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Die Nacht des Drachen, WoW
VirtualSelf
Beitrag 2. May 2009, 18:58
Beitrag #1


Vice Admiral
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Titel: Die Nacht des Drachen
Serie: World of Warcraft
OT: World of Warcraft: Night of the Dragon
Autor: Richard A. Knaak
Ü: Mick Schnelle
ISBN: 978-3-83332-1792-0
Seiten: 409
Verlag: PaniniBooks, 2009


In Grim Batol steppt der BĂ€r. An jenem unheimlichen Ort im Sumpfland, der als dĂŒsteres Mahnmal des Missbrauchs der roten Drachen durch die Orks traurigen Ruf unter den Völkern Azeroths genießt, erstarkt nach Jahrhunderten wieder das Böse. Die schwarze Drachenmagierin Sintharia und ihr blutelfischer Handlanger Zentarin versuchen mittels dunkelster Zauberei, eine neue Drachen-Rasse – die Zwielichtdrachen – zu erschaffen.
Doch ihre PlĂ€ne bleiben nicht unbemerkt. Eine junge Draenei-Priesterin hat, dem Ruf ihrer Meister folgend, den weiten Weg aus der Scherbenwelt auf sich genommen, um dem Bösen Einhalt zu gebieten. Auch der rote Drache Korialstrasz – in menschlicher Gestalt als Krasus bekannt – versucht, Grim Batols Geheimnis zu erkunden, obgleich er auf Grund einer perfiden Intrige Sintharias nicht auf der Höhe seiner Macht ist. Die Reihen der „Grim Batol-Pilger“ werden komplettiert durch eine Schar Zwerge, den blauen Drachen Kalecgos, die Hochelfin Vereesa und ihren Gatten Rhonin sowie ein erklĂ€gliche Anzahl von Raptoren. Obgleich sie sich alle den PlĂ€nen Sintharias und Zentarins entgegenstellen, ist es fraglich, ob ihre gebĂŒndelten KrĂ€fte denen der uralten schwarzen Drachin und ihrer neuen Brut gewachsen sind.


Mit aktuell 10 auf Deutsch veröffentlichten War- und StarCraft-Romanen gehört Knaak neben Christie Golden zu den Haus-und-Hof-Schreibern Blizzards. Sicherlich nicht ohne Grund, denn Knaaks Schreibstil ist plastisch, gefĂ€llig und locker, so dass auch jĂŒngere Fans durchaus nicht ĂŒberfordert werden, wenn sie das Buch dem heimischen PC wenigstens fĂŒr ein paar Momente vorziehen.
Bedauerlicherweise macht ein netter Stil noch keinen guten Roman; Knaak ist einer dieser Autoren, bei dem jedes Buch einer WundertĂŒte gleicht: entweder enthĂ€lt sie ein Spielzeugauto oder aber eine pinkfarbene Haarspange, mit der man allenfalls die kleine Schwester glĂŒcklich machen kann. Und „Die Nacht des Drachen“ gehört eher in die Kategorie „kaputte Haarspange“.

Dabei fĂ€ngt die Geschichte vielversprechend an: eine geheimnisumwaberte Draenei-Priesterin, Iridi, die mehr als nur die ĂŒbliche Warcraft-Heil-Hure darstellt, auf einer mystischen Suche sowie eine Handvoll Zwerge, denen der Arsch auf Grundeis geht. Doch das VergnĂŒgen ist von kurzer Dauer, da rasch so viele ĂŒbliche und unĂŒbliche VerdĂ€chtige mitmischen, dass den Leser zeitweise das GefĂŒhl beschleicht, in den Tunneln von Grim Batol gehe es zu wie in der tokioter U-Bahn zur Rush-Hour. Doch nicht nur die bloße Anzahl der Protagonisten geht auf des Lesers Zeiger; auch die aus der Masse resultierende ungenĂŒgende Charakterentwicklung bzw. -differenzierung der einzelnen HandlungstrĂ€ger stellt ein einziges Trauerspiel dar: pechschwarze oder reinweiße, hölzerne, eindimensionalen Figuren, wohin man schaut.
In atmosphĂ€rischer Hinsicht gleicht Knaaks Geschichte ebenfalls eher einem diĂ€tetischen Ultralight-Produkt denn einer sĂ€ttigenden Mahlzeit. Grim Batol kommt so bedrĂŒckend unheimlich rĂŒber wie der Kölner Rosenmontagszug kommentiert von einem thailĂ€ndischen Reisbauern und das Sumpfland ist ein sumpfiger Ort.
Was unterm Strich bleiben, sind vordergrĂŒndige und pathetisch vorgetragene Action sowie ein paar Namen – diesmal ist nur ein englischer Name (Stoneguider) den Argusaugen (nicht zu verwechseln mit der Arguswacht) des Übersetzers entgangen, sodass die Lokalisation tatsĂ€chlich kohĂ€rent wirkt -, die dem WoW-Fan das Höschen feucht werden lassen ... oder auch nicht.


Fazit: Ein routiniert und gefĂ€llig geschriebener Roman, dessen hauchdĂŒnne Story und hölzerne, eindimensionale Charaktere die anfĂ€ngliche Spannung letztlich im Sumpfland irgendwo zwischen Grim Batol und Menethil versickern lassen. Öde, dröge, langweilig!


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kiss your face and touch your skin
I will slide my fingers in
let me show you what I can.


Mancher findet sein Herz nicht eher, als bis er seinen Kopf verliert.
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