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Alphonse, Das goldene Jahrhundert, Band 1
VirtualSelf
Beitrag 9. Sep 2009, 18:49
Beitrag #1


Vice Admiral
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Titel: Alphonse
Serie: Das goldene Jahrhundert, Band 1
OT: Le Grand Siecle: Alphonse
Text & Artwork: Simon Andriveau
├ť: Resel Rebiersch
Lettering: Delia W├╝llner-Schulz
Ausstattung: HC, Albumformat, 48 Seiten
ISBN: 9783868690385
Verlag: Splitter Verlag, 2009





Simon Andriveau f├╝hrt uns in seiner Geschichte nach Frankreich in das 17. Jahrhundert, genauer in das Jahr 1666. Seit f├╝nf Jahren herrscht am franz├Âsischen Hofe nach dem Tod Kardinal Mazarins alleinig mit absolutistischer Macht Louis XIV, der Sonnenk├Ânig. Doch der Glanz und Pomp des Hofes interessieren den Tagel├Âhner Alphonse herzlich wenig. Er, der ein keifendes Eheweib und ein kleines G├Âr sein Eigen nennt, ertr├Ągt seine Frau und das Jammertal des Lebens nur, indem er dem Alkohol fr├Ânt und einmal im Monat den Blick auf die wundersch├Âne Tochter des Ritters Beaumont erhascht. Und dieser Zeitpunkt ist wieder gekommen, denn Alphonse monatliche Warenlieferung f├╝r den Ritter steht an.
Gerade als der Tagel├Âhner mit seinem Handkarren das Anwesen erreicht, durchbricht ein markersch├╝tternder Schrei die Stille. Alphonse st├╝rzt ans Fenster des Gutshauses und sieht drei finstere Gestalten – ein Mann namens Moplai sowie zwei Mordbuben -, die das M├Ądchen und den Vater auf der vergeblichen Suche nach einem geheimen, das K├Ânigshaus kompromittierenden Dokument schon umgebracht haben und sich nun des kleines Sohnes Beaumonts entledigen wollen. In einem Augenblick, als die M├Ârder abgelenkt sind, l├Ąsst Alphonse sein ganzes bisheriges Leben hinter sich, ergreift todesmutig den Kleinen und flieht, verfolgt von den T├Ątern, in die W├Ąlder.
Mit knapper Not k├Ânnen sie ihren H├Ąschern entkommen und finden zun├Ąchst Schutz bei einer Roma-Sippe, die sich selbst von M├Ârdern wie Moplai und seinen Schergen nicht einsch├╝chtern l├Ąsst. Doch auch wenn das Leben dort f├╝r kurze Zeit Frieden und Ruhe verspricht – abgesehen von einigen wenigen Anfeindungen gegen├╝ber den „Gadje“ -, ist die Gefahr f├╝r die Zeugen des Mordes nicht gebannt, denn die Auftraggeber der Untat sitzen in den h├Âchsten Kreisen und wissen Soldaten zu mobilisieren. Zudem will sich der ob des Fehlschlages bei seinem Herren in Ungnade gefallene Moplai mit seiner Niederlage nicht abfinden und schmiedet einen eigenen Plan.


F├╝r den 1978 in Reims/Frankreich geborenen Simon Andriveau stellt „Das Goldene Jahrhundert“ sein Comic-Deb├╝t dar. Dass es sich bei dem K├╝nstler und Autor in Personalunion nicht um einen autodidaktischen „Amateur“ handelt, sondern um einen akademische gebildeten K├Ânner mit Animations-Erfahrung, wird allerdings schon nach wenigen Seiten deutlich, denn das Artwork ist sowohl in Zeichnung als auch Koloration extraordin├Ąr.
Mit vergleichsweise sparsamen, exakten Strichen entwirft Andriveau seine einzigartigen Charaktere, die sich vor allem durch ihre markanten, ausdrucksstarken, lebendigen Gesichter auszeichnen. Dabei legt er weniger Wert auf einen naturalistischen Anstrich um jeden Preis, als vielmehr auf das Einfangen von Emotionen. Hierf├╝r opfert er zuweilen den zweifelsohne vorhandenen Realismus zugunsten einer leichten – niemals karikierenden - ├ťberzeichnung insbesondere der Augen- und Mundpartien.
Die detailreichen Hintergr├╝nde, stimmige Accessoires und Ambiente sowie eine lebhafte, sich zwar an nat├╝rlichen Farben orientierende, aber leicht ins D├╝stere spielende Koloration lassen das 17. Jahrhundert vor den Augen des Lesers aufleben, wobei insbesondere die architektonischen Bildelemente von bestechender Authentizit├Ąt sind.

Die Story selbst ist ein klassisches, zwar einfach konstruiertes, aber um so spannenderes, von lebendigen und/oder sympathischen Charakteren getragenes Mantel-und-Degen-Abenteuer, in dem geschichtliche und literarische Anspielungen – die Schlacht von Rocroi, der Mann mit der eisernen Maske, u.a. – historisierend den authentischen Hintergrund der Geschichte betonen.

Die editorische Qualit├Ąt entspricht zwar alles in allem dem gehobenen Splitter-Standard, allerdings scheint mir der Druck insgesamt etwas zu dunkel geraten, so dass Farbnuancen und -kontraste ged├Ąmpft wirken.


Fazit: Ein in erz├Ąhlerischer und k├╝nstlerischer Hinsicht rundum gelungenes Comic-Deb├╝t Simon Andriveaus. F├╝r Freunde exzellent gezeichneter historischer Abenteuergeschichten eine unbedingte Empfehlung.


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kiss your face and touch your skin
I will slide my fingers in
let me show you what I can.


Mancher findet sein Herz nicht eher, als bis er seinen Kopf verliert.
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