IPB

Willkommen, Gast ( Anmelden | Registrierung )

> literatur.trekbbs.de

 
Reply to this topicStart new topic
Kinder des Abgrundes, Silbermond ├╝ber Providence #1
VirtualSelf
Beitrag 3. Jan 2010, 22:50
Beitrag #1


Vice Admiral
Gruppensymbol

Gruppe: Mitglied
Beiträge: 6.124
Beigetreten: 6. October 03
Wohnort: Dreamland
Mitglieds-Nr.: 30



Titel: Kinder des Abgrundes
Serie: Silbermond ├╝ber Providence, Band 1
OT: Lune d'argent sur Providence: les enfants de l'abîme
Text & Artwork: Eric Herenguel
├ť: Tanja Kr├Ąmling
Lettering: Delia W├╝llner-Schulz
Ausstattung: 72 Seiten, HC, Albumformat
ISBN: 978-3-940864-79-6
Verlag: Splitter Verlag, 2008



Wir schreiben das Jahr 1880. Die junge Miss Cathy Gatling trifft in der kleinen in New Hampshire gelegenen Ortschaft Providence ein, um den Nachlass des alten Spencer zu regeln.
Nach einer kurzen Vorstellung bei ihrer Pensionswirtin und einem ├╝beraus freundlichen Empfang dort, muss sie ihres Auftrags wegen den Sheriff des Ortes, einen gutm├╝tigen H├╝nen namens James Stuart, aufsuchen. Von ihm erf├Ąhrt Cathy, dass Spencer von einem Unbekannten ermordet wurde, wird zum Ort des Verbrechens gef├╝hrt und h├Ârt hier erstmalig von den ├Ąu├čerst seltsamen Umst├Ąnden des Todes; zugleich entspinnen sich zwischen der jungen Frau und dem verbal etwas unbeholfenen Stuart zarte, sachte Bande, fu├čend auf gegenseitiger Sympathie.
Kurz darauf gibt es erneut zwei Tote; und wieder sind die Umst├Ąnde seltsam: w├Ąhrend es sich bei dem eigentlichen Mord um einen Unfall zu handeln scheint, ist die Todesursache des zweiten Opfers augenscheinlich ein Herzanfall. Dennoch f├Ąngt die Stimmung in der Stadt an zu brodeln, beginnt der Pfarrer, die Angst der Menschen durch das Predigen apokalyptischer Szenarien anzuheizen.
Als schlie├člich der vierte Tote gefunden wird – diesmal ohne jeden Zweifel grausam ermordet und zwar quasi unter den Augen der ├ľffentlichkeit -, steht pl├Âtzlich der Sheriff im Mittelpunkt der allgemeinen Kritik, da er es offensichtlich weder vermag, den oder die T├Ąter zur Strecke zu bringen, noch die Bewohner Providences zu sch├╝tzen. Das Misstrauen der Menschen geht soweit, dass der B├╝rgermeister einen professionellen „Privatj├Ąger“ anreisen l├Ąsst, einen b├Âsartigen und skrupellosen Mann namens Dixon Deadwood, der sich vor allem durch seinen Hass auf Indianer und Schwarze auszeichnet.
Zum Eklat kommt es w├Ąhrend eines Dorffestes: der Schmied des St├Ądtchens, ein Indianer namens Ironcloud, versucht um den Ort der Lustbarkeit, eine alte Scheune, einen Schutzkreis zu ziehen und wird dabei von Deadwood ertappt. Nur Stuarts Eingreifen ist es zu verdanken, dass der J├Ąger den Indianer nicht sofort erschie├čt, wobei allerdings nicht verhindern kann, dass Ironcloud ├╝bel zusammen geschlagen wird. Bis auf Stuart scheint lediglich Cathy Mitleid mit dem Mann zu haben und hilft ihm, vom Ort des Geschehens fortzukommen. Aus Dankbarkeit schenkt ihr der Indianer ein Mondsteinamulett, dass sie vor den Monstern des Waldes sch├╝tzen soll.
Und nicht nur Ironcloud scheint mehr ├╝ber die Hintergr├╝nde der Morde zu wissen, auch andere Gemeindemitglieder scheinen in etwas Unheimliches involviert, das seinen Ursprung in einer anderen Welt haben k├Ânnte.


Dass ein exzellenter K├╝nstler sich auch auf das Schreiben spannender Comic-Geschichten versteht, kommt zwar ab und an vor, ist allerdings bedauerlicherweise immer noch selten. Eric Herenguel ist einer dieser Gl├╝cksf├Ąlle f├╝r das Genre, die in beidem – Texten und Zeichnen – Hervorragendes zu leisten verm├Âgen.
Sein Artwork ist schlichtweg von ├╝berw├Ąltigender Atmosph├Ąre: mit leichter Hand gezeichnete, lebendige, individuelle Figuren, stimmungsvolle, idyllische Landschaften und Stadtansichten, lebendige Perspektiven, Bildabwicklungen und Schnitte, die eine N├Ąhe zum Kino nicht verleugnen k├Ânnen, zahlreiche mit Bedacht gesetzte Details sowie eine abwechslungsreiche, kunstvolle Koloration, die sich schwerpunktm├Ą├čig zwar heller und pastellener T├Âne bedient, die aber auch vor kr├Ąftigen Farben nicht zur├╝ckschreckt, wenn es der szenische Kontext erfordert, bieten dem Auge des Betrachters eine F├╝lle, welche „Kinder des Abgrundes“ zu einem visuellen Hochgenuss macht.

Doch nicht nur in k├╝nstlerischer Hinsicht ist das Comic ein Highlight, auch die Geschichte selbst ist rundherum gelungen: ein stimmiger, spannend inszenierter Mix aus Krimi und Western mit starkem Mystery- bzw. Horror-Einschlag, sympathische oder wenigstens interessante Figuren, lockere nat├╝rliche Dialoge sowie ein Vielzahl von Geheimnissen, die sowohl ethnologischen, als auch „cthuloiden“ Hintergrunds sein k├Ânnten, lassen keinerlei Langeweile aufkommen.

Editorisch abgerundet wird das Album durch einen Blick in Herenguels Skizzenbuch, in dem er nicht nur explizit auf die grafische Entwicklung der Monster eingeht, sondern der auch zahlreiche weitere Hintergrundinformationen f├╝r den interessierten Leser bereit h├Ąlt.


Fazit: Ein hochspannender Genre-Mix aus Western, Krimi und Horror, der den Leser auch wegen des grandiosen Artworks von der ersten Seite in den Bann schl├Ągt.


--------------------


kiss your face and touch your skin
I will slide my fingers in
let me show you what I can.


Mancher findet sein Herz nicht eher, als bis er seinen Kopf verliert.
Go to the top of the page
 
+Quote Post

Reply to this topicStart new topic
1 Besucher lesen dieses Thema (Gäste: 1 | Anonyme Besucher: 0)
0 Mitglieder:

 



RSS Vereinfachte Darstellung Aktuelles Datum: 12. December 2019 - 19:14