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Wiedergeburt, Silbermond ├╝ber Providence #2
VirtualSelf
Beitrag 3. Jan 2010, 22:51
Beitrag #1


Vice Admiral
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Titel: Wiedergeburt
Serie: Silbermond ├╝ber Providence, Band 2
OT: Lune d'argent sur Providence: Dieu par la racine
Text & Artwork: Eric Herenguel
├ť: Tanja Kr├Ąmling
Lettering: Delia W├╝llner-Schulz
Ausstattung: 64 Seiten, HC, Albumformat
ISBN: 978-3-940864-80-2
Verlag: Splitter Verlag, 2009



Nach den bestialischen Morden in der kleinen, in New Hampshire gelegenen Ortschaft Providence macht sich ein Lynch-Mob unter F├╝hrung Dixon Deadwoods auf die Menschenjagd nach dem indianischen Schmied der Stadt – Ironcloud -, den man f├╝r den Urheber des ├ťbels h├Ąlt, das ├╝ber die Menschen hereingebrochen ist. W├Ąhrend der Rest der Rotte mehr oder weniger im Dunkeln tappt, ist es lediglich der Sheriff des Ortes, James Stuart, der eine Ahnung davon hat, wo sich sein ehemaliger Freund aufhalten k├Ânnte. Alleine macht er sich auf zum Unterschlupf des Fl├╝chtigen, wird jedoch von Ironcloud ├╝berw├Ąltigt und gefesselt.
Mit der Warnung auf den Lippen, Stuart m├Âge die H├╝tte unter keinen Umst├Ąnden verlassen, egal, was er drau├čen h├Âre, verschwindet der Schmied in die Nacht. Kurz darauf h├Ârt Stuart die Ankunft einer kleinen Schar von J├Ągern, dann Sch├╝sse und dann nichts mehr. Als er endlich von Larkin, einem Sch├Ângeist und Poeten, befreit wird, bietet sich den beiden M├Ąnnern ein Anblick des Grauens: die zerfetzten K├Ârper ehemaliger Dorfbewohner liegen verstreut in der Gegend; Deadwood ist allerdings nicht dabei, denn der hat sich zusammen mit zwei Getreuen vorher abgesetzt, um die im Wald verschwundene Cathy Gatling (vgl. Band 1: Kinder des Abgrundes) zu suchen. Als die drei M├Ąnner die junge bewusstlose Frau finden, sind jedoch die mordenden Bestien nicht weit und Deadwood gelingt nur mit M├╝he, die junge Frau zur├╝ck in die Stadt zu schaffen.
Allm├Ąhlich kommt Licht in die Finsternis, die Providence umfangen h├Ąlt. Alte indianische G├Âtter, wahnsinnige, mordl├╝sternde Gemeindemitglieder und der alte Orden der Tempelritter geben sich in der kleinen, unscheinbaren Stadt ein Stelldichein, das nur in einer blutigen Katastrophe enden kann.


Entwickelte sich die Story des ersten Bandes noch relativ gem├Ąchlich – wenngleich dennoch au├čerordentlich intensiv -, da sie in erster Linie der Einf├╝hrung der Charaktere und dem Ausbreiten des Hintergrundes diente, so entfesselt Eric Herenguel in „Wiedergeburt“ einen wahren Orkan an furioser, packender und mitrei├čender Action, verkn├╝pft die Elemente des Westerns, des Horror- und des Mystery-Films zu einem faszinierenden, spannenden Bilderteppich, der zwar ruhige Momente aufweist, die jedoch nur dazu dienen, den Leser auf den n├Ąchsten Schrecken, die n├Ąchste unglaubliche Entdeckung vorzubereiten. Dass dabei selbst oft bem├╝hte Topoi wie bspw. die Tempelritter alles andere als abgeschmackt wirken m├╝ssen, ist eine der erstaunlichsten Erkenntnisse, die der Leser aus diesem Album zieht. Eine weitere ist, dass es Comics gibt, die einem Film in Bezug auf Dynamik und Intensit├Ąt in nichts nachstehen. Sowohl in der Entwicklung der Story, als auch im Artwork ist „Silbermond ├╝ber Providence“ Papier gewordenes Kino.
Die stimmungsvolle, leichte Koloration, die nahezu perfekt nicht nur mit Licht und Schatten spielt, sondern die unterschiedlichen Atmosph├Ąren auf den Punkt bringt, die dynamischen Seitenlayouts, die Schnitte und vielschichtigen Perspektiven sowie die hinsichtlich Physiognomie und Pose brillant in Szene gesetzten Charaktere stellen zusammen mit Anthony Jeans k├╝nstlerischer Arbeit an der Serie „Das Einhorn“und Virginie Augustins „Alim der Gerber“ (dt. beide ebenfalls bei Splitter) das Beste dar, mit dem das europ├Ąische phantastische Comic zur Zeit aufwarten kann.

Fazit: Ein intensives, hochspannendes und grandios visualisiertes Album, das einem Mystery-Western-Film so nahe kommt, wie es einem Comic nur m├Âglich ist. Ein Album, das jegliche Aufmerksamkeit mehr als verdient hat. Absolut brillant.


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kiss your face and touch your skin
I will slide my fingers in
let me show you what I can.


Mancher findet sein Herz nicht eher, als bis er seinen Kopf verliert.
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