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Das Lied von Anoroer, Söldner #1
VirtualSelf
Beitrag 20. Mar 2009, 20:27
Beitrag #1


Vice Admiral
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Titel: Das Lied von Anoroer
Serie: Söldner #1
OT: Servitude: Le Chant de Anoroer
Text: Fabrice David
Zeichnungen & Farben: Eric Bourgier
Ü: Tanja KrĂ€mling
Lettering:Dirk Schulz
Ausstattung: 60, HC, Albumformat
ISBN: 978-3-940864-97-0
Verlag: Splitter Verlag, 2009



Kiriel, der Schwertmeister des Königs Garantiel von Anoroer, ist dazu auserkoren, die Tochter seines Herrschers zu ehelichen, obgleich er nicht dem Adel angehört, der seit langer Zeit die Geschicke der Provinzen im Königreich der Söhne der Erde lenkt. Garantiel sieht in dieser VermĂ€hlung, der keinerlei Liebe zu Grunde liegt, in erster Linie einen Versuch, die genetische Degeneration der inszestuösen Adelsgesellschaft zu verlangsamen, Kiriel und Prinzessin Lerine sehen die Ehe als Ausdruck ihres Pflichtbewusstseins gegenĂŒber dem König.
Den beiden VermĂ€hlten ist ohnehin kaum gemeinsame Zeit beschert, denn schon am Tag nach der Trauung werden sie nach Osten, in die LĂ€ndereien des FĂŒrsten von Veriel, geschickt, weil sich dort das geheimnisvolle Volk der Drekkar zu erheben beginnt, mit dem die Söhne der Erde seit Jahrhunderten friedlich zusammenleben. Zwar erhĂ€lt der Schwertmeister kurz vor seinem Aufbruch durch die dĂŒstere Söldnerin Filena von Anar, aus Peloris, die dringende Warnung, er möge sich nicht in die Höhle des Löwen begeben, doch die Treue gegenĂŒber Garantiel lĂ€sst ihm keine Wahl.

Am Zielort angekommen findet Kiriel eine unĂŒbersichtliche Lage vor. Der FĂŒrst ist tot, an seiner Stelle sitzt dessen Bruder auf dem Thron Veriels, der die LegitimitĂ€t der Herrschaft Garantiels nachdrĂŒcklich in Frage stellt.
Voller Sorge um die Prinzessin, die er unmittelbar vor seiner Audienz am Weißen Turm warten ließ, reiten Kiriel und sein alter Freund Delorn zurĂŒck, finden jedoch nur brennende GebĂ€ude und die Leiche der geschĂ€ndeten Lerine. Und diejenigen, die die kleine Herberge geschliffen haben, sind noch vor Ort, darunter auch einige der fremdartigen Drekkar, welche ihre Gesichter stets hinter Masken verbergen und Tod bringende KĂ€mpfer sind. Im darauf folgenden ScharmĂŒtzel stirbt auch Delorn, Kiriel jedoch wird auf Grund seiner Schwertkunst, die er im Kampf mit den TĂ€tern zu Schau stellt, vom AnfĂŒhrer der Drekkar das Leben geschenkt.
WĂ€hrend Kiriel an den Hof seines Herrschers zurĂŒckkehrt, bricht auf Befehl Garantiels eine Legion auf, um den Drekkar endlich Einhalt zu gebieten. Doch die unbesiegbaren Maskierten warten schon und sie sind nicht allein gekommen.


Der Abwechslung halber soll an dieser Stelle mit der Beurteilung des Artworks begonnen werden, da das zweifellos der Part des Comics ist, der den Durchschnitts-Leser spĂ€testens nach drei Seiten zu verstören beginnt, nach dem Mottot, „Ey, Alter! Da fehlen ja die bunten Farben!“. Gut beobachtet!
Bourgiers realistische Bilder sind monochrom, zeigen neben obligatorischem Schwarz und – abgesehen von den Sprechblasen - sehr wenig Weiß diverse Nuancen von zum Teil kaum deckenden Brauntönen, welche an Rötel-Zeichnungen und Sepia-Malerei erinnern. Das Bunte der Bilder besteht lediglich in einer extrem zurĂŒckhaltenden, kaum wahrnehmbaren Abtönung des Brauns in Richtung Rot oder GrĂŒn.
Die MonochromitĂ€t und Weichheit der Bilder mögen das an grelle Farben und/oder harte Schwarzweiß-Kontraste gewöhnte Auge einerseits irritieren, generieren aber andererseits eine einzigartige, eher bedrĂŒckende AtmosphĂ€re und sind alleine wegen der feinen Nuancierungen eines ganz gewiss nicht: langweilig.

Die Figuren selbst kommen nicht ganz so orginiell wie die Koloration daher und sind sich gerade in der Darstellung der GesichtszĂŒge streckenweise so Ă€hnlich, dass die Identifikation in erster Linie ĂŒber die Kleidung oder die Frisuren laufen muss. Das ist allerdings insofern nicht problematisch, als Bourgier RĂŒstungen und RĂŒstungselemente mit viel Akribie und Sinn fĂŒr stylishes Design entwirft – insbesondere die samuraihaften Körperpanzer der Drekkar.

Kommen wir zur Geschichte selbst. David gelingt es erstens, eine in sich stimmige Welt zu entwerfen, die, gĂ€be es nicht einige wenige verstörende Elemente - wie Flugschiffe oder einen Drachen – durchaus in unserer europĂ€ischen Historie angesiedelt sein könnte, wobei sich wegen der ans Romanische angelehnten Architektur sowie der feudalistischen Gesellschaftsstrukturen am ehesten die Epoche um das 10. bis 12. Jahrhundert aufdrĂ€ngt.
Zweitens erschafft der Autor lebendige, authentische Charaktere, deren KomplexitĂ€t bisher zwar nur angedeutet wird, bei denen sich aber abzeichnet, dass sie simple moralische Schwarzweiß-Schemata sprengen. Man kann nur hoffen, dass der Autor diesen Weg, in dem sich nicht nur wegen der MehrdimensionalitĂ€t der Figuren, sondern auch im teilweisen dargebotenen heroischen Gestus AnklĂ€nge an die Manga-Kultur ausmachen lassen, weiter beschreitet.


Fazit: Eine Geschichte, deren großes Unterhaltungs- und Spannungs-Potenzial sich schon im ersten Band abzeichnen, sowie das originelle Artwork machen „Lied von Anoroer“ zu einer Empfehlung fĂŒr kĂŒnstlerisch aufgeschlossene Fantasy-Freunde.


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kiss your face and touch your skin
I will slide my fingers in
let me show you what I can.


Mancher findet sein Herz nicht eher, als bis er seinen Kopf verliert.
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