits vollzogen. Dabei ist die Konstellation aus einer eher militärisch geprägten Sternenflotten-Besatzung auf der einen und ‚Rebellen‘ auf der anderen Seite an sich hochinteressant. Doch wer sich hier große Entwicklungen erwartet, wird bitter enttäuscht. Zum letzten Mal erfährt man in der sechzehnten Episode von Staffel eins etwas von Integrationsproblemen einiger Maquis-Crewmen (Erfahrungswerte). Bezeichnenderweise ist es der draufgängerische Tom Paris, der anfangs stellvertretend für den Maquis in die Rolle des Abtrünnigen schlüpft und sich Verurteilungen seitens der Sternenflotten-Crew ausgesetzt sieht. Das ist aber nicht der Konflikt, den man eigentlich erwartet. Ein hypothetisches Szenario, was hätte passieren können, bekommen wir noch einmal in Rebellion Alpha am Ende von Season drei geboten, doch es bleibt Fantasie.

Zweitens: Ebenso sehr, wie Chakotay ohne großes Wenn und Aber als neuer Commander akzeptiert wird, stellt – abgesehen von Torres‘ kleinlautem Protest im Pilotfilm – niemand ernsthaft Janeways Entscheidung in Frage, die erst zur Strandung im Delta-Quadranten geführt hat. Niemand zweifelt an ihrer Autorität, und niemand unterstellt ihr irgendwelche Motive. Warum? Wäre hier nicht großartiger Stoff, insbesondere in Verbindung mit dem Maquis-Thema crewinterne Konflikte zu schildern und glaubhaft darzustellen? Erst viel zu spät wird die Serie, gleichsam selbstkritisch, auf Janeways Entscheidung zurückkommen und versuchen, dieses Potenzial ansatzweise zu reaktivieren (Die Voyager-Konspiration). Stattdessen hätte man die ganze erste Staffel hochspannend damit füllen können. Es hätte auch entscheidend dazu beigetragen, die Tiefe der Charaktere und ihre Bindung aneinander deutlich zu intensivieren.

Drittens: Das Leitmotiv der Heimreise und des Abgeschnitten-Seins von allen Häfen geht streckenweise komplett verloren. Es wird teils so stark schleifen gelassen, dass Episoden wie Die 37er zu Beginn der zweiten Staffel plötzlich Aufsehen erregen. Hier wird dem Zuschauer endlich wieder in Erinnerung gerufen, dass der Rückweg der Voyager unglaublich lang und beschwerlich ist - dass die Chancen und Wahrscheinlichkeiten im Grunde gegen sie stehen -, und zum ersten Mal steht eine echte Alternative im Raum: nämlich den Flug aufzugeben und sich auf einem netten Planeten im Delta-Quadranten niederzulassen. Ein wesentlicher Grund dafür, dass das zentrale Motiv der Serie immer wieder in Vergessenheit gerät, ist, dass Janeway bereits am Ende des Piloten plötzlich eine Forschungsmission ausgerufen hat, was verwunderlich ist. Forschen by the way oder aus Versehen, das kann man sich noch hier und da vorstellen, aber die Proaktivität, mit der die Voyager-Crew dies nach kurzer Zeit tut, passt nicht zur existenziellen Lage des Schiffes im Delta-Quadranten. Hier wollte man offensichtlich die TNG-Fans ansprechen, tat dies aber auf Kosten eines klaren Profils für "Voyager".

Viertens: Viel zu schnell, ja beinahe schon mit unheimlichem Tempo findet die Voyager fernab der Heimat in den Sternenflotten-konformen Alltag. Das hängt damit zusammen, dass das Schiff jedes Mal aussieht wie frisch aus dem Raumdock und zudem über schier unerschöpfliche Energie- und Torpedoreserven verfügt, von den Shuttles ganz zu schweigen. Es ist von vorneherein dramatisch unverständlich, wie es einem kleinen Schiff der Intrepid-Klasse ohne geregelte Versorgung gelingt, so lange den ganz normalen Betrieb (und sogar die Holodecks!) aufrechtzuerhalten; erst recht bei den vielen Begegnungen mit feindseligen Aliens. Da sticht zu einem späteren Zeitpunkt in der Serie umso krasser ins Auge, wie es der ebenfalls vom Fürsorger versetzten U.S.S. Equinox ergangen ist (Equinox). Und die Doppelfolge Ein Jahr Hölle vermittelt einem einen Eindruck davon, wie eine realistische Strandung im Delta-Quadranten vermutlich ausgesehen hätte.

Fünftens: Der Pilotfilm hat nicht nur den potenziellen Konflikt zwischen Sternenflotte und Maquis etabliert, sondern auch einige Charakterbeziehungen. Immerhin hat Janeway auf einen ehemaligen Maquis - Tom Paris - gesetzt, um dessen frühere Gesinnungsgenossen ausfindig zu machen. Sie erkennt verschwendetes Potenzial in ihm, doch er selbst sieht sich als Versager, und die Maquis, allem voran Chakotay, erachten ihn als Verräter. Ebenfalls für einen Verräter hält Chakotay Tuvok, der als Spion der Föderation in seiner Mannschaft gearbeitet hat. Am Ende des Piloten gehören alle ein und derselben Brückencrew an. Wie bereits geschrieben, verändert sich die Serie danach schnell und schlägt einen ganz anderen Kurs ein. Man versteht sich in Kürze blendend, erforscht Planeten, Völker und Himmelskörper, besteht Holodeckabenteuer und reist gemeinsam durch die Zeit. Die ursprünglichen Charakterkonstellationen, die produktive Reibung versprachen, weichen einem aalglatten Miteinander. Man kann nicht stark genug unterstreichen, wie schade das ist.

In Summe dieser fünf Punkte entsteht sehr schnell ein Status quo, der der speziellen Situation der Voyager im Delta-Quadranten eigentlich nicht angemessen ist. Er wird verstärkt um eine wenig inspirierte Figurenzeichnung, die alte Rezepte abkupfert (Tuvok: wieder ein Vulkanier, B'Elanna Torres: wieder ein Klingone) und einige Charaktere links liegen lässt (Harry Kim, Kes). Besonders schwach kommt Chakotay daher, der schon nach kurzer Zeit zum weichgespülten Schoßhund Janeways mutiert und sich, abgesehen von einigen spirituellen Eigenheiten (u.a. Bewusstseinsverlust, Der Namenlose, Tattoo), in der ganzen Serie nicht mehr nennenswert fortentwickelt. Man kann ihm nur schwer abnehmen, dass er der Anführer einer militärisch agierenden Rebllengruppe gewesen sein soll. Aber das liegt womöglich auch einfach daran, dass Chakotays Vergangenheit sowie seine Motive nicht zufriedenstellend ausgeleuchtet und erklärt werden. Seine aufkommenden Gefühle für Janeway mögen zwar eine durchaus reizvolle Idee sein, sind aber in Entscheidungen wenig überzeugend, da sehr klischeehaft dargestellt. Angesichts der Schwäche und Weichheit des Chakotay-Charakters scheint ihn seine verkappte Liebe für seinen Captain noch mehr zu hemmen, auch mal auf den Putz zu hauen und seine eigenen Ansichten durchzusetzen.

Tom Paris hat das Problem, dass er sich als Enfant terrible nicht erst im weiteren Verlauf der Serie rehabilitiert, sondern dies bereits im Auftaktzweiteiler getan hat (inklusive Beförderung zum Lieutenant). So ist er während der nächsten Seasons kaum mehr als der Sprüche klopfende, waghalsige Pilot mit einem ausgeprägten Vaterkomplex. Die Rückschläge, die er später erleidet, wirken nur wie künstliche Versuche, seinen Charakterbogen neu aufzuziehen (u.a. Gewalt, Lebensanzeichen, Vis à vis, Dreißig Tage). Einer der wenigen Lichtblicke ist der holografische Doktor. An seiner Figur zeichnet sich frühzeitig ab, was später noch deutlich ausgebaut werden soll: "Voyager" als Sitcom im All. Erneut ein Bruch mit den Ansätzen in Der Fürsorger, aber immerhin etwas, das gut funktioniert. Während der Doktor in den ersten Staffeln noch sein Programm erweitert und in bester Tradition von Data seine Menschlichkeit entdeckt, übernimmt diese Rolle ab Staffel vier Seven of Nine. Doch der Holoarzt wird zu diesem Zeitpunkt bereits so vielseitig ausgebaut sein, dass er andere Nischen für sich reklamieren kann.

Als missglückt kann die Integration der beiden Charaktere aus dem Delta-Quadranten gelten: Die Aufnahme von Neelix und Kes in die Besatzung erscheint zwar rein logisch gesehen durchaus von Nutzen, es geht jedoch viel zu schnell und selbstverständlich vonstatten. Insbesondere nachdem es immerhin Neelix war, der einen Konflikt mit den Kazon vom Zaun brach, um seine Geliebte aus ihrer Gewalt zu befreien. Im Gegensatz zu Kes, die die Autoren bereits nach drei Staffeln aus der Serie herausschreiben, wird Neelix zwar in viele Episoden eingebunden, ihm fehlt aber eine dunkle oder verschlagene Seite, die ihn interessant macht. Ein wenig Garak wäre wünschenswert gewesen. So ist Neelix einfach ein exotischer, gutherziger Kauz mit zweifelhaften Kochkünsten und ein paar Kontakten im Delta-Quadranten. Man mag ihn zwar, kann ihn aber häufig nicht so ernst nehmen wie es die Serie gerne hätte. Es wirkt beinahe so, als hätten die Autoren von Enterprise bei der Erschaffung des Denobulaners Phlox aus den Fehlern gelernt, die bei Neelix begangen wurden, denn Gemeinsamkeiten zwischen beiden Figuren bestehen fraglos.

Abseits der Hauptfiguren kann sich "Voyager" gerade in seinen ersten drei Staffeln nicht vieler wiederkehrender Gastcharaktere rühmen. Die hervorstechende Figur ist hierbei die Verräterin Seska, welche anfangs noch interessant ist. Leider zeigt sich an ihrem Beispiel eine fürchterliche Inkonsequenz der Serie, die in die Irre führt. Seska verfolgt in Der Verrat das Ziel, die Kazon zu Alliierten der Voyager zu machen, indem letztere Sternenflotten-Technologie einzutauschen bereit ist (was Janeway aus Gründen der Obersten Direktive strikt ablehnt). Seskas Plan aber schlägt fehl, und am Ende der Folge beamt sie zu den Kazon hinüber und versucht fortan, die Voyager in ihre Gewalt zu bekommen. Das erscheint nicht logisch. Was hat Seska davon, als versprengte cardassianische Frau unter fremden, allzu patriarchalisch geprägten Kazon in den Weiten des Delta-Quadranten zu leben? Die Begründung 'Macht haben' springt zu kurz. Ihr Wunsch war doch, an Bord der Voyager schneller und sicherer nachhause zu kommen (Das oberste Gesetz). Ihre Motive werden nie ernsthaft erklärt, aber was man sieht, erscheint nicht recht wasserdicht. Plausibel wäre beispielsweise gewesen, dass Seska es – wie auch immer – gelingt, eine Meuterei auf der Voyager in die Wege zu leiten, z.B. nachdem Janeway Chakotay schwer vor den Kopf gestoßen hat, und dass sie als Chakotays ‚Einflüsterin‘ einen Politikwechsel der Voyager gegenüber den Kazon in die Wege leitet. Infolge dieser Entwicklung hätte gezeigt werden können, dass Janeway doch Recht gehabt hat, und der eines Besseren belehrte Chakotay hätte seine Übernahme des Schiffes rückgängig gemacht. Dazu hätte die Serie freilich bereit gewesen sein müssen, die Maquis-Karte deutlich stärker zu zücken und Janeways Autorität als Captain auch mal gravierend in Zweifel zu ziehen. Beides ist bekanntlich nie wirklich passiert, und deshalb blieb den Autoren nichts anderes übrig, als die böse Seska von der guten Voyager zu entfernen und zu den bösen Kazon zu schicken.

Relativ schnell werden in "Voyager" Geschichten erzählt, die größtenteils auch in jeder anderen Star Trek-Serie laufen könnten. Da werden mysteriöse Nebel, exotische Planeten und Völker sowie temporale Anomalien erforscht. Am Ende ist fast immer wieder alles beim Alten - es geht doch nichts über den Status-quo. Das ist nach vielen Jahren Star Trek schlicht altbacken. Die einzige Ausnahme bildet der bereits angesprochene Seska-Handlungsbogen (der einzige durchgehende Plot in der Serie) und Janeways Versuch, zu verhindern, dass eine ganze stellare Region dadurch destabilisiert wird, dass die wilden Kazon in den Besitz moderner Sternenflotten-Technologie kommen. Nur in Folgen, die in diesem Plot angesiedelt sind (Der Verrat, Das Signal, Allianzen, Der Verräter, Der Kampf ums Dasein), wird einigermaßen nachfühlbar, wie auf sich allein gestellt die Voyager ist. Bedauerlicherweise sind die Kazon und Maje Culluh, mit denen Seska sich verbündet, keine besonders beeindruckenden Antagonisten, sondern wirken eher wie eine verkorkste Vorversion der TOS-Klingonen. Gerade ihr letzter Auftritt im zweiten Teil von Der Kampf ums Dasein enttäuscht schwer. Immerhin machten die Autoren in den Folgen Der Namenlose und Allianzen etwas Boden gut, indem sie eine Erklärung dafür fanden, warum die Kazon sind, wie sie sind, und was ihr gesellschaftlicher Hintergrund ist (bis vor einem Vierteljahrhundert Sklaven der Trabe).

Beinahe noch flacher und uninspirierter als die Kazon erscheinen andere Völker, die in den ersten drei Staffeln auftauchen, wie zum Beispiel die wiederkehrenden Vidiianer (Transplantationen, Von Angesicht zu Angesicht, Lebensanzeichen, Die Verdoppelung, Entscheidungen, Der Wille). Von einer unheilbaren Krankheit befallen, die ihre Zivilisation bedroht, haben sie ihre Moral über Bord geworfen und trachten nun anderen Lebewesen nach ihren Organen. Allzu offensichtlich ist am Beispiel der Vidiianer der Versuch, eine Art von 'Zombiealiens' in "Voyager" einzuführen. Das ist ermüdend. Wenn man schon Entdeckungsgeschichten erzählen wollte, hätte man länger über wirklich neuartige Völker mit ungewöhnlichen Gesellschaften nachdenken können. Stattdessen präsentiert wurde ein eindimensionaler Neuaufguss von altbekannten Spezies aus dem Alpha- und Beta-Quadranten. Die Borg, mit denen der halbwegs kundige Zuschauer die ganze Zeit über latent rechnet (immerhin liegt ihre Heimat im Delta-Quadranten), lassen auf sich warten. In den ersten zwei Staffeln werden sie totgeschwiegen, im dritten Jahr nur auf Umwegen in der mäßigen Folge Die Kooperative thematisiert. Man fragt sich schon, ob die Taktik, die Borg so lange von der Serie fernzuhalten und sie ab Season vier dann plötzlich exzessiv zu behandeln, der richtige Weg war.

Nach so viel Kritik sollen auch noch ein paar positive Aspekte angesprochen werden. So findet Janeway im Gegensatz zu vielen anderen Charakteren relativ früh ihre Rolle als mütterliche und doch idealistische Kommandantin, wenn ihr auch häufig der Gegenpart fehlen mag, der für Chakotay reserviert war. Während es von ein paar Ausnahmen abgesehen einen bedauerlichen Mangel an Plotkontinuität gibt, ist die Kontinuität bei den Figuren durchaus gegeben. Man denke da beispielsweise an Toms rüpelhaftes Verhalten in Staffel zwei oder B'Elannas und Toms allmähliche romantische Annäherung am Ende von Staffel drei. Insgesamt fällt auf, dass insbesondere in der zweiten Hälfte des dritten Jahres ernsthafter mit bestimmten Figuren gearbeitet wird. Gemeint sind hier abseits der keimenden Torres-Paris-Beziehung der Doktor, der sein Selbst erforscht, das Verhältnis Tuvok-Neelix und der merklich erwachsenere Kes-Charakter. Neben ein paar der mit Seska verbundenen Episoden sind beispielsweise die Q-Auftritte recht gut gelungen, weil das Zusammenspiel mit Janeway funktioniert. Die Q-Figur wird so von einer ganz anderen Seite beleuchtet, und es werden Einblicke in das Q-Kontinuum gewährt, die in TNG nicht erfolgten (Todessehnsucht, Die Q-Krise). Weitere Einzelepisoden stechen in den ersten drei Staffeln positiv hervor. Dazu zählen Dr. Jetrels Experiment und Die Verdoppelung sowie Gewalt, in Grenzen auch Das Ultimatum und Temporale Sprünge. Durchaus sehenswert ist überdies Vor dem Ende der Zukunft wegen eines humoristischen Elements, das an den vierten Kinofilm, Zurück in die Gegenwart, erinnert.

Insgesamt gewinnt man bei den ersten drei Staffeln von "Voyager" jedoch den deutlichen Eindruck, dass die Produzenten nicht den Mut hatten, den im Pilotfilm eingeschlagenen neuen Weg auch wirklich zu beschreiten. Offenbar war die Angst zu groß, auf diese Weise TNG-Fans zu verprellen. So bemühte man sich in erster Linie darum, die Fangemeinde mitzunehmen - was beispielsweise auch erklärt, warum der Alpha-Quadrant doch noch so oft in der Serie auftaucht (Romulaner, Klingonen, Ferengi, ein cardassianischer taktischer Flugkörper, intelligent gewordene Dinosaurier, Zeitreisen zur Erde, Barclays, Rikers und Sulus Gastauftritte, Menschen in Die 37er und Die Kooperative etc.). Der Preis dafür ist, dass über weite Strecken altbekannte Geschichten erzählt werden. Ein ähnliches Prinzip zeigt sich auch bei den Figuren, von denen einige in erschreckend kurzer Zeit ihre Ecken, Kanten und Potenziale verlieren (Chakotay, Paris, Torres), während andere blass und uninteressant bleiben (Kes, Kim, Tuvok). Nur Janeway und der Holo-Doktor wissen dagegen zufriedenzustellen. So bekommt der Zuschauer in den ersten drei Staffeln eine ziemlich typische Star Trek-Serie geboten, was aber für den inzwischen vierten Ableger einfach nicht mehr genug ist. Immerhin wird ab Staffel vier der Mut für einen Neustart der Serie da sein, die in ihrem TV-Debüt so große Versprechungen machte und so wenig davon einlöste.

Fazit: Ein toller Pilotfilm, der neue Wege erkennen lässt. Danach verfällt "Voyager" aber allzu schnell in den üblichen Star Trek-Trott und geht in Friede, Freude, Eierkuchen-Mentalität im Delta-Quadranten auf Entdeckungsreise. Von einigen positiven Ausreißern abgesehen, sind Staffel eins bis drei weitgehend eine Dauerstagnation – die Serie fährt sich im Morast des Altgewohnten fest und bleibt den Beweis schuldig, was denn das Besondere an ihr ist. Den Befreiungsschlag bringen erst die Borg. Wohl keine Star Trek-Serie war über einen so langen Zeitraum so resistent gegen Innovation und Kreativität wie "Voyager" in seinen ersten drei Jahren. Mit Ach und Krach und einem zugedrückten Auge eine noch gerade so mittelmäßige Bewertung.

Gesamtbewertung: Befriedigend

(jw)


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von Julian Wangler

 
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            TrekTube

 


"Star Trek Beyond"-Trailer 2016 - Easter Eggs, Breakdown, and Things Missed
Reckless Ed sieht sich Trailer für kommende Blockbuster etwas näher an und beantwortet so Fragen, die noch gar nicht gestellt wurden. Diesmal widmet er sich dem Trailer zu "Star Trek: Beyond". Fröhliches Eierfinden!



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ausgewählt von Thomas Hoeft

 
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            Star Trek XIII

 


Bryan Fuller wird Showrunner der neuen Serie
Fuller, welcher bereits 22 Episoden für Voyager und DS9 schrieb, wurde nun vom Sender CBS in der Position als Showrunner bestätigt. Er wird zusammen mit Alex Kurtzmann die neue "Star Trek"-Serie entwickeln und schreiben.

Der am 27. Juli 1969 geborene Fuller ist vor allem für Fantasy-Serien mit spitzfindigem, dunklem Humor bekannt. Fuller ging in Idaho auf das Lewis-Clark State College, bevor er an die USC Film School in Los Angeles wechselte.

Autor Bryan Fuller
Für den amerikanischen Pay-TV-Sender Showtime entwickelte Fuller 2003 die Serie "Dead Like Me - So gut wie tot". Die junge Hauptfigur stirbt gleich in der ersten Folge - sie wird von einem abstürzenden Toilettensitz der Raumstation MIR erschlagen. Aber das ist längst nicht ihr Ende, denn als Seelensammlerin muss sie fortan die Seelen kürzlich Verstorbener ins Jenseits begleiten - eine nicht immer leichte Aufgabe. Die Serie brachte es auf zwei Staffeln mit zusammen 29 Folgen, Fuller verließ die Serie allerdings schon nach fünf Folgen aufgrund von kreativen Differenzen zwischen Studio und Sender. "Dead Like Me" wurde 2008 zunächst auf dem Pay-TV-Kanal SciFi und später im Free-TV auf RTL 2 erstmalig ausgestrahlt.

Seine Serie "Wonderfalls" aus dem Jahr 2004, in der Tierfiguren eine junge Frau zu guten Taten anleiten, wurde vom Fernsehsender Fox allerdings schon nach vier Folgen abgesetzt. Trotz der frühen Absetzung zog die Serie eine leidenschaftliche Fangemeinde an, die sich für eine Veröffentlichung auf DVD starkmachte. Fox willigte ein und ein Jahr später erschienen alle 13 gedrehten Folgen als Staffelbox.

Während der ersten Staffel der Hit-Serie "Heroes" fungierte Fuller als Producer und Autor. Er schrieb die vierte und 17. Folge der Staffel, die im Herbst 2007 in Deutschland anlief (ebenfalls auf RTL 2). 2007 kreierte er für den US-Sender ABC die Serie "Pushing Daisies", in der die Hauptfigur Tote durch eine Berührung wieder zum Leben erwecken kann. Wenn er sie aber nicht innerhalb von einer Minute erneut berührt und damit in den Tod zurückschickt, stirbt jemand anderes im näheren Umkreis. Im November 2008 setzte der Sender die Serie, die für ihre erste Staffel mit drei Emmys ausgezeichnet wurde, in der Mitte der zweiten Staffel ab. In Deutschland liefen die beiden Staffeln von "Pushing Daisies" ab Oktober 2008 beziehungsweise Januar 2009 auf ProSieben.

Nach der Absetzung von "Pushing Daisies" kehrte Fuller für kurze Zeit als Drehbuchautor zu "Heroes" zurück, um der ins Schlingern geratenen Serie neue Kreativität einzuhauchen. Seine Arbeit am Ende der dritten Staffel wurde von den Fans euphorisch augenommen, doch bereits kurz nach Produktionsbeginn der vierten Staffel verließ Fuller die Serie erneut, um sich eigenen Projekten zu widmen.

Zunächst arbeitete er mit Bryan Singer an "Sellevision", welches auf der literarischen Vorlage von Augusten Burroughs beruht. Mit "No Kill" sammelte er außerdem erste Erfahrungen beim Schreiben einer Sitcom. Beide Projekte wurden allerdings nie umgesetzt. Bei seinem nächsten Projekt, einer Neuauflage des Klassikers "The Munsters" mit dem Titel "Mockingbird Lane", kam es hingegen immerhin zu einem Pilotfilm. Fullers erfolgreichstes Projekt der vergangenen Jahre war die Serie "Hannibal", welche es auf drei Staffeln brachte. Daneben arbeitete er an einer Reihe von weiteren Projekten, welche nicht in Serie gingen.

Seine Autorenkarriere begann Bryan Fuller bei "Star Trek". Er ist seit der Classic-Serie Fan und hält "Deep Space Nine" aufgrund der starken Charakterzeichnung in der Serie nach dem Original für die beste der Trek-Serien. "Ich hatte Regale und Regale und Regale voll mit Actionfiguren, die mehr Dates verschreckt haben, als ich zugeben möchte", soll er einmal gesagt haben. Fuller war für die Storys und Drehbücher von insgesamt zwei DS9- und 19 "Voyager"-Folgen verantwortlich. Im Herbst 2008 sorgte er mit der Meldung, er könne sich vorstellen, eine neue "Star Trek"-Serie zu erschaffen, für Aufregung im Trek-Fandom. Im Februar 2016 wurde bekannt gegeben, dass Fuller Showrunner der nächsten "Star Trek"-Serie werden wird.

Produzent Bryan Fuller

Voyager

  • Co-Producer (Staffel 7)

Episoden mit Drehbuch oder Story von Bryan Fuller

Deep Space Nine

  • 5.11 "Dunkelheit und Licht" ("The Darkness and the Light")
  • 5.24 "Empok Nor" ("Empok Nor")

Voyager

  • 4.06 "Der schwarze Vogel" ("The Raven")
  • 4.12 "Leben nach dem Tod" ("Mortal Coil")
  • 4.17 "Im Rückblick" ("Retrospect")
  • 4.23 "Der Zeitzeuge" ("Living Witness")
  • 5.02 "Die Drohne" ("Drone")
  • 5.12 "Chaoticas Braut" ("Bride of Chaotica")
  • 5.13 "Schwere" ("Gravity")
  • 5.18 "Endstation - Vergessenheit" ("Course: Oblivion")
  • 5.21 "Verheerende Gewalt" ("Juggernaut")
  • 5.24 "Zeitschiff Relativity" ("Relativity")
  • 6.03 "Barke der Toten" ("Barge of the Dead")
  • 6.05 "Alice" ("Alice")
  • 6.08 "Ein kleiner Schritt" ("One Small Step")
  • 6.23 "Voller Wut" ("Fury")
  • 6.25 "Der Spuk auf Deck 12" ("The Haunting of Deck Twelve")
  • 7.09/7.10 "Fleisch und Blut" ("Flesh and Blood")
  • 7.16/7.17 "Arbeiterschaft" ("Workforce")
  • 7.21 "Friendship One" ("Friendship One")

(sj, hk)




Bekannte Gesichter bei neuer Serie
Neben Bryan Fuller haben nun auch weitere "Star Trek"-Veteranen für die neue Serie unterschrieben.

Nachdem es die ersten Monate seit der Ankündigung einer neuen "Star Trek"-Serie sehr ruhig war, werden nun nach und nach neue Personalzugänge bekannt gegeben. Darunter sind:

Rod Roddenberry

- Nicholas Meyer, Regisseur von "Star Trek 2: Der Zorn des Khan" und "Star Trek 6: Das unentdeckte Land", sowie Drehbuchautor von "Star Trek 4: Zurück in die Gegenwart"

- Rod Roddenberry, Sohn von Gene Roddenberry

- Trevor Roth, COO von Roddenberry Entertainment

Des Weiteren gab CBS CEO Les Moonves ein Interview, in welchem er verlauten ließ, dass die drei Online-Streaming-Plattformen Netflix, Amazon und Hulu alle an der neuen Serie interessiert waren. Man habe sich aber entschieden, die Serie selbst zu finanzieren und dadurch die hauseigene Streamingseite zu pushen. Betriebswirtschaftlich sei eine neue "Star Trek"-Serie ein sehr kleines Risiko. Allein durch die Verkäufe auf dem internationalen Markt könne man 60% der Produktionskosten wieder hereinholen.

(sj - Quelle: TrekMovie.com)


Newsredaktion:
      Simon Thomas Johr

 
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            Trek Books

 


Der Weg ist das Ziel – Voyager Companions In Fate
Mit Ausnahme von Voyager bekam jede der jüngeren Star Trek-Serien ein mehr oder weniger natürliches Ende spendiert. In "The Next Generation" wurde durch Picards Geniestreich der Gerichtsprozess der Q gegen die Menschheit abgeschlossen, in "Deep Space Nine" endete der Dominion-Krieg, in "Enterprise" wurden die Gründung der Föderation und die letzte Reise der NX-01 thematisiert.

Mit Ausnahme von Voyager bekam jede der jüngeren Star Trek-Serien ein mehr oder weniger natürliches Ende spendiert. In "The Next Generation" wurde durch Picards Geniestreich der Gerichtsprozess der Q gegen die Menschheit abgeschlossen, in "Deep Space Nine" endete der Dominion-Krieg, in "Enterprise" wurden die Gründung der Föderation und die letzte Reise der NX-01 thematisiert.

Nur in Voyagers Endspiel schien noch etwas Wichtiges zu fehlen. Zugegeben, Captain Janeway und ihre Crew fanden nach Hause und erfüllten damit nach sieben Jahren der Odyssee durch den Delta-Quadranten das Ziel der Serie. Aber wir erfuhren nie, wie es für die Besatzung der Voyager in der Heimat weiterging.

Blieb die Crew zusammen? Fand sie in der nach dem Dominion-Krieg veränderten Föderation den Anschluss, den sie sich erhofft hatte? Was wurde aus den einzelnen Helden der Serie? Inwieweit wirkte die lange Reise in ihnen nach und hat sie womöglich dauerhaft geprägt?

All diese Fragen blieben unbeantwortet, denn nachdem die Voyager der Erde entgegenflog, befanden wir uns bereits im Abspann. Was wir durch den letzten TNG-Kinofilm Nemesis als einziges erfuhren, war, dass Janeway im Oberkommando der Sternenflotte Karriere machte. Der Rest blieb jedoch offen – unbefriedigend, wie manch langjähriger Zuschauer und Serienliebhaber sich gedacht haben mag.

Nun wird der Werdegang der Voyager-Besatzung nach dem Serienfinale weiterzählt. Voyager Companions In Fate aus der Feder von Fan-Fiction Autor Julian Wangler ist eine charakterzentrierte Geschichte. In der Heimat stehen Janeway und ihre Wegbegleiter vor neuen Herausforderungen und Veränderungsprozessen. Am Ende steht die Erkenntnis, dass sie zu einer Schicksalsgemeinschaft verschmolzen sind, die sich nicht mehr dauerhaft auflösen lässt.

Die Geschichte ist Ende 2015 in vier Bänden erschienen. Diese stehen über Julian Wanglers Romanportal Star Trek Companion zum kostenlosen Download zur Verfügung.

Die folgende Leseprobe bietet die Möglichkeit schon einmal den Stil und Handlung der Serie zu entdecken.

Leseprobe: U.S.S. Voyager, 3. Januar 2378

Crewman Hars Chell überblickte die leere Messe der Voyager und spürte, wie Wehmut in ihm aufstieg. Tische, Stühle, Schiffsküche, Aussichtsfenster – all das und noch mehr hatte er vom unvergesslichen Neelix geerbt.

Kurz bevor das Schiff zurück in den Alpha-Quadranten fand, war der Talaxianer auf eigenen Wunsch von Bord gegangen. Seitdem hatte Chell bestmöglich versucht, die großen Fußstapfen auszufüllen, die Neelix hinterlassen hatte. Tatsächlich war er mit großem Enthusiasmus gestartet. Der Bolianer hatte seinen Job als Mitglied des Ingenieurteams zugunsten der Arbeit in der Messe stark reduziert. Er hatte sich in den Kopf gesetzt, die Crew mit ausgefallenen Gerichten zu überraschen und damit über den Verlust ihres langjährigen Schiffskochs und Moraloffiziers hinwegzutrösten. Speisen wie ‚Hühnerwarp-Cordon-bleu‘ und das ‚Roter-Alarm-Chili‘ hatten der ganz große Knüller werden sollen – und erst der Anfang einer grandiosen Speisekarte.

Doch die Maatkarriere Chells hatte nicht lange gewährt. Die Voyager war erneut auf die Borg gestoßen, hatte eine Begegnung mit einer Kathryn Janeway aus einer alternativen Realität gehabt – und zack, ehe man sich versah, befand man sich wieder im Herzen der Föderation. Nun waren es gerade noch ein paar Stunden, bis das Schiff an der McKinley-Erdstation anlegen würde, um nicht nur gewartet, sondern im Hinblick auf alle technologischen Erweiterungen und Umrüstungen gründlich studiert zu werden.

Die Voyager wurde derzeit von einem halben Dutzend anderer Sternenflotten-Schiffe bis ins Sol-System eskortiert. Dort würde eine Menge anstehen. Eine Willkommensfeier mit viel Pomp, etliche Besprechungen und Anhörungen, das Wiedersehen mit Familien und Freunden…wenn man denn das Glück hatte, noch welche zu besitzen.

Chell gehörte zu Jenen, die im Maquis ihre Familie gesehen hatten. Doch die Bewegung gab es längst nicht mehr, und die meisten ihrer Anhänger waren im Vorfeld des Dominion-Kriegs getötet worden. Gestern, zweiundzwanzigtausend Lichtjahre zurück, waren Maquis und Sternenflotte gewissermaßen gleich weit entfernt von ihren Liebsten und Heimen gewesen – in dem Sinne, dass sie unerreichbar schienen. Jetzt jedoch waren die Maquis gezwungen, sich daran zu erinnern, dass ihre Heimat nur noch aus Ruinen und Trümmern bestand.

Der Bolianer fragte sich, was aus ihm und den dreißig anderen ehemaligen Mitgliedern von Chakotays Besatzung werden würde. Im Delta-Quadranten waren sie mit den Sternenflotten-Offizieren zu einer Crew verschmolzen, aber hier, im Raum der Föderation, wurden Anklagen nicht so leicht fallengelassen. Viele hochrangige Admiräle hatten sich dereinst, als die Aufstände in der Entmilitarisierten Zone entflammten, sehr über den Maquis erzürnt und harte Strafen gefordert. Diejenigen, die in die Fänge der Sternenflotte gerieten, wurden oftmals über Jahre in Strafkolonien gesteckt.

Chell hatte sich eingebildet, die Vergangenheit sei mehr oder minder überwunden worden. Doch nun kehrte sie mit Volldampf zurück. Was würde mit den ehemaligen Besatzungsmitgliedern des Maquis-Raiders Liberty passieren, sobald sie die Erde erreicht hatten? Was mit den fünf verbliebenen Mitgliedern der Equinox-Crew, die Captain Janeway dereinst aufgenommen hatte? Was hatte Admiral Paris gesagt, als er die Voyager gerufen hatte?

In einer halben Stunde würde sich die Mannschaft in Frachtraum eins versammeln. Der Captain würde eine Ansprache anlässlich der Heimkehr halten. Ein letztes Mal würde das Gefühl der Gemeinschaft beschworen werden. Aber dann… Was würde dann geschehen?

(wc)


Newsredaktion:
      Martin Weinrich

 
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            SFZ Weekly

 


Vor dem Erwachen
Der Auftakt zum neuen Film in Kurzgeschichtenform.

Inhalt

Der neue "Star Wars"-Kino-Blockbuster ist bekanntlich rund dreißig Jahre nach den Ereignissen aus "Die Rückkehr der Jedi-Ritter" angesiedelt, was in der gesamten Fanwelt die Frage aufwirft: Was ist in der weit entfernten Galaxis in eben jener Zeit passiert? Erste Antworten finden sich in diesem Jugendroman, der in spannenden Episoden Einblicke in das Leben der neuen Hauptfiguren Finn, Rey und Poe gewährt ... in den Tagen, Wochen und Monaten VOR dem Erwachen der Macht.

Kritik

Ein Kurzgeschichtenband über die drei Haupthelden des neuen Star Wars-Films, das ist „Vor dem Erwachen“. Dabei wird vor allem Wert auf die Charaktere selbst gelegt, wer also Action erwartet, ist hier falsch. Festhalten muss man außerdem noch, das es sich um ein Jugendbuch handelt, es also etwas ‚leichter‘ geschrieben ist, als andere Romane.

So muss man auch kontrastieren, das der Roman eher seichte Unterhaltung bietet und die Stories keine allzu großen Neuerungen bringen. Immerhin erfährt der geneigte Fan aber einige Dinge, die man sich nach Betrachtung des Filmes durchaus gefragt hat: Woher hat Finn den Umgang mit dem Lichtschwert gelernt? Warum kann Rey so gut fliegen?

Nun, die Antworten sind einfach, die erste Ordnung trainiert auch Lichtschwertkampf (wenn auch ohne Lichtschwerter) und Rey hat sich in den Jahrzehnten ihres Exils einen Simulator zusammengebaut, auf dem sie so oft geflogen ist, das sie es aus dem Stegreif beherrscht. Kein Wunder, viel mehr hatte sie ja nicht zu tun außer Schrott sammeln.

Allen Geschichten gemein ist, das die Charaktere das ein oder andere lernen. Finn lernt, das er auf der falschen Seite steht, auch wenn es etwas verwunderlich ist, das Captain Phasma ihm tatsächlich noch eine Chance geben will. Auch Poe lernt, wer die richtige Seite in diesem Krieg ist und es wird gezeigt, warum er sich dem Widerstand angeschlossen hat.

Die Geschichte um Rey bleibt dabei noch am blassesten, denn außer, das sie versucht, befreundeten Schrottsammlern zu vertrauen, gibt es wenig Einblicke in ihr Innenleben. Wie bereits erwähnt gibt es immerhin gegen Ende ein wenig Action, richtig mitreißend sind die kurzen Dogfights im All allerdings nicht. Zu einfach und schnell laufen diese ab.

Was bleibt ist ein kurzes Buch für Zwischendurch, ganz im Jugendstil, aber wohl wirklich eher für Hardcorefans geeignet.

Fazit: Kurze Einblicke in die Charaktere, ansonsten eher strikte, seichte Unterhaltung – das ist für ein Jugendbuch okay, viel mehr sollte man aber auch nicht erwarten.

(tg)




In der Falle
Der Abschluss der Arrow-Zwischenstaffel.

Inhalt

Neue Abenteuer mit dem Helden aus der TV-Serie "Arrow", geschrieben von den Machern des Fernseh-Hits. Der unheimliche Brother Blood scheint von den Toten auferstanden zu sein und lockt Arrow und dessen Partner Roy Harper in eine mörderische Falle. Und noch ein weiterer Feind aus Oliver Queens Vergangenheit taucht auf!

Kritik

Auch zu Arrow erscheint ein neuer Band und bringt die angefangene Story zu einem Ende. Dieser Band bezieht sich dabei natürlich, ebenso wie der Vorgänger, auf die TV-Serie Arrow und schließt eine Lücke zwischen Staffel 2 und 3.

Zeichnungstechnisch hat man dabei das Niveau des Vorgängers gehalten, wobei man sich manchmal ein bisschen wie in einem Wechsel-Dich-Spiel fühlt, denn das Aussehen der Charaktere wechselt mitunter mal. Von der Ähnlichkeit mit den Schauspielpendants ist man dabei auch teilweise recht weit entfernt, zugute halten muss man allerdings, das die wechselnden Gesichtszüge auf ein Minimum reduziert sind. Auch sonst vermag die dunkle, aber dennoch helle, Atmosphäre zu überzeugen.

Handlungstechnisch werden, wie erwähnt, lose Enden geschlossen: Der Brother Blood-Nachahmer findet hier seinen Abschluss, auch wenn dieser Storyakt fast schon wie erwartet abläuft. Zusätzlich dazu taucht dann noch ein weiterer Charakter auf, der an Oliver Rache nehmen will und ebenso kurzweilig abgehandelt wird. An manchen Stellen wirkt die Handlung aber leider etwas konstruiert.

So werden etwa die Mädels – mal wieder – entführt und dürfen hier zu kaum mehr als Scream Queens herhalten, in Hinblick auf etwa Laurels künftige Karriere schon etwas fragwürdig. Auch das mit der Rache an Oliver ist nicht neu, auch wenn es hübsch aufbereitet wurde. Zu gute halten muss man aber auch, das im Anschluss die Geschichte nicht etwa vorbei ist, sondern noch stille Charaktermomente folgen, und das auf gar nicht mal wenigen Seiten.

Oliver denkt nämlich darüber nach, ob das, was er tut, richtig ist und ob er so weitermachen kann. Auch das ist nicht neu und passiert mindestens einmal pro Staffel, trotzdem ist es schön, das man diesem Handlungsbogen sehr viel Raum einräumt.

Selbstredend bleiben die anderen Charaktere dabei etwas blass, immerhin darf aber die Huntress noch mal einen Gastauftritt absolvieren und das Ende leitet fast direkt zum Beginn der dritten Staffel über.

Fazit: Die Geschichten enden wie erwartet und auch sonst ist die Handlung nicht weltbewegend, man nimmt sich aber immerhin Zeit, auch Charakterszenen einzuflechten und vor allem der Übergang zu Staffel drei ist gut gelungen.

(tg)




Der Hai von Central City
Der Abschluß der Flash-Zwischenstaffel.

Inhalt

Die Macher der TV-Serie präsentieren neue Abenteuer mit dem schnellsten Superhelden des Fernsehens! Barry Allen alias Flash bekommt es mit einem neuen Gegner zu tun, halb Mensch, halb Hai! Doch auch die brandgefährliche Suicide Squad macht Jagd auf King Shark!

Kritik

Wie schon bei Arrow so endet auch mit diesem Band die Zwischenstaffel von Flash, wobei Zwischenstaffel eher falsch ist, denn es handelt sich hier um Episoden aus der ersten Staffel der Serie, die also parallel zu ihr laufen.

Zeichnungstechnisch ist der Comic dabei sehr gewöhnungsbedürftig, denn die Figuren wirken recht kantig und haben mit ihrem Schauspielpendants nahezu nichts mehr gemeinsam. Selbst bei den Bösewichten ist das nicht besser.

Die Stories sind auch nicht wirklich neu und handeln vom „Mutanten der Woche“, der ja bereits Markenzeichen der ersten Folgen der ersten Staffel war. Auch hier gilt es, diese zu besiegen und einzubunkern. Soweit so bekannt.

Schön anzusehen ist hier immerhin, dass man sich auch hier um gute Charakterszenen bemüht. Zwei der Mutanten etwa kennen Caitlin bzw. stammen aus ihrer Vergangenheit, was sogleich wieder die Möglichkeit einräumt, diese näher zu beleuchten. Ansonsten gibt es noch eine Story, die beschreibt, wie sich Heatwave und Captain Cold kennen gelernt haben, allerdings bietet diese nur marginale Charaktereinsichten.

Der Rest des Bandes stellt vor allem Barry in den Vordergrund und einen mutierten Hai. Richtig gelesen, ein Haiwesen hält Einzug in die Metaebene und auch die Suicide Squad hat hier einen weiteren Auftritt – von Arrow ganz zu schweigen. Der ist sogar recht gelungen und zeigt schön die Dynamik der beiden Serien auch im Comic. Vor allem aber zeigt er eines, nämlich das auch ein Bösewicht noch zum Guten bekehrt werden kann (oder zumindest fast). Eine wichtige Botschaft also, die in vielen DC-Comics schon vorkam und gerade diese Geschichte nett abrundet. Ob man King Shark allerdings im Fernsehen zu sehen bekommen wird, darf bezweifelt werden, denn das Budget, um diesen zu realisieren, dürfte dank hohem Aufwand ebenso hoch angesetzt sein.

Ein kleines Highlight ist dann auch noch die leicht komödienhaft angehauchte Story um Barry, der versucht, jeden zu retten, am Ende aber lernen muss, dass man auch mal die Beine hochlegen kann, da er andere inspiriert. Gerade diese Sequenz ist einfach nur gelungen und trägt den Geist der Geschichte sehr gut an den Leser weiter. Schade, dass der restliche Band nicht derartig tiefgründige Geschichten aufweist.

Fazit: Trotz eher vorhersehbarer 0815-Mutant-der-Woche-Geschichten sind doch einige sehr gute Charakterszenen enthalten, die den Band durchaus interessant zu halten vermögen. Ansonsten ist es eher Popcornkino für zwischendurch.

(tg)




Die SFZ-Meldungen des heutigen Tages finden Sie auf unserer Website unter SF-Zone.de.

Newsredaktion:
      Thomas Götz


 
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            In Space

 


Zum 48. Todestag von Juri GagarinZum 48. Todestag von Juri Gagarin

Das Rätselraten über die Umstände seines Todes - und ein neues Buch mit neuen Fakten

Andreas Wiese

Bild vergrößernErinnerungsstätte am Absturzort
(Bild: Andreas Weise)
Die Vorgeschichte
Es gibt viele Geschichten in der Raumfahrt, die nebulös und geheimnisvoll sind. Ich befasse mich seit Jahren mit Ungereimtheiten in der Anfangsphase der bemannten Raumfahrt und bin dabei nicht auf Aliens oder Weltverschwörungen, aber auf so manche interessante Geschichte gestoßen. Wie zum Beispiel die eines Weltraumfluges, den es gar nicht gab.

Wo aber der Spaß aufhört und der bittere Ernst anfängt, das sind Geschichten vom Tod. Und speziell um den Tod des ersten Menschen, der in den Weltraum geflogen ist, ranken sich heute noch teilweise die absurdesten Gerüchte. Die Rede ist vom Unfalltod des Juri Alexejewitsch Gagarin am 27. März 1968. Dieser stürzt bei einem banalen Übungsflug zusammen mit seinem Fluglehrer Oberst Wladimir Serjorgin mit einem Schulflugzeug Mig-15UTI ab. Die Umstände sind bis heute ungeklärt.

Und diese Unklarheit bereitet den Nährboden für so manche haarsträubende Geschichte:

  • Er wäre nicht tot, sondern wird in einem Sanatorium versteckt. Womöglich stand hier der Mann mit der Maske von Alexander Dumas gedanklich Pate.
  • Er ist den Mächtigen zu gefährlich geworden und wurde ermordet. Klingt aufregend und schaurig und hat was von einem Thriller.
  • Er wäre völlig betrunken geflogen. Das ist eine der böswilligsten und absurdesten Behauptungen!
  • Er war nicht flugtauglich, was durch die Analyse eines Fotos hinsichtlich seiner Physis belegt werden soll. Dumm nur, dass jenes Foto nachweislich Monate vor seinem Unfalltod in einem ganz anderen Flugzeugtyp aufgenommen wurde.
Aber es gibt auch ernst zu nehmende Berichte, die nach über 45 Jahren aufklären wollen, was an jenem Vormittag des 27. März 1968 wirklich passiert ist.

Warum wird seit Jahrzehnten so ein Geheimnis um die wirklichen Umstände seines Todes gemacht? Der Grund ist einfach: Die seinerzeit verhängte Nachrichtensperre wirkt immer noch nach, und die Wahrheit könnte unbequem sein.

Ohne die sofortige Veröffentlichung des Untersuchungsberichtes konnten Spekulationen über die Vertuschung von Beweisen und Fälschung von Tatsachen gedeihen. Aber warum? Ich selber war immer überzeugt, würde wirklich alles auf den berühmten Tisch kommen, ergäbe sich folgendes Bild: Eine Verkettung unglücklicher Umstände gepaart mit Schlamperei, Selbstüberschätzung und Missachtung der Sicherheitsbestimmungen. Und das man die Ikone des Sozialismus und übergroßen Superstar Gagarin nicht entsprechend beschützt hat, und sei es nur durch die Einhaltung der Sicherheitsbestimmungen, wie sie in der Fliegerei gefordert sind, das will keiner eingestehen. Auch will keiner zugeben, dass Gagarin ein blutiger Anfänger und unerfahrener Pilot war. Überrascht?

Andreas Weise

Bild vergrößernMig-15UTI
(Bild: Andreas Weise)
Gagarin kam 1960 als junger, frisch gebackener Pilot direkt in das Weltraumprogramm. Fliegerische Fähigkeiten waren da nicht von Nöten. Andere Qualitäten waren gefragt. Er hatte nicht einmal 300 Flugstunden bis dahin absolviert. Zum Vergleich: Die ersten US-Astronauten hatten ca. 3000 Flugstunden und teilweise Kampferfahrung mit Jets im Korea-Krieg. Sie wurden eben anders ausgewählt. Gagarins sowjetische Raumfahrtkollegen hatten 1960 auch nur wenige hundert Stunden im Cockpit aufzuweisen.

Während Gagarins Kollegen nach Ihrem Weltraumflug wieder in das Flugtraining einsteigen durften, hatte er Flugverbot. Man wollte seine Person als sozialistische Pop-Ikone schützen. Gagarin selber gelang es erst im November 1967 nach harten Diskussionen, die Erlaubnis zum Fliegen wieder zu erhalten. Er setzte seine Ausbildung als Pilot da fort, wo sie 1960 abgebrochen wurde. Und im Rahmen dieser Ausbildung kam es zu dem besagten tödlichen Unfall.

Wie ist nun der aktuelle Stand um das Rätsel jenes Flugzeugabsturzes? Der Autor Gerhard Kowalski hat in seinem Buch „Der unbekannte Gagarin“ dazu die Faktenlage - per Stand März 2015 - zusammen getragen.

Kurz zusammengefasst:
Es gibt den offiziellen und jetzt teilweise freigegebenen Untersuchungsbericht von 1968. Dieser geht davon aus, dass Technik, Flugvorbereitung und Flugdurchführung ohne Mängel und im Rahmen der Normen waren. Der Absturz wurde durch ein unvorhersehbares plötzliches Ereignis, das jedoch nicht geklärt werden konnte, herbeigeführt. Klartext: Die Piloten hatten selbst Schuld.

Dann gibt es Untersuchungen und Wortmeldungen von verschiedenen Spezialisten, die ab der ersten zögerlichen Archivöffnung zu Glasnost-Zeiten ab Beginn der 1990er Jahre ein etwas differenzierteres Bild zeichnen. Es gab falsche Fluginformationen über Wetter und Flugbewegungen. Die Maschine war völlig überaltert. Sie war mit für die Flugaufgabe nicht zugelassenen Außentanks ausgerüstet. Die Kommunikation war mangelhaft. Eine konkrete Absturzursache wird aber auch hier nicht benannt.

Vor kurzem wurden Aussagen aus einem geheimen KGB-Bericht zugänglich gemacht. Diese KGB-Untersuchung hatte die Aufgabe zu klären, ob es sich bei Gagarins Tod um einen Anschlag, ein Tötungsdelikt oder ähnliches handelte. Also bestand ein ganz anderer Ansatz als beispielsweise zu einem Flugunfallbericht. In diesem KGB-Bericht werden erstmals Namen genannt. Wer war für was an diesem Tag verantwortlich und welche gravierenden Mängel gab es. Hier wird zwar auch nicht die konkrete Absturzursache ermittelt, aber es wird nachgewiesen, dass Gagarin und sein Fluglehrer Serjorgin ohne Not in eine Flugsituation geschickt wurden, die anschließend außer Kontrolle geraten ist.

Andreas Weise

Bild vergrößernSu-15
(Bild: Andreas Weise)
Und dann… gibt es noch General Alexej Leonow. Dieser erklärte 2013, jetzt die Wahrheit zu kennen. Eine einzelne SU-15 habe sich unberechtigt im Luftraum befunden und aus Versehen Gagarins kleine MiG-15UTI ins Trudeln und zum Absturz gebracht. Wer die riesigen Triebwerke eines Überschall-Langstreckenjägers Su-15 schon mal gesehen hat, könnte das durchaus glauben. Leonow geht aber noch weiter. Von allerhöchster Stelle sei ihm der Name des Piloten mitgeteilt worden. Dieser sei heute über 80 Jahre alt. Er habe versprechen müssen, den Namen nicht Preis zu geben.

Rätsel gelöst? Beweise bleibt Leonow schuldig. Die Geschichte mit dem anderen Flugzeug ist auch nicht neu. Bloß der Typ ändert sich hin und wieder. Ich könnte aber glauben, dass für den Fall, dass der Pilot des fremden Flugzeuges den Unfall alleine zu verantworten hätte, der Pilot still und heimlich für immer von der Bildfläche verschwunden wäre. Dieser tauchte aber wieder auf! Und das genau zu dem Zeitpunkt, als der Kremel eine erneute Aufnahme der Untersuchung abgelehnt hat.

Die Theorie vom Einzeltäter hat ja was für sich. Kein anderer trägt Verantwortung oder wird belangt. Damit brauchen andere Untersuchungsergebnisse, wie über Flugvorbereitung und den technischer Zustand, nicht mehr benannt werden, weil sie ja nichts mit der mutmaßlichen Unglücksursache zu tun haben.

Aber wie das so ist, wird auch hier die Diskussion nicht verstummen. Genauso wie bei einem anderen berühmten Einzeltäter, der mit einem einfachen Repetiergewehr einen US-Präsidenten erschossen haben soll.

Wie gesagt: So der Stand der Erkenntnis per März 2015.

Nun gibt es mal wieder ein neues Buch zu diesem Thema. In Russland ist das nur ein weiteres von vielen. Hier in Deutschland, wo das Thema auf nicht so großes Interesse stößt, ist es etwas Besonderes:

Gagarin – Er könnte noch leben
von Nikolai Sergejew, Herausgegeben von Gerhard Kowalski, gesehen auf der Leipziger Buchmesse 2016.

Es liegen neue Erkenntnisse in Form dieses kleinen Büchleins vor. Es ist ganze 90 Seiten dünn, oder sagen wir besser, stark. Der Titel „Gagarin – Er könnte noch leben“ macht zwar eine klare Aussage, aber so richtig gefällt er mir nicht. Der Autor des Textes ist Ex-Oberst der russischen Luftstreitkräfte und heißt Nikolai Konstantinowitsch Sergejew. Er hat sich nicht mehr und nicht weniger zum Ziel gesetzt, das vermeintliche Rätsel um den Tod von Gagarin ein für alle Mal zu lösen. Nach über einem Monat(!) intensiver Recherche und von sich selber uneingeschränkt überzeugt kommt der Autor zu dem Schluss, dass er jetzt die eigentliche absolute Wahrheit über die Vorgänge herausgefunden hat.

Andere haben an dem Fall Jahre gesessen und nichts wesentliches zur Aufklärung beitragen können. Erinnert man sich an die Aussagen von Leonow, so haben wir nunmehr mit Sergejew schon zwei absolut wahrhaftige Wahrheitskenner. Hinzu kommt, dass der Beitrag, dem das Buch zu Grunde liegt, in einem für meinen Geschmack etwas überheblichen Schreibstiel geführt ist. Also doch nur ein Wichtigtuer?

Ich möchte den Leser liebevoll bitten, über all diese Unzulänglichkeiten unvoreingenommen hinweg zu sehen.

Die inhaltlichen Tatsachen sind: Die Informations-Quellen, die der Autor hinzuzieht, sind sämtlich namentlich benannt. Es gibt keine Unbekannten oder anonyme Hinweise oder Mutmaßungen Dritter. Das ist äußerst positiv zu bewerten, da so etwas nicht immer die Regel ist. Die Überlegungen sind schlüssig und auch für einen Laien verständlich. Unvorhergesehene höhere und nicht erklärbare Ereignisse, wie im offiziellen Untersuchungsbericht angedeutet, werden hier nicht hinzu gezogen.

Die vom Autor gestellten Fragen sind teilweise so banal, dass sie schon wieder erschrecken. Denn es wird einem bewusst, dass die vielen hochrangigen Spezialisten und Funktionäre, die mit der Aufklärung der Unglücksursache beauftragt waren, sie nicht offen zu stellen gewagt haben. Hatten sie Angst vor den Antworten? Oder kannten sie die Antworten und hatten Angst vor den Konsequenzen? Gab es einen Flugplan? Und wenn ja, was stand denn drin? Wer gab welche Befehle und vor allem wann? Warum musste unbedingt eine zweite Person im Flugzeug sitzen und warum war das ausgerechnet der Regimentskommandeur Wladimir Serjogin? Wieso war die „offiziell“ gestellte Flugaufgabe, für die 20 Minuten vorgesehen waren, schon nach 4 Minuten beendet? Warum waren Außentanks an der MiG15UTI angebracht?

Und warum hatte der hintere Platz für den Fluglehrer keinen Steuerknüppel? Der Autor lässt alle diese und andere Fragen beantworten. Schier Unglaubliches kommt an Licht. Und selbst Fachleute schütteln verwundert den Kopf. Aber all das ordnet der Autor mit nüchterner Logik zu einem ganzen Bild zusammen und kommt dann zu seinem Ergebnis. Und dieses Ergebnis, was manche „Wahrheit“ nennen würden, ist einleuchtend und für ihn abschließend.

Das Problem besteht nur darin, dass eine endgültige Bestätigung nicht erfolgen kann. Dazu nennt der Autor aber auch gleich die Lösung: Die Wiederaufnahme der Untersuchung und die erneute Prüfung der Überreste der abgestürzten MiG-15UTI. Diese sind in Fässern verlötet und eingelagert. In ihnen schlummert der letzte Beweis, die These zur Gewissheit zu machen. Der Autor benennt klar, wonach gesucht werden muss. Auch wird auf einleuchtende Weise erklärt, warum man sich so hartnäckig gegen eine Wiederaufnahme der Untersuchung entgegen stellt. Das Rätsel ist gelöst und der Schuldige namentlich benannt.

Mit freundlicher Genehmigung des Machtwort-Verlags

Bild vergrößernBuchcover
(Bild: Mit freundlicher Genehmigung des Machtwortverlags)
Fall abgeschlossen!?
Für den Autor steht es jedenfalls fest. Ohne speziell den Inhalt zu verraten, ist folgendes festzuhalten: Die handelnden Personen sind alle Armeeangehörige. Armeeangehörige der Sowjetischen Luftstreitkräfte – keine Zivilpersonen. Am Anfang des Verhängnises stand ein gut gemeinter Befehl. Ein Befehl von General Kamanin, Leiter der Kosmonautenausbildung und Gagarins Vorgesetzter. Aber der kannte nicht alle Umstände und so nahm die Geschichte ihren verhängnisvollen Lauf. Nun ist man in der Armee. Und den Befehl erhalten heißt ihn ausführen, koste es was es wolle. Da wird nicht diskutiert oder gesagt, dass das nicht ginge oder gar Unfug sei. Das kann der Leser vielleicht mit seinem zivilen Vorgesetzten machen, aber nicht in der Armee.

Also setzt General N.A. Kusnezow den Befehl von Kamanin um. Am Ende der Befehlskette steht Oberst Serjorgin. Dieser schimpft zwar wie ein Rohrspatz, weil er als Einzigster offensichtlich die Situation überblicken kann, aber Befehl ist Befehl. Also macht er nach seiner Meinung das Beste daraus und improvisiert.

Die Geschichte ist im Buch an manchen Stellen unübersichtlich beschrieben. Für mich kommt als Ergebnis heraus: Serjorgin hätte den Flug absagen müssen. Er trägt in der ganzen Kette zum Schluss die Verantwortung. Das hätte ihm einen gehörigen Rüffel eingebracht, er wäre vielleicht auch nicht auf Verständnis gestoßen. Doch das hätte Gagarin das Leben gerettet. Aber Serjorgin glaubt, die Situation im Griff zu haben. Hinzu kommen die äußeren Umstände. Gemeint ist das launische Wetter, was sich viel schneller verschlechtert, als erwartet. Als Serjorgin, der ja mitfliegt, das erkennt und den Flug abbrechen lässt, ist es zu spät. Gagarin selber ist in dieser Geschichte nur Spielball und kann den Verlauf nicht wesentlich beeinflussen. Er ist als unerfahrener Pilot der fliegerischen Situation nicht gewachsen, was ihm keiner zum Vorwurf machen kann. Und Serjorgin kann nicht eingreifen, da er in seiner hinteren Pilotenkabine keinen Steuerknüppel hat(!). Tragisch und eben halt dumm gelaufen.

Wie gesagt: Man ist nicht in einer zivilen Institution sondern in der Armee. Der Befehl ist heilig. Und so etwas, wo Gehorsam über dem sogenannten „Gesunden Menschenverstand“ steht, kann man in keinen Untersuchungsbericht schreiben. Und schon gar nicht, wenn dieser an die Partei- und Staatsführung der UdSSR geht. Es wären Köpfe gerollt. Vermutlich hätte man im Verteidigungsministerium angefangen und sich nach unten durchgearbeitet. Und das alles wegen eines banalen Trainingsfluges.

Andreas Weise

Bild vergrößernGerhard Kowalski
(Bild: Andreas Weise)
Der Herausgeber
Der Herausgeber der deutschen Ausgabe, der Journalist, Autor und Übersetzer Gerhard Kowalski, fungiert bei dieser Veröffentlichung nicht nur als Übersetzer. Wer Kowalski kennt, der weiß, dass dieser nicht einfach unkommentiert solch gravierende Behauptungen wie die Lösung des „Fall Gagarins“ weiter gibt. Da er einige der Beteiligten, speziell die Familie Gagarin, persönlich kennt, ist es für ihn kein Leichtes, das vom Autor verfasste Werk unkommentiert durch zu winken. Im Nachwort werden dazu einige prägnante Anmerkungen gemacht, die die dargelegten Erkenntnisse entsprechend einordnen und relativieren. Dabei stützt sich Kowalski auch auf die Aussagen und Anmerkungen von Menschen, die lange Jahre in Flugsicherung und Unfallermittlung gearbeitet haben und denen auch eine MiG-15UTI nicht unbekannt ist.

Das Fazit
Es gibt einige neue Erkenntnisse, die die Ereignisse an jenem 27. März 1968 in einem neuen Licht erscheinen lassen. Ob sie die abschließende Lösung der Frage nach den genauen Umständen der Katastrophe sind, kann nicht gesagt werden. Man sollte sie aber zur Kenntnis nehmen. Daher ist die Veröffentlichung dieser Überlegungen in Form diese Büchleins richtig und notwendig.

Alle gesammelte Materialien und Beweise müssen in eine neuen und abschließenden (von allen politischen Rücksichtnahmen) unabhängigen Untersuchung einfließen. Das beinhaltet auch die Untersuchung der noch vorhandenen Teile des Unglücksfliegers und damit die Öffnung jener geheimnisumwitterten Fässer. Es wäre wirklich zu wünschen. Allerdings ist das eine Entscheidung, die „ganz weit oben“ in Russland getroffen werden muss.

Das Büchlein ist für alle historisch interessierten Raumfahrtfreunde interessant und eine ideale Ergänzung zu den bereits vorliegenden Werken über Gagarin.

Anstelle eines Nachwortes
In dem Büchlein wird ein Wortwechsel mit dem Mitglied der Staatlichen Kommission, dem Chefingenieur der Luftstreitkräfte (WWS) Generaloberst M. N. Mischuk, der an der Untersuchung des Unfalls von Gagarin beteiligt war, zitiert. Mischuk wird aufgefordert: „Geben Sie zu, Michail Nikitisch, dass die Kommission ohne vorherige Absprache es sich von Beginn an zur Aufgabe gemacht hat, den wahren Grund nicht zu finden.“ Die Antwort darauf ist eindeutig: „Natürlich.“

GAGARIN - ER KÖNNTE NOCH LEBEN
Erschienen im Machtwortverlag 2016
ISBN: 978-3-86761-145-9




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von Andreas Weise

 
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TrekZone Weekend #2684
ISSN 1684-7377
Erscheinungsdatum:
28. März 2016
Auflage: 3481 Exemplare


Herausgeber:
      Michael Müller
      Henning Koonert

Chefredaktion:
      Thomas Hoeft

Abschlussredaktion:
      Sara Hoeft
      Simon Thomas Johr
      Michael Möller
      Christian Vajda

Redaktionsleiter:
      Simon Thomas Johr

Management:
      Melanie Brosowski
      Tom Gerlich
      Sara Hoeft
      Thomas Hoeft
      Simon Thomas Johr
      Henning Koonert
      Christopher Kurtz
      Michael Möller
      Michael Müller

Redaktion:
      Robert Benecke
      Wilfried Brantsch
      Bastian Bringenberg
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      Frank Drehmel
      Christian Freitag
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            Outro: Heute vor zehn Jahren

 

Bakula hörte von einer neuen "Star Trek"-Serie
Scott Bakula (Captain Archer) glaubt daran, dass jetzt, ein Jahr nach "Enterprise", schon eine neue "Star Trek"-Serie in der Planung ist.

In einem Interview mit der "Baltimore Sun" bezüglich seiner Rolle im Bühnenstück "Shenandoh" in Washington, DC meinte Bakula: "Ich habe gehört, dass die Pläne für eine neue Serie schon in der Mache sind... Wenn sich der Staub gelegt hat, wird jemand sagen: 'Wollen wir die Sache und das ganze Geld, was sie mit sich bringt, einfach so ziehen lassen?'"

Der 51-Jährige fügte hinzu, dass er noch starke Gefühle mit der Serie verbinde. "Ich weiß, das klingt albern, aber es war eine sehr emotionale Erfahrung, im Captain-Stuhl zu sitzen, mit der ganzen Mannschaft um mich herum."
(uw)



von Uwe Webel,
ausgesucht von Thomas Hoeft

 
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