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Wie soll man gegen Jugendgewalt vorgehen?, Härter strafen, härter therapieren? Gleich erschiessen?
Voivod
Beitrag 25. Feb 2010, 12:13
Beitrag #1


Admiral
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In M√ľnchen l√§uft bald der Prozess gegen die Schweizer Halbstarken, die vor ein paar Monaten w√§hrend einer Klassenfahrt fast ein paar Leute umgebracht h√§tten. Aus "Spass".

http://www.tagesanzeiger.ch/zuerich/region.../story/19537044

Die Vorgeschichte dieser Jungs ist schon bezeichnend. Sie haben schon fr√ľher sinnlos zugeschlagen. Die "Bestrafung" war sehr milde. F√ľrs Brechen eines Nasenbeins zehn Tage Arbeitsdienst.

Ich frage mich, wie man gegen solche Dinge vorgehen sollte. Der Bauch sagt nat√ľrlich, dass h√§rtere Strafen ausgesprochen werden sollten, schon beim ersten Gewaltdelikt. Ich meine, da brichst du einem fremden anderen Jungen einfach so das Nasenbein und musst nicht mal f√ľr ein paar Tage hinter Gitter.... Auf der anderen Seite ist mir schon klar, dass z.B. ein Jugendknast noch mehr kriminalisiert und abstumpft. Ausserdem ist so ein Kurzaufenthalt in einem Knast f√ľr jugendliche Schl√§ger doch fast schon eine Auszeichnung, mit der sie vor ihren Kumpels prahlen k√∂nnen.

Ich denke, man sollte schon beim ersten Gewaltdelikt ziemlich dreinfahren. Dem Jugendlichen ein f√ľr allemal klarmachen, dass solches Verhalten nicht tolerierbar ist. Gleich beim ersten Vergehen, auch wenn der Schl√§ger erst 13 ist! Also nicht ein bisschen gemeinn√ľtzige Arbeit... Weh tun w√ľrde den Kerlen sicher, ihnen eine sehr hohe finanzielle Strafe aufzuerlegen. Eine, die richtig wehtut, √ľber mehrere Jahre. Harte Therapien halte ich auch f√ľr sinnvoll. Nicht Weichsp√ľltherapie mit wohlmeinenden Jugendhelfern aus kirchlichen Kreisen. √úber sowas lachen sich die Schl√§ger doch nur kaputt. Ich habe mal einen Film √ľber eine Therapie gesehen, die in D bei jugendlichen Schl√§gern erfolgreich ist. Da wird brutal hart konfrontiert und zuerst mal der Wille gebrochen von knallharten Therapeuten, welche die Szene kennen und auch Attribute haben, welche jugendliche Schl√§ger akzeptieren: Muckis, Kampfsportausbildung... Die harten Jungs aus der Hiphopszene haben nach ein paar Tagen geheult wie achtj√§hrige M√§dchen... Problem: Das kostet eine Stange Geld und der Erfolg ist nicht garantiert! Und warum Geld der √∂ffentlichen Hand ausgeben f√ľr solche Arschl√∂cher? Also besser verknasten bei Wasser und Brot!? confused4.gif

Auch die Eltern sollte man einbeziehen. Wenn ihr 16-jähriger Bub andere spitalreif schlägt, sollten auch sie heftig finanziell belangt werden. Immerhin haben sie bei der Erziehung sträflich versagt. Und wenn's um den eigenen Geldbeutel geht, werden die meisten Leute aufmerksam, das ist nun mal so.

Das ist ein sehr verzwicktes Problem. Wie gesagt, Knast bringt nichts, gemeinn√ľtzige Arbeit noch weniger... Auf der anderen Seite sollte man aber mal von der T√§terperspektive wegkommen und als Wohl der Allgemeinheit denken. So gesehen geh√∂ren brutale Schl√§ger einfach weggesperrt, egal, ob dies nun einen positiven oder negativen Effekt auf die T√§ter hat. Die Sicht der Opfer scheint hier in der CH jedenfalls niemanden zu interessieren. Da wirst du an einem Abend im Jugendtreff zusammengeschlagen, und wenn du ein paar Tage sp√§ter aus dem Krankenhaus kommst, siehst du deinen Peiniger wieder auf der Strasse und er lacht dir ins Gesicht. Das ist doch grunds√§tzlich absurd und macht w√ľtend! Wir hatten in meiner Jugend auch einschl√§gig bekannte Brutalos in der Stadt, von denen hat fast jeder mal eins auf die Nase gekriegt oder wurde bedroht oder ausgenommen. Die Kerle waren aber immer wieder anzutreffen, obwohl sie bestimmt zig mal auf dem Polizeirevier landeten...

Was meint ihr?

Bei erwachsenen Gewaltt√§tern und Wiederholungst√§tern stellen sich mir diese Fragen gar nicht. Die geh√∂ren einfach weggesperrt. Gewalt ist einfach widerlich. Von diesen Leuten muss die Gesellschaft gesch√ľtzt werden. Da ist mir eigentlich ziemlich wurscht, ob den T√§tern jegliche Perspektive geraubt wird. Am besten so ein Knast wie bei "Flucht aus Absolom". Bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist es halt noch etwas anderes. Da kann man evtl. noch etwas machen. Aber wenn einer wiederholt Leute zusammenschl√§gt im Erwachsenenalter, hat er IMO jegliche Chancen verspielt. Irgendwann sollte einfach Schluss sein.

Edit: Das Problem hat in der CH noch eine ganz andere Dimension: Die Rechte monopolisiert das Thema. Sie fordert drakonische Strafen. Die Leute m√∂gen das nat√ľrlich. Ich rechne deshalb mit weiteren Stimmengewinnen der Rechtsnationalen bei den n√§chsten Wahlen. "Weg mit der linken Kuscheljustiz!" ist nun mal ein toller Slogan... sad.gif Gerade junge W√§hler, die im Ausgang st√§ndig angemacht werden von den √ľblichen Verd√§chtigen, werden dann halt der SVP ihre Stimme geben.

Der Beitrag wurde von Voivod bearbeitet: 25. Feb 2010, 12:22
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VirtualSelf
Beitrag 25. Feb 2010, 14:12
Beitrag #2


Vice Admiral
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Immer aus Maul und gut ist.
Deshalb machen meine Kinder Kampfsport (Taekwondo und Boxen) und haben explizit die Erlaubnis zur√ľck zu pr√ľgeln, treten und notfalls zu stechen.



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Voivod
Beitrag 25. Feb 2010, 14:39
Beitrag #3


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ZITAT(VirtualSelf @ 25. Feb 2010, 14:12) *
Immer aus Maul und gut ist.
Deshalb machen meine Kinder Kampfsport (Taekwondo und Boxen) und haben explizit die Erlaubnis zur√ľck zu pr√ľgeln, treten und notfalls zu stechen.


Hhhm, sich verteidigen zu k√∂nnen, ist schon mal nicht schlecht. Allerdings kann man dann auch besser angreifen... Es gab mal eine Studie √ľber gewaltt√§tige Jugendliche in der CH, und daraus wurde ersichtlich, dass gerade in Kampfsport geschulte Kids h√§ufiger zuschlagen. Auch diejenigen, die asiatischen Kampfsport machen, was wirklich bedenklich ist.

Bei jungen Albanern hier ist Kickboxen eh Volkssport. Ich weiss nicht, ob da deine Kids eine Chance h√§tten, v.a. wenn die Schl√§ger in der Gruppe kommen... Aber um sich Mobbern in der Schule zu erwehren, daf√ľr sollte es schon reichen. Solange du sie dazu erziehst, NICHT zuerst zuzuhauen, sehe ich kein Problem.

Ich habe schon √∂fters geh√∂rt, dass Eltern ihre Kids vermehrt schon ganz fr√ľh Kampfsport betreiben lassen, damit sie sich "wehren" k√∂nnen sp√§ter in der Schule. Sind wir schon soweit, dass dies n√∂tig ist? "Besser, mein Kind teilt aus als steckt ein, da ist schliesslich Krieg da draussen"? Schon eine bedenkliche Entwicklung, IMO!
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stupidus
Beitrag 25. Feb 2010, 14:44
Beitrag #4


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ZITAT("Voivod")
Die Sicht der Opfer scheint hier in der CH jedenfalls niemanden zu interessieren. Da wirst du an einem Abend im Jugendtreff zusammengeschlagen, und wenn du ein paar Tage sp√§ter aus dem Krankenhaus kommst, siehst du deinen Peiniger wieder auf der Strasse und er lacht dir ins Gesicht. Das ist doch grunds√§tzlich absurd und macht w√ľtend! Wir hatten in meiner Jugend auch einschl√§gig bekannte Brutalos in der Stadt, von denen hat fast jeder mal eins auf die Nase gekriegt oder wurde bedroht oder ausgenommen. Die Kerle waren aber immer wieder anzutreffen, obwohl sie bestimmt zig mal auf dem Polizeirevier landeten...


Das ist auch genau das Problem, weshalb v.a. in Schulen die Opfer die Täter nicht melden. Denn man weiß, dass, wenn man zum Lehrer geht, derjenige trotzdem an der Schule bleibt, und einem weiterhin schaden kann. Außerdem muss man im Falle, dass man petzt, mit Racheakten rechnen. Deshalb werden solche Schlägertypen auch nie belangt, und verlieren sämtliche Hemmungen zuzuschlagen, denn sie wissen ja, das ihnen nichts passiert. Man hat hier also einen Teufelskreis.

M√∂gliche L√∂sungsidee w√§re, gewaltt√§tige Jugendliche ans andere Ende des Landes "zwangs zu versetzen". Die Opfer k√∂nnen dann T√§ter melden, da sie wissen, dass sie dadurch vor den T√§tern gesch√ľtzt werden, und die T√§ter merken, dass ihre Taten Konsequenzen haben.


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Voivod
Beitrag 25. Feb 2010, 17:10
Beitrag #5


Admiral
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ZITAT(stupidus @ 25. Feb 2010, 14:44) *
ZITAT("Voivod")
Die Sicht der Opfer scheint hier in der CH jedenfalls niemanden zu interessieren. Da wirst du an einem Abend im Jugendtreff zusammengeschlagen, und wenn du ein paar Tage sp√§ter aus dem Krankenhaus kommst, siehst du deinen Peiniger wieder auf der Strasse und er lacht dir ins Gesicht. Das ist doch grunds√§tzlich absurd und macht w√ľtend! Wir hatten in meiner Jugend auch einschl√§gig bekannte Brutalos in der Stadt, von denen hat fast jeder mal eins auf die Nase gekriegt oder wurde bedroht oder ausgenommen. Die Kerle waren aber immer wieder anzutreffen, obwohl sie bestimmt zig mal auf dem Polizeirevier landeten...


Das ist auch genau das Problem, weshalb v.a. in Schulen die Opfer die Täter nicht melden. Denn man weiß, dass, wenn man zum Lehrer geht, derjenige trotzdem an der Schule bleibt, und einem weiterhin schaden kann. Außerdem muss man im Falle, dass man petzt, mit Racheakten rechnen. Deshalb werden solche Schlägertypen auch nie belangt, und verlieren sämtliche Hemmungen zuzuschlagen, denn sie wissen ja, das ihnen nichts passiert. Man hat hier also einen Teufelskreis.

M√∂gliche L√∂sungsidee w√§re, gewaltt√§tige Jugendliche ans andere Ende des Landes "zwangs zu versetzen". Die Opfer k√∂nnen dann T√§ter melden, da sie wissen, dass sie dadurch vor den T√§tern gesch√ľtzt werden, und die T√§ter merken, dass ihre Taten Konsequenzen haben.


Ich weiss nicht, ob dein Ansatz praktikabel ist. Wohin mit den Pr√ľglern? Zu Gastfamilien? wink.gif Es stimmt aber, dass die Brutalos einfach Konsequenzen sp√ľren m√ľssen. Es muss ihnen "weh tun". Und die Opfer m√ľssen gesch√ľtzt werden. Die heutigen Gesetze, insbesondere das Jugendstrafrecht, stammen wohl noch aus friedlicheren Zeiten. Klar wurde fr√ľher auch √ľbel gepr√ľgelt, vielleicht sogar h√§ufiger, aber IMO ist die Entwicklung neu, dass man auch noch gegen den Kopf tritt, wenn der "Gegner" schon am Boden liegt. Die "Qualit√§t" der Gewalt hat schon zugenommen.

An den Schulen sollte einfach eine Nulltoleranzpolitik herrschen. Gleich am ersten Schultag sollte der Sch√ľlerschaft mitgeteilt werden, dass jegliche Gewaltakte sofort der Polizei gemeldet werden. Und die muss dann halt auch aufkreuzen. Gewalt muss als "uncool" gebrandmarkt werden, mit den Sch√ľlern gewaltverherrlichende Musik besprochen werden, etc... Einfach wegschauen bringt nichts. Und wenn pl√∂tzlich Bullen ins Schulzimmer einfahren und einen 14-J√§hrigen einkassieren, macht das evtl. schon ein bisschen Eindruck. Bei uns war das jedenfalls noch der Fall. Da ging es aber ums Dealen mit Gras! laugh.gif Ok, die Bullen sollten nicht bei jeder Rauferei kommen m√ľssen, aber wenn Blut fliesst, w√§re das schon nicht schlecht...

Ich bin jedenfalls froh, dass den Pr√ľglern von M√ľnchen in Deutschland der Prozess gemacht wird. In der Schweiz m√ľssten sie wohl nicht mal in den Knast, h√∂chstens ins Heim f√ľr ein Jahr oder so. In Deutschland werden sie AFAIR wegen versuchtem Mord angeklagt. Richtig so, denn mit den K√∂pfen anderer Menschen Fussball zu spielen IST versuchter Mord. Das sollte sogar ein abgestumpfter, degenerierter M√∂chtegerngangster kapieren.

Der Beitrag wurde von Voivod bearbeitet: 25. Feb 2010, 17:21
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Adm. Ges
Beitrag 25. Feb 2010, 21:09
Beitrag #6


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Ich sehe das Problem eher in der medialen Verbreitung. Das Publikum f√ľr sowas ist viel gr√∂√üer als fr√ľher und damit nat√ľrlich auch der erwartete "Ruhm". Brutale √úbergriffe gabs auch in den letzten Jahrzehnten schon, aber die mediale Pr√§senz war deutlich geringer.

Was mich vor allem st√∂rt ist der Fakt, dass die Polzei die T√§ter zwar direkt auf frischer Tat ertappen kann, sie aber nach Aufnahme der Personalien wieder freillassen, bzw. an die Eltern √ľbergeben muss. Ich h√§tte nix dagegen, wenn die √ľber Nacht in U-Haft behalten werden d√ľrften. Was dann einige Gerichte ablassen ist nur noch traurig. Im Erstfall hab ich nix gegen Sozialstunden, diese sollten aber wie Bew√§hrung z√§hlen. Wenn innerhalb einer bestimmten Zeit ein "R√ľckfall" kommt, dann gehts ins Caf√© Viereck.
Als Problem wird ja auch die lange Bearbeitungszeit gesehen. Hier in Berlin gibts ein Pilotprojekt, wo eine engagierte Jugendrichterin besondere Problemfälle zugeteilt bekommen hat und IMMER dieselben Intensivtäter betreut. Da gibts das Urteil dann auch innerhalb von 3 Monaten - wenns schnell geht schon nach 3 Wochen. Das Projekt ist recht erfolgreich, weil die Kosequenzen recht schnell folgen.

Der vorhandene Strafrahmen ist IMO ausreichend, er m√ľsste nur ausgesch√∂pft werden.

Die Idee von Stupidus hat auch durchaus etwas, denn dadurch werden solche Typen ihrem sozialen Umfeld entzogen. Hilft nat√ľrlich nur was, wenns denen um Anerkennung in der Clique geht.


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Beitrag 25. Feb 2010, 22:09
Beitrag #7


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ZITAT(Voivod @ 25. Feb 2010, 14:39) *
Ich habe schon √∂fters geh√∂rt, dass Eltern ihre Kids vermehrt schon ganz fr√ľh Kampfsport betreiben lassen, damit sie sich "wehren" k√∂nnen sp√§ter in der Schule. Sind wir schon soweit, dass dies n√∂tig ist? "Besser, mein Kind teilt aus als steckt ein, da ist schliesslich Krieg da draussen"? Schon eine bedenkliche Entwicklung, IMO!


Ach Gott .. hätten die Juden 1938 alle Kampfsport gekonnt, wäre das Ganze eventuell etwas glimpflicher abgelaufen.
Nicht nur deshalb sehe ich medial aufbereitete Gewalt-Exzesse relativ entspannt. Gewalt gab es schon immer, nur war sie fr√ľher erstens weniger interessant in Hinblick auf die Medien-Quote und zweitens existierte diese gutmenschliche Betroffenheitskultur nicht, in der viele √∂ffentlich beklagen und zu Hause die Kinder verpr√ľgeln.


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Bir'kher
Beitrag 25. Feb 2010, 22:24
Beitrag #8


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Ich hab ja oft das Gef√ľhl, dass die Jungs wirklich auch mal nen Gegner haben m√ľssen (insofern ist Nephs Vorgehensweise keine schlechte Idee: Wenn die Jungs unerwartet selber eins auf die Fresse kriegen, vielleicht auch wiederholt, lernen sie's vielleicht).
Was ich mittlerweile bei meinen Nachtdiensten gelernt hab, dass es da irgendwie auch zwei Typen von Schl√§gern gibt: Die einen, die besoffen aggressiv werden (wenn ein Deutscher mit 14 zum ersten Mal besoffen und nach Schl√§gerei ins Krankenhaus kommt und dann in den folgenden Jahren immer wieder mit derselben Situation aufschl√§gt, der muss auch mal harte Konsequenzen erfahren) - und die anderen, die keine andere Alternative kennen: Ein 18j√§hriger T√ľrke (nein, t√ľrkisch-st√§mmiger Deutscher), den ich nach ner Schl√§gerei ger√∂ngt habe, war v√∂llig ersch√ľttert, als ich ihm im (√ľbrigens v√∂llig normalen und entspannten) Gespr√§ch (wenn die wollen, k√∂nnen sie n√§mlich auch locker sein) verraten habe, dass ich mich noch nie gepr√ľgelt habe. Er kannte keine Alternative. Und dem muss man helfen - und nicht in den Knast stecken.


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stupidus
Beitrag 25. Feb 2010, 22:54
Beitrag #9


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ZITAT("Bir'kher")
Er kannte keine Alternative. Und dem muss man helfen - und nicht in den Knast stecken.


Das ist tats√§chlich ein Problem. Ich habe mal w√§hrend einer Busfahrt ein Gespr√§ch zwischen ein paar sch√§tzungsweise 13-J√§hrigen mitbekommen. Genau im selben Tonfall, wie sich √ľber verschiedene regionale Fu√üballmannschaften unterhalten haben (und damit meine ich ganz normale, friedliche Gespr√§chsatmossph√§re), haben sie sich auch dar√ľber unterhalten, wer an ihrer Schule wen schl√§gt, wen sie schon alles geschlagen haben usw.
Das hat mich schon etwas geschockt, dass Gewalt f√ľr diese Jugendlichen anscheinend etwas ganz normales allt√§gliches ist.


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Voivod
Beitrag 25. Feb 2010, 23:13
Beitrag #10


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ZITAT(Bir'kher @ 25. Feb 2010, 22:24) *
Er kannte keine Alternative. Und dem muss man helfen - und nicht in den Knast stecken.


W√ľrdest du auch so denken, wenn er dir oder einer deiner Verwandten auf dem Kopf rumgetrampelt w√§re, weil er sich schr√§g angeguckt f√ľhlte? Das ist genau die Fixierung auf den armen T√§ter, die ich so seltsam finde. Mir jedenfalls w√§re es schnurzegal, ob er er einen gewaltverherrlichenden Umfeld aufwuchs, und ich w√ľrde ihn gern bestraft sehen, und zwar nicht zu knapp. Ich bin nicht Jesus, ich w√ľrde ihm nicht verzeihen. Therapieren kann man ihn auch im Knast, soweit das m√∂glich ist (da habe ich meine Zweifel). Und bevor man √ľberhaupt nur daran denken soll, irgendwas f√ľr den T√§ter zu tun und ihm helfen zu wollen, geh√∂rt dem Opfer geholfen. Und zwar mit dem Geld des T√§ters.

@Nephi: Ach so, alles mediale √úbertreibung... Gewalt gab es schon immer... Im Grunde "normal" und auch ok... Geh√∂rt halt zum Menschsein, ab und zu grundlos eine in die Fresse zu kriegen. Warum sich also aufregen? *kopfsch√ľttel*
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Kobi
Beitrag 25. Feb 2010, 23:18
Beitrag #11


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vor einiger Zeit lief im Fernsehen ein Bericht √ľber einen spanischen Richter der f√ľr Jugendliche zust√§ndig ist. Der hat den Ansatz die Kiddies zu genau dem zu verdonnern, was sie pers√∂nlich nicht wollen oder wo sie in Kontakt mit Opfern kommen (ich erinnere mich daran, dass er eine Schl√§gerin verdonnert hat als Praktikantin im Krankenhaus zu arbeiten).

Bei uns in Bremen (wei√ü gerade nicht ob nur Bremen) wird diskutiert, ob man neuartige Strafen erarbeiten kann wie zum Beispiel den Entzug des F√ľhrescheins f√ľr junge Heranwachsende. Da halt ein Auto in der Altersklasse als Prestigeobjekt gilt und der Verlust halt das Image mehr besch√§digt als eine Knastzeit sogar das Gegenteil bewirkt.

Das ganze funktioniert nat√ľrlich nicht mit den ganz extremen Schl√§gern und wenn die Personen zu jung sind, kann ist es halt nicht effektiv. (Man k√∂nnte allenfalls bei den U18-Kriminellen im Vorfeld ein F√ľhrerscheinverbot ab 18 aussprechen.)


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Adm. Ges
Beitrag 26. Feb 2010, 00:03
Beitrag #12


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Ein gro√ües Problem sind auch die nicht strafm√ľndigen U14-Intensivt√§ter, die es ja leider auch gibt. In der Hinsicht ist dringend eine Anpassung n√∂tig, um hier die Herausnahme aus dem Umfeld zu erleichtern.

@Voiv: 1. Knast ist teuer - woher soll das Geld daf√ľr kommen?
2. Welches Geld vom Täter? Die gehören meist nicht grundlos zu Randgruppen. Da ist oft nix zu holen.


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Bir'kher
Beitrag 26. Feb 2010, 00:25
Beitrag #13


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ZITAT(Voivod @ 25. Feb 2010, 23:13) *
ZITAT(Bir'kher @ 25. Feb 2010, 22:24) *
Er kannte keine Alternative. Und dem muss man helfen - und nicht in den Knast stecken.


W√ľrdest du auch so denken, wenn er dir oder einer deiner Verwandten auf dem Kopf rumgetrampelt w√§re, weil er sich schr√§g angeguckt f√ľhlte?


Darum geht es nicht. Aber die Tatsache, dass er keine Alternative zum Zuschlagen kannte, ist das IMO Ersch√ľtternde. Diesem Menschen die Werkzeuge an die Hand (bzw. ins Hirn) zu geben, Konflikte gewaltfrei zu l√∂sen, sollte das Ziel sein. Und nein, ich versp√ľre kein Rachebed√ľrfnis.
Andererseits, zugegeben: Die Leute, die ich während meiner Arbeit "kennenlerne", sind wahrscheinlich auch nicht die Intensivtäter, die andere Leute totschlagen, sondern eher die, die sich zwar mal n paar in die Fresse geben, aber danach auch wieder Ruhe geben, wenn einer auf dem Boden liegt.
Wenns um die Intensivt√§ter geht, die andere ins Koma bzw. in den Tod pr√ľgeln, wei√ü ich auch nicht wirklich einen Rat. Allerdings glaube ich, dass man da schon von "Mord" bzw. "versuchtem Mord" als Anklagepunkt ausgehen kann. Und jemanden so schwer zu verletzen, dass er stirbt, ist keine Tat im Affekt. Dann sind die Leute eben lebensl√§nglich weg, evtl. sogar mit Sicherungsverwahrung.

@Kobi: Das mit dem F√ľhrerschein ist sicherlich ne gute Sache, aber die Strafe muss m√∂glichst Zeitnah erfolgen, d.h. ein 16- oder 17j√§hriger, der noch nie einen F√ľhrerschein hatte, wird eher keine Hemmungen davor haben, n F√ľhrerscheinentzug zu bekommen. Wartet man halt noch n Jahr l√§nger, auch egal. Aber wer ihn hatte, kann glaub ich auch mit Entzug sp√ľrbar bestraft werden.


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Voivod
Beitrag 26. Feb 2010, 00:41
Beitrag #14


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ZITAT(Adm. Ges @ 26. Feb 2010, 00:03) *
Ein gro√ües Problem sind auch die nicht strafm√ľndigen U14-Intensivt√§ter, die es ja leider auch gibt. In der Hinsicht ist dringend eine Anpassung n√∂tig, um hier die Herausnahme aus dem Umfeld zu erleichtern.

@Voiv: 1. Knast ist teuer - woher soll das Geld daf√ľr kommen?
2. Welches Geld vom Täter? Die gehören meist nicht grundlos zu Randgruppen. Da ist oft nix zu holen.


Klar ist Knast nicht billig. Aber immer noch billiger als ein Aufenthalt in einem luxuri√∂sen Jugendheim. Aber ich gebe zu, ich bin da etwas hin- und her gerissen. Einerseits sehe ich schon ein, dass so ein Knastaufenthalt nicht viel bringt. Andererseits muss Strafe halt sein, wenn jemand einem anderen Schaden zuf√ľgt. In der CH ist ja gerade das Problem, dass die jugendlichen Gewaltt√§ter wissen, dass ihnen kaum etwas passiert, auch wenn sie jemanden schwer verletzen. Da brauchts Konsequenzen. Ok, man kann einem jungen T√§ter das Auto wegnehmen, weil er jemanden ins Krankenhaus gepr√ľgelt hat. Das tut ihm vielleicht weh, weil er jetzt vor seinen Kumpels wie ein Idiot dasteht, da in seiner Szene einer ohne ne Karre nichts wert ist. Doch ist Autoentzug wirklich eine angemessene Strafe f√ľr K√∂rperverletzung? F√ľr mich sind Gewaltverbrechen viel schlimmer einzustufen als z.B. Betrug oder auch Diebstahl. Ein Verbrechen gegen Leib und Leben muss darum auch viel h√§rter bestraft werden.

Och, die Kohle f√ľr die Therapie des Opfers sollte soweit m√∂glich schon vom T√§ter stammen. Und wenn er unter 18 ist, halt von seinen Eltern. Wenn er ein Auto hat, (auch viele Mitglieder von sog. "Randgruppen" haben eins) muss er dieses halt verkaufen. Klar sollte er noch genug Kohle zum Essen kaufen haben, aber der Rest geh√∂rt IMO demjenigen, den er gesch√§digt hat. Eben z.B. f√ľr Arztkosten oder eine Therapie. (Einfach so zusammengeschlagen werden im Ausgang kann schon seelische Spuren hinterlassen u.U.) Ich kann mir vorstellen, dass dies den Schl√§ger zur Raison bringen k√∂nnte, mal finanziell ein paar Monate untendurch zu m√ľssen. Wenn du jetzt sagst: "Aber die leben doch eh alle schon von Hartz4, auch ihre Eltern!", l√§sst mich das kalt und best√§tigt nur meine schlimmsten Vorurteile... wink.gif Arme Opfer des Systems, kein Job, kein Geld, schlimme Jugend, schlechte Bildung, darum schlagen sie drein aus lauter Frustration... Die Armen! *sob* Ne, so ist einfach ist es eben nicht! Da wird zugunsten des T√§ters quasi jegliche Schuld wegargumentiert. Die Schweizer Schl√§ger in M√ľnchen kamen alle aus geordneten Verh√§ltnissen, btw.

Irgendwie kommt mir es so vor, dass einige Poster in diesem Thread einen Angriff auf Leib und Leben gar nicht so dramatisch finden wie ich. Und statt den T√§ter zu bestrafen, soll ihm erstmal "geholfen" werden. Das machen wir in der CH schon seit 30 Jahren, doch die Zust√§nde werden immer schlimmer. Wo bleibt die Genugtuung f√ľr das Opfer? Ich halte auch nicht viel von Law and Order-Fanatismus, aber die T√§ter mit Samthandschuhen anzufassen bringt einfach gar nichts, wie die Erfahrung zeigt. Und wenn Therapie, dann auf die Art wie im OP geschildert.

Wie ist es denn, wenn drei junge Neonazis einen T√ľrken verkloppen? Sollte man die auch nicht ins Gef√§ngnis stecken? Vielleicht haben sie ja auch nie gelernt, sich zu artikulieren und kennen nur Faustrecht unsure.gif Ich sehe jedenfalls keinen Unterschied, ob drei Ausl√§nder einen Deutschen einkreisen, ihn als Scheissdeutschen beschimpfen und ihn verpr√ľgeln, oder ob Neonazis einen Ausl√§nder klatschen. Ich k√∂nnte mir aber vorstellen, dass die Neonazis h√§rter bestraft werden f√ľrs gleiche Verbrechen... Weil ein Neonazi halt gesellschaftlich ohne weiteres als "b√∂se" abgestempelt werden darf. Bei einem Schl√§gert√ľrken (bei uns sind's die Kosovoalbaner) muss man da schon vorsichtiger sein, sonst w√§re man ja ausl√§nderfeindlich. Naja, egal, soll hier keine Ausl√§nderdebatte entstehen. Nur so als Gedankenanstoss... wink.gif

Der Beitrag wurde von Voivod bearbeitet: 26. Feb 2010, 01:09
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Bir'kher
Beitrag 26. Feb 2010, 15:57
Beitrag #15


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Bitte sortiere mich nicht unter die "Verharmloser" ein, Voi. Ich hab "nur" zwei F√§lle von lebensbedrohlicher Gewalt gegen andere Personen in direkter Erinnerung aus meiner Berufserfahrung. Das eine war ein Ehepaar, bei dem sie auf ihn mit nem Messer und er auf sie mit nem Hammer losgegangen ist - Punktsieg f√ľr ihn, ich wei√ü nicht, ob sie's √ľberlebt. Auf jeden Fall ist sie ein Auge los. Ach ja, er war 66, sie 60. Die andere Sache war eine Pr√ľgelei unter Russendeutschen, bei dem einer ne Gehirnblutung erlitten hat. Aber ich habe noch keinen Fall von v√∂llig durchgedrehter Jugendgewalt erlebt. Vielleicht tr√ľbt das ja mein Urteilsverm√∂gen. Aber bisher kannten (soweit ich das beurteilen konnte) alle Schl√§ger, die ich kannte, die Grenzen. Das es Leute gibt, die die Grenzen (z.B. auf einen am Boden liegenden wird nicht mehr eingeschlagen) nicht kennen, ist ein Problem der Gesellschft und keins, was durch harte Strafen ge√§ndert werden kann.


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Selbst Chuck Norris schafft es nicht, mit Schalke Meister zu werden!
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RSS Vereinfachte Darstellung Aktuelles Datum: 23. September 2019 - 18:48