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Siegfried, Siegfried #1
VirtualSelf
Beitrag 3. Jan 2010, 22:52
Beitrag #1


Vice Admiral
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Titel: Siegfried
Serie: Siegfried, Band 1
OT: Siegfried
Text & Artwork: Alex Alice
├ť: Tanja Kr├Ąmling
Lettering: Delia W├╝llner-Schulz
Ausstattung: HC, Albumformat, 72 Seiten
ISBN: 978-3-940864-18-5
Verlag: Splitter Verlag, 2008



In seinem „Siegfried“-Zyklus nimmt sich der Szenarist und K├╝nstler Alex Alice, welcher mit seiner Arbeit an der Comicalben-Reihe „Das dritte Testament“ f├╝r Furore sorgte, des gro├čen deutschen Nationalepos' an, wobei er sich weniger an den mittelhochdeutschen Texten des beginnenden 13. Jahrhunderts orientiert, als vielmehr der Wagner'schen Adaption respektive Interpreation dieses gewichtigen Werkes.

Am Anbeginn der Zeit unterstellt der G├Âttervater Odin alles Existierende seiner Lanze mit Ausnahme eines Klumpen Goldes, der seinem Besitzer absolute Macht verleiht und ihn gleichzeitig emotional versklavt.
Da dieses verfluchte Metall das einzige ist, was seine Herrschaft bedrohen k├Ânnte, schleudert Odin es in den tiefsten Fluss und stellt als H├╝terin seine Tochter ab, welche in einem st├Ąndigen Ringen den das Gold begehrenden Nibelungen Fafnir - das schw├Ąchste und h├Ąsslichste Wesen seiner Rasse - in seine Schranken weisen muss. Als jedoch eines Tages des G├Âttervaters Tochter in Liebe zu einem Menschen entflammt, gelingt es Fafnir, das Metall an sich zu rei├čen. W├Ąhrend der Dieb in Folge des Fluchs des Goldes langsam dem Wahnsinn verf├Ąllt, zu einem Drachen mutiert und so sein Volk schlie├člich zwingt, sich in alle Winde zu zertreuen, fliehen die G├Âttin und ihr Geliebter vor Odin bis an die Grenzen der Welt, k├Ânnen jedoch der Rache des ein├Ąugigen Wanderers nicht entkommen.
Der Allvater erschl├Ągt den Mann, nimmt seiner Tochter ihre g├Âttliche Macht und l├Ąsst sie sterbend zur├╝ck. Die dem Tode Geweihte geb├Ąrt noch am Ort des Massakers einen Knaben, den sie mit ihrem letzten Atemzug einem zuf├Ąllig vorbeikommenden Nibelungen - dem Schmied Mime – anvertraut.
Unter Obhut Mimes, der sich Siegfrieds – so der Name des Kleinen – in Unkenntnis des G├Âtterurteils angenommen hat, entwickelt sich der Junge zu einem regelrechten Wildfang, der voller ├ťbermut in den tief verschneiten W├Ąldern weitab der Menschen mit den W├Âlfen jagt und ansonsten seinem Vater hilfreich zur Hand geht.
Doch je ├Ąlter Siegfried wird, desto mehr Fragen stellt er sich bez├╝glich seiner Herkunft. Visionen einer ephemeren Frau, traumatische Erfahrungen in der Natur sowie das Auffinden des zerbrochenen Schwertes seines wahren Vaters entfremden ihn zusehends von Mime, w├Ąhrend der Schmied seinerseits von Odin gezwungen wird, den jungen Mann dahingehend zu beeinflussen, dass er sich dem Drachen Fafnir stellt, um ihn zu erschlagen.
In einem Akt des Aufbegehrens, einer Art Katharsis schmiedet Siegfried schlie├člich das zerbrochene Schwert neu, um in den vom intriganten Odin gewollten Kampf zu ziehen.


Mit „Siegfried“ ist Alice ein wahrhaft furioser und beeindruckender Auftakt gelungen, der nicht nur hinsichtlich der Story, sondern auch in Bezug auf das Artwork ohne jeden Zweifel zum Besten geh├Ârt, was das Comic im Bereich epischer Fantasy zu bieten hat.
Inhaltlich bedient sich der Autor zwar zentraler Motive aus Wagners Ring-Trilogie, stellt sie jedoch in einen eigenen, in einen modernen und deutlich j├╝ngeren Kontext, fokussiert in einer freien Interpretation der Vorlagen auf die Entwicklung und Emanzipation Siegfrieds. Gleichzeitig gelingt es ihm, die mythologischen Wurzeln des Epos' spannend und in wenigen Szenen so auf den Punkt zu bringen, dass Jugendliche wie Erwachsene gleicherma├čen einen treffenden Eindruck davon erhalten; ├╝berhaupt sind Knappheit und Stringenz der Texte ein markantes Merkmal von Alices Geschichte, die zu einem gro├čen Teil weniger ├╝ber die Texte als vielmehr ├╝ber die Bilder entwickelt.

Das Artwork ist schlichtweg atemberaubend. Grandios tiefe ganz- oder sogar doppelseitige Bilder, Panelabwicklungen, die sich in ihrer Lebendigkeit und der Blickf├╝hrung ganz der Ma├čgabe der jeweiligen Szenen unterordnen und dadurch beeindruckend vielseitig sind, der vage an Mangas erinnernde Pathos in der Figurenzeichnung sowie die ├Ąu├čerst stimmungsvolle Koloration in der sich immer wieder die Dichotomie von Feuer und Eis widerspiegelt, welche f├╝r den mythologischen Hintergrund der Geschichte von zentraler Bedeutung ist, rei├čen den Leser f├Ârmlich in die Story hinein.

Fazit: Leichter und fesselnder kann man sich einem angestaubt-dumpfen, mythologischen Stoff nicht n├Ąhern. ├ästhetisch und inhaltlich brillant!




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kiss your face and touch your skin
I will slide my fingers in
let me show you what I can.


Mancher findet sein Herz nicht eher, als bis er seinen Kopf verliert.
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