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Bigfoot
VirtualSelf
Beitrag 27. Feb 2009, 17:12
Beitrag #1


Vice Admiral
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Titel: Bigfoot
OT: Bigfoot
Story: Steve Niles & Rob Zombie
Zeichnungen: Richard Corben
Farben: Martin Breccia, Nestor Pereyra, Tom B. Long
Ü: Frank Neubauer
Lettering: Amigo Grafik
Ausstattung: 128 Seiten, HC, A5
ISBN: 978-3-936480-98-6
Verlag: Cross Cult, 2009



1974 muss der kleine William „Billy“ Fuller mit ansehen, wie auf einem Urlaubstrip in den Blackwood Mountain Nationalpark ein affenĂ€hnliches Wesen seine beiden Eltern niedermetzelt. Dreißig Jahre spĂ€ter wird Billy durch einen kleinen Zeitungsbericht ĂŒber verschwundene Personen daran erinnert, dass er sich seiner Vergangenheit stellen sollte, will seine Seele Frieden finden.
Den Kofferraum seines alten Autos voller Waffen macht er sich auf in den Nationalpark, um das Wesen, das weiterhin munter vor sich hin mordet, zu jagen und zu töten. Da den dortigen Deputys der waffenstarrende Mann nicht geheuer ist, landet Billy zunĂ€chst im GefĂ€ngnis. Dort gelingt es ihm, Sheriff Hicks – jenen Mann der vor 30 Jahren dazu beitrug, die Spuren des Mordes an Billys Eltern zu verwischen – durch einen Appell an dessen Gewissen zur Teilnahme an der Jagd zu bewegen.
So machen sich die beiden ungleichen MĂ€nner in Begleitung eines Hilfssheriffs auf die Jagd nach dem Menschenfresser


Nun denn! Drei KoryphĂ€en ... oder nein .. nennen wir sie lieber drei Stars (ein „Super“ mag man sich dazu denken ... oder auch nicht) des trashigen Horrors haben sich zusammen getan, um einem alten amerikanischen Mythos, dem Bigfoot, ein buntes Bilder-Leben einzuhauchen: Steve Niles, der als Autor von „30 Days of Night“ und „Freaks of the Heartland“ (als deutsche Ausgabe bei Cross Cult erschienen) fĂŒr Aufsehen sorgte, Rob Zombie, der umtriebige, vielbeschĂ€ftigte KĂŒnstler, dessen Name Programm ist, sowie der in die Jahre gekommene Richard Corben, der Russ Meyer der neunten Kunst.
Das Ergebnis der Zusammenarbeit der zwei nicht mehr ganz jungen und sicher nicht ganz wilden Autoren mit dem Grand Senieur der großen BrĂŒste und langen primĂ€ren mĂ€nnlichen Geschlechtsteile lĂ€sst sich – wertfrei betrachtet - zwar sehen (von Individuen mit funktionierenden Augen), erfreuen wird die Abarbeitung einer ollen Kamelle jedoch nur konservative Trashaholics, die in der Aneinandereihung von Klischees bzw. Stereotypen einen Wert an sich zu erkennen vermögen.

Niles und Zombies Story bietet dem horroraffinen Genrefan nichts, was er nicht schon in unzĂ€hligen Slasher-Filmen, Teeny-Horror-Soaps, Mystery-Serien, einschlĂ€gigen Comics und Romanen 100-fach gesehen oder gelesen hĂ€tte. Der Grundplot der vorhersehbaren, linearen, vollkommen unglaubwĂŒrdigen - ein großer Menschen fressender Affe, metzelt in einem County Touristen und Einheimische voller Elan nieder, verschafft sich nach getaner Arbeit in triumphierendem GebrĂŒll und Brustgetrommel Erleichterung, lufttrocknet Teile der toten Leute in einer Speisekammer und keiner der Eingeborenen scheint sich daran zu stören - Geschichte bietet weder eine einzige innovative Idee, noch stellt er eine neue, originelle Interpretation des Bigfoot-Mythos dar. Statt knackiger Frische gibt es TĂŒtensuppe aus Genre-VersatzstĂŒcken, die so verstaubt und simpel daherkommt, dass man sich fragt, weshalb zwei Autoren damit beschĂ€ftigt gewesen sein sollen, wenn diese Story doch auch einer wĂ€hrend der Wartezeit vor einer roten Ampel hĂ€tte schreiben können.

Dass so gut wie keine bedrĂŒckende, unheimliche AtmosphĂ€re aufkommen will, liegt nicht nur an der erzĂ€hlerischen Inkonti... kompetenz der Autoren, sondern auch am Artwork Corbens. Es ist in der Tat ein Faszinosum: der Mann ist mit seinem unverwechselbaren grafischen Stil seit Jahrzehnten eine feste GrĂ¶ĂŸe in der französischen und amerikanischen Comicindustrie, sein thematischer Schwerpunkt liegt schon lange im Bereich der Fantasy sowie des pulpigen Horrors und dennoch gelingt es ihm nur selten – und dann auch eher zufĂ€llig - so etwas wie Grauen in seinen Zeichnungen zu transportieren, da seine Figuren trotz aller visuellen VoluminositĂ€t auf Grund der fitzeligen, buchhalterisch wirkenden Schraffuren und ihrer Proportionen – den ĂŒbergroßen Köpfen, den lĂ€nglichen Gesichtern, der extrovertierten Mimik und den teilweise unbeholfenen Posen - durchweg eine satirische Unernsthaftigkeit ausstrahlen, welche die eigentlichen Bildaussagen stets konterkarriert.
Damit man mich nicht falsch versteht: ich liebe Corbens Stil; ich finde ihn interessant und amĂŒsant, manchmal sogar dĂŒster; nur furchteinflĂ¶ĂŸend sind seine Zeichnungen nicht. (Warum sagt das keiner dem alten Mann?)

Die hervorragende Ausstattung des Hardcoverbandes wird durch ein Kurzinterview Corbens sowie ein 7-seitiges Essay Christian Endres ĂŒber den Mythos „Bigfoot“ komplettiert, das spannender ist als die Comicgeschichte selbst.


Fazit: Anspruchsreduzierte Pulp- und Trash-Fans kommen auf ihre Kosten. Leser mit gediegeneren Vorstellungen davon, was ein gutes Comic auszeichnet, werden angesichts der ausgelutschten, trivialen Story dicke Backen machen.

Der Beitrag wurde von Deus Irae bearbeitet: 27. Feb 2009, 17:13


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kiss your face and touch your skin
I will slide my fingers in
let me show you what I can.


Mancher findet sein Herz nicht eher, als bis er seinen Kopf verliert.
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Mordred
Beitrag 1. Mar 2009, 14:13
Beitrag #2


Rear Admiral
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Richard Corben? Ist das Ding vielleicht als Persiflage konzipiert und die haben lediglich vergessen, das anzumerken?
Seinen Zeichenstil als interessant zu bezeichnen ist jedenfalls Ă€ußerst diplomatisch mrgreen.gif
IMO hÀngt die Wirkung seiner Arbeit stark von der QualitÀt des Plots ab.

Der Beitrag wurde von Mordred bearbeitet: 1. Mar 2009, 14:17
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