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Der Prinz mit den zwei Gesichtern, Garulfo #2
VirtualSelf
Beitrag 3. Jan 2010, 22:56
Beitrag #1


Vice Admiral
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Titel: Der Prinz mit den zwei Gesichtern
Serie: Garulfo, Band 2
OT: 3. Le prince aux deux visages, 4. L'ogre aux yeux de cristal
Text: Alain Ayroles
Zeichnungen: Bruno Ma√Įorana
Farben: Thierry Leprevost
√ú: Delia W√ľllner-Schulz & Tanja Kr√§mling
Lettering: Dirk Schulz
Ausstattung: HC, Albumformat, 104 Seiten
ISBN: 978-3-86869-047-7
Verlag: Splitter Verlag, 2009


Wie schon das erste Album der Reihe, vereint auch dieser nachfolgende Band zwei Geschichten, dessen erste mit „Der Prinz mit den zwei Gesichtern“ √ľberschrieben ist, w√§hrend die zweite den Titel „Der Oger mit den Kristallaugen“ tr√§gt.

Im Reiche Wunderwasser k√ľnden die Glocken von der Geburt des K√∂nigssohnes Ronaldo. Wie es in den Herrscherh√§usern solcher Gegenden Tradition ist, sollen drei Feen dem Knaben als Patinnen ihre Gaben mit auf den Lebensweg geben. Bedauerlicherweise lassen sich jedoch nur zwei solcher Wesen auftreiben, sodass man sich von elterlicher Seite gen√∂tigt sieht, eine Hexe als Ersatzspielerin einzuwechseln, in der Hoffnung, dass diese dem Knaben keinen Fluch anh√§ngt. Genau das tut sie aber – zumindest aus Sicht seiner Eltern - indem sie ihm die Gabe schenkt, seinen N√§chsten ungeachtet dessen Herkunft und Spezies zu achten.
Zwanzig Jahre sp√§ter: Ronaldo hat sich zu einem blonden, wundersch√∂nen, √ľberheblichen Arschloch entwickelt, das R√ľcksicht nur auf sich selber nimmt. Als er es eines Tages zu bunt treibt, holt ihn der Fluch der alten Frau ein und Ronaldo verwandelt sich in einen sprechenden Frosch. Schnell merkt er, dass man als kleine Amphibie in einem Schloss voller gro√üer Menschen und gemeiner Katzen keine allzu hohe Lebenserwartung hat. Er flieht in die Wildnis und gelangt nach allerlei Abenteuern in das Haus der Hexe.
In der Erwartung, dass Ronaldo seine Lektion gelernt hat, entflucht ihn die Alte, nur um festzustellen, dass der Prinz noch immer ein arroganter Schnösel ist. Also wird РHokuspokus Рder Fluch verlängert, wobei sich nun das ganze Ausmaß der Verwandlung offenbart: nicht nur, dass Ronaldo in einen Frosch verwandelt wird, sondern der Frosch Garulfo transformiert im gleichen Augenblick in den Prinzen Ronaldo, da - wie wir alle wissen Рdurch Magie nichts erschaffen, sondern lediglich alles in etwas anderes verwandelt wird (oder so ähnlich). Als sich Ronaldo der Frosch und Garulfo der Prinz kurz darauf begegnen, wird ihnen schnell klar, dass sie auf Gedeih und Verderb aneinander gekettet sind, wollen sie je ihren eigenen Körper wieder in Besitz nehmen.
W√§hrend Garulfo und Ronaldo versuchen, ihrer ungl√ľcklichen Lage Herr zu werden und sich dabei unter anderem mit lichtscheuem Gesindel rum√§rgern m√ľssen, hat Prinzessin Hermina ganz andere Sorgen: bei der Verfolgung eines diebischen Kobolds ist sie dem menschenfressenden Oger in die H√§nde gefallen, der seit kurzem die D√∂rfler des K√∂nigreichs Heidemond tyrannisiert. Gl√ľcklicherweise erweist sich der grobschl√§chtige Riese als √§u√üerst feinf√ľhliges, ja geradezu sch√∂ngeistiges Wesen mit einer poetischen Pr√§ferenz f√ľr kristallene Dinge, der nicht wirklich Menschen frisst ... hofft jedenfalls die Prinzessin.


Jemand, der wie ich seit mehreren Dekaden jedwedem Comic-Laster (in „passiver“ Form) fr√∂nt, ist leicht geneigt, anzunehmen, er habe schon alles gesehen und gelesen, bis eines Tages diese leicht br√§sige Selbstzufriedenheit j√§h zu Nichts zerbr√∂selt. Das ist der Tag, an dem dieser Jemand das Album „Der „Prinz mit den zwei Gesichtern“ in den H√§nden h√§lt.
Ich kann mich an kein einziges Comic erinnern – seien es frankobelgische Funny-Klassiker, die Geschichten der Disney-Schule oder sei es der eher subversive Underground -, bei dessen Lekt√ľre ich mehr gelacht habe als bei diesem zweiten Garulfo-Band.
Alain Ayroles und Bruno Ma√Įorana gelingt gemeinsam und mit Unterst√ľtzung des Koloristen Thierry Leprevost das Kunstst√ľck, ein Meisterwerk des Humors zu erschaffen, das mit seinem pr√§zisen Erz√§hltempo, welches f√ľr das Funktionieren von Komik so wichtig ist, den leichten, pointierten Dialogen sowie dem grandiosen Artwork, in dem jede K√∂rperhaltung, jede Mimik und jedes skurrile Detail perfekt sitzt, im Genre der „funny Comics“ eine herausragende Stellung einnimmt.
Besonders hervorgehoben sei in diesem Zusammenhang, dass der Autor √ľber das Aneinanderreihen von Sketchen und Gags nicht vergisst, eine beschwingte, leichte und leicht hintergr√ľndige Geschichte zu erz√§hlen, in welcher der gro√üe Zusammenhang ebenso von Bedeutung ist, wie die einzelne Szene.
Auch diesen zweiten Band rundetet ein weiterer kleiner, illustrierter Blick Alain Ayroles hinter die Kulissen in editorischer Hinsicht ab.


Fazit: Die perfekt (!) inszenierte Situationskomik, die lebhaften, sympathischen Figuren sowie eine leichte Hintergr√ľndigkeit machen „Der Prinz mit den zwei Gesichtern“ zu dem Genre-Highlight schlechthin. Gnadenlos witzig!


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kiss your face and touch your skin
I will slide my fingers in
let me show you what I can.


Mancher findet sein Herz nicht eher, als bis er seinen Kopf verliert.
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