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Der Dunkle Turm 1 - Der Revolvermann
VirtualSelf
Beitrag 27. Feb 2009, 17:27
Beitrag #1


Vice Admiral
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Titel: Der Dunkle Turm 1: Der Revolvermann
OT: The Dark Tower: The Gunslinger is Born
Idee und Gesamtleitung: Stephen King
Story und Beratung: Robin Furth
Skript: Peter David
Zeichnungen: Jae Lee und Richard Isanove
├ť: Wulf Bergner
Lettering: Delia W├╝llner
Ausstattung: 240 Seiten, HC, Albumformat
ISBN: 978-3-940864-21-5
Verlag: Splitter Verlag, 2009



Damit von Beginn an keine Zweifel aufkommen: ich bin kein Stephen King-Fan! Seine Romane sind (zu) oft umst├Ąndlich und langatmig erz├Ąhlt, konzeptionell bieder und b├╝rgerlich, voller Widerspr├╝che, mit h├Âlzernen Helden und holzschnitthaften Schurken. Als Roman-Zyklus konnte mich der „Dunkle Turm“ ebenso wenig fesseln wie andere apokalyptische oder postapokalyptische Storys des Vielschreiberlings, so dass mein Wissen ├╝ber den generellen Hintergrund des Comics rudiment├Ąrer Natur ist und auf nicht viel mehr als einem Anlesen bzw. Extrem-Quer-Lesen von – immerhin - f├╝nf B├Ąnden des Zyklus' beruht. Dass ich trotz meiner Abneigung gegen einen Autor, der vor allem dank eines aggressiven Hardcore-Marketings aus Schei├če Gold macht, einen Versuch mit „Der Dunkle Turm 1: Der Revolvermann“ wagte, hat zwei Gr├╝nde: erstens sch├Ątze ich Jae Lees grafischen Stil seit seiner Arbeit an Marvels „Namor the Sub-Mariner“ und zweitens mag ich bibliophile Comics. Doch nun genug der Vorrede.

In der „Dark Tower“-Welt des Stephen King, die der Autor in sieben, im Laufe von rund 30 Jahren geschriebenen Romanen vor uns ausbreitet, vereinigen sich Wild West-, Sword & Sorcery- und Urban Fantasy-Elemente zu einem postapokalytischen, d├╝steren Gem├Ąlde eines dahinsiechenden, alternativen Amerikas, wobei dieses Amerika weniger geografisch zu verstehen ist, als vielmehr als Sinnbild f├╝r den amerikanischen Mythos und die amerikanische Seele.
Der vorliegende Sammelband, in dem die sieben Comics der gleichnamigen Mini-Serie aus dem Jahre 2007 des Marvel-Verlags zusammengefasst sind, stellt explizit keine Einszueins-Adaption des schon bekannten Roman-Stoffes dar, sondern soll in der Art eines Prequels den „Dark Tower“-Kosmos um mehr oder weniger bedeutsame Details aus der Vergangenheit der Protagonisten erweitern.

Roland Deschain ist Sohn des Herrschers von Gilead, des Revolvermanns Steven Deschain. In seinem f├╝nfzehnten Lebensjahr fordert er in Folge einer Provokation durch den Hofmagier, Marten Broadcloak, des Mannes also, der mit seiner Mutter, Gabrielle Deschain, schl├Ąft, seinen Lehrer Cortland „Cort“ Andrus zu einem rituellen Kampf, in dessen Folge er entweder – siegreich – den Status eines Revolvermanns erringt, oder aber im Fall der Niederlage – und das ist Broadcloaks Plan – aus Gilead verbannt wird.
Wider Erwarten kann der Sch├╝ler seinen Meister bezwingen, doch Rolands Triumph ist nur von kurzer Dauer. Im Bewusstsein, dass Broadcloak am Hofe dunkle Intrigen spinnt, schickt Steven Deschain seinen Sohn zusammen mit dessen Freunden, Cuthbert Allgood und Alain Johns, in die Hauptstadt der benachbarten Baronie Mejis. In Hambry, so plant Steven, sind die Jungen erstens sicher, k├Ânnen zweitens als Pferdeh├Ąndler unter falschen Namen die Feinde Gileads sowie die Gefolgsleute des d├Ąmonischen Gegenspielers des Bundes der Revolverm├Ąnner, John Farsons, ausspionieren und drittens, falls sich die Gelegenheit bietet, eine der mystischen Kugeln aus Maerlyns Regenbogen erringen..
In Mejis begegnet Roland erstmals seiner gro├čen Liebe, Susan Delgado, f├╝r die das Schicksal zun├Ąchst die Rolle des zweiten Weibes des B├╝rgermeisters von Hambry vorgesehen hat. In jener Stadt ist es auch, wo die drei Jungen in einen t├Âdlichen Streit mit drei der Gro├čen Sargj├Ąger - Roy Depape, Clay Reynolds und ihrem Anf├╝hrer Eldred Jonas - geraten.
W├Ąhrend die Jungen versuchen, Licht in das Dunkel von John Farsons Pl├Ąnen zu bringen, trifft der aus Gilead geflohene Broadcloak in Hambry ein, um seine finsteren Intrigen weiter zu spinnen. Er ermordet B├╝rgermeister Thorin und schiebt Roland und seinen Gef├Ąhrten durch das Platzieren eines vermeintlichen Beweisst├╝ckes am Tatort den Mord in die Schuhe.
Und noch bevor die drei Jungen, deren B├╝ndnis durch Rolands Liebe zu Susan zunehmend belastet wird, sich schlie├člich den Schergen John Farsons in den Weg stellen k├Ânnen, wird weiteres Blut vergossen worden sein.


Auf der Ebene der Story bietet dieses Hardcover genau das, was ich bef├╝rchtet habe, obwohl nicht King selbst, sondern der umtriebige Autor Peter David mit Unterst├╝tzung von Kings rechter Hand, Robin Furth, die Feder gef├╝hrt hat. Oder war es umgekehrt? Egal! Am Ergebnis ├Ąndert das nichts.
Zun├Ąchst einmal erweist sich der Einstieg in die Geschichte f├╝r den Nichteingeweihten als - freundlich ausgedr├╝ckt – m├╝hsam. Nicht nur, dass zahlreiche Namen Ereignissen, Personen und Gesichtern zugeordnet werden wollen, auch grundlegende politische und religi├Âse Gegebenheiten k├Ânnen nur in Kleinstarbeit aus den Comic-Texten und dem redaktionellen Teil im Anhang des Sammelbandes extrahiert werden.
Der umst├Ąndliche, schw├╝lstige, pathetische Erz├Ąhlstil, von King als „Hohe Sprache“ bezeichnet und von Fans geradezu ekstatisch bejubelt, sowie die in den Narrative Boxes zu Tage tretende, nervt├Âtende Perspektive eines all- und besserwissenden Erz├Ąhlers, der der Handlung mal vor-, mal zur├╝ckgreift, macht f├╝r den Leser die Orientierung und Sinnfindung nicht einfacher.
Im Vergleich zu den stilistischen Extravaganzen kommt der Haupthandlungsstrang der Geschichte so simpel daher, dass man ihm problemlos folgen k├Ânnte, w├╝rde er sich nicht – King-typisch - in weitschweifigen Nebenplots verlieren, w├Ąren weniger Protagonisten beteiligt und w├Ąre die Sprache deutlich griffiger.
Die Figuren selbst sind Paradebeispiele f├╝r jene h├Âlzerne Eindimensionalit├Ąt, die so viele Werke des Autors auszeichnen. F├╝r Neueinsteiger in den Dark Tower-Kosmos bleiben die Beweggr├╝nde der Charaktere bestenfalls vordergr├╝ndig, schlechtestenfalls kindisch und albern, getragen von einem hohlen Pathos und Machismo. Mir pers├Ânlich gelang es im Laufe des Comics zu keinem Zeitpunkt, eine Beziehung zu der Figur „Roland Deschain“ aufzubauen, in der so etwas wie Sympathie oder Wertsch├Ątzung mitschwingen.

Das Artwork der beiden K├╝nstler – des Zeichners Jae Lee und des Koloristen Richard Isanove – ist zun├Ąchst einmal eines: beeindruckend!
Lees gekonntes Spiel mit Schatten und Verschattungen, das Tauchen von Szenen, von Gesichtern der Protagonisten in eine tiefe Finsternis oder beklemmende Halbfinsternis schafft eine d├╝stere Atmosph├Ąre, die gerade durch den offensichtlichen Kontrast der Zeichnungen zu der kr├Ąftigen, oft ins sureal M├Ąrchenhafte spielende Koloration Isanoves an Intensit├Ąt gewinnt. Meisterhaft beherrscht Lee Umgebung und Figuren, erschafft Emotionalit├Ąt, Intensit├Ąt und N├Ąhe durch sprechende, lebendige Gesichter und ausdrucksstarke Posen.
Dass der Funke zuweilen dennoch nicht ├╝berspringen will, liegt an zwei Dingen: zum einen wirken die Zeichnungen einzeln f├╝r sich betrachtet relativ statisch, d.h. eine Dynamik entwickelt sich erst aus der Anordnung und Abfolge der alles in allem „konservativ gestalteten“ Panels, zum anderen kommen die in der Regel zur├╝ckhaltenden Farbverl├Ąufe der Koloration visuell nicht gegen Lees grafische Tiefe an, so dass die Farbgebung auf Grund des Fehlens von deutlichen Texturen und Schraffuren oftmals fl├Ąchig und tot wirkt – ein Makel, der oft computergenerierten Kolorationen innewohnt.

Kommen wir abschlie├čend zur Aufmachung und Ausstattung des 240-seitigen Hardcoverbandes. Sowohl der umfangreiche redaktionelle Teil, der mit seinem Kartenmaterial und den acht Artikeln ├╝ber zentrale Aspekte des „Mittwelt“-Universums gerade f├╝r Einsteiger einen nicht zu untersch├Ątzenden Nutzen generiert, als auch die durchgehend brillante Qualit├Ąt des Drucks lassen keinerlei W├╝nsche offen.
Als problematisch hingegen erweist sich jedoch das Albumformat, das zwar typisch f├╝r den Splitter Verlag ist – und das im B├╝cherregal etwas hermacht -, das aber in vorliegenden Fall zuviel des Guten ist. Um es auf den Punkt zu bringen: die einzelnen Panels mit ihren satten, bunten, brillanten Farben und starken zeichnerischen Elementen erschlagen alleine auf Grund ihrer ├ťberdimensionierung den Leser in visueller Hinsicht, lassen die Gesamtkomposition der einzelnen Seiten auf Kosten der ohnehin schon zur├╝ckhaltenden Dynamik weiter in den Hintergrund treten (jedenfalls auf Lese-Entfernung) und erschweren die Zuordnung bzw. die Erfassbarkeit der oft schw├╝lstigen Texte sowohl der Narrative Boxes als auch der Sprechblasen.


Fazit: Trotz der exzellente Aufmachung und des fast monumentalen Artworks wegen der engen Verbindung zu den Kings Dark Tower-Zyklus nur f├╝r Liebhaber der Romane empfehlenswert, denn King-Abstinenzler werden Schwierigkeiten haben, sich im Hintergrund generell zurecht zu finden und zwischen der gro├čen Anzahl von Protagonisten nicht die Orientierung zu verlieren.


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kiss your face and touch your skin
I will slide my fingers in
let me show you what I can.


Mancher findet sein Herz nicht eher, als bis er seinen Kopf verliert.
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