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Nationen-Hickhack und Politik, vormals: Deutschen-Mobbing in der Schweiz
Voivod
Beitrag 27. May 2012, 19:56
Beitrag #51


Admiral
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ZITAT(Equinox @ 27. May 2012, 20:45) *
Dads Christemtum in Deutschland ist eben schon total ausgehölt, wÀhrend die Moslems hÀufig noch glÀubig sind. Deshalb beleidigst du mit dem Antichristen-shirt Niemanden, aber mit dem Antiislam-shirt schon.

Ich fĂŒr meinen Teil verabscheue jeglich monotheistische Religion. Dogmatisch, expansionistisch, autoritĂ€tshörig, menschenverachtend. Das sind beide Religionen. In meiner subjektiven Wahrnehmung begegnen mir allerdings hĂ€ufig nur ungefĂ€hrliche Exemplare. Es ist unnötig diesen friedlichen Leuten ihre Kultur zu nehmen. Sobald mich jedoch jemand angreift oder seine Kinder misshandel etc. ist das natĂŒrlich eine Andere Sache.

Fazit: Es sind nicht alle Fundamentalisten und ich habe nur was gegen die Fundamentalisten. Deutsche Evangelen und Puritaner sind ja auch nicht das gleiche.


...und ich gehe eben soweit, dass ich jegwelchen totalitĂ€ren Religionen das Recht abspreche, beleidigt sein zu dĂŒrfen. Ok, sie dĂŒrfen schon beleidigt sein. Aber wir mĂŒssen nur keine RĂŒcksicht darauf nehmen. Genau das tun wir aber. Wir gestehen ihnen das Recht zu, beleidigt zu sein, und halten das fĂŒr legitim und nehmen RĂŒcksicht auf ihre Befindlichkeit. Obwohl sich ihre Befindlichkeit auf schierem Aberglauben grĂŒndet, die wir guten Gewissens verlachen dĂŒrfen.. Wir kuschen vor ihrem Aberglauben und ihrer menschenverachtenden Ideologie. Das gilt auch fĂŒr die evangelikalen HinterwĂ€ndler, die der Gesellschaft krĂ€ftig einheizen mit ihrem Buchstabenglauben, zumindest in der CH. Wir ĂŒberlassen den Fundis viel zu viel Einfluss. Wir billigen diesen antiaufklĂ€rerischen KrĂ€ften eine LegitimitĂ€t zu, welche sie gar nicht haben.


Der Beitrag wurde von Voivod bearbeitet: 27. May 2012, 20:15
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Equinox
Beitrag 27. May 2012, 22:12
Beitrag #52


Fleet Captain
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Ja, da verstehe ich schon was du meinst. Bei der Katholischen Kirche finde ich es wirklich schlimm. Scientology wird ĂŒberwacht, aber die Katholiken werden vom Staat sogar unterstĂŒtzt. Die Vorgehensweise ist eine andere, doch sehe ich ansonsten nur Parallelen zwischen beiden Religionen. TotalitĂ€re Machtmaschienen eben.

Ich persönlich bin ja super tolerant, außer gegenĂŒber Intoleranz. Ergo den katholischen Bischöfen, Salafisten, Nazis etc.. Rechtlich ist es aber schon ein Problem mit welchem Recht und welchen Beweisen man ihnen das Wort verbieten soll. Dazu kommt, dass man sich dann auf ihre Stufe hinablĂ€sst. Zudem werden damit die Grenzen verschoben. Wird als nĂ€chstes den Kommunisten das Wort verboten, bloß weil sie gegen den Regierungskurs sind? Wer bewacht die WĂ€chter?

Also ich verstehe dich ja, doch manchmal sind die Dinge komplizierter als man es gern hÀtte.


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Voivod
Beitrag 29. May 2012, 15:05
Beitrag #53


Admiral
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ZITAT(Equinox @ 27. May 2012, 23:12) *
Ja, da verstehe ich schon was du meinst. Bei der Katholischen Kirche finde ich es wirklich schlimm. Scientology wird ĂŒberwacht, aber die Katholiken werden vom Staat sogar unterstĂŒtzt. Die Vorgehensweise ist eine andere, doch sehe ich ansonsten nur Parallelen zwischen beiden Religionen. TotalitĂ€re Machtmaschienen eben.

Ich persönlich bin ja super tolerant, außer gegenĂŒber Intoleranz. Ergo den katholischen Bischöfen, Salafisten, Nazis etc.. Rechtlich ist es aber schon ein Problem mit welchem Recht und welchen Beweisen man ihnen das Wort verbieten soll. Dazu kommt, dass man sich dann auf ihre Stufe hinablĂ€sst. Zudem werden damit die Grenzen verschoben. Wird als nĂ€chstes den Kommunisten das Wort verboten, bloß weil sie gegen den Regierungskurs sind? Wer bewacht die WĂ€chter?

Also ich verstehe dich ja, doch manchmal sind die Dinge komplizierter als man es gern hÀtte.


Die katholische Kirche ist ein Thema fĂŒr sich. Es gibt immer noch welche, die ihr absolut hörig sind. Aber im Gegensatz zur islamischen Bewegung ist die kath. Kirche alt und schwach. Der Islam ist jung und dynamisch und legt auch eine gewisse AggressivitĂ€t bzw. ein gewisses Selbstbewusstsein an den Tag. Die kath. Kirche ist zumindest in unseren Gefilden ein Verbund alter Eunuchen, die sich nur noch auf einen inneren Zirkel berufen können, der langsam aber sicher ausstirbt.

Ich bin katholisch erzogen worden und habe alles mitgemacht, ich bin sogar auf eine katholische Sekundarschule gegangen, wo drei Stunden Religionsunterricht pro Woche und auch ein wöchentlicher Gottesdienst zum Lehrplan gehörte. NatĂŒrlich habe ich auch all die katholischen Rituale vollzogen, inkl. dem Schwur auf den Papst bei der Firmung! wink.gif Allerdings bestand "meine" Gemeinde eher aus papstkritischen Birkenstockchristen, und ich habe nie etwas von den totalitĂ€ren Aspekten des Katholizismus mitgekriegt. Ich mag aber mich erinnern, wie unser Religionslehrer uns in der Primarschule(!) ĂŒber die Gefahren des Opus Dei aufgeklĂ€rt hat! mrgreen.gif Ich war da vielleicht zehn Jahre alt. Aber ich fand den Unterricht trotzdem beknackt... laugh.gif

Als ich von meinen Eltern nicht mehr zum Kirchenbesuch gezwungen wurde (so im Alter von elf Jahren), bin ich natĂŒrlich nicht mehr hingegangen. Aber ĂŒber meine kath. Gemeinde kann ich echt nichts Schlechtes sagen. Alles sehr soziale Leute, die ihr Christsein eher darin sahen, "praktische" Hilfe zu leisten. Als ich vor gut einem Jahr umgezogen bin, sind zwei Vertreter der Zunft an meiner HaustĂŒr aufgetaucht (durch den Umzug habe ich die Gemeinde gewechselt) und haben mich willkommen geheissen "in der Gemeinde". Ich habe ihnen gesagt, dass ich nicht glĂ€ubig bin, und sie haben genickt und sind wieder gegangen.

Wenn ich wieder mal in einen Gottesdienst gehen sollte, wĂ€re es definitiv ein katholischer. Denn diese Leute sind in meiner Gegend so ganz anders als das Klischee. Allerdings hatten/haben sie auch dauernd Ärger mit der Bistumsleitung.... mrgreen.gif

Wahrscheinlich gibt es auch islamische Gemeinden, die Àhnlich liberal sind und auf den ganzen Hass und die Dogmen pfeifen. Leider schaffen es die Muslime immer noch nicht, sich von den Wirrköpfen in ihren Reihen abzugrenzen.

Edit: Wie gesagt, ich wurde nach allen Regeln der Kunst katholisch erzogen. Aber ich habe nie, NIE ein Wort gehört ĂŒber böse Schwule und Lesben, ĂŒber Satan (ausser bei der Beschwörungsformel wĂ€hrend der Firmung! mrgreen.gif) , ĂŒber die Gefahren der Unkeuschheit... Diese Dinge waren nie Thema.

Im Kanton Wallis oder in Appenzell allerdings sind die Katholen noch oldschool as fuck! mrgreen.gif (oder besser: unsure.gif )

Edith meint noch folgendes: Die katholische Religion ist wohl die dĂŒsterste ĂŒberhaupt und eignet sich hervorragend fĂŒr Doom Metal! Der traditionelle Katholizismus ist morbide, feierlich, von Teufeln und DĂ€monen infiltriert und mystisch. Der Katholizismus hat einfach ein besonderes Flair! Die krasseste Religion, die ich kenne! Wer das bestreitet, kann kein Kathole sein und war wohl auch nie an einer feierlichen, morbiden, abgrundtief dĂŒsteren katholischen Rorate! mrgreen.gif Ach, welch wohliger Schauer... Herrlich! smile.gif Da können die anderen christlichen Religionen nicht dagegen anstinken. Strumpfdoofes Halleluja bei den Freikirchen, gĂ€hnende Langeweile bei den Reformierten, lĂ€cherlicher Bullshit bei den Adventisten, etc... Nur der Katholizismus hat die feierliche, dĂŒstere Aura einer fast zweitausendjĂ€hrigen Geschichte voller Greuel und DĂ€monie... mrgreen.gif Denn der Teufel ist sehr wichtig bei den Katholen, hihihi... Fast noch wichtiger als Jesus oder sein imaginĂ€rer Skydaddy. Satan ist definitiv ein Katholik.

Katholische Musik: http://www.youtube.com/watch?v=gLAnA47tGcw

Der Beitrag wurde von Voivod bearbeitet: 29. May 2012, 15:48
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BrĂŒhn
Beitrag 30. May 2012, 11:36
Beitrag #54


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Ich finde es schade, wie sich der Thread entwickelt hat, denn gerade zur Wirtschaft und zur akademischen Ausbildung habe ich mir in den letzten Tagen, Wochen und Jahren aufgrund mehrerer Bekannter viele Gedanken gemacht.

In Deutschland wird eine akademische MĂ€r erzĂ€hlt, die zwei Argumentationslinien besitzt. Die erste lautet: Studiere Sozial- oder Geisteswissenschaften und du stirbst den langsamen Jobtod. Das ist mehr oder weniger wahr. Die zweite lautet: Studiere MINT-FĂ€cher und der Arbeitsmarkt wartet auf dich, herzt dich, kĂŒsst dich und nimmt dich mit offenen Armen in Empfang. Das ist falsch, wie ich durch Bekannte (ich selbst habe kein MINT-Fach studiert) lernen durfte.

Als erste MINTler die Biologen. Wo soll ich da anfangen? Wie wĂ€re es, wenn ich bei einem meiner Bekannten, einem promovierten Biologen, anfange, der seit gut zwei Jahren einen Job sucht. Klar, werdet Ihr denken, der hat sich sicher auf WĂŒrmer oder Falter oder irgendeinen anderen Scheiß spezialisiert, mit dem er jetzt keinen Job findet. Tja, eben nicht. Er hat sich auf Genetik spezialisiert - und innerhalb der Genetik noch einmal auf ein aktuelles und brandheißes Thema -, trotzdem findet er damit keine Stelle, denn jeder Biologe spezialisiert sich "am Markt". Mein Bekannter sagt inzwischen, er mache sich keine großen Hoffnungen mehr, denn (promovierte) Biologen seien bekanntermaßen ĂŒberdurchschnittlich hĂ€ufig arbeitslos. Sein Plan ist jetzt, sich verstĂ€rkt als Biologielaborant - ein Ausbildungsberuf - zu bewerben, um wenigstens so eine sozialversicherungspflichtige Festanstellung zu erhalten.

Als nĂ€chste MINTler kommen die Chemiker. Mein zweiter Bekannter (Chemiker, nicht promoviert) sagt, wenn er im GesprĂ€ch mit mir seine Situation einschĂ€tzt, dass er sich eigentlich umschulen lassen kann. Denn ohne Promotion in Chemie eine Stelle zu finden, sei ohne gutes Vitamin B nahezu unmöglich. Mein dritter Bekannter (ebenfalls Chemiker, ebenfalls nicht promoviert) hat schon lange aufgegeben, irgendwann wieder mit Chemie zu tun zu haben. Er arbeitet nun nach langer Suche im Customer Support eines Pharmakonzerns, hat also tatsĂ€chlich nichts mehr mit Chemie zu tun, es sei denn, der Kunde fragt am Telefon explizit nach chemischen ZusammenhĂ€ngen - was Kunden jedoch niemals tun. Und wenn man erfolgreich ist und promoviert? Tja, ein vierter Bekannter von mir promoviert gerade. Nach 6 Jahren Studium und drei Jahren Promotion (mit 1500€ Verdienst, 3 Jahre sind veranschlagt) wird er wohl noch einen Postdoc von mindestens einem Jahr - eher zwei - in den USA machen. Denn das wird heute erwartet. Na also, werdet ihr sagen, nach (6 + 3 + 1 =) 10 Jahren Ausbildung bekommt er dann als Doktor der Chemie bei einem großen Konzern ein Einstiegsgehalt von 60.000 - 80.000 €;. Gut, die Ausbildung war lang, er ist dann 30, aber am Ende gibt 's viel Geld.
Das Problem daran ist nur: Nahezu jeder Chemiker will zu den großen Konzernen, die Konkurrenz ist dementsprechend groß, der Wettbewerb richtig hart, auf Stellen muss man 110% passen.
Abschließend lasse ich Professor Wikipedia zu Wort kommen, der die Situation promovierter Chemiker in drastischen Worten schildert: "Die Vorstellung, dass der Übergang von der Promotion in einen sicheren Arbeitsplatz in der chemischen Großindustrie, in den Öffentlichen Dienst problemlos verlĂ€uft, entpuppte sich in den letzten Jahren als Illusion."

Als letzte MINTler behandle ich die Überraschungsgruppe Maschinenbauer. Aber die werden doch gesucht? Das hört man doch immer wieder! Das kann nicht sein! Nun, ich bin mir ĂŒber die "Jobgarantie" des Studiums nicht mehr so sicher, wie es die Allgemeinheit ist. Warum? Ich kenne mehrere Maschinenbauer, die seit 2009 wegen des Jobs nach dem Studium zittern. Warum zittern sie und warum seit 2009? Nun, damals gab es einen Einstellungsstopp fĂŒr Maschinenbauer in der Automobilindustrie, viele Absolventen waren arbeitslos. Eine Ausnahme? Vielleicht - oder auch nicht. Der Spiegel stellte vor einem Jahr eine Studie vor, die die Hilferufe der BranchenverbĂ€nde nach mehr Studenten als völlig falsch entlarvte. Nach der Studie studieren momentan so viele Maschinenbau, wie es insgesamt Maschinenbauer in Deutschland gibt. (Artikel-Titel: "Ingenieurmangel: Mit Karacho in den Schweinezyklus") Befindet sich Deutschland in den nĂ€chsten 10 - 20 Jahren nicht im Dauer-Boom, kann der Markt diese Masse an Absolventen ĂŒberhaupt nicht aufnehmen. Die Folge könnten arbeitslose Maschinenbauer sein.

Zusammenfassend lĂ€sst sich, glaube ich, sagen, dass akademische Bildung in Deutschland selbst in den MINT-FĂ€chern* keine Garantie mehr fĂŒr einen guten Arbeitsplatz** ist. Je nach Studiengang, zum Beispiel Germanistik, Architektur oder Sprachen, ist sie sogar das Gegenteil. Der Markt schöpft in manchen StudiengĂ€ngen, wenn ĂŒberhaupt, die Besten der Besten der Besten ab und der Rest darf sehen, wo er bleibt - meistens bleibt er in der ungewollten SelbststĂ€ndigkeit. Jura ist dafĂŒr ein klassisches Beispiel. Der Juristenmarkt zerfĂ€llt in zwei Gruppen, die anhand der Noten ermittelt werden. Die mit 9 Punkten und darĂŒber haben das große Los gezogen. Sie sind die Gewinner, bekommen eine sichere Anstellung, ein sehr gutes Einstiegsgehalt. (Soll ich erwĂ€hnen, dass nur ca. 30% der Juristen >9 Punkte erhalten?) Der ganze Rest mit 9 Punkten und darunter hat gelost. Je schlechter die Note, umso schlechter die weiteren Aussichten. Dabei ist von freier Mitarbeit in einer großen Kanzlei mit dichotomer Arbeitssituation, entweder gibt es Arbeit und damit Geld oder nicht, bis zur notgeborenen ScheinselbststĂ€ndigkeit als Anwalt mit eigener Wohnzimmer-Kanzlei alles drin.
Und das, liebe Schweizer, ist der Grund, warum die Deutschen bei euch sind.

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* Die einzige Ausnahme könnte Mathematik sein.
** Festanstellung, sozialversichert, unbefristet, Durchschnittspensum von 40h/Woche und auftragsabhÀngiger Mehrarbeit

Edit: Das Board schluckt Open Office-Bindestriche, seltsam.
Edit 2: Das Board hat grundsÀtzlich Probleme mit allen Open Office-Zeichen, interessant.

Der Beitrag wurde von BrĂŒhn bearbeitet: 30. May 2012, 14:34


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Matt
Beitrag 1. Jun 2012, 09:47
Beitrag #55


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Was die Stellung/den Ruf von Deutschen in der Schweiz betrifft: Hier hat die Titanic in ihrer unnachahmlichen Weise ja neulich auch nicht so direkt zur Versachlichung beigetragen:
http://www.blick.ch/news/ausland/satiriker...-id1892342.html
(Ja, ich schĂ€me mich fĂŒrs Blick-Verlinken)

Andererseits ist es natĂŒrlich nur konsequent: Warum sollten die Deutschen in der Hetze der SVP-Universal-AuslĂ€nderfeinde ausgespart werden? Letztendlich findet diese Hetze doch vorwiegend deshalb einen NĂ€hrboden, weil sie die Angst der Menschen vor Verlust ihrer Stellung/ihres Wohlstandes thematisiert. In diesem Zusammenhang sind natĂŒrlich die Motive von Deutschen, in die Schweiz zu ziehen, ununterscheidbar von Balkan-Zuwanderern o.Ă€. Letztlich geht es eben nicht um schöne Berge, sympathische Dialekte oder leckere Schoki, sondern um schnöden Mammon. Und so richtig verĂŒbeln kann man das auch keinem Zuwanderer, auch wenn sich mancher Schweizer deshalb schon fast im Armenhaus wĂ€hnt.

Der Beitrag wurde von Matt bearbeitet: 1. Jun 2012, 09:57


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BrĂŒhn
Beitrag 1. Jun 2012, 14:41
Beitrag #56


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QUOTE (Matt @ 1. Jun 2012, 10:47) *
Letztendlich findet diese Hetze doch vorwiegend deshalb einen NĂ€hrboden, weil sie die Angst der Menschen vor Verlust ihrer Stellung/ihres Wohlstandes thematisiert.

Ich finde interessant, wie sich alles gleicht. In Deutschland haben die Menschen Angst um ihren Status und fĂŒrchten sich vor sozialem Abstieg, weil keine Qualifikation - behaupte ich mal - mehr einen sicheren Arbeitsplatz garantiert, der auch genĂŒgend Geld bringt. Deswegen gehen sie reihensweise in die Schweiz und lösen dadurch bei den Schweizern die absolut gleichen Ängste und BefĂŒrchtungen aus.

Bleibt nur die Frage, wohin gehen die Schweizer?


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Voivod
Beitrag 1. Jun 2012, 16:34
Beitrag #57


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^Vielleicht haben die Schweizer ja auch ein bisschen recht mit ihren BefĂŒrchtungen. Könnte ja sein... unsure.gif Das ist nicht alles pure xenophobe Paranoia, obwohl ihr Deutschen das wohl gerne so hĂ€ttet.

Den "Titanic"-Kram habe ich gesehen, der ist Sonderklasse! mrgreen.gif Wie immer nimmt die "Titanic" alles und jeden aufs Korn und schont niemanden. Geradezu beÀngstigend, wie diese Satire den Punkt haargenau trifft. Alle bekommen ihr Fett weg! smile.gif Ich muss dieses Heft abonnieren, aber in der CH haben wir den "Nebelspalter", der ist auch absolut respektlos und geht dahin, wo es weh tut! smile.gif
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Equinox
Beitrag 1. Jun 2012, 16:57
Beitrag #58


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Um auf Bildung zurĂŒckzukommen...
Wenn Geisteswissenschaftler und Mintler keiner mehr braucht, dann frage ich mich, ob Handwerker und Ausbildungsberufe gesucht werden. Wenn die auch keiner braucht sollten wohl alle bwl studieren und Börsenmensch werden.

Meine Qualifikationen nach dem Bachelorabschluss werden umfassen:
Statistik
pingelig genaues Denken (Philosophie)
abstraktes Denken (Philosophie und Soziologie)
effizientes Denken (Statistik und Soziologie)
Wissen wie man Menschen psychisch manipuliert (Soziologie)

Leider habe ich auch den Eindruck, dass es nicht genug ArbeitsplĂ€tze fĂŒr Denker gibt.

Der Beitrag wurde von Equinox bearbeitet: 1. Jun 2012, 16:57


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BrĂŒhn
Beitrag 1. Jun 2012, 17:43
Beitrag #59


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QUOTE (Equinox @ 1. Jun 2012, 17:57) *
1. Um auf Bildung zurĂŒckzukommen...
Wenn Geisteswissenschaftler und Mintler keiner mehr braucht, dann frage ich mich, 2. ob Handwerker und Ausbildungsberufe gesucht werden. 3. Wenn die auch keiner braucht sollten wohl alle bwl studieren und Börsenmensch werden.

4. Meine Qualifikationen nach dem Bachelorabschluss werden umfassen:
Statistik
pingelig genaues Denken (Philosophie)
abstraktes Denken (Philosophie und Soziologie)
effizientes Denken (Statistik und Soziologie)
Wissen wie man Menschen psychisch manipuliert (Soziologie)

5. Leider habe ich auch den Eindruck, dass es nicht genug ArbeitsplĂ€tze fĂŒr Denker gibt.

1. - Geistes- und Sozialwissenschaftler braucht niemand, das ist ja keine neue Erkenntnis. Dass es bei MINTlern teilweise genauso ist, hat mich echt blind erwischt. Manche MINTler studieren echt das falsche harte Studium.
Ich wĂŒrde bei ihnen drei Kategorien aufmachen:
Finden nie einen Job, außer sie sind extrem gut, dann wird die Suche ertrĂ€glich: Architekten, Biologen, Astronomen
Finden schwer einen Job: Chemiker ohne Promotion
Finden noch recht gut einen Job: Maschinenbauer (noch), promovierte Chemiker, Mathematiker (mit geeigneter Spezialisierung und wenn sie nicht zuviel Gehalt verlangen)
Ausnahmen: PrÀdikatsexamen in den Ingenieurswissenschaften (definitiv ohne Architektur), in BWL, Lehrer in gesuchten FÀchern und vereinzelt andere StudiengÀnge.

2. Manche Ausbildungsberufe - wie Krankenpfleger/in - werden gesucht.

3. a) Die goldenen Zeiten der BWL sind endgĂŒltig vorbei. Das Fach sollte niemand mehr studieren, es sei denn, er ist Einserkandidat und kann sich mehrere Auslandsaufenthalte (mindestens USA, eventuell China) leisten.
b) So mancher BWLer mit "schlechtem" Studienabschluss (2,X) findet sich auf einer Stelle wieder, bei der frĂŒher eine kaufmĂ€nnische Ausbildung gereicht hĂ€tte. Ist es schlimm, wenn ich bei dieser Vorstellung lache?

4. Dein Abschluss interessiert niemanden, vorausgesetzt, die Note stimmt einigermaßen, entschuldige bitte meine Ehrlichkeit. Es zĂ€hlen Praktika, Prakitka, Praktika (am besten 4-6 Monate, in EINEM Feld) und mindestens ein Auslandsaufenthalt von mindestens einem Semester im englischsprachigen Ausland.

Was kommt nach dem Bachelor und wie schließt du ihn ab?

QUOTE (Equinox @ 1. Jun 2012, 17:57) *
Vielleicht haben die Schweizer ja auch ein bisschen recht mit ihren BefĂŒrchtungen. Könnte ja sein... Das ist nicht alles pure xenophobe Paranoia, obwohl ihr Deutschen das wohl gerne so hĂ€ttet.

Ja, die Schweizer haben ein bisschen Recht - sie sind in ihrer BefĂŒrchtung gerechtfertigt, der Konkurrenzkampf um gute ArbeitsplĂ€tze werde hĂ€rter. Trotzdem ist es Xenophobie. smile.gif

Der Beitrag wurde von BrĂŒhn bearbeitet: 1. Jun 2012, 17:56


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Voivod
Beitrag 1. Jun 2012, 19:15
Beitrag #60


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ZITAT
Ja, die Schweizer haben ein bisschen Recht - sie sind in ihrer BefĂŒrchtung gerechtfertigt, der Konkurrenzkampf um gute ArbeitsplĂ€tze werde hĂ€rter. Trotzdem ist es Xenophobie. smile.gif


Ist mir wurscht, ob du uns Schweizer als "xenophob" definierst. Wir hĂ€tten es trotzdem lieber, wenn ihr dafĂŒr sorgen könntet, dass eure EIGENEN Leute in eurem EIGENEN Land angemessen entlöhnte Arbeit finden könnten, und nicht unser Lohnniveau mit euren MikrolohnansprĂŒchen torpedieren wĂŒrdet. Damit ist nĂ€mlich niemandem gedient. Ist ja jĂ€mmerlich, dass gut ausgebildete deutsche Handwerker ihr GlĂŒck im Ausland suchen mĂŒssen, um ĂŒber die Runden zu kommen. Als ultraliberaler StimmbĂŒrger siehst du in diesem Sachverhalt aber wahrscheinlich eh kein grosses Problem. Schliesslich habt ihr genĂŒgend Polen, die bei euch um Jobs buhlen.

Trotzdem zum kotzen, dass deutsche Handwerker ins Ausland ziehen mĂŒssen, um ihre Familien ernĂ€hren zu können. ErbĂ€rmlich. Ich bin ĂŒberzeugt davon, dass ein deutscher Elektriker viel lieber in der NĂ€he seiner Familie sein Auskommen finden will, damit er nach Feierabend auch mal seine Kinder zu sehen kriegt. Aber den wirtschaftlichen Eliten sind solche "menschlichen Aspekte" natĂŒrlich herzlich egal. Hauptsache, der Rubel rollt, wirtschaftliche SachzwĂ€nge ĂŒber alles... maja_grummel.gif
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Matt
Beitrag 1. Jun 2012, 19:21
Beitrag #61


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Yep, den Wunsch, mal Zeit mit seiner Familie zu verbringen, nennt der Zyniker dann "fehlende FlexibilitÀt".
Ich jedenfalls bin Leipziger, und ich geh hier auch nicht weg. mrgreen.gif

Der Beitrag wurde von Matt bearbeitet: 1. Jun 2012, 19:22


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Voivod
Beitrag 1. Jun 2012, 19:47
Beitrag #62


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ZITAT(Matt @ 1. Jun 2012, 20:21) *
Yep, den Wunsch, mal Zeit mit seiner Familie zu verbringen, nennt der Zyniker dann "fehlende FlexibilitÀt".
Ich jedenfalls bin Leipziger, und ich geh hier auch nicht weg. mrgreen.gif


Mit deiner sentimentalen Einstellung wirst du es nicht weit bringen... mrgreen.gif Weiter so! smile.gif Ich gehe hier auch nicht weg, ich fĂŒhle mich hier zu Hause, ich fĂŒhle mich hier wohl. Ich will hier bleiben. Fehlende FlexibilitĂ€t? Drauf geschissen! Da kommen wir wir ja gleich zu den ganz fundamentalen Fragen: Ist unser Wirtschaftssystem dazu da, um den BĂŒrgern bei angemessenen Einsatz ein gutes Leben zu ermöglichen (fleissig sein zu mĂŒssen ist schon ok), oder ist der BĂŒrger dazu da, um die AnsprĂŒche der Wirtschaft zu bedienen? Das sind die ganz, gaaaanz grossen Fragen.

In den USA ist die Frage lĂ€ngst beantwortet. Die BĂŒrger ziehen dorthin, wo die Jobs zu finden sind. Ein durchschnittlicher US-BĂŒrger zieht zig mal um, sie nennen das "job hunting". Er beklagt sich schon lange nicht mehr darĂŒber. Wollen wir das? Wo bleibt da die LebensqualitĂ€t? Oder ist "LebensqualitĂ€t" heutzutage schon ein vernachlĂ€ssigbarer Luxus fĂŒr die Wirtschaftsteilnehmer? Gnadenlose FlexibilitĂ€t ist schon die Norm, und jegliche Kritik an diesem System bereits blauĂ€ugig und weltfremd?

Wie gesagt, das sind die Fragen, die wir uns ein fĂŒr allemal stellen mĂŒssen. Und zwar möglichst bald. Wir mĂŒssen uns als Gesellschaft entscheiden, ob wir uns ganz den wirtschaftlichen SachzwĂ€ngen unterwerfen wollen, oder ob wir auch noch andere Werte in unsere Lebensplanung einbeziehen und uns diesen "Luxus" noch leisten wollen. Derzeit haben wir noch die Wahl zwischen "wollen" und "können". Aber in ein paar Jahren haben wir die Wahl IMO nicht mehr.

Die fixe Idee, dass wir als Gesellschaft in einem gnadenlosen Wettbewerb zu anderen Gesellschaften stehen und alles dafĂŒr tun mĂŒssen, um konkurrenzfĂ€hig zu bleiben, wird uns und auch unsere "Gegenspieler" ( z.B. Asien....) kaputt machen. Ruinöse Konkurrenz bis zum Gehtnichtmehr.
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Equinox
Beitrag 1. Jun 2012, 21:30
Beitrag #63


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Als Idealist werde ich lieber mit meine Idealen untergehen, als mich voll der wirtschaftlichen RealitÀt zu unterwerfen. Das kann man als dumm bezeichnen, oder als standhaft. Was immer ihr mögt.

Um auf das Thema Bildung zurĂŒckzukommen:
Es ist mir ein RĂ€tsel wie jemand ein Praktikum, welches lĂ€nger als zwei Monate geht wĂ€hrend dem Studium einbauen will. Ich habe auch noch nie von jemandem gehört, der das irgendwie gemacht hat. NatĂŒrlich kann man Praktika nach dem Studium machen. Blos will einen ja auch keiner mehr einstellen, wenn man mehr als ein Praktikum gemacht hat. Ich dachte daran eventuell zwischen Bachelor und Master zwei lange Praktika einzubauen (also ĂŒber ein Jahr). Faszinierend ist auch, dass einen vor dem dritten Semester keiner als Praktikant haben will.

Dem Auslandssemester verweigere ich mich. Ich sehe nicht welche Qualifikation das AusdrĂŒcken soll. Englischkenntnisse, interkulturelle Kompetenz etc. habe ich alles auch ohne Auslandssemester. NatĂŒrlich ist das Auslandssemester eine Art Nachweis dafĂŒr. Dennoch verweigere ich mich dem gefĂŒhlten Zwang. Ich sehe nicht ein, dass man sein ganzes Leben fĂŒr den Lebenslauf optimieren soll. Da werde ich lieber arbeitslos, als mich diesem Druck zu fĂŒgen.

Nun bezĂŒglich meines Abschlusses. Im zweiten Semester kann ich noch nicht sagen, wie schlecht oder gut meine Note sein wird. Nach dem Bachelor kommt (nach dem Praktikumsjahr) der Master. Danach wĂŒrde ich im gerne Bereich Verwaltung, Archivwesen, oder Erwachsenenbildung arbeiten. Letzteres im außeruniversitĂ€ren Beriech (Museum oder so was).



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BrĂŒhn
Beitrag 1. Jun 2012, 22:26
Beitrag #64


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QUOTE (Equinox @ 1. Jun 2012, 22:30) *
1. Als Idealist werde ich lieber mit meine Idealen untergehen, als mich voll der wirtschaftlichen RealitÀt zu unterwerfen. Das kann man als dumm bezeichnen, oder als standhaft. Was immer ihr mögt.

2. Um auf das Thema Bildung zurĂŒckzukommen:
Es ist mir ein RĂ€tsel wie jemand ein Praktikum, welches lĂ€nger als zwei Monate geht wĂ€hrend dem Studium einbauen will. Ich habe auch noch nie von jemandem gehört, der das irgendwie gemacht hat. NatĂŒrlich kann man Praktika nach dem Studium machen. Blos will einen ja auch keiner mehr einstellen, wenn man mehr als ein Praktikum gemacht hat. Ich dachte daran eventuell zwischen Bachelor und Master zwei lange Praktika einzubauen (also ĂŒber ein Jahr). Faszinierend ist auch, dass einen vor dem dritten Semester keiner als Praktikant haben will.

3. Dem Auslandssemester verweigere ich mich. Ich sehe nicht welche Qualifikation das AusdrĂŒcken soll. Englischkenntnisse, interkulturelle Kompetenz etc. habe ich alles auch ohne Auslandssemester. NatĂŒrlich ist das Auslandssemester eine Art Nachweis dafĂŒr. Dennoch verweigere ich mich dem gefĂŒhlten Zwang. Ich sehe nicht ein, dass man sein ganzes Leben fĂŒr den Lebenslauf optimieren soll. Da werde ich lieber arbeitslos, als mich diesem Druck zu fĂŒgen.

4. Nun bezĂŒglich meines Abschlusses. Im zweiten Semester kann ich noch nicht sagen, wie schlecht oder gut meine Note sein wird. Nach dem Bachelor kommt (nach dem Praktikumsjahr) der Master. Danach wĂŒrde ich im gerne Bereich Verwaltung, Archivwesen, oder Erwachsenenbildung arbeiten. Letzteres im außeruniversitĂ€ren Beriech (Museum oder so was).

1. Es ist dein Weg.

2. Ich kenne haufenweise Leute, die 3-4 Praktika (bis zum Master) von 3-6 Monaten gemacht haben - das Geheimnis ist Urlaubssemester und/oder Geld von Papi. Die Annahme, niemand wĂŒrde dich mehr einstellen, hĂ€ttest du mehr als ein Praktikum absolviert, ist falsch. Sie sollten alle nur in etwa in einem Bereich liegen.

3. Ich sage dir jetzt, es wird automatisch vorausgesetzt und ohne wird es schwer. Du kannst das Auslandssemester durch einen Sprachkurs oder ein Praktikum substituieren, aber HRler wollen "Auslandserfahrung" sehen. Mir musst du nicht erzÀhlen, wie unsinnig das ist. Ich kenne Leute, die lagen als Erasmus-Studenten zwei volle Semester am Strand, haben sich nur mit Deutschen ausgetauscht und tranken ansonsten zum Zeitvertreib Bier .
Trotzdem, wenn du ĂŒber Stipendien ins Ausland kommst oder einen Sprachkurs im Ausland machen kannst - informier dich ĂŒber Fördermöglichkeiten oder die Anerkennung von Scheinen -, dann geh dorthin. Und das mit der Arbeitslosigkeit sagt sich so leicht...

4. Dann spezialisiere dich auf einen dieser Bereich, mache dort gezielt Praktika. Beim Archivwesen hast du klar die Bibliothekare, GeWis und Germanisten gegen dich, in der Erwachsenenbildung die - sorry - gescheiterten Lehrer mit der pĂ€dagogischen Zusatzqualifikation (willst du dahin, solltest du bezĂŒglich PĂ€dagogik etwas unternehmen) und im Museum die Fachstudenten (Ägyptisches Museum -> Ägyptologen, FrĂŒhgeschichte -> ArchĂ€ologen). Im Übrigen muss es nicht immer ein Praktikum sein, du kannst auch ĂŒber eine studentische NebentĂ€tigkeit in einem dieser Bereiche nachdenken.

QUOTE (Voivod @ 1. Jun 2012, 20:47) *
Als ultraliberaler StimmbĂŒrger siehst du in diesem Sachverhalt aber wahrscheinlich eh kein grosses Problem.

Wenn ich darin kein Problem sÀhe, lieber Voivod, warum spreche ich dann das Problem als Problem an?


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Equinox
Beitrag 1. Jun 2012, 22:57
Beitrag #65


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1. Stimmt. Ich bin in manchen Angelegenheiten sehr stur. Es gibt in diesem Forum wohl keinen, der den Kapitalsimus so grundsÀtzlich und vollkommen ablehnt wie ich.

2. Es heißt immer wieder, wenn man nach dem Studium zu viele Praktika macht, werde man nicht mehr festangestellt.

3. Ich hatte mal einen Sprachkurs fĂŒr 4 Wochen in Amerika. Bis zu meinem (ich greife mal weit in die Zukunft) Masterabschluss ist das natĂŒrlich schon ewig her und viel zu kurz. Ansonsten siehe Punkt eins.

4. Ich teile deine EinschĂ€tzung vollkommen. Im Bildungsbereich wird es dank riesiger Konkurrenz schwer. Im Archivwesen mĂŒsste ich schon nach speziellen Facharchiven suchen, von denen es so wenige geben wird... Oder eben Fachbibliothekar. Wobei das schon was Anderes ist als Archivar. Verwaltung erscheint da am realistischsten.

Der Beitrag wurde von Equinox bearbeitet: 1. Jun 2012, 23:00


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Voivod
Beitrag 1. Jun 2012, 23:08
Beitrag #66


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ZITAT(BrĂŒhn @ 1. Jun 2012, 23:26) *
Wenn ich darin kein Problem sÀhe, lieber Voivod, warum spreche ich dann das Problem als Problem an?


Aus schlechtem Gewissen bzw. dank neuer Erkenntnisse? wink.gif (Keine Ahnung, aber wenn ich "BrĂŒhn" lese, sehe ich leider immer noch eine hĂ€rtere Version von Guido Westerwelle vor mir. Vielleicht muss ich da mal umdenken! mrgreen.gif Du warst ja auch ein Weilchen abwesend und hast frĂŒher etwas weniger gemĂ€ssigte Standpunkte vertreten, AFAIR...)
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BrĂŒhn
Beitrag 2. Jun 2012, 06:45
Beitrag #67


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QUOTE (Equinox @ 1. Jun 2012, 23:57) *
2. Es heißt immer wieder, wenn man nach dem Studium zu viele Praktika macht, werde man nicht mehr festangestellt.

3. Ich hatte mal einen Sprachkurs fĂŒr 4 Wochen in Amerika. Bis zu meinem (ich greife mal weit in die Zukunft) Masterabschluss ist das natĂŒrlich schon ewig her und viel zu kurz. Ansonsten siehe Punkt eins.

4. Ich teile deine EinschĂ€tzung vollkommen. Im Bildungsbereich wird es dank riesiger Konkurrenz schwer. Im Archivwesen mĂŒsste ich schon nach speziellen Facharchiven suchen, von denen es so wenige geben wird... Oder eben Fachbibliothekar. Wobei das schon was Anderes ist als Archivar. Verwaltung erscheint da am realistischsten.

2. Ich denke, die Aussage mit Praktika nach dem Studium ist korrekt, gilt aber IMHO nicht fĂŒr die Zeit zwischen Bachelor und Master. Was deinem Plan einen Strich durch die Rechnung machen könnte, ist die Tatsache, dass seriöse Unternehmen keine Nichtstudenten als Praktikanten nehmen.
Ich spreche allerdings von Praktika/NebentÀtigkeiten im Studium.
3. Ich will dich zu nichts ĂŒberreden.
4. Ich denke nicht, dass es in der Verwaltung einfacher wird. Du bekommst enorme Konkurrenz durch beispielsweise Diplom-Verwaltungswirte und Juristen. Gerade Letztere drÀngen mit Noten von 7-8 Punkten massiv in die Verwaltung und sind dort gerne gesehen. Wenn du dorthin willst, bereite dich darauf vor. (Anstatt den Master in Soziologie könntest du den Diplom-Studiengang Verwaltungswirt machen.)


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Equinox
Beitrag 2. Jun 2012, 10:08
Beitrag #68


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2. Dass seriöse Unternehmen keine Nichtstudenten nehmen; hat das mit Versicherung oder irgendwas anderem Rechtlichem zu tun? Oder machen die das aus Verantwortung nicht?

Der Beitrag wurde von Equinox bearbeitet: 2. Jun 2012, 10:09


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BrĂŒhn
Beitrag 2. Jun 2012, 12:50
Beitrag #69


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QUOTE (Equinox @ 2. Jun 2012, 11:08) *
2. Dass seriöse Unternehmen keine Nichtstudenten nehmen; hat das mit Versicherung oder irgendwas anderem Rechtlichem zu tun? Oder machen die das aus Verantwortung nicht?

Die Intiative nennt sich "Fair Company". Sie soll die Ausbeutung von Absolventen verhindern, was prinzipiell eine gute Sache ist. Die Initiative verbaut allerdings denjenigen, die im Studium nicht knallhart "auf Beruf" studiert haben - durch entsprechende Praktika -, den Berufseinstieg. Unter anderem darum wĂ€chst der Markt fĂŒr Akademiker-Zeitarbeit.
Ich weiß selbstverstĂ€ndlich nicht, ob seriöse Unternehmen dich nicht eventuell doch als Praktikanten nehmen, da du ĂŒber eine entsprechende BegrĂŒndung verfĂŒgst. Ob sie es tun, fragst du spĂ€testens vor der Bewerbung ab. Besser noch rufst du zeitnah (nĂ€chste Woche) bei diversen Firmen an und erkundigst dich.

Einen positiv formulierten Spiegel-Artikel zur Akademiker-Zeitarbeit findest du hier.


Der Beitrag wurde von BrĂŒhn bearbeitet: 2. Jun 2012, 14:29


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