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Widerstand, ST-TNG-Roman
VirtualSelf
Beitrag 27. Dec 2009, 20:37
Beitrag #1


Vice Admiral
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Titel: Widerstand
Serie: Star Trek – The Next Generation
OT: Star Trek – The Next Generation: Resistance
Autor: J.M.Dillard
├ť: Bernd Perplies
ISBN: 978-3-941248-62-5
Seiten: 310
Verlag: CrossCult, 2009



Nach dem Fortgang Rikers und Trois auf die „Titan“ muss die Crew der Enterprise neu geordnet werden. F├╝r den vakanten Posten des ersten Offiziers hat Captain Picard den Klingonen Worf vorgesehen, w├Ąhrend dem Schiff als neuer Counselor von der Sternenflotte die in vielerlei Hinsicht untypische Vulkanierin T'Lana zugewiesen wird. Die Situation des Umbruchs wird dadurch kompliziert, dass Worf sich wie ein kleines M├Ądchen ziert und die Bef├Ârderung ablehnt, dass sich T'Lana nicht gerade als Ausbund an Herzlichkeit erweist und zudem grunds├Ątzliche Probleme mit Klingonen zu haben scheint und dass Jean-Luc ├╝belst unter Visionen leidet, welche ihm das Kommen einer neuen Borg-K├Ânigin ank├╝ndigen, an der versprengte Drohnen gerade „rumschrauben“.
Als aufrechter F├Âderationssoldat informiert er zwar die Sternenflotte in Person Kathryn Janeways ├╝ber seine Vorahnungen bez├╝glich der Borg, ignoriert allerdings ebenso herzlich deren Befehl, auf Verst├Ąrkung zu warten, und f├╝hrt die Enterprise unter Protest T'Lanas an jenen Ort, wo ihn sein siebenter Sinn das Kollektiv vermuten l├Ąsst.
Von der hirnrissigen Idee besessen, als Borg w├╝rde er leichter die im Entstehen begriffenen Queen innerhalb des gigantischen Kubus-Raumschiffs des Feindes orten k├Ânnen, l├Ąsst er sich von Crusher in Locutus verwandeln und beamt mit einem kleinen Au├čenteam an Bord des Feindes.
Die Mission schl├Ągt grandios fehl: das Team wird ausgel├Âscht und Picard/Locutus endg├╝ltig assimiliert.
Nun ist es an Crusher, Worf & Co, den Captain aus dem Kubus zu popeln, wobei es sich als fatal erweist, dass die Borg nicht l├Ąnger die freundlichen, assimilationsgeilen Drohnen von nebenan sind, als die man sie bisher kannte, sondern echt fiese Charakterz├╝ge in Richtung freudvolles Morden, Metzeln und Zerst├Âren an den Tag legen. Daher m├╝ssen die Retter in spe ganz tief in die f├Âderative Trickkiste greifen, um ├╝berhaupt eine Chance gegen diese n├Ąchste Generation bleichgesichtiger Cy-Borgs zu haben.


Nachdem „Tod im Winter“ von Michael Jan Friedman als verordneter Neu-Beginn des belletristischen TNG-Franchises schon keine Offenbarung frischer Ideen darstellte, sondern eher altbacken als modern, beh├Ąbig – ja geradezu tr├Ąge - als dynamisch daher kam, ist es nun an Jeanne Kalogridis alias J.M. Dillard die Serie in neue, in tiefere Abgr├╝nde zu f├╝hren. Dabei gestaltet sie die Demontage all dessen, was einem TNG-Fan je lieb und teuer war, so allumfassend, dass einem Verriss-geneigten Rezensenten die Freudentr├Ąnen aus den ├äugelein kullern.
Beginnen wir mit den Charakteren: exakt eine einzige Person des Dillard'schen Figuren-Kanons verk├Ârpert das, was man als objektiver Leser an Bord eines Raumschiffes wie der Enterprise erwarten darf: Professionalit├Ąt, die F├Ąhigkeit, rational abgewogene Entscheidungen zu treffen, sowie die Anerkenntnis von Hierarchien; und diese Person ist der neue Counselor T'Lana. Alle anderen – von Picard bis hin zu Worf – werden, „out of Series-Character“, als kindische, bestenfalls egozentrische Dilettanten gezeichnet, die um sich selbst und ihre pers├Ânlichen Probleme kreisen, zu rationalen Abw├Ągungen nur bedingt f├Ąhig sind, einer Art Corps-Geist folgen, sich Plattit├╝den um die Ohren knallen und ihr Ego ├╝ber das gro├če Ganze stellen.
Auf der Figurenseite sind nat├╝rlich auch noch die Borg zu erw├Ąhnen. Wer glaubte, mit der Diminutivierung dieser kosmischen Ur-Gewalt durch den Kino-Film „First Contact“ und die sp├Ątere Voyager-Serie sei das untere Ende der Fahnenstange erreicht, reibt sich angesichts der endg├╝ltigen Banalisierung durch Dillard erstaunt die Augen: aus der konzeptionell radikalsten und gesellschaftlich exotischten Spezies werden triviale 0815-Schurken, die nunmehr niedere und vor allem vollkommen ineffiziente Emotionen wie Rache oder Zerst├Ârungswut antreiben.
Zertr├╝mmerte Figuren und Konzepte sind das eine, eine unglaublich d├Ąmliche Story das andere. Dieses ganze Herz-Schmerz-Geseier kann ja noch ertragen (durch Ignorieren), auch weil es in Star Trek in der Vergangenheit jenseits des Technobabbels gerne mal humanoidelte; dass jedoch LaForge f├Âderative Tarntechnologie per Cheat-Eingabe aus dem Hut zaubert, Beverly in Nullkommanix ein Anti-Borg-Spray bastelt, und dass Picads als menschliches Tr├╝ffelschwein f├╝r Borg-Kuben und -Queens fungiert, wobei er unbedingt einen auf dicken Locutus machen muss, ist neben der Art und Weise, wie die beiden Au├čentrupp-Missionen von der Autorin plakativ bzw. unplausibel „designt“ sind, ein einziges gro├čes, intellektuelles Armutszeugnis, ein Ausdruck ├╝berw├Ąltigender Ideen- und Konzeptlosigkeit.


Fazit: Angesichts eines solchen Franchise-Roman-Desasters ist man geneigt, zu beten, zu flehen, zu fluchen und schlie├člich ersch├Âpft zu hauchen: Requiescat in pace, Star Trek!


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kiss your face and touch your skin
I will slide my fingers in
let me show you what I can.


Mancher findet sein Herz nicht eher, als bis er seinen Kopf verliert.
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