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Foolkiller - Paradies der Narren
VirtualSelf
Beitrag 25. Jun 2009, 14:18
Beitrag #1


Vice Admiral
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Titel: Foolkiller – Paradies der Narren
OT: Foolkiller – Fool's Paradise
Autor: Gregg Hurwitz
Zeichnungen: Lan Medina
Farben: June Chung, Andy Troy
├ť: Uwe Anton
Lettering: RAM
Ausstattung: SC mit Faltcover, 132 Seiten
ISBN: -
Verlag: PaniniComics, 2009



Nate McBride arbeitet als Geldeintreiber f├╝r das Internet-Wettb├╝ro „Two-in-a-bush-dot-com“. Als er 120.000 Dollar unterschl├Ągt und einen Teil der Summe verspielt, schickt ihm sein Arbeitgeber einige Kollegen vorbei, die nicht lange fackeln.
Sie foltern Nate, vergewaltigen und ermorden die Ehefrau, bringen die kleine Tochter ebenfalls um und stellen dem Dieb ein Ultimatum: sollte es Nate nicht gelingen, innerhalb eines Monats das unterschlagene und verspielte Geld aufzutreiben, so wird auch die ├Ąltere Tochter, welche in einem Krankenhaus auf ein Spenderherz wartet, get├Âtet.
Verzweifelt und hilflos mach sich McBride auf die Suche nach dem Foolkiller, einem Vigilanten, der Menschen, die er f├╝r Narren h├Ąlt – Betr├╝ger, M├Ârder und andere Verbrecher -, auf grausamste Art zu t├Âten pflegt; und er hat Gl├╝ck im Ungl├╝ck: der Foolkiller erkl├Ąrt sich – anscheinend aus Sentimentalit├Ąt - bereit, Nate zu verschonen und stattdessen die harten Jungs aus den Reihen von „Two-in-a-bush“ hinzurichten.
W├Ąhrend sich der psychopathische M├Ârder und sein schwarzer Kampfhund in der Hierarchie nach oben metzeln, ist der Chef der Organisation jedoch nicht unt├Ątig. Er l├Ąsst einen Profikiller namens Sichelmond einfliegen, damit dieser unscheinbare Mann Nate und seiner Tochter den Garaus macht.


Obgleich der Foolkiller in unterschiedlichen Inkarnationen schon ab den 70'er Jahren des letzten Jahrhunderts durch das Marvel-Universum geisterte und 1990 sogar eine eigene zehnteilige Mini-Serie erhielt, war die Figur niemals mehr als eine Rand-Notiz, ein vollkommen unbedeutender und nicht sonderlich publikumswirksamer Charakter.
Dieses Mauerbl├╝mchen-Dasein endete erst im Jahre 2007 mit der Neu-Interpretation der Figur durch Hurwitz und sein Art-Team – Medina, Chung und Troy – im Rahmen des MAX-Imprints des Marvel-Verlags, welches explizit f├╝r erwachsene Leser konzipiert wurde. Dabei hat der Erfolg des Relaunches, der dem Charakter nach „Fool's Paradise“ mittlerweile eine weitere Miniserie, „White Angels“, bescherte, drei Namen: simple Story, explizite Gewalt und realistisches Artwork.

„Paradies der Narren“ ist eine einfach konstruierte, stereotype Rache-Geschichte, ein „Selbstjustiz ist geil“-Machwerk, in dem ein Soziopath entweder andere Soziopathen oder einfach nur Menschen, die er f├╝r Abschaum bzw. Narren h├Ąlt, umbringt.
Das Ganze geschieht quasi im motivationslosen Raum, auch wenn wir in der Vita Mike Traces nebenbei etwas ├╝ber eine diffuse Schuld erfahren, denn soziopathische Irre bed├╝rfen keiner anderen Motive als Lust am T├Âten.
Damit sich der geistig gesunde Leser nicht voller Ekel von dem sadistisch mordenden Hauptprotagonisten abwendet, ist es n├Âtig, dessen Handeln zu relativieren, indem man ihn auf noch sadistischere Gegenspieler treffen l├Ąsst. Damit sind die Eskalation der Gewalt und der Grausamkeit, die dieses Comic wie ein roter Faden durchziehen, schon im Konzept der Figur angelegt.
Besonders ├╝bel st├Â├čt hierbei auf, dass sich der Autor zu keinem Zeitpunkt von der primitiven, moralisch absto├čenden Rache-Ideologie distanziert – z.B. durch satirische ├ťberzeichnung -, sondern – im Gegenteil – den M├Ârder heroisiert bzw. vermenschlicht und die Taten selbst durch ihre Inszenierung ├Ąsthetisiert.
Ohne jetzt in eine soziologische oder sozial-psychologische Diskussion abgleiten zu wollen, sei mir dennoch eine Bemerkung erlaubt: in einer Gesellschaft, die solche Helden geb├Ąrt – und der Foolkiller ist bei Weitem nicht der einzige „Held“ dieser Couleur -, l├Ąuft etwas moralisch gewaltig schief. Angesichts dieses Machwerks w├Ąchst mein Bedauern, dass es f├╝r Comics keine FSK-Einstufung gibt und sich einige Verlage Cover-Hinweise wie „Empfohlenes Lesealter 16+“ schenken (d├╝rfen).

Schlie├čen wir mit etwas grunds├Ątzlich Erfreulichem: Das Artwork Medinas, Chungs und Troys ist bestechend! Hochrealistische Figuren, ein detailreiches Ambiente sowie der malerische und dennoch konstrastreiche Stil mit seinen gedeckten und ins Pastellene spielenden Farben verleihen jeder blutigen Szene eine geradezu cineastische Authentizit├Ąt.


Fazit: Ein primitives und primitiv konzipiertes Comic f├╝r Freunde plakativer Gewalt und Grausamkeiten, das seine Wirkung nicht zuletzt durch das realistische Artwork entfaltet.


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kiss your face and touch your skin
I will slide my fingers in
let me show you what I can.


Mancher findet sein Herz nicht eher, als bis er seinen Kopf verliert.
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